Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie bist du zur Medizin gekommen (und geblieben)?
Bei mir war es recht langweilig.
Bis zur achten klasse hatte ich mich mit dem Thema Berufswahl noch gar nicht so beschäftigt. Am Anfang der achten Klasse standen die Johanniter an einem projekttag in der Schule und prompt bin ich bei denen gelandet. Einige Kurse später hab ich meine Freizeit damit verbracht ehrenamtlich bei denen zu arbeiten und war gleichzeitig im schulsanitätsdienst tätig.
Zu dem Zeitpunkt wollte ich dann Jura oder Medizin studieren. Hab dann ein Praktikum dazu genutzt ins Landgericht zu gehen und war danach davon dermaßen abgeneigt, dass ich Medizin anvisiert habe.
Nach dem Abi hat die erste unibewerbung knapp nicht geklappt. Muss dazu gestehen, dass ich mich nie über NCs oder sonstiges informiert hatte und auch nur eine Uni auf dem ZVS Anmeldezettel stand :-D.
Also hab ich die. Zeit genutzt und hab zahlreiche Praktika in der ambulanten Unfallchirurgie gemacht um dann im nächsten Semester in einer anderen Stadt angenommen zu werden.
In der vorklinik landete ich dann irgendwie auf dem Boden der Tatsachen. Weg von zu Hause und Familie in einer mir fremden Stadt war ich von dem Unialltag total überfordert. kaum etwas hat mir Spaß gemacht, die Klausuren gingen nur mit ach und krach und im Pflegepraktikum hab ich die meiste zeit lieber im Patienten Zimmer mit Patientenbespassung verbracht. Hinzukam das andauernde Physikumstrauma, was mich total aus der Bahn geworfen hat.
Als dann die Klinik begann war auf einmal alles Besser. Uni hat Spaß gemacht. Hab die richtige seminargruppe für mich gefunden und Medizin war auf einmal spannend und interessant. Noch dazu fiel mir das lernen wieder viel leichter und die Klausuren liefen. Nun bin ich im PJ und freue mich wahnsinnig auf den Arbeitseinsteig im nächsten Jahr :-) in meinem Traumfach.
Ob ich mich nochmal für die Medizin entscheiden würde? Hätte man mich nach dem Physikum gefragt hätte ich nein gesagt! aber jetzt, ja! Jetzt fühle ich mich wohl. Denke dass ich die richtige niesche für mich finde und glücklich mit der Wahl werde :-)
Tja, auch ich war als Kind ständiger Gast auf den Päd-Stationen, gehörte als Patientin beinahe schon zum Inventar. Obwohl ich damals keine schöne Zeit dort hatte war ich von den Schwestern und Ärzten immer fasziniert (konnte keiner verstehen, alle hatten bei mir eher mit einer Weißkittel-Phobie gerechnet :grins: Naja, ich wurde älter, gesünder, konnte mich als Berufswunsch zwischen Krankenschwester und Ärztin nicht entscheiden, machte irgendwann mein Abi und musste feststellen, dass meine Abi-Note für eine Direktzulassung niemals ausreichen würde. :-(( Da damals recht schnell klar war, dass ich 3 Jahre auf einen Platz an der Uni warten muss entschied ich mich dazu, die Ausbildung zur GuKP zu machen. Es folgten also 3 zähe, langweilige, aber dennoch lehrreiche Jahre, die ich nicht missen möchte. Nach dem Examen brachte die erneute Bewerbung bei der ZVS die Wahrheit ans Licht: jetzt waren zur Zulassung 8 Wartesemester nötig. Um diese zu überbrücken begann ich, auf einer Intensivstation zu arbeiten; schon in der Ausbildung hatte ich viele Ärzte kennen gelernt, die für eine Hilfsorganisation arbeiteten und sichtlich Spaß daran hatten. Nachdem es mir auch auf der ITS schnell langweilig war suchte ich nach zusätzlichen Beschäftigungen (erst wollte ich nicht zur HiOrg hin, dachte das sieht so aus als würde ich den Ärzten hinterher rennen :-blush) Naja, ich bin dann doch hin, habe zusätzlich nebenbei meinen RS gemacht und neue Freunde kennen gelernt. Ein Jahr war seit der letzten Bewerbung bei der ZVS vergangen, ich hatte Hoffnung auf einen Studienplatz und wurde enttäuscht: 10 Wartesemester :-??? Ich hatte dann keine Lust mehr auf weitere Bewerbungen, wechselte in ein anderes Krankenhaus in die Anästhesie und bekam zum ersten Mal Anerkennung :-)) Ok, wer gibt das schon gerne auf? Die Pläne, Medizin zu studieren wurden gestrichen! Kurz vor Ende eines irgendwann folgenden Bewerbungsschluß der ZVS waren die PJler, auf welche ich "aufpassen" musste in meinem Alter, was mich ein bisschen gewurmt hatte (und mir zu denken gab, den schließlich würde der Altersunterscheid von Jahr zu Jahr zwischen mir und den PJlern immer größer werden); zusätzlich versuchten Familie und Freunde mich davon zu überzeugen, dass ich es doch nochmals mit einer Bewerbung um einen Studienplatz versuchen sollt, um in einigen Jahren nicht als alte, frustrierte Schachtel zu enden :eek: Ich habe mich dann beworben, einen Platz bekommen und musste feststellen, dass die Vorklinik und ich keine großen Freunde werden. Dennoch Physikum geschafft, und nebenbei im Rettungsdienst und wieder auf einer Intensivstation gearbeitet. Naja, und heute stehe ich 2 Tage vor meinem mündlichen Staatsexamen und hoffe darauf, am Ende der Woche mein Ziel endlich erreicht zu haben und endlich Ärztin zu sein.
Man dürfte an meinem klitzekleinen Beitrag merken, dass ich keine Lust mehr habe, noch weiter zu lernen (obwohl es nicht schaden würde) :-))
Anne1970
29.10.2013, 04:35
Das rockst Du, Cassy ! :cool:
Danke für den kurzen Beitrag :grins:
Christoph_A
02.11.2013, 12:15
Komme ja aus nem medizinisch vorbelasteten Haushalt, allerdings hats bei mir eine Generation übersprungen, so daß ich zwar nicht jeden Tag mit dem Arztberuf konfrontiert wurde, aber natürlich bei Besuchen bei den Großeltern schon früh mit Medizingesprächen zu tun hatte. Wobei mich das als 8-jähriger eher weniger interessiert hat, als der große Garten zum fussballspielen:-D
In der Schule hab ich mir dann in der Kollegstufe so langsam überlegt, was ich denn nach dem Abi gerne machen möchte. Am Ende blieben 4 Optionen in der engeren Wahl: Lehramt Gymnasium (Englisch, Geschichte, Sport), Geschichte direkt studieren, Biologie oder Medizin. Nachdem ich in mich gegangen bin und festgestellt habe, daß ich mich vlt nicht das ganze Leben mit meinem 15-19 jährigen Ich rumschlagen möchte und auch keinen Bock auf Taxifahrer hatte, waren der Lehrer und der Historiker erledigt. Hab dann an nem Schnuppertag in der Uni bei den Biologen reingeschaut und beim Anblick der meisten Studenten und ihrer Ansichten beschlossen, daß das nicht mit mir kompatibel sein dürfte, weswegen nur mehr Medizin am Ende der K13 übrig blieb. War also 0,0% ne emotionale Entscheidung oder "Berufung", sondern das Ergebnis eines rationalen Ausscheidungsprozesses.
Nach Abi und Ableisten meiner Wartezeit beim Trachtenverein Olivgrün, wo ich als besonderes Schmankerl noch mein "Krankenpflegepraktikum" machen konnte, hab ich dann meinen Studienplatz ohne große Ahnung, was mich da so erwarten würde, angetreten. In den ersten Wochen war ich mir dann nicht so sicher, ob ich überhaupt mit den anderen mithalten konnte, gab ja doch den einen oder anderen mit Rettungsdienst-, Pflege- oder sonstwas Erfahrung, der diese salbungsvoll vor sich hertrug und mit seinem Wissen "geglänzt" hat. Nach den ersten Klausuren hab ich dann festgestellt, daß ich durchaus mithalten und mehr konnte, was doch zur Gewissensberuhigung beitrug. Dann kamen 2 Jahre mit eher trockener Ackerei durch die Vorklinik und das große, böse P und danach wurds immer besser und es begann eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Die Leistungen passten, die Ergebnisse auch und ich hab Freunde fürs Leben kennengelernt. Immer mehr hat sich dann rauskristallisiert, daß ich mit der Inneren Medizin meine berufliche Heimat gefunden habe und nach dem PJ war ich mir dann sicher, daß ich das machen möchte.
Es folgte auf die tollen Studienjahre ein eher holpriger Berufseinstieg mit einem cholerischen Fossil von Chefarzt in der niederbayrischen Diaspora (wegen grad erfolgter AIP Umstellung gabs kaum Stellen in Süddeutschland, unvorstellbar für heutige Jungassis). Nach meiner Rückkehr nach München folgten dann sehr anstrengende Jahre bei einem extrem anspruchsvollen, dauermeckrigen, aber menschlich nicht ganz unintegren Chef, in denen ich das ein oder andere Mal an meine physischen und emotionalen Grenzen gestoßen bin. Das Team jedoch war super, was alles doch insgesamt gut gemacht hat. Nach ein paar Jahren, welche im Nachhinein wie im Flug vergingen, war ich dann bei den Älteren und in der Funktion. Nach und Nach hat man dann auch immer mehr Funktionen in der Ausbildung der Jungassis und PJs übernommen, was mir immer sehr viel Spaß gemacht hat. Im Lauf des letzten Jahres wurde mir dann immer mehr klar, daß ich keine Lust mehr auf Nacht-/Hintergrund-/Wochenenddienste hatte und mir zusätzlich unsere Verwaltung immer mehr auf den Senkel ging. Zusätzlich wollte ich nicht mehr dem gewünschten "Vorbildklischee" entsprechen, das sich einfach nicht mit meinem Naturell deckt, dafür bin ich zu wenig angepasst und verwaltungskonform-technokratisch.
Im Endeffekt bin ich also heuer dann nach 8 Jahren in die Niederlassung gegangen und hab diesen Schritt bis jetzt in keinem Moment bereut. Deutlich mehr Geld für weniger Arbeit, keine meckernden Verwaltungen und endlich ganz nach meinem Gutdünken arbeiten können, das ist einfach das, was ich immer gewollt hatte.
Alles in allem kann ich sagen, daß ich zwar nicht alles, aber sicherlich vieles wieder ganz genauso machen würde und ich keinen Tag bereut habe, Arzt geworden zu sein, dafür waren die letzten 15 Jahre insgesamt zu schön.
http://hellimhals.wordpress.com/2010/03/03/why-we-fight/
So ganz klassisch war es bei mir nicht. Habe keinerlei Mediziner in der Familie und irgendwie war Medizin als Studium bei meinen Eltern auch so überhaupt nicht auf dem Schirm. Habe mich zwar schon seit meiner Kindheit für medizinische Sachen interessiert aber auf den Trichter gekommen Medizin zu studieren bin ich dann doch erst in der 12. Klasse nachdem ich einen SAN A/B Kurs gemacht habe. Und mit ganz straight ins Studium kommen war auch nichts da ich mich bei der ZVS bezüglich Ortswahl etwas verzockt hatte und dann ohne Platz dastand. Da ich damit den AdH-Joker den es damals noch gab verspielt hatte war an reinkommen auch nicht direkt zu denken. Wartezeit war auch nie eine Option für mich und dann habe ich eben doch das Ingenieurstudium angefangen dass ich vor der 12. Klasse eigentlich schon vorhatte. Das Wahre war dass dann nicht und durch die Umgestaltung des AdHs habe ich dann nach einiger Zeit doch noch einen Platz bekommen. Habe das Studium jetzt komplett durchgezogen, bin im Sommer fertig geworden und habe es nie bereut. Nächsten Monat fange ich dann in der Unfallchirurgie an.
Das ist ja interessant, wie viele interessante unterschiedliche Wege es gibt.
Bei mir war es langweilig gradlinig. Mein Pa hatte als Medizin-Informatiker den Pschyrembel rumstehen und hat mich ein paar Mal mit auf Arbeit, ins Krankenhaus genommen. Das hat gereicht um mich in die Richtung zu prägen.
Gradlinig Abi. Studium nach einem WS, in dem ich die Pflegepraktika gemacht habe…Also wirklich langweilig. Nur ein "Knick" war drin:
Famulaturen und Diss hab ich in der Inneren gemacht und wollte Kardiologin werden. Gyn und Psych fand ich sonst noch interessant. Aber bei Gyn eher Sachen wie Reproduktionsmedizin. Operieren konnte ich mir nicht wirklich vorstellen.
