Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alarm RTW / NEF: Krampfanfall
Sebastian1
26.11.2013, 08:58
Nein, irgendwelche Papiere, die uns irgendwie weiterhelfen würden, gibt es nicht. Temperatur liegt bei 37,6°C (Ohrthermometer)
Das nahegelegene Haus ohne Neurologie hat ein CT, also fahren wir dahin. Nach etwa einer Minute Fahrt verdreht der Patient die Augen und es kommt zu einem klassich tonisch-klonischem Grand-Mal, die SpO2 sinkt mal kurz auf 84%, um dann wieder zum Ausgangswert zurückzukehren. Wir sind noch in voller Fahrt, in etwa ein bis zwei Minuten würden wir die Klinik erreichen.
Und jetzt?
Weiterfahren. In der Klinik Erstversorgung incl. CCT -> Ausschluß Blutung / SHT. Und dann stabil weiterverlegen entweder in die Neurologie oder Neurochirurgie!
Sch so, einen Alloholtest können die ja auch mal machen. Entweder wir tun ihm gerade ganz böse Unrecht, oder aber er entzieht gerade. Kann ja auch mal bei 2,xx Promille passieren. :-nix
Sebastian1
26.11.2013, 14:07
Wir haben uns ebenfalls für das Weiterfahren entschieden, jedoch bekam der Patient noch 3 mg Dormicum, damit liess sich der erneute Anfall durchbrechen. In der Ambulanz angekommen löst sich das Problem mit den Personalien, da direkt die erste Amblanzschwester uns mit den Worten begrüßt "Ach, der Herr xyz...hat der wieder gekrampft?"...offenbar also ein alter Bekannter. Es folgt ganz flugs fie Übergabe an die diensthabende Internistin, die den Patienten ebenfalls kennt und erst 2 Wochen vorher zuletzt behandelt hat. Wir gehen zurück zum Wagen und melden uns für den nächsten Einsatz frei.
Alkoholspiegel, so erfahren wir später, lag bei knapp unter 3 Promille.
Eine Woche später trefft ihr die Internistin wieder, und die sagt Euch "komm mal mit, ich zeig dir mal was"....und zeigt Bilder von diesem Patienten, der eine ausgedehnte ICB hat. Er ist dort auch erstmal bei bekanntem Alkoholmissbrauch mit bekannten, wiederholten Krampfanfällen beobachtet worden, klarte aber im Gegensatz zu sonst nicht auf, sondern zeigte irgendwann eine Anisokorie und ist erst daraufhin ins CCT gegangen, um dann mit wehenden Fahnen in die NCH verlegt zu werden.
Habt ihr ja auch schon brav geschrieben.
Ich muss gestehen, dass ich im Einsatz nicht sicher bin, ob ich hier wirklich immer die ICB als DD vor Augen hatte...aber gerade darum habe ich das Fallbeispiel gebracht. Patient, der jeden Grund für eine epileptische Symptomatik jenseits der ICB hat und dazu noch hypoglykäm und alkoholisiert ist....
Sehr schön! Genau das ist ja das tägliche Problem. Seine stadtbekannten Obdachlosen kennt man ja, genauso wie die Alloholiker, Medikamentenabhängigen usw. Aus den alltäglichen Problemen dieser Menschen dann das eine Mal rauszufiltern, wo sie wirklich ernsthaft Hilfe nötig haben.... Das dürfte so ziemlich bei jedem der Punkt sein, wo man hinterher immer hofft, dass man richtig lag. :-nix
Danke für den Fall! :-top
psycho1899
26.11.2013, 20:52
Vielen Dank für den Fall.
Schon ein atypischer Verlauf einer ICB, insbesondere da er ja in der Abwehr keine wirkliche Lateralisierung zeigte. Ist dann einfach auch mal schicksalhaft... bei fehlenden Hinweisen für eine Halbseitensymptomatik absolut adäquat, erstmal progressiv zuzuwarten, ob er postiktal mit fallendem Ethanolspiegel adäquat aufwacht.
Prinzipiell wäre ich dennoch schon grosszügig mit kranieller Bildgebung bei dem Patientengut, da sie einfach schlecht zu untersuchen sind und zumindest für subdurale Hämatome ja prädestiniert sind.
Sebastian1
26.11.2013, 21:01
Ja, war schon hundsgemein, die Symptomatik war halt nicht offensichtlich und passte allzu gut zu wahrscheinlicheren Dingen. Aber manchmal sind's eben doch die Zebras, die mit den Hufen trappeln...
Von zuhause am PC läßt es sich auch immer leicht reden ;-) vor Ort wären wir wahrscheinlich auch gelinde begeistert gewesen...
(aber haben mal bei meinen Pflichtfahrten eine vermeintlich Epileptikerin mit dann doch SAB ins falsche Haus letztendlich gebracht...ich hatte damals noch keine/weniger Ahnung und war sowieso nicht Bestimmer, aber das war irgendwie schon doof...da haben wir uns damals zu wenig Gedanken gemacht)
Wir haben uns ebenfalls für das Weiterfahren entschieden, jedoch bekam der Patient noch 3 mg Dormicum, damit liess sich der erneute Anfall durchbrechen. In der Ambulanz angekommen löst sich das Problem mit den Personalien, da direkt die erste Amblanzschwester uns mit den Worten begrüßt "Ach, der Herr xyz...hat der wieder gekrampft?"...offenbar also ein alter Bekannter. Es folgt ganz flugs fie Übergabe an die diensthabende Internistin, die den Patienten ebenfalls kennt und erst 2 Wochen vorher zuletzt behandelt hat. Wir gehen zurück zum Wagen und melden uns für den nächsten Einsatz frei.
Alkoholspiegel, so erfahren wir später, lag bei knapp unter 3 Promille.
Eine Woche später trefft ihr die Internistin wieder, und die sagt Euch "komm mal mit, ich zeig dir mal was"....und zeigt Bilder von diesem Patienten, der eine ausgedehnte ICB hat. Er ist dort auch erstmal bei bekanntem Alkoholmissbrauch mit bekannten, wiederholten Krampfanfällen beobachtet worden, klarte aber im Gegensatz zu sonst nicht auf, sondern zeigte irgendwann eine Anisokorie und ist erst daraufhin ins CCT gegangen, um dann mit wehenden Fahnen in die NCH verlegt zu werden.
Habt ihr ja auch schon brav geschrieben.
Ich muss gestehen, dass ich im Einsatz nicht sicher bin, ob ich hier wirklich immer die ICB als DD vor Augen hatte...aber gerade darum habe ich das Fallbeispiel gebracht. Patient, der jeden Grund für eine epileptische Symptomatik jenseits der ICB hat und dazu noch hypoglykäm und alkoholisiert ist....
Vielen Dank für das lehrreiche Fallbeispiel.
Weißt du, wie er aus der NCH rausgekommen ist bzw. sein aktueller Status ist?
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