Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Koalitionsvertrag - Termingarantie?



Seiten : 1 2 [3] 4

Tensoranalysis
29.12.2013, 22:55
Naja. Der Durchschnittsverdienst liegt wohl um einiges unter 3 K. Außerdem dürften niedergelassene Ärzte ja recht schnell auf das 10fache kommen.
Angeblich arbeiten ja Hausärzte ja für 4 Euro in der Stunde. Um ihren Überschuss von 130 K zu verdienen, arbeiten sie dann 80 Stunden - am Tag.
Klagen und Jammern bekommt man in der Medizin anscheinend schon im ersten Semester beigebracht.
Ich versteh das gar nicht.
Die Gesellschaft hat Ärzten gegenüber doch keine Bringschuld.
Das wünschen sich Ärzte vielleicht so.
Aber schön ,dass du die angegebenen Gehälter mal nicht sofort bestreitest.

Mondschein
29.12.2013, 23:53
Nur so interessehalber - was machst du denn beruflich? Arbeitszeit? Monatsbruttogehalt?

Die dringenden Fälle kommen bei uns (Spezialambulanzen an der Uni) innerhalb von 1-2 Wochen dran, da ruft der Hausarzt direkt an, schildert Fall und Befunde, wir besprechen, ob man vorher noch was sinnvolles organisieren sollte (z.B. CT-Termin oder so) und geben nen zeitnahen Termin. Klappt gut. Meines Wissens machen das unsere fachärztlich niedergelassenen Kollegen vor Ort genauso (da arbeiten wir ganz gut zusammen und koordinieren uns). Ohne irgendwelche rechtlichen Geschichten. Einfach, weil wir einschätzen können, was dringend ist und dies dann auch dringend durchführen. Das ist unser Job.

Einzelne Patienten sind - wenn sich der Hausarzt nicht kümmert - tatsächlich mal zu schüchtern, um einen notwendigen dringenden Termin einzufordern. Aber einzelne werden IMMER durchs Raster fallen, egal, was für gesetzliche Regelungen man trifft.

Aber der Großteil der Patienten, der bei uns vehement fordernd auf einen ach so dringenden Termin pocht, hat nix. Oder zumindest nichts schlimmes. Sondern wollte nur mal kucken/ fragen/... Und kann daher auch mal ein bisschen warten.
Geplante Arzttermine (Zahnarzt, Vorsorge etc.) kann man doch rechtzeitig planen. Und notfallmäßige Termine kriegt man, wenn man sie braucht - da vermitteln die Hausärzte schon. Nur ist ein Unterschied in der Betrachtungsweise Patient "ich will wissen, was ich habe" und Arzt "es ist keine Gefahr im Verzug und andere - dringendere - Patienten haben Vorrang".

Man öffnet der massiven Überlastung aller Ärzte (jenseits der Gehaltsdiskussion sind nun mal gewisse Maximal-Arbeitszeiten gesetzlich - sagen wir "empfohlen" - zumindest für Angestelltenverhältnisse) Tür und Tor, wenn JEDER einen raschen Termin kriegen muss und indiziert ist es auch nicht. Ich hoff, das scheitert noch irgendwie und wird über eine "Hausärzte sollen wenn notwedig - schnelle FA-Termine organisieren" - Regelung etwas aufgeweicht!! Patienten wollen nämlich viel, wenn der Tag lang ist (auch das ist nicht bös gemeint.)

Und es wird eins vergessen. Die Patienten kriegen nicht keine Termine, weil wir alle keine Lust haben, zu arbeiten. Sondern weil wir mit bestimmten Ressourcen und Kapazitäten (zeitlicher und wirtschaftlicher Natur) sinnvoll umgehen müssen, es wird priorisiert und triagiert. Und das ist politisch seit langem so gewollt. Wenn wir könnten und dürften, wie wir wollten, dann könnten wir wieder die Wellness-Medizin betreiben, die alle gern hätten. Ein bisschen Massage hier zusätzlich verschreiben, ein paar Tröpfchen von diesem Saft da und eine wöchentliche Gesprächstherapie... Aber dazu hat das dt. Gesundheitswesen nun mal kein Geld mehr. Das schlägt sich massiv in allen Bereichen nieder, auch in den Facharztkontakten. Wenn jeder selbst entscheidet, wo er überall hin will entsteht Überdiagnostik und ggf. auch Doppeldiagnostik und die kostet uns alle unnötiges Geld. Nicht die Ärzte. Sondern die Versicherten.

PS: Niedergelassene arbeiten nur 6 h? Wieso hat mir das nie jemand gesagt?? Graviert mir bitte schnell ein Schild, ich mach ne Praxis auf!! Verwaltungskram nach der Sprechzeit muss man da bestimmt nicht erledigen, oder? Sondern nur kurz Handschütteln und abkassieren, und dann geht man zum Golfspielen. Oder wie läuft das ab? Erklärs mir, du scheints ja bescheid zu wissen ;)

Nurbanu
30.12.2013, 00:08
Er wurde virtuell begraben.

milz
30.12.2013, 00:17
Die Facharztsache ist die Augenwischerei um zu verdecken, das parallel die Vorsorgeuntersuchungen zusammengestrichen werden sollen.
Ach so, das erklärt dann auch folgenden Artikel, ich hatte mich schon gewundert:

http://www.sueddeutsche.de/politik/check-ups-beim-arzt-wenn-vorsorge-nur-dem-arzt-nutzt-1.1852285

Das IQWiG hielt ich bislang eig. für eine seriöse Einrichtung.

Nachtrag: Aber es heißt ja auch "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)", da kann man mal zwischen den Stühlen sitzen...

Mondschein
30.12.2013, 00:23
Och menno. Jetzt werden wir nie erfahren, wie viel er so verdient und welches Handicap er hat.....

Coxy-Baby
30.12.2013, 00:27
...aber du hast doch einen schönen Beitrag geschrieben, er liest ihn jetzt als Gast.

nasenbaer12
30.12.2013, 01:19
Oha, hat sich etwa ein SPON-Leser hierher verirrt? :-))

bankenpeter? :)

Thomas24
30.12.2013, 18:57
Ach so, das erklärt dann auch folgenden Artikel, ich hatte mich schon gewundert:

http://www.sueddeutsche.de/politik/check-ups-beim-arzt-wenn-vorsorge-nur-dem-arzt-nutzt-1.1852285

Das IQWiG hielt ich bislang eig. für eine seriöse Einrichtung.

Nachtrag: Aber es heißt ja auch "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)", da kann man mal zwischen den Stühlen sitzen...

Nachdem besagtes Institut vor Jahren die Amblyopietherapie durch Oklusionsbehandlung infolge mangelnder Evidenz gebasht hat, konnte ich die irgendwie nicht mehr so ganz ernst nehmen...

Muriel
30.12.2013, 19:17
Das meinten die hoffentlich nicht ernst...

Thomas24
30.12.2013, 19:18
Ich denke schon...vielleicht finde ich den Link noch irgendwo.:-nix

Muriel
30.12.2013, 19:20
Unfassbar

Feuerblick
30.12.2013, 19:24
Doch doch! Das war doch der Grund, weshalb die Kassen sich ewig geweigert haben, ein Amblyopiescreening zu bezahlen. Weil traumatisierend und die Therapie bringt ja eh nix!

Thomas24
30.12.2013, 19:26
Ich find den Link auf die Schnelle nicht mehr, es muss aber so um 2008/2009 gewesen sein. Lagréze und co, die Bielschowsky Gesellschaft, BVA und DOG sind verständlicherweise steil gegangen ob der kruden Schlußfolgerung des IQWIG...

Feuerblick
30.12.2013, 19:27
Ja, da war richtig Party bei den Fachgesellschaften damals!

Thomas24
30.12.2013, 19:33
Ach im Gesundheits(un)wesen ist doch immer Party-
ich weiss noch, wie der Beschluss gefasst wurde, dass das Glaukomscreening nicht mehr auf Kassenkosten durchzuführen sei.

Die Kriterien sind ja, dass es eine häufige in der Bevölkerung auftretende und volkswirtschaftlich relevante Erkrankung sein müsse, die frühzeitig entdeckbar sein solle, es genügend qualifizierte Behandler gebe und die Erkrankung durch eine rechtzeitige Behandlung positiv beeinflussbar sein solle.

Anscheinend beim Glaukom in keinem der o.g. Punkte der Fall... weder häufig, noch volkswirtschaftlich relevant, man kann es anscheinend auch nicht rechtzeitig entdecken, und wenn ja, gäbe es ja auch nicht genügend Ärzte für eine adäquate Behandlung, und man kann ja eh nichts machen... jaja.

Feuerblick
30.12.2013, 19:37
Dazu hab ich aber mal nen guten Vortrag gehört. Volkswirtschaftlich gesehen ist es tatsächlich nicht relevant, weil diejenigen, die dem Arbeitsmarkt durch diese Erkrankung letztlich nicht zur Verfügung stehen, nur eine geringe Zahl ausmachen. Wenn man dann die Kosten für Screening und Nachfolgeuntersuchungen gegenrechnet, rechnet sich das echt nicht. War übrigens ein Augenarzt, der uns das mal vorgerechnet hat. Klingt blöd, ist aber genau die Argumentationsschiene. Sprich: Schaden entsteht nur, wenn die Erkrankten in großer Zahl so stark geschädigt werden, dass sie dem Arbeitsmarkt und damit eben der Volkswirtschaft nicht zur Verfügung stehen. Böse...

Muriel
30.12.2013, 19:46
Jaja, das Einzelschicksal zählt nicht. Im Übrigen sind amblyope Kinder und spätere Erwachsene ja auch eigentlich völlig egal volkswirtschaftlich gesehen, das stimmt wohl. Muss ja nicht jeder Pilot werden und ein "normaler" Beruf ist ja kein Problem. Dass kein Screening bezahlt wird, weiß ich ja, aber diese krude Begründung war mir neu *Kopf schüttel*
Wir igeln im Übrigen so etwas nicht, also kein Kind egal ob mit oder ohne Verdacht, Familienanamnese etc.

Feuerblick
30.12.2013, 19:54
@Muri: Bei der Rechnung gings ums Glaukomscreening. Das Amblyopiescreening wurde als "traumatisierend" und dennoch nicht ausreichend aussagekräftig abgetan damals. ;-)
Wir haben die Screenings auch nicht geigelt, eine Skia bei unauffällig gescreentem Kind jedoch schon. Inzwischen zahlen einige Kassen übrigens das Screening für Kinder eines gewissen Alters (habs grad nicht im Kopf), die dann aber (und schon simmer wieder beim Thema) innerhalb von (ich glaube) vier Wochen drankommen müssen in der Sehschule ;-)

Thomas24
30.12.2013, 19:56
Ach tatsächlich? Ich dachte, dass es eines der zentralen Therapieziele wäre die Progression des Gesichtsfelddefektes so lange wie möglich hinauszuzögern, zumindest so lange, dass der betroffene Patient noch sein Erwerbsleben durchstehen kann.
Erstaunt mich, dass es angesichts der Prävalenz des POWG etc. tatsächlich volkswirtschaftlich nicht ins Gewicht fällt- (vermutlich werden die Leute erst blind, nachdem Sie altersbedingt ohnehin dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen und sind insofern keine volkswirtschaftlich wichtigen Gesellschaftsmitglieder mehr...). Naja, wieder was dazu gelernt.

Dann geb ich mir bei den Glaukompatienten in Zukunft halt ein bischen weniger Mühe, wenn´s die robuste deutsche Volkswirtschaft doch eh aushält... :-(( Und bei den Glaukomomis... nun ja, dann gibt´s halt keine teuren Prostaglandine mehr...diese nutzlosen Esser :D /Nicht Ernst nehmen!

Feuerblick
30.12.2013, 20:06
Jepp, das mit dem Alter ist der Knackpunkt. Die schweren Glaukome vor dem 65. Lebensjahr sind einfach nicht häufig genug und die rein medizinischen Kriterien im Bezug auf Einzelschicksale zählen bei der Wirtschaftlichkeitsbewertung nicht... :-nix
Aber mal ehrlich: Normalerweise wirft man doch bei jedem Patienten mal nen kleinen Blick auf die Papille. Das Screening ist doch quasi in unseren Köpfen "eingebaut" und nur die geldg...äh... interessierten Kollegen wollen das unbedingt igeln ;-)
Prostaglandine sind doch gar nicht mehr soooo teuer. Gibt hübsche Rabattverträge. Und kein Kreuzchen machen, bitte ;-)