Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nach dem Examen: "Nebenjob" als Arzt? Dienste, Beratung, Honorararzt etc.?
Ich habe vor kurzem Examen gemacht, möchte mich aber erst in einigen Monaten auf eine Stelle bewerben, will vorher meine Diss fertigstellen und ein paar andere Sachen machen.
Würde gerne, wenn es irgendwie möglich ist, in der Zwischenzeit gelegentlich in irgendeiner Form ärztlich tätig werden - kann jemand von euch etwas empfehlen? Würde gerne, wenn möglich, selbständig arbeiten.
Eine Bekannte hat z.B. als Honorarkraft in einem Suchtprojekt gearbeitet. Dann habe ich von jemanden (allerdings nicht in Berlin) gehört, dass von einigen Kliniken Honorarkräfte für Dienste in der Psychiatrie gesucht werden (will ohnehin später Psychiatrie machen).
Kennt jemand von Euch zufällig eine Jobmöglichkeit dieser oder anderer Art? Wichtig ist mir vor allem, dass es irgendwas ärztliches ist.
Außerdem bieten manche Honorararztagenturen anscheinend Jobs / Vermittlungen nicht nur für Fachärzte an, habe aber im Netz nichts dazu gefunden. Vielleicht kann mir hier auch jemand weiterhelfen?
Danke & Gruß
Yasmin
Dienste in einem klinischen Fach ohne Berufserfahrung halte ich für mutig, es sei denn es steht ein erfahrener Kollege als Backup auch physisch zur Verfügung, ähnliches gilt als Honorararzt mit Diensten.
Dann habe ich von jemanden (allerdings nicht in Berlin) gehört, dass von einigen Kliniken Honorarkräfte für Dienste in der Psychiatrie gesucht werden (will ohnehin später Psychiatrie machen).
Dienste in der Psychiatrie sind ohne ein paar Monate klinische Erfahrung nicht möglich. Zum einen muß das psychiatrische Grundhandwerk erlernt werden, zum anderen braucht es - gerade in Fachkliniken, die nicht an ein Allgemeinkrankenhaus angeschlossen sind - grundlegende allgemeinmedizische Fähigkeiten, denn oft muß man mit sehr einfachen Mitteln untersuchen und entscheiden, was zu tun ist - und man hat es häufig mit körperlich multimorbiden Pat. zu tun (Geronto, Sucht, chronisch Schizophrene).
Das finde ich auch mutig.
Eine Freundin von mir wollte nach dem Examen auch die Diss fertigstellen und hat eine Teilzeitstelle in der Klinik angenommen. Eine andere hat erst noch in ihrem Studentenjob als wiss. Hilfskraft in einem Studienzentrum weitergearbeitet.
Du musst dran denken, dass du als Berufsanfängerin nicht nur viele Dinge nicht weißt und nicht kannst (und das IST nach dem Studium einfach so, geht gar nicht anders) sondern dass du als Honorarärztin auch die Infrastruktur der Klinik nicht kennst. In meinen ersten Diensten war ich froh, dass ich schon ein paar Telefonnummern kannte - und da war aber auch immer ein Facharzt anwesend, der befragt werden konnte plus diverse Kollegen im Hintergrund. Und dann gibt's noch liebe Schwestern, die einem auch mal zuflüstern, wie jenes und dieses "sonst immer" gemacht wird. Bei einer hausfremden Ärztin sind sie da vielleicht erstmal nicht so offen(?)
Und Psychiatrie erfordert ja starke Nerven, ein selbstsicheres Auftreten (gerade psychisch kranke haben ja sehr sensible Antennen!).
An deiner Stelle würde ich mich wirklich nicht darauf versteifen, frisch von der Uni selbstständig ärztlich tätig sein zu wollen.
Selbst im KH im regulären Stationsdienst stellt man sich als Anfänger oft genug doof an.
Lg
Präpmaus
30.12.2013, 18:22
Besonders "prickelnd" ist es wenn man ganz alleine Dienst in einer kleinen Psychiatrieklinik auf dem Land macht. Und insbesonders folgende Situationen:
Suzidversuch, der eine Intubation bzw. intensivmedizinische Behandlung notwendig macht. Bis der Notarzt nach geschätzten 20 Minuten eingetroffen ist vergeht rein subjektiv eine Ewigkeit.
Ein Pat. bekommt einen Herzinfarkt und genaug ist dieser Situation (wenn Alles Personal da gebunden ist) zieht ein anderer Pat seinen Anfall (medizinisch korrekt Synkope) durch...
Es gibt durchaus Situationen, die auch erfahrene Kräfte vor Ort nur schwer händeln können. Ebenso die eingetroffenen Rettungskräfte, die erstmal die Vergiftungszentrale hinzuziehen und dann ein "passendes Bett" finden mussten.
WackenDoc
30.12.2013, 18:25
Evtl. käme ja ein Job wie Blutspendearzt in Frage. Dort wird man gut in das eingearbeitet, was man wissen muss, hat sein Heft, in dem man nachschlagen kann und die Notfälle sind auch mit minimaler Erfahrung und einem guten Team gut beherrschbar.
WackenDoc, vielen Dank, super Tipp! Genau so etwas habe ich gesucht.