Und dann kam das PJ mit dem Pflichttertial Chirurgie. Vor dem hatte ich Angst und hoffte, mich so häufig wie möglich auf Station verstecken zu können. Da meine Freunde alle ins Ausland gingen, dachte ich, ich müsse auch mal raus. Kriegt wenigstens keiner mit, wie doof ich mich anstelle. Im PJ-Büro der Uni hing dann ein Poster mit Werbung für PJ in einer hässlichen Ostdeutschen Stadt. "Ach was solls", dachte ich "hab ich wenigstens keine Probleme mit der Anerkennung eines Auslandstertials"…und bekam dann tatsächlich den Chirurgie-Platz in dieser hässlichen Stadt.
Und das war eine der besten Wendungen, die mir je passiert sind. Ich habe mich in die Chirurgie verliebt, in die Stadt, in das Haus. Mittlerweile arbeite ich fast 1,5 Jahre dort und auch wenn die rosarote Brille langsam verschwindet, weiß ich dass zumindest Chirurgie das richtige ist. Und dass ich im hässlichen Osten bleiben möchte, so hässlich ist der nämlich gar nicht. :-love
bei mir war es auch eher "klassisch" würde ich sagen:
familiär bin ich komplett unbelastet (außer meine mum als ex-krankenschwester). mit 15 hab ich einen erste hilfe kurs an der schule gemacht. dadurch kam ich ins schulsanitätsteam. irgendwie war ich da aber zeimlich überfordert und eines tages wurde der san a kurs beim roten kreuz für uns schulsanis angeboten. also hab ich den mitgemacht, um besser im schulsanidenst zurecht zu kommen. beim roten kreuz habe ich mich gut mit einem bereitschaftsleiter verstanden, hab noch den san b dran gehängt und bin beim roten kreuz geblieben. der wunsch medizin studieren war da nicht mehr weit entfernt.
für einen studienplatz in D hat es nicht gereicht, deswegen hab ich eine krankenpflegeausbildung angefangen. fand das aber ganz schrecklich (unterfoderung, langweile, sinnkrise,komische mitschüler), habe verzweifelt nach alternativen gesucht (einklagen, österreich, ungarn etc) und hab so den EMS in österreich probiert. hat auf anhieb geklappt und hab mit freude die krankenschwesterausbildung geschmissen.....
da bin ich nun! glücklich und zufrieden im 9.semester :)
Simonius
28.11.2013, 06:01
*gefaelltmir*
Danke für diesen Thread! Es ist schön zu lesen, wie verschlungen die Biografien doch sein können und dass nicht jeder auf direktem Weg zu Medizin kommt. Das macht Mut!
Anne1970
29.11.2013, 02:19
Bitte. Gern! :grins:
][truba][
29.11.2013, 13:09
Ich wollte ursprünglich erst Anwalt oder Koch werden.
Nachdem ich aber dann doch schnell merkte das die Juristerei nichts für mich ist und ich lieber hobbymäßig koche als beruflich, entschied ich mich für Englisch und Informatik Leistungskurs und wollte Informatik studieren.
Den Wunsch behielt ich bis zur Mitte des 13. Jahrgangs bei. Dann zeigte mir mein Info Lehrer langsam, das ein Informatik Studium mit Sicherheit nicht das Richtige für mich ist (danke nochmal an den Herren!). Daraufhin war ich total planlos (was mich damals nicht wirklich störte) und musste zwischen Bund und Zivi entscheiden und habe dann den Zivildienst auf einer Intensivstation gewählt.
Von da an wurde es dann "geradliniger". Es folgte dank schlechtem Abi die Ausbildung zum GuK und durch die hohe Wartesemesterzahl auch eine 2-jährige Berufstätigkeit auf einer herzchirurgischen ITS. 2010 klappte es dann mit dem Studienplatz und nun bin ich im 7. Semester.
Seit dem 1. Semester arbeite ich nebenbei weiterhin auf der ITS und genieße die praktischen Einsätze richtig! Es ist zwar sehr oft sehr anstrengend alles unter einen Hut zu bekommen aber ich möchte (und dürfte) es nicht sein lassen!
LG Thomas
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