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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zweitstudium mit 29 / Checkliste für die Entscheidungsfindung



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Miss_H
09.01.2014, 15:04
man sollte auch bedenken, dass Erfahrung nunmal das A und O im Arztberuf ist und die wird naturgemäß bei einem Berufsstart mit 35 weniger vorhanden sein als bei 35jährigen Ärzten, die direkt nach dem Abi Medizin studiert haben.
Ich glaube das ist ein sehr schwaches Argument. Man hat sehr viel Lebenserfahrung, die einem schon weiter hilft.

Marie2014
09.01.2014, 15:09
Lieben Dank für die ganzen Antworten! Also was ich raushöre ist, dass man sich am besten versucht Urlaub zu nehmen und zwei Wochen ins Krankenhaus geht und zuschauen soll - oder versucht an dem einen freien Tag die Woche in verschiedenen Arztpraxen mal mitzulaufen. Habt ihr da Tipps - oder schreibt man einfach die verschiedenen Häuser des Ortes mal an - oder geht das über Netzwerk, dass man versucht Ärzte im Bekanntenkreis anzuhauen, ob man mal mitgehen darf?

LotF
09.01.2014, 15:13
Da möchte ich Miss zustimmen. Man geht an Dinge ganz anders ran, geht mit Konflikten möglicherweise ganz anders um. Man sollte bspw. auch nicht vergessen, dass Mitarbeiter von Unternehmensberatungen im Kundenumgang oft recht gut geschult werden und seine wir mal ehrlich: Rethorikkurse, Mitarbeiterführungs-, Konfliktmanagementseminare usw. würden einigen Ärzten ganz gut tun und sowas wird - wenn überhaupt - eher den leitenden Personen angeboten.

Granada
10.01.2014, 12:52
Das mit dem Zweitstudium ist natürlich so eine Sache. Wie schon erwähnt wurde, fängst du wieder bei 0 an, im Pflegepraktikum kriegt man das schon auch zu spüren. Ich wurde mit 25 auch von ein paar Patienten gefragt, warum ich denn erst jetzt anfange zu studieren und auch die Schwestern waren da doch recht neugierig warum ich denn keine 19 oder 20 mehr bin ... Wenn du eine gute Alternative hast mit deiner jetzigen Arbeit würde ich mir das doppelt gut überlegen. Bei mir war die Hauptalternative eine Doktorarbeit in der medizinischen Forschung, das wäre auch so eine Art Studentendasein. Deshalb fiel mir die Entscheidung wohl zumindest ein wenig leichter.

Bei mir im Jahrgang haben bisher 2 Zweitstudenten aufgehört. Eine von denen wollte doch lieber in die Forschung, bei dem anderen weiß ich nicht genau ... ich kenne noch insgesamt drei andere aus meinem Jahrgang, ich denke aber wