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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Famulatur Psychiatrie?



Caldesmon
07.09.2013, 11:42
Könnt ihr mal beschreiben, auf welcher Station ihr wart und was ihr so machen durftet.
Gern auch ein paar Berichte von der Psychiatrie des Uniklinikums Dresden (habe leider keinen im Unterforum Famulaturen gefunden).

tortet
08.09.2013, 10:47
Akutstation: Nix... der Grossteil bestand im Mitlaufen und Zuschauen. Und endlosen Besprechungen lauschen, in denen immer dasselbe über die Patienten erzählt wurde. Natürlich "durfte" man auch mal eine Viggo bei einer akut psychotischen, sehr unruhigen Patientin legen.

Caldesmon
08.09.2013, 11:42
Auch keine Blutabnahmen???

fangzahn
08.09.2013, 12:05
Ich war auf einer Station für Persönlichkeitsstörungen:

Danebensitzen: beim Arztgespräch, gelegentlich bei Aufnahmegesprächen, bei verschiedenen Gesprächsrunden, bei der Visite, bei der Supervision, Morgenrunde, Mitmachen bei Ergotherapie, Körpertherapie, Maltherapie, Fallvorstellung mit vorbereiten. Elektrokonvulsionstherapie.

Morgens immer Blutabnehmen.

Allein kann man fast nichts machen. Bei den Einzelgesprächen ist man idR nicht dabei. Weil es jede Menge Psychologiepraktikantinnen gab, war mir die Diagnostik bis auf ein mal leider versperrt (es sollen nicht mehr als 2 auf Therapeutenseite dabei sein). Da es aber viele Gesprächsrunden und andere Gemeinschaftsaktivitäten für die Patienten gibt lernt man schon was und es macht auch Spass. Gleichzeitig ist es recht entspannend und das Team ist gerade bei der DBT darauf geschult, Spannungen untereinander sofort abzubauen, was für spätere eigene Arbeit, egal wo, bereichernd ist.

Die größte Herausforderung bei der Famulatur (und das ist kein Witz) bestand darin, nicht einzuschlafen in den Gesprächsrunden.

holly.mccoy
08.09.2013, 15:43
Hallo,

Durfte auf offener Station v.a. bei Patienten mit Depressionen z.T. auch ganz alleine Patientengespräche führen. In 'Arztbegleitung' auch die initialen Anamnesen zur Erstvorstellung.
Sonst bei den Therapien dabei sein und viel Visiten mit laufen. Und die internen Weiterbildungen für die AssÄrzte. Da es in Stadtroda auch eine forensische Psychiatrie gibt war es recht interessant.
Ich war seit Jahren der erste Famulant und man hat sich sehr bemüht. Hin und wieder ein wenig ratlos, aber wenn man gesagt hat 'Ich mach Das.', dann durfte man meist auch.

tortet
08.09.2013, 19:17
Auch keine Blutabnahmen???

Doch, sicher... Blutentnahmen wirst Du immer machen "dürfen". Auch wenn es eigens dafür eingestellte Arzthelferinnen gibt. Wenn Du Pech hast, bleiben alle auf Dir hängen - nervt auf Dauer.

Caldesmon
08.09.2013, 19:20
Ich denke man darf da auch nicht mit falschen Erwartungen rangehen. Psychiatrie ist ja nicht Chirurgie :D und dementsprechend weniger praktisch

EKT
08.09.2013, 20:57
Ich denke man darf da auch nicht mit falschen Erwartungen rangehen. Psychiatrie ist ja nicht Chirurgie :D und dementsprechend weniger praktisch

Wie bitte? Psychiatrie ist in hohem Maße "praktisch". Das "Handwerkszeug" allerdings ist der Arzt selbst, sowohl in Diagnostik als auch in Therapie - in seiner Haltung, seiner Sprache, seiner Allgemeinbildung, seinem Fachwissen, seiner Stimme und Stimmung und in vielem mehr!

Colourful
08.09.2013, 21:03
Ja, und das ist für einen Famulanten sehr viel schwieriger zu verstehen und anzuwenden, als im OP einen Haken zu halten und eine Naht zu nähen/tackern.

Ich fand meine erste Psychiatriefamulatur auch ziemlich langweilig, anstrengend und total interessant gleichzeitig, weil ich auch erstmal ganz langsam da den richtigen Umgang mit den Patienten und Krankheitsbildern finden musste und man da natürlich verständlicherweise erstmal unsicher ist. Ich meine, wie soll man das auch lernen? Wir alle wissen ja, wie wir auf einen Patienten mit V.a. KHK zugehen, welche Fragen wir stellen und was wir da untersuchen müssen. Das ist ja ziemlich klar, dafür ist der Ablauf klar geregelt, und die Ergebnisse sehr schnell objektivierbar.
Zumindest schneller als bei einem Patienten mit einer schizoaffektiven Psychose, da ist es erstmal sehr viel wichtiger, wie man mit dem Patienten spricht, auf ihn wirkt, mit ihm umgeht, damit man überhaupt die wichtigen Fragen stellen und zur richtigen Diagnose kommen kann.
Und ich glaube, dass hier die Art und Weise des Umgangs, die man als Famulant/PJer und Berufsanfänger erstmal lernen muss, hier gerade das Spannende ist. Aber das dauert meiner Meinung nach einfach seine Zeit, bis man das entwickelt und dann finde ich, dass Psychiatrie das spannendste Fach überhaupt ist.

Lizard King
12.09.2013, 12:58
Ich war 4 Wochen lang in der Ambulanz in der Uniklinik Freiburg (ich sag das hier einfach mal so offen), und das war echt eine richtig gute Sache. Nachdem ich in der ersten Woche eher zugeschaut habe, habe ich denn ab der 2. Woche die Notfallpatienten, also die meist zur Erstvorstellung kamen, und keinen fixen Termin beim AvD hatten, selbst angeschaut und eine Anamnese plus psychpathologischen Status gemacht. Dann das ganze dem AvD erzählt, und der hat dann noch mal mit dem Patienten gesprochen, und dann wurde entschieden, was gemacht wird. Die Leute da waren alle wahnsinnig nett, man war auch gut ins Team eingebunden, konnte bei Therapiegesprächen dabei sein (wenn der Pat. das wollte), durfte in Sondergesprächen dabei sein (Autismussprechstunde, Suchtsprechstunde, Schlaflabor, etc), und auch wenn ein Pat. mit der Polizei kam, war man dabei. Sonst hat man morgens evtl ein paar Blutabnahmen gemacht, das war aber eher freiwillig.

Natürlich gabs auch mal Leerlauf; wenn in der Ambulanz grad keiner kommt, hat man halt Kaffee getrunken und was gelesen (hatte mir dafür ein Psych-Buch mitgebracht). Und natürlich "macht" man da als Student eher wenig, weil in der Psychiatrie eben vieles über Arzt-Patient-Beziehung geht, und vor allem geredet wird. Aber wenn man sich einbringt und Interesse zeigt, bekommt man auch einiges erklärt und gezeigt. Waren für mich 4 tolle Wochen, obwohl ich schon vorher wusste, dass die Psych in meiner Berufswahl nur auf Platz 2-3 landen würde. ;)

jijichu
15.09.2013, 02:30
Wir haben unsere letzte Famulantin Aufnahmegespräche (auch auf der Akutpsychiatrie) machen lassen, wir haben nachexploriert, die körperliche Untersuchung in unserem Beisein hat sie auch gemacht, BE (meist allein, bei einigen Patienten waren wir lieber auch mit im Zimmer). Den Aufnahmebefund hat sie dann auch geschrieben und am nächsten Tag vorgestellt. Hatte den Eindruck, dass es ihr sehr gut gefallen hat und sie einiges von der Famulatur mitgenommen hat.

kartoffelbrei
24.09.2013, 15:16
Bei meiner Famulatur war es von Anfang an (nach einmal Zuschauen beim PJler) Aufgabe der Studenten, alleine die Aufnahmegespräche und körperliche Untersuchungen bei den neuen Patienten durchzuführen. Die Assistenten sind dann auch nicht noch einmal hin und haben das überprüft, was man diagnostiziert hat. Die einzige Assistentin, die gesagt hat, sie verschafft sich lieber selber einen ersten Eindruck von den Patienten, war eigentlich aus der Neurologie und hat gerade ihr Psychiatrie-Jahr gemacht.

Versteht mich nicht falsch, ich habe dadurch sehr viel gelernt, weil ich von Anfang an alleine klarkommen musste, aber ich fand es schon etwas komisch, als kleine Studentin alleine auf schwer depressive Patienten losgelassen zu werden und Suizidalität etc auszuschließen. Ich dachte aber, das wäre wohl normal so. Ist es aber wohl nicht, wenn ich mir die anderen Beiträge hier so durchlese...?

EKT
24.09.2013, 18:23
aber ich fand es schon etwas komisch, als kleine Studentin alleine auf schwer depressive Patienten losgelassen zu werden und Suizidalität etc auszuschließen. Ich dachte aber, das wäre wohl normal so. Ist es aber wohl nicht, wenn ich mir die anderen Beiträge hier so durchlese...?

Das ist sicher nicht "normal" so. Der Ausschluß von Suizidalität ist Arztsache und zwar auf Facharztstandard, d. h. ein in der Psychiatrie erfahrener Arzt muß dies tun und muß dabei jederzeit einen Facharzt hinzuziehen können (z. B. im Dienst). Es werden häufig sogar Patienten von somatischen Kliniken etliche Kilometer durch die Gegend gefahren, um an der nächsten Psychiatrie konsiliarisch eben diese Frage klären zu lassen. Ist nämlich auch versicherungsrechtlich ein sehr heißes Eisen!

vösslauer
06.10.2013, 20:55
*gefaelltmir*