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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Viel Patientenkontakt ohne Stationsarbeit?



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chondroklast
14.11.2013, 19:05
Lieber Chondroklast, das klingt furchtbar. Diese Arbeitszustände sind eine Zumutung!
Für mich klingt es so, als würde in deiner Klinik eine ziemlich Ausbeute-Mentalität herrschen.
Dass nur Fachärzte Patienten aufklären und Konzepte erstellen dürfen, finde ich eine Frechheit! Ein Assistent, der konturieren kann, aber keine Ahnung von Indikationen, Konzepten und Patientengespräche hat, ist nicht zu gebrauchen. Konturieren kann jeder nach einer gewissen Zeit. Es gibt mittlerweile soviele Guidelines, Bücher und Vorgaben, dass es wirklich keine hohe Kunst ist. In 5-10 Jahren wird das vermutlich ehe irgendein Computerprogramm erledigen.

An deiner Stelle würde ich mich nach einer anderen Stelle rumschauen. Ich wünsche, ich könnte dir was bei uns anbieten. :-)

Naja, es ist nicht so, dass man nichts machen dürfte. Aufklären schon, oft mehr als mir lieb ist. Gestern z.B. stationär 4 Aufklärungen zur Radiatio hintereinander + teils Radiochemo. Ein Konzept kann ich gelegentlich in Rücksprache erstellen. Die Konturierung ist fast der entspannendste Part, da sitzt man in der Physik und hat mal ein paar Minuten Ruhe, oder wird halt ständig zwischendrin angefunkt. Die Konturierung variiert je nach Einrichtung wahrscheinlich eh nach Vorliebe des jeweiligen Chefs.
Das eigentlich Problem ist unzureichendes Teaching bzw. Lernklima innerhalb der Klinik. So ist es z.B. nicht machbar in die Hauptambulanz zu kommen und Konzepte ggf. unter Supervision zu erstellen Bestrahlpläne zu kontrollieren, es gibt keine echte interne Weiterbildung, außer ein paar rumgesendeter Paper pro Jahr. Auf der anderen Seite darf man eine größere externe WB im Jahr besuchen.
Mittlerweile bin ich zum Tumorkonferenzvertreter eines OA ernannt worden, war aber nie mit in entprechender Konferenz...
Kurz: man darf viel Routinetätigkeiten und Extraaufgaben erledigen, aber die Weiterbildung ist eher mangelhaft, d.h. man wird immer wieder ins kalte Wasser befördert und muss das Hintergrundwissen komplett in der Freizeit erarbeiten.
Bisher versuche ich meine Aufgaben gewissenhaft zu meistern um zeitnah den Facharzt zu erlangen. Für z.B. echte Forschung neben der Routine fehlt aber einfach die Zeit, eine Habilitation wäre so wie es jetzt läuft kaum denkbar.
Auf der anderen Seite bin ich örtlich flexibel und kaum erpressbar, aber nicht auf übereilten Wechsel aus...

alex1
17.11.2013, 10:18
Mich würde ja schon mal interessieren, wo Du arbeitest....hört sich so toll da an....
Chondroklast oder ich?

SusiSorgenlos
17.11.2013, 11:33
Chondroklast oder ich?

Du:) klingt so schön bei dir....ich werde ja jetzt erstmal der Strahlentherapie wieder den Rücken kehren, weil es bei uns nicht so schön ist. In zwei Jahren die Ambulanz und die Geräte nur von weitem gesehen, dazu ein sagen wir mal....eigenwilliger Chef und teilweise grenzwertig Kollegen. Außerdem nervt es mich, dass bei uns jeder bis zum bitteren Ende bestrahlt wird.... Ich weiß nicht, ob das nur bei uns ein Problem ist, aber ich habe es als extrem belastend erlebt, dass man einfach kein Ende findet und den Menschen in würde gehen lässt. Aber das kann auch an unserer Abteilung liegen. Bin leider örtlich gebunden, so dass es hier in der Umgebung keine Alternative für Macht gibt, so dass ich wieder zu den internistischen Onkologen überlaufe....

Johann_Geib
17.11.2013, 12:56
mal ne ganz andere Fachrichtung: Anästhesie... Wenn du kein Problem damit hast, dass deine Patienten (fast) alle schlafen... Außer dein Narkoseprotokoll hast du kein Papierkram ;)

Lava
17.11.2013, 13:20
Und Humangenetik? Viel Beratung, keine Station. Und natürlich Arbeitsmedizin! Wobei ich nicht weiß, was da alles so zur Weiterbildung gehört.

alex1
18.11.2013, 10:15
Du:) klingt so schön bei dir....ich werde ja jetzt erstmal der Strahlentherapie wieder den Rücken kehren, weil es bei uns nicht so schön ist. In zwei Jahren die Ambulanz und die Geräte nur von weitem gesehen, dazu ein sagen wir mal....eigenwilliger Chef und teilweise grenzwertig Kollegen. Außerdem nervt es mich, dass bei uns jeder bis zum bitteren Ende bestrahlt wird.... Ich weiß nicht, ob das nur bei uns ein Problem ist, aber ich habe es als extrem belastend erlebt, dass man einfach kein Ende findet und den Menschen in würde gehen lässt. Aber das kann auch an unserer Abteilung liegen. Bin leider örtlich gebunden, so dass es hier in der Umgebung keine Alternative für Macht gibt, so dass ich wieder zu den internistischen Onkologen überlaufe....