Nachdem die meisten sich ja darüber auslassen, was alles nicht geht (was ja an sich nicht falsch ist, aber ein kurzer Hinweis hätte auch genügt), ein sehr konstruktiver Vorschlag! Danke! Werde gleich mal danach Ausschau halten.
ehem-user-02-08-2021-1033
30.12.2013, 18:41
Suzidversuch, der eine Intubation bzw. intensivmedizinische Behandlung notwendig macht. Bis der Notarzt nach geschätzten 20 Minuten eingetroffen ist vergeht rein subjektiv eine Ewigkeit.
Stimmt, laut Weiterbildungsordnung ist das eine Basiskompetenz im Fach Psychiatrie. ;-)
Präpmaus
30.12.2013, 18:54
Warum so ironisch??? Hier ging es nicht um Weiterbildungsordnung Psychiatrie sondern um "Honorarkräfte für Dienste in der Psychiatrie". Und das dort immer mal wieder heikle Situationen vorkommen ist unausweichlich. Wer denn als der anwesende Arzt soll die Notfallversorgung durchführen? Zudem ist man als Honorararzt auch rechtlich leicht angreifbar. Und Prozesse über 2 bis 3 Jahre können dann schon vorkommen....
Naja, man macht halt Basic Life support, bis der Notarzt kommt, ist doch sonst nirgends anders. Weder wenn auf der Straße was passiert, noch in der Klinik. Ich werd auch nie intubieren können, aber ich kann drücken (und bebeuteln in der Klink), bis derjenige kommt, ders kann… da werd ich auch nicht verhaftet für.
Präpmaus
30.12.2013, 19:00
Bei 20 Autominuten bis zum Notarzt vor Ort, viel Spaß :-)
Erste Hilfe leisten musst du übrigens auch, sogar wenn der Notarzt noch länger braucht. ;-)
Ich will mich auch nochmal konstruktiv äußern: kenn ein paar die nach dem Studium bei ner Firma für Medikamentenzulassungsstudien gearbeitet haben. Haben da die Probanden untersucht und die Aufklärungsgespräche geführt. Die wurden anscheinend vorher darauf geschult und durften das den ganzen Tag lang erklären... schien nicht zu schwer gewesen zu sein
Dr. Jekyll
30.12.2013, 21:23
Initativ einzelne chefs anschreiben. Freiberuflich hakenhalten. 20€ in der stunde. Chef kann dich flexibel einsetzen und spart lohnnebenkosten.
Krankenkasse arzttarif barmenia 80€ und fettich ;-)
Erste Hilfe leisten musst du übrigens auch, sogar wenn der Notarzt noch länger braucht. ;-)
Bei 20 Autominuten bis zum Notarzt vor Ort, viel Spaß :-)
20min. bis der NA da ist? Das dürfte selbst in der Pampa nicht rechtens sein! Übringens: die Hilfsfrist ist die Zeit, bis das erste Rettungsmittel vor Ort ist. Und die RA dürften zur Not auch intubieren.... Wenns mal wieder länger dauert! :-))
Feuerblick
30.12.2013, 23:02
Verteilen die dann auch Snickers? ;-)
Bei Hypoglykämien ja, aber nur rektal (im Rahmen der Notkompetenz)
WackenDoc
31.12.2013, 12:37
Ich bezweifel, dass der gemeine Psychiater auch mit mehr Erfahrung sicher intubieren kann, aber ich bin auch der Meinung, dass man eine gewisse Erfahrung braucht, um kritische Situationen, wie sie in einem Dienst immer passieren können, geregelt zu bekommen.
Ich bezweifel, dass der gemeine Psychiater auch mit mehr Erfahrung sicher intubieren kann, aber ich bin auch der Meinung, dass man eine gewisse Erfahrung braucht, um kritische Situationen, wie sie in einem Dienst immer passieren können, geregelt zu bekommen.
Sind Psychiater nicht immer gemein? :-))
Also ich kenne einen Psychiater, der ganz sicher intubieren kann. Das ist auch der einzige Psychiater, der NEF Dienste gemacht hat und LNA ist... Gut, der hat auch mal was Anständiges gelernt. :-))
Aber sowohl Anästhesie und Urologie haben ihn nicht befriedigt. Und so musste es Psychiatrie werden... :-nix
Ansonsten kann ich nur zustimmen. Einem Anfänger fehlt einfach die Erfahrung, in einem fremden Krankenhaus, mit Leuten, die man nicht kennt, und die man nicht einschätzen kann, solche Situationen zu bewältigen.
Ich würde da vor Allem auch die haftungsrechtliche Seite sehen. Man wird, wenn es denn zu einem Prozess (warum auch immer) kommen sollte, wie ein FA des entsprechenden Fachgebiets angesehen. Und das wird dann als Honorarschlampe erst recht ein Problem. Denn wie will man da erklären, dass man ohne einen blassen Schimmer zu haben, Dienste in diesem Bereich gemacht hat? :-nix
la Valentina
31.12.2013, 14:15
Hat kra- nicht nach dem Examen Dienste in der Psychiatrie gemacht? Meine mich daran zu erinnern, Vlt weiß jemand genaueres oder kra- schreibt selbst kurz was dazu?
Soweit ich mich erinnere fand er es gut.
Gruß,
Vale
Edit:
Dank an Nurbanu: es handelte sich bei betreffender Person nicht um SuperSonic, sondern um kra-
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