Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie kompetent sind wir nach 6 Jahren medzinischer Ausbildung?
Ich könnte auch viel schimpfen über das ganze Studium: unmotivierte Professoren, langweilige Vorlesungen, sinnlose Vorlesungen in denen der Prof nur seine aktuelle Forschung präsentiert und in der Klausur völlig andere Dinge drankommen, Prüfungen in denen Details abgefragt werden die mindestens Facharztprüfungsniveau haben usw...
Eben, DAS ist doch das nervige am Studium. Die Inhalte sind doch das Beste. Ich empfehle dir den Lippert z.B Anatomie, da sind sehr viele klinische Bezüge drin.
Ich hab erst im PJ gemerkt, dass ich Chirurgin werden will. Jetzt bin ich froh um meinen guten Präpkurs(den ich Studium selbst allerdings auch nervig fand). Trotzdem muss ich noch viele Dinge nachschlagen, auch viele, die ich im Studium als irrelevante Details aufgefasst habe!!!
Z.b die Begrenzungen des Leistenkanals. Die Leistenhernien-OPs sind ÜBERHAUPT NICHT VERSTÄNDLICH, wenn man nicht genau weiß, welche Faszien dort in welcher Reihenfolge liegen.
Weitere Beispiele sind z.B die Lagevarianten des Blinddarms (im Studium tendiert man ja oft dazu zu lernen "normalerweise liegt Struktur xy dort und dann gibt's noch diverse Lagevarianten, die lern ich jetzt nicht einzelnen". Ist aber blöd, wenn du deinem OA eine Harnleiterkolik vorstellst und die Appendizitis wegen der Schmerzlokalisation ausschließt)
oder die Lymphknotenstationen des Magens, um die D2-LAE zu verstehen…oder die Begrenzungen der Bursa omentalis… um nach Peritonealkarzinose suchen zu können….
Primärfiltrat
01.12.2013, 19:58
Vermeintlich Erwachsene Studenten, die sich wie kleine Schulkinder aufführen, werden eben als solche behandelt und deine Argumentation als schwachsinnig darstellen, kannst du schon ganz gut allein.... ansonsten höre ich nur "mimimimi" eines anscheinend überforderten und frustrierten Vorklinikers... Somit ist jede weitere Diskussion eh obsolet...
Ich habe eine Diskussion gestartet. Kein Grund mich blöd anzureden. Und wenn du nur ein "mimimi" hörst, dann musst du dir mal die Ohren waschen.
Schmeckt die eigene Medizin nicht?
Herrschaften, meine Anmerkung bzgl der Netiquette gilt für alle Diskussionsteilnehmer. Wenn der Kindergarten hier weitergeht, ist Schluß mit dem Thema.
PsychoFan
03.12.2013, 10:21
Nennt mir doch mal konkrete Beispiele um dem Vorkliniker zu erklären warum Anatomie so detailliert so wichtig ist. Dann hat das Thema auch gleich wieder einen Sinn:
Warum Anatomie im Detail wichtig ist, Beispielstrukturen + bei welcher Therapie. Besonders kleine Schmuckstücke freuen mich am meisten.
Wozu ein Psychiater Anatomie braucht? Damit er weiß, was er auf einem cCT Bild sieht, was von dem, was er sieht, nicht dorthin gehört und welche Symptoe es machen kann, wenn es dort ist, wo es nicht hingehört. Damit er bei einer LP munter vor sich losstochern kann, ohne dem Patienten Schaden zuzufügen. Damit er ohne groß zu überlegen eine IM Injektion bei einem fixierten Patienten vornehmen kann und damit er weiss, wo er festhalten darf und wo er nicht festhalten sollte. Damit er beim Abchorchen des Herzens nicht die Rippen von oben nach unten durchtasten muss um den erbschen Punkt zu finden und dabei vom Patienten wie ein Außerirdischer angeglotzt wird. Damit er weiss, wo er immer Blut bekommt, wenn alle Venen zerstochert sind und wo er anexate spritzen kann, wenn er mit Diazepam übertrieben hat. Damit er eine Schnappatmung erkennt, ohne diese jemals am noch Lebenden gesehen zu haben. Damit er auf Anhieb eine psychogene Bewegungsstörung von einer organischen unterscheiden kann..
Oder anders: Wie stellst Du es Dir vor, eine Orange zu schälen, ohne jemals gesehen zu haben, wie ihr "Inneres" aufgebaut ist?
Früher gab es sog. Feldschere. Die wussten zwar, was sie machen, haben aber nicht unbedingt verstanden, weshalb sie das so und nicht anders machen. Arzt sein bedeutet auch, zu verstehen, weshalb ich so und nicht anders behandle. Das kann ich nur, wenn ich die Norm kenne.
Klar, man vergisst das Meiste, was man gelernt hat. Ich kann nicht alle Muskeln korrekt benennen. Aber wenn ich als Nichtorthopäde und Nichtchirurg einen unbekledeten Patienten sehe und ihn ein paar Bewegungen machen lasse, sehe ich recht schnell, ob etwas nicht stimmt. Ich schaue ihn an, taste vielleicht ab und wenn ich merke, dass etwas nicht mit dem übereinstimmt, wie es sein sollte, dann hole ich mir orthopädischen Rat ein. Die Kenntnis der Anatomie des Gesunden hilft mir dabei mehr, als das, was ich im Fach Orthopädie im Studium gelernt habe. Ich habe keine Ahnung, wie die meisten orthopädischen Tests heißen, die ich durchführe, ich führe sie jedoch intuitiv durch. Wenn ich weiss, wie ein Gelenk aufgebaut ist, welche Muskeln dieses bewegen und wenn ich noch dazu ein elementäres Verständnis für Mechanik habe, dann merke ich doch sofort, ob etwas nicht stimmt!
Genauso wie ich ohne spezielle Kentnisse der Warenkkunde des Lebensmittelhandels an der Obsttheke weiss, welche Orangen ich in meine Tüte packe und welche ich lieber liegen lasse.
@PsychoFan:
Nun, das finde ich alles ein ganz klein wenig übertrieben. Die CT-Bilder interpretieren mir die Neuroradiologen, und wenn da was Gravierendes ist, geht der Pat. sowieso in die Neuro-Fächer. Für LP, intravenöse Zugänge, Injektionen und Auskultation brauche ich nun wirklich keine Anatomiekenntnisse, die über die Abiturallgemeinbildung hinausgehen, sondern praktische Fähigkeiten.
Was im Studium tatsächlich viel zu kurz kommt, ist in der Vorklinik die Psychologie und sind in der Klinik sämtliche Psycho-Fächer - und das beileibe nicht nur für zukünftige Psychiater! Wenn sich Arztsein auf das Humaningenieurtum beschränken würde, wäre das erbärmlich.
Primärfiltrat
03.12.2013, 19:19
@PsychoFan:
Nun, das finde ich alles ein ganz klein wenig übertrieben. Die CT-Bilder interpretieren mir die Neuroradiologen, und wenn da was Gravierendes ist, geht der Pat. sowieso in die Neuro-Fächer. Für LP, intravenöse Zugänge, Injektionen und Auskultation brauche ich nun wirklich keine Anatomiekenntnisse, die über die Abiturallgemeinbildung hinausgehen, sondern praktische Fähigkeiten.
Was im Studium tatsächlich viel zu kurz kommt, ist in der Vorklinik die Psychologie und sind in der Klinik sämtliche Psycho-Fächer - und das beileibe nicht nur für zukünftige Psychiater! Wenn sich Arztsein auf das Humaningenieurtum beschränken würde, wäre das erbärmlich.
Den Gedanken finde ich interessant. Wie würdest du dir die Psychologie im Studium vorstellen?
Wie würdest du dir die Psychologie im Studium vorstellen?
Anders. Lebendiger. Momentan braucht man keinen Anästhesisten, um zu schlafen :-sleppy Aber ich schlafe lieber mit einem Anästhesisten und würde Psycho gerne wach erleben.
firstdayofwinter
03.12.2013, 20:04
Ach ich befürchte, das Studium kann man nicht jedem gerecht machen, egal, wie man's strukturiert, allerdings ist mir ein Gedanke gekommen beim Lesen des Threads, den ich schon mal in der Vorklinik hatte: Ich hatte die Blödheit, in Histo nicht aufgepasst zu haben und musste den Kurs wiederholen, nachdem ich Anatomie absolviert hatte. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob studieren das richtige für mich gewesen war, denn da wurde mir wieder mal klar, dass ich mit Dingen, die man sehen und anfassen konnte, viel besser umgehen konnte, als mit Molekülen und Elektronen. Das ist jetzt etwas vom Thema ab.
Was ich sagen wollte war, dass nach dem Anatomiekurs Histo plötzlich viel logischer und interessanter für mich wurde als vorher, nachdem ich ein Semester lang ausgiebig die Lokalisation und den Nutzen aller Organe gelernt hatte, verstand ich auch vieles in Histo, wozu ich vorher nicht den geringsten Bezug hatte, viel besser. Damals kam mir der Gedanke, dass es vielleicht weniger logisch ist, als man denkt, das kleine vor dem Großen zu lernen. Vielleicht muss man das "Grobe" erst lernen, um die Details überhaupt verstehen zu können. Klar hatte ich Aha-Erlebnisse im Laufe meines Studiums aufgrund von in der Vorklinik erworbenem Wissen, dem ich plötzlich Sinn geben konnte, aber was wäre passiert, wenn man erst relativ ungenau lernen würde, wie eine Krankheit entsteht, und welche Medikamente man dafür benützt, und danach erst, welche Kanäle und Proteine genau dafür verantwortlich sind oder sein können? Ich bilde mir ein, dass mein Wissen für Forschung auch größer gewesen wäre, wenn die Ausbildung so rum gewesen wäre. Ich glaube dann wäre ich mit ganz vielen Fragezeichen nach dem Warum von dem was wir bereits gelernt hatten, in das weiteren Lernen gegangen, und nicht mit einem ganz großen Warum, nämlich "Warum mussten wir das alles überhaupt wissen", in die klinischen Fächer.
Meine 2 cents.
Meine kurze Antwort auf die Frage wie kompetent man nach dem Studium ist: ziemlich extremst inkompetent!
Deswegen haben sich schlaue Menschen auch gedacht, dass es so etwas wie eine mehrjährige Facharztweiterbildung geben muss. Zu meinen man wäre nach dem Medizinstudium wirklich Arzt ist eine irrige Wunschvorstellung (habe ich aber auch erst spät im Studium bemerkt). Das Studium bietet Dir Grundlagen mit für Dich mal mehr, mal weniger relevantem Wissen, Du brauchst von diesem Wissen wahrscheinlich je nach später eingeschlagenem Fach 20- vielleicht max. 50%. Das ist aber kein Argument gegen die Wissensfülle, die Uni bildet Mediziner aus die später mal etwas so unterschiedliches wie zB Physiologe und Orthopäde werden. Deine Vorstellung rührt von der irrigen Annahme her, dass Medizinstudium würde auf "den Arztberuf" vorbereiten, es gibt "den Arztberuf" direkt nach der Uni aber gar nicht, sondern man fängt erst nach dem Studium an den Beruf zu erlernen.
Primärfiltrat
04.12.2013, 10:45
Meine kurze Antwort auf die Frage wie kompetent man nach dem Studium ist: ziemlich extremst inkompetent!
Deswegen haben sich schlaue Menschen auch gedacht, dass es so etwas wie eine mehrjährige Facharztweiterbildung geben muss. Zu meinen man wäre nach dem Medizinstudium wirklich Arzt ist eine irrige Wunschvorstellung (habe ich aber auch erst spät im Studium bemerkt). Das Studium bietet Dir Grundlagen mit für Dich mal mehr, mal weniger relevantem Wissen, Du brauchst von diesem Wissen wahrscheinlich je nach später eingeschlagenem Fach 20- vielleicht max. 50%. Das ist aber kein Argument gegen die Wissensfülle, die Uni bildet Mediziner aus die später mal etwas so unterschiedliches wie zB Physiologe und Orthopäde werden. Deine Vorstellung rührt von der irrigen Annahme her, dass Medizinstudium würde auf "den Arztberuf" vorbereiten, es gibt "den Arztberuf" direkt nach der Uni aber gar nicht, sondern man fängt erst nach dem Studium an den Beruf zu erlernen.
Ich stimme dir voll und ganz zu! Das heißt aber nicht, dass man sich als Student mit genug Engagement nicht in eine konkrete Richtung selbst fortbilden kann. Und natürlich ist das Medizinstudium breit aufgebaut, aber angesichts der Tatsache, dass vlt 1% Physiologe, Biochemiker oder Anatom zum Beispiel werden, muss man sich doch fragen ob es nicht etwas konkretisierter Richtung Arztberuf gerichtet werden soll. Einfach nach dem Mehrheitsprinzip. Und da kommt auch die Psychologie ins Spiel von einem der Vorposter: Haben wir genug davon?
Aber das sind alles Fragen, auf die man keine richtige Lösung finden kann, es liegt denke ich an jedem selbst die Richtung entsprechend Neigung und Interesse zu verfolgen.
Doch so schlau war ich vor meinem Thread auch schon. Mich interessiert eher die Frage: Wie weit soll man das treiben? (Es kommt auf die Frage hinaus wie viel Zeit man für Prüfungen über Stoff, den man nicht mehr so braucht aufwendet, dafür aber als super Student dasteht, gegenüber Zeit für Stoff, den man sehr sicher wieder braucht.) Dieser Konflikt hat mich gestört. Das ist auch nicht so leicht zu beantworten und es muss letztlich jeder selbst wissen. Mir hat es aber geholfen, die zunächst unwichtigen Details nun wieder als wichtiger zu empfinden - immerhin was :D
Naja, die Frage ist ja, will man wirklich das Studium aufweichen? Ich denke, dass das Studium, so wie es jetzt ist, gar nicht sooo falsch ist! Du lernst halt wirklich in Vorklinik und Klinik die Basics. Niemand wird nach dem Studium ernsthaft in der Lage sein, in einem Fachgebiet Patienten vernünftig zu behandeln. Das ist aber auch nicht das Ziel! Ziel muss doch sein, jedem späteren spezialisierten Facharzt irgendwann mal die Basics der anderen Fächer nahegebracht zu haben! Es kann doch nicht sein, dass der Internist die Appendizitis nicht erkennt. Und der Chirurg weiß nicht, was ein Diabetes mellitus ist. Nur solche Zustände hättest Du irgendwann, wenn Du eben nicht mehr die Breitenausbildung machst, sondern der Chirurg lernt nur noch das Schneiden, für den Augenarzt hört der Körper direkt unter der Orbitaunterkante auf, etc...
Primärfiltrat
04.12.2013, 16:25
Naja, die Frage ist ja, will man wirklich das Studium aufweichen? Ich denke, dass das Studium, so wie es jetzt ist, gar nicht sooo falsch ist! Du lernst halt wirklich in Vorklinik und Klinik die Basics. Niemand wird nach dem Studium ernsthaft in der Lage sein, in einem Fachgebiet Patienten vernünftig zu behandeln. Das ist aber auch nicht das Ziel! Ziel muss doch sein, jedem späteren spezialisierten Facharzt irgendwann mal die Basics der anderen Fächer nahegebracht zu haben! Es kann doch nicht sein, dass der Internist die Appendizitis nicht erkennt. Und der Chirurg weiß nicht, was ein Diabetes mellitus ist. Nur solche Zustände hättest Du irgendwann, wenn Du eben nicht mehr die Breitenausbildung machst, sondern der Chirurg lernt nur noch das Schneiden, für den Augenarzt hört der Körper direkt unter der Orbitaunterkante auf, etc...
Ich verstehe deine Position. Ich bin mir auch recht einig mit dir, aber an dem Satz: "niemand wird in der Lage sein, in einem Fachgebiet Patienten vernünftig zu behandeln" bin ich dann doch inis Stolpern geraten. Das war auch etwas, was mich im Ausgangspost bewegt hat. Ich meine muss das wirklich sein, dass man nach 6 Jahren Ausbildung immernoch keinen Patienten richtig behandeln kann? Ich möchte ja gar nicht behaupten, dass man aus jedem Fachgebiet alles richtig behandeln kann,(das ist natürlich Unsinn und nicht machbar!) aber zumindest so, dass man von einem bestimmten Fach die häufigsten Fälle diagnostizieren und halbwegs(!) selbstständig behandeln kann. Ob ich das schaffe, wird sich natürlich erst noch zeigen (!). Ich finde die Kante oder den Schritt wenn du so willst, vom Studium in die Klinik sehr groß (ich sehe das auch an Assistenzärzten aus meinen bisherigen Praktika), mir persönlich zu groß. Deswegen versuche ich auch jetzt in der Vorklinik frühzeitig einzugrenzen in welche Richtung es geht, um dann schon möglichst früh zu wissen, was ich später werden will. Und wenn ich das weiß, möchte ich so viel Erfahrung gesammelt haben, dass der Aufprall in der Klinik ein wenig fließender wird. Ich meine, wenn ich jetzt nicht schon anfange auch ganz konkret einen bestimmten Beruf zu lernen, wann denn dann? Und eine meiner Fragen ist, ob das nicht alle so machen sollten und ob das im Rahmen des Studiums nicht eher so festgelegt werden soll? Man lernt ja dadurch nicht weniger, sondern man nützt die Freizeit der 6 Jahre um an einen bestimmten Beruf zu denken.
Kackbratze
04.12.2013, 16:52
aber zumindest so, dass man von einem bestimmten Fach die häufigsten Fälle diagnostizieren und halbwegs(!) selbstständig behandeln kann.
Wenn Du während des gesamten Studiums ordentlich aufpasst, wirst Du das unter Anleitung auch problemlos hinbekommen nach dem Examen.
Beau Frost
04.12.2013, 22:59
Ach, hier sollte eigentlich was vernünftiges stehen, aber irgendwie machts ja doch keinen Sinn mit solchen Clowns zu diskutieren. Hochgradiger Spackoverdacht.
Sebastian1
04.12.2013, 23:45
...dann sollte man sich das posten einfach verkneifen und nicht zu grenzwertigen Beleidigungen greifen. Die Forenregeln gelten für alle.
Gruß,
Sebastian
Admin Medi-Foren
Ich meine muss das wirklich sein, dass man nach 6 Jahren Ausbildung immernoch keinen Patienten richtig behandeln kann?
Naja, ich sehe das Studium eher so als theoretische Grundlage für die spätere praktische Ausbildung in der Weiterbildungszeit an. Ist wie mit dem Autofahren. Ohne die Theorie zu kennen kann man auch nicht die Praxis beherrschen. Und auch da gibt es Schilder, die ich noch NIE gesehen haben. :-))
Ich möchte ja gar nicht behaupten, dass man aus jedem Fachgebiet alles richtig behandeln kann,(das ist natürlich Unsinn und nicht machbar!) aber zumindest so, dass man von einem bestimmten Fach die häufigsten Fälle diagnostizieren und halbwegs(!) selbstständig behandeln kann. Ob ich das schaffe, wird sich natürlich erst noch zeigen (!). Ich finde die Kante oder den Schritt wenn du so willst, vom Studium in die Klinik sehr groß (ich sehe das auch an Assistenzärzten aus meinen bisherigen Praktika), mir persönlich zu groß.
Nun ja, aber genau dafür ist die Facharztweiterbildung doch da... In der Zeit lernst Du eben unter Anleitung die großen und kleinen Dinge des Fachgebietes kennen und zu beherrschen. Und das funktioniert eben nicht im Studium. Dazu braucht man die ständige Wiederholung von bestimmten Tätigkeiten, bis man sie eben auch blind beherrscht (oder wenn man nachts um 3 aus dem Bett geklingelt wird). Und auch wenn man denkt, dass man nach 6 Jahren Studium endlich einen Patienten gekonnt und kompetent behandeln kann... es ist nicht so! Wenn ich an meinen letzten Dienst in der Klinik denke, zusammen mit einem ganz neuen Kollegen, der dann auch gerne mal anrief und gefragt hat: "Kann ich dem Patienten denn jetzt eine Paracetamol Tablette geben?" Jaa, wenn man erst mal selbst die Entscheidung treffen muss, dann möchte man doch lieber wieder zurück ins Studium... :-))
Deswegen versuche ich auch jetzt in der Vorklinik frühzeitig einzugrenzen in welche Richtung es geht, um dann schon möglichst früh zu wissen, was ich später werden will. Und wenn ich das weiß, möchte ich so viel Erfahrung gesammelt haben, dass der Aufprall in der Klinik ein wenig fließender wird. Ich meine, wenn ich jetzt nicht schon anfange auch ganz konkret einen bestimmten Beruf zu lernen, wann denn dann? Und eine meiner Fragen ist, ob das nicht alle so machen sollten und ob das im Rahmen des Studiums nicht eher so festgelegt werden soll? Man lernt ja dadurch nicht weniger, sondern man nützt die Freizeit der 6 Jahre um an einen bestimmten Beruf zu denken.
Ganz ehrliche? Nöööö! ICH wusste am Anfang des Studiums nicht, dass ich mal als Betäubär enden würde. Bis (fast) ins PJ wollte ich eigentlich noch in die Chirurgie, gerne auch Unfallchirurgie... oder Gefäße. Und dann kam in den letzten Semesterferien die Anästhesiefamulatur... :-love
Und als dann noch das PJ-Tertial Chirurgie kam, da wusste ich: neee, Chirurgie ab-haken, Anästhesie ich komme! :-))
king kola
05.12.2013, 08:36
Ich stimme dir voll und ganz zu! Das heißt aber nicht, dass man sich als Student mit genug Engagement nicht in eine konkrete Richtung selbst fortbilden kann.
Wenn ich das nach einmal Querlesen des Threads richtig verstehe, ist das doch eins deiner Kernthemen? Wenn dein einziges Problem ist, dass du dich lieber mit für dich interessanten Themen beschäftigen möchtest- hinten anstellen! Denn das wollen alle! Nimms hin, sonst schreibst du in ein Paar Jahren " Ich würde als Assistenzarzt lieber mehr Medizin machen als EDV-Scheiße, Dokumentation, Kodieren...". Davon mal ab hatte ich eigentlich genügend Zeit sowohl interessante/relevante Inhalte zu lernen als auch ein bisschen Überstand für die Klausuren. Und daher schließe ich mich den Übrigen an, die die Meinung vertreten, dass wir an der Uni sind/waren und Erwachsenenbildung nunmal bedeutet selbst Verantwortung zu übernehmen und eigene Entscheidungen zu treffen was man macht. Kann man als Arzt auch gut gebrauchen, nur nebenbei.