Hab dir eine PM geschickt!

1. Weiterbildung / Fortbildung muss es strukturiert geben.
Wir haben wöchtentlich 1x Journal Club (45'), 1x berufsübergreifende Fortbildung (45'), 1-2x interdisziplinäre (onkologisch, hämatologisch, radioonkologisch) Fortbildung (45').
Hinzu kommen Kongresse, mindestens 1x/Jahr, Kosten werden meistens erstattet (v.a. wenn man selbst was präsentiert) + Arbeitstreffen von Studiengruppen, 2-4x/Jahr (praktisch jeder von uns betreut eine oder mehrere multizentrische Studien mit).
Es klingt nach viel und es ist viel...
Für unsere Assistenzärzte gibt's monatlich eine doppelstundige Besprechung wichtiger Erkrankungen mit allem was dazugehört, so dass man danach eigentlich für dieses Thema facharztreif ist.

2. Rotationen in Planung, Brachytherapie, Tumorkonferenzen sind festgelegt.

3. Wir haben keine eigene Station, somit auch keine Dienste. In der Schweiz wird kein Jahr in der stationären Radioonkologie für den Facharzt verlangt.

4. Das "bis zu bitteren Ende bestrahlen" kenne ich allzu gut. Wir sind Freunde der Hypofraktionierung, 1x8 oder 5x5 sind Standard. Wir haben eine gute Anbindung ans Hospiz. Wenn es den Patienten schlecht geht, brechen wir oft früh ab oder fangen gar nicht an. Allerdings empfinde ich med. Onkologen oft krasser in dieser Hinsicht. Ich habe einige NSCLC oder MammaCas gesehen, wo die 5. Linie CTx noch "reingedrückt" wird, obwohl es ehe keinen Sinn macht. Radioonkologen sind meines Erachtens da eher zurückhaltender. Vergiss nicht, dass wir selbst wenig Patienten komplett betreuen, sondern meist mit Auftrag von den med. Onkologen oder Chirurgen bekommen, z.B. bei Schmerzen, Blutungen, usw. Wenn man natürlich selbst eine Station hat, kann so etwas entarten...

5. Von bösen Chefs in der Radioonkologie hab ich öfters gelesen und gehört. Allerdings ist die Stellensituation so gut, dass jeder schauen sollte, wo er unterkommt und damit auch happy ist. Ganz klar hat man ein Problen, wenn man örtlich gebunden ist allerdings.

alex1
18.11.2013, 10:16
Und Humangenetik? Viel Beratung, keine Station. Und natürlich Arbeitsmedizin! Wobei ich nicht weiß, was da alles so zur Weiterbildung gehört.

Humangenetik finde ich gut, wird auch in Zukunft zunehmende eine Rolle spielen.
Arbeitsmedizin muss man mögen. Ich stell's mir ein bisschen wie Hausarzt mit viel extra-Papierkram und "Risiko-Gefahren-Analyse" vor... :-)

SarahJulia90
27.11.2013, 14:40
@alex1: habe das hier alles mit regem Interesse verfolgt und werde wohl nächsten Sommer mal ein paar Wochen in der Strahlentherapie famulieren. Mich würde noch interessieren, wieviel deiner täglichen Arbeitszeit auf Patientenkontakt entfällt und wieviel du in der Planung/Simualtion/Bestrahlung bist. Kann mir den Alltag eines Strahlentherapeuten nicht so richtig gut vorstellen. Sitzt man da auch mal ganze Tage lang nur vorm PC?

alex1
28.11.2013, 12:57
@alex1: habe das hier alles mit regem Interesse verfolgt und werde wohl nächsten Sommer mal ein paar Wochen in der Strahlentherapie famulieren. Mich würde noch interessieren, wieviel deiner täglichen Arbeitszeit auf Patientenkontakt entfällt und wieviel du in der Planung/Simualtion/Bestrahlung bist. Kann mir den Alltag eines Strahlentherapeuten nicht so richtig gut vorstellen. Sitzt man da auch mal ganze Tage lang nur vorm PC?

Liebe Julia

Dazu gibt es keine pauschale Antwort. Es hängt ganz von der Klinikstruktur ab.
Einige Kliniken bevorzugen es, wenn die Ärzte sowohl die Patienten sehen als auch dann die Zielvolumina für diese Patienten einzeichnen. Es gibt grosse Kliniken, die sogar Teams aus einem OA und 2 AÄ bilden, die dann spezielle Organsysteme bearbeiten. Als Beispiel: Ein Team für Hirntumoren. Sie machen Aufklärung, Betreuung, Nachsorge und Planung für alle Patienten mit Hirntumoren, die eine Strahlentherapie erhalten.
Andere Kliniken bevorzugen einen Funktionstrennung, d.h. während ein Arzt den ganzen Tag neue Patienten sieht und Nachsorgen macht, kümmert sich ein Anderer um die Therapiedurchführung&-betreuung, während ein Anderer nur Planung macht. Letzterer hockt dann den ganzen Tag vor dem PC. Man rotiert sicherlich nach 0.5-1 Jahr, aber trotzdem ist diese Variante nicht die Optimale.
In einer Praxis ist man in der Regel ein Allrounder und die meisten Kliniken gehen in das erste Modell über, während die ganz grossen Kliniken sich "Teams" leisten können. Mittelgrosse Kliniken arbeiten eher nach Funktionstrennung.