Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zweitstudium und Doktorarbeit
Hallo liebe Oldies,
wie steht es bei euch mit dem Thema Doktorarbeit? Macht ihre eine bzw. für welche Art von Doktorarbeit habt ihr euch entschieden? Ich komme frisch vom Physikum und bin seit Anfang des Semesters auf der Suche nach einer Doktorarbeit, leider schon etwas länger als geplant. Habe zuvor Mitte 2012 mein Erststudium Molekulare Medizin abgeschlossen und würde gerne im Rahmen einer experimentellen Doktorarbeit wieder ins Labor einsteigen. Ich bin mir recht unschlüssig, mit welchen Forderungen ich in ein Bewerbungsgespräch einem Professor gegenüber treten kann. Immerhin würde ich während der Doktorarbeit meinen Beruf ausüben und hätte meiner Meinung nach somit ein Recht auf zumindest eine geringfügige Bezahlung (400 € im Monat). Andererseits frage ich mich, ob es eine Frechheit ist nach Bezahlung zu fragen, da ich für die Arbeit ja einen Doktortitel bekommen würde und nicht wirklich mehr leisten würde, als der gemeine Medizinstudent, der für seine Arbeit schließlich auch keine Kohle bekommt. Ohne Bezahlung wird der Arbeitsaufwand einer experimentellen Doktorarbeit für mich jedoch wohl kaum möglich sein, da ich wahrscheinlich der Dreifachbelastung aus Promotion, Nebenjob und Studium nicht gerecht werden könnte. Was würdet ihr an meiner Stelle machen?
Hallo,
ich bin zwar kein Zweitstudent und würde mich auch nicht als Oldie bezeichnen, betreue aber sowohl naturwissenschaftliche als auch medizinische DOktoranden. Folgendes Problem sehe ich: ein NaWi Doktorand wird natürlich bezahlt, arbeitet aber normalerweise auch voll für das Projekt, was du nicht kannst. Medizin Doktoranden im experimentellen Bereich können als HiWi oder Stipendiat etwas Geld bekommen. Ich empfehle meist am besten 1 Jahr überwiegend vom Studium auszusetzen. In dieser Zeit kann man mit ca. 700-800€ Stipendien häufig finanziert werden, im Anschluß kann man dann über einen HiWi Vertrag im Bereich 400€ nachdenken, sofern wirklich weiterhin neben dem Studium so viel Zeit investiert werden kann, was häufig nicht so einfach ist in der PRaxis bei den vielen Anwesenheitspflichten, Famulaturen, Praktika usw...
Wenn ein Medizindoktorand nicht aussetzen will vom Studium und direkt einen 400€ HiWi Vertrag möchte, wäre ich erstmal etwas skeptisch, ob sich das für mich wirklich lohnt, grundsätzlich ausschließen würde ich es aber auch nicht.
Wenn ein Medizindoktorand nicht aussetzen will vom Studium und direkt einen 400€ HiWi Vertrag möchte, wäre ich erstmal etwas skeptisch, ob sich das für mich wirklich lohnt, grundsätzlich ausschließen würde ich es aber auch nicht.
Der Unterschied zu einem "normalen" Medizindoktoranden ist beim TE aber, dass dieser schon im Labor gearbeitet hat und dementsprechend von Anfang an sicher eine größere Hilfe ist, wie jemand, der maximal im Praktikum schonmal eine Pipette in der Hand hatte.
Ich würde auch gerne wieder ins Labor und eine "anständige" Doktorarbeit machen, habe aber dieselben Probleme wie Granada. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich im Labor mindestens 400€ verlange und ansonsten halt eine "leichtere" klinische oder statistische Arbeit mache. Hilft ja nix, die Miete zahlt sich nicht von alleine..
Der Unterschied zu einem "normalen" Medizindoktoranden ist beim TE aber, dass dieser schon im Labor gearbeitet hat und dementsprechend von Anfang an sicher eine größere Hilfe ist, wie jemand, der maximal im Praktikum schonmal eine Pipette in der Hand hatte.
Ich würde auch gerne wieder ins Labor und eine "anständige" Doktorarbeit machen, habe aber dieselben Probleme wie Granada. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich im Labor mindestens 400€ verlange und ansonsten halt eine "leichtere" klinische oder statistische Arbeit mache. Hilft ja nix, die Miete zahlt sich nicht von alleine..
Ich habe ja auch nicht gesagt, dass ich es in jedem Fall ablehnen würde. Meine Erfahrung ist jedoch auch bei Absolventen von Studiengängen der Lebenswissenschaften, dass die praktischen Erfahrungen sehr variabel sein können und man hier genau gucken muß, ob nicht der gleiche Einarbeitungsbedarf besteht wie bei einem Medizinstudenten. Es kommt also stark darauf an, welche Vorerfahrungen bestehen und welches Aufgabengebiet angepeilt wird. Ich habe es nicht selten erlebt, dass auch Dipl. Biologen in bestimmten Bereichen z.b. der Molekularbiologie oder Proteinbiochemie praktisch nicht mehr Erfahrung als Medizinstudenten hatten. Üblicherweise haben auch Medizinstudenten in der Vorklinik schon eine Pipette in der Hand gehabt (PCR; Western Blot usw.. werden an vielen Unis in der Vorklinikg auch praktisch durchgeführt). Gar keine Übung haben sie also auch nicht unbedingt.
skatefahrer
16.11.2013, 12:47
Diplom-Biologen haben dafür wahrscheinlich mehr Ahnung auf dem Gebiet, in dem sie auch ihre Diplomarbeit geschrieben haben...
Medizinstudenten sind meiner Meinung auch nicht wirklich eine Hilfe im Labor, auch wenn sie schon einmal eine PCR angesetzt oder nen Western Blot gemacht haben. Aber es gibt wohl solche und solche.
@TE: Da du ja bereits ein Studium abgeschlossen hast - wäre es nicht möglich, auf diesem Gebiet zu forschen? Dann hättest du die Möglichkeit auf eine halbe Stelle an der Uni und machst einen richtigen PhD statt dem Popel-Doktortitel. Eine halbe Stelle nimmt aber so viel Zeit in Anspruch, dass du das Medizinstudium sicherlich nicht weiter nach Plan durchziehen kannst. So geht es mir jedenfalls und ich bin gerade mal erst im 1. FS...
Coxy-Baby
16.11.2013, 13:16
Wahrscheinlich können die Patienten aber mit Dr.med. mehr anfangen als mit PhD.... Zumal das jetzt hoffentlich nicht wieder in einen sinnlosen virtuellen Schwanzervgleich wegdriftet...
Danke euch für die Rückmeldungen. Ich hatte bisher den Eindruck, dass die Professoren am ehesten so denken wie Test. Wenn sie jemanden noch nicht kennen, sind Sie wenig bereit diesen anzustellen, wenn es sich um eine ungewöhnliche Konstellation (Absolvent für medizinische Promotion) handelt. Da nehmen die lieber einen Erststudent-Mediziner, der zwar noch nicht so viel kann aber dafür umsonst und dem sie auch ohne Probleme ein Freisemester vorschreiben können, oder einen normalen Bio-Doktoranden der seine komplette Zeit der Doktorarbeit widmet und nicht andauernd mit Sonderwünschen kommt ;) Für ein Zwischending gibts anscheinend nicht so viel Bedarf. Einen normalen PhD hatte ich mir eine Zeit lang auch überlegt, allerdings ist meine erste Priorität das Medizinstudium in Regelstudienzeit fertig zu bekommen, sodass ich mit knapp 30 Jahren (endlich) in die Assistenzarztzeit starten kann. Im Endeffekt glaube ich nicht, dass ein Dr.rer.nat. mich so viel weiterbringen würde, immerhin gibt es sehr viele in der Forschung tätige Professoren nur mit Dr. med. und ohne PhD bzw. auch in der Pharma-Industrie wird in Stellenanzeigen nur eine Promotion in Medizin oder Naturwissenschaften gefordert. Dass ein PhD wissenschaftlich weitaus höhere Anforderungen an einen stellt, stelle ich natürlich nicht in Frage. Allerdings glaube ich, dass der PhD letztlich leider nicht wesentlich mehr honoriert wird als ein Dr.med. Nur um der Frage vorneweg zu greifen.
Aber zum eigentlichen Thema: Meint ihr, es könnte zu negativ rüberkommen, wenn ich mich bei den Bewerbungsgesprächen nach einer Bezahlung erkundige? Bisher ging ich immer nach dem Motto: Fragen kostet nix...
also ich habe jetzt in der Vorklinik angefangen, bei einem Prof, den ich bereits aus früheren Tätigkeiten kenne. Ist ein statistisch / epidemiologisches Thema, was er gerne mal bearbeitet sehen würde, aber sich das so noch nicht ergeben hatte an den Instituten, die da involviert sind. Ich habe sowohl Statistik als auch Epidemiologie bereits gehört gehabt und er wusste, dass ich das Thema bearbeiten kann und da auch was bei rauskommen wird. Daher habe ich natürlich gefragt ob er da Finanzierungsmöglichkeiten sieht und das war nicht der Fall. Klar hätte ich es auch ablehnen können, ob man dann allerdings (auch weil der Zeitrahmen attraktiv war) etwas anderes findet: fraglich. Arbeite nun noch zusätzlich 8h die Woche und natürlich ist das nervig und man kommt mit der Diss natürlich auch viel schneller voran, wenn man sich da (völlig) drauf konzentrieren kann - gerade bei Laborarbeit. Das sollte man im Gespräch auch ruhig andeuten, denn der Lehrstuhl profitiert ja auch häufig von einer raschen Bearbeitung.
Und nein, die Frage nach einer Bezahlung ist im Gespräch völlig legitim und wenn solch eine Frage Probleme verursacht sollte man sich sowieso fragen, ob die Person die richtige für eine Betreuung ist...
Fragen kostet in der Tat nichts. MIch würde diese Frage auch nicht vor den Kopf stossen. Ich bezahle gerne sowohl Medizinstudenten als auch Naturwissenschaftler während ihrer Promotion bestmöglich. Jeder Medizinstudent, der aussetzt, sollte ein Stipendium von 700-800€/Monat bekommen. Ich sehe allerdings grundsätzlich gewisse Probleme eine experimentelle Promotion nebenbei zu schaffen ohne überhaupt ein Semester auszusetzen. Vielleicht kann das bei dir aufgrund des vorherigen Studiums eher klappen. Meine Erfahrung ist aber, dass es alleine aus zeitlichen Gründen immer schwieriger wird ein Projekt nebenher durchzuziehen. Andererseits wäre es schade dein Vorstudium "ungenutzt" liegen zu lassen und eine statistische oder klinische Promotion zu machen.
beuteline
18.11.2013, 05:16
da sprecht ihr mir aus der Seele, ich habe auch das Problem dass ich arbeite (immer noch so 15-20h/Woche) und auf der Suche nach ner Medizinerdoktorarbeit bin, die irgendwie finanziert ist...bin aber auch noch nicht fündig geworden....bin Dipl. Biologin. Freisemester kommt für mich nicht in Frage, da ich auch schon älter bin. Bei mir wirds dann wahrscheinlich auch auf ne statistische Arbeit rauslaufen, aber ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
LG beuteline
@ LotF: Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es einfacher ist an eine Doktorarbeit zu kommen, wenn man schon ein paar Bekanntschaften bei Profs und Arbeitsgruppenleitern hat (über Praktika, Abschlussarbeiten etc.). Leider ist die Leiterin der AG, wo ich die Bachelorarbeit gemacht habe, in eine andere Stadt gegangen, weil Sie da eine Professur bekommen hat. In die AG, wo ich die Masterarbeit geschrieben habe, möchte ich nicht zurück, da war der AG Leiter doch zu sehr Chaot ... Andere Praktika habe ich im Ausland oder in anderen Städten gemacht und eine Doktorarbeit in andere Städte zu verfrachten kommt für mich soweit auch nicht in Frage.
@ test: Mir wurde auch bisher gesagt, dass erwartet wird ich solle möglichst ein Semester "freiräumen" für eine Doktorarbeit. Durch das frühere Studium habe ich für nächstes Semester Anrechnungen für 2 von 6 Fächern bekommen und müsste am Semesterende somit nur Klausuren in 3 kleineren Fächern schreiben (eine Klausur würde erst später anstehen). Auch die nächsten "Semesterferien" von 8 Wochen würde ich komplett in die Doktorarbeit Vollzeit investieren wollen. Wie du schon sagst, wäre klinisch oder statistisch auch eine mögliche Lösung. Aber dann wäre mein Erststudium sozusagen für umsonst gewesen :(
@ beuteline: Ich seh schon, es geht auch anderen so wie mir...
Herzkasperl
18.11.2013, 13:01
Meine Hoffnung wäre, dass ich eine Schreibtischarbeit aufgabeln kann, die ich dann auch recht schnell bearbeitet bekomme. Ich hab allerdings auch schon einen Dr. Was ich sicher nicht mache, ist mich für null oder wenig Geld in ein Labor zu stellen, das überlasse ich gerne den jüngeren Kollegen, für die diese Erfahrung sicher etwas neues ist und damit auch wertvoller als für mich.
Ach, wenn es nichts wird, machts auch nix. :-) Dr. is Dr. und 99% der Patienten kennen da eh keine Unterschiede.
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