Und natürlich ist das Medizinstudium breit aufgebaut, aber angesichts der Tatsache, dass vlt 1% Physiologe, Biochemiker oder Anatom zum Beispiel werden, muss man sich doch fragen ob es nicht etwas konkretisierter Richtung Arztberuf gerichtet werden soll. Einfach nach dem Mehrheitsprinzip.
Mit diesem Posting bietest du leider jedem Gelegenheit für ne volle Breitseite "Vorklinik-Heulsuse". Der Arztberuf beinhaltet nunmal viele Subspezialisierungen von der quasi jede bestimmte Teilaspekte aus den o.g. Bereichen besonders braucht. Daher bereitet einen die Vorklinik auch darauf vor. Ganz einfach nach dem Mehrheitsprinzip, weil wir ja alle Arzt werden wollen/wollten und der angehende Unfallchirurg eben auch lernen muss, was der Neurologe später alles so braucht und umgekehrt. Bei halbwegs aufmerksamer Mitarbeit über 6 Jahre wissen dann beide mehr oder weniger gut, wann sie den andern besser mal fragen bzw. wie sie Thromboseprophylaxe machen ohne den Internisten anzurufen.
Christoph_A
05.12.2013, 08:59
Naja, so is halt das Medizinerleben aufgebaut.
Vorklinik = wie funktioniert der gesunde Patient
Klinik = wie funktioniert der kranke Patient
FA Ausbildung = Koordinierung des ganzen in einem Fachgebiet.
Studium soll, wie viele Vorschreiber auch richtig gesagt haben, eben alles abbilden, da muß es auch mal in uninteressante Details gehen, damit überhaupt was kleben bleibt (und es ist erstaunlich, wieviel man zumindest peripher noch aus anderen Fachrichtungen weiß, das können Dir wohl alle Altassis hier bestätigen). Zu frühe Spezialisierung bringts meiner Meinung nach nicht.
und, ein kleiner persönlicher Tip am Rande: Etwas Geduld hilft manchmal extrem weiter.
Bronkhorst
21.05.2014, 19:49
Nennt mir doch mal konkrete Beispiele um dem Vorkliniker zu erklären warum Anatomie so detailliert so wichtig ist. Dann hat das Thema auch gleich wieder einen Sinn:
Warum Anatomie im Detail wichtig ist, Beispielstrukturen + bei welcher Therapie. Besonders kleine Schmuckstücke freuen mich am meisten.
Man muss nicht immer gleich nach dem Schluss des Threads schreien.
Ich sage: Es gibt sehr viel weniger als unterrichtet werden. Überzeugt mich vom Gegenteil mit eurer Erfahrung aus der Klinik. Ist doch mal ein Thema.
Beispiel:
N. xyz (umso nebensächlicher, desto interessanter)
Therapie: xyz (umso häufiger vorkommend, desto interessanter)
Ihr seid dran.
Also, ich hab da was für dich:
In der Neurologischen Klinik, in der ich seit 5 Jahren arbeite, sollte ein Allgemeinchirurg konsiliarisch den N. suralis biopsieren. Auf den Konsilschein hatte aber ein Anfänger-Assi, der nicht genau wusste, welche Nerven man biopsieren darf (ein zu biopsierender Nerv muss recht oberflächlich und gut zugänglich sein und sollte idealerweise keine motorischen Qualitäten führen, sondern rein sensibel sein) geschrieben: erbitte Biopsie des N. peroneus communis im Verlauf. Dieser Assi hatte gedacht: "naja, elektroneurographisch wurde ja unter anderem der N. peroneus communis als leitungsverzögert beschrieben, und irgendwo aus dem N. peroneus communis zweigt doch der N. suralis ab, oder?" Der hatte also die Vorklinik schon etwas vergessen. Und was macht der Chirurg? Er befolgt ganz einfach diesen Auftrag und biopsiert den N. peroneus communis. Und was ist mit dem Patient? Der steppergangt dank seiner Peroneusparese durch die Welt und hat alle beteiligten Ärzte angezeigt und verlangt Schadensersatz.
Gutes Beispiel?
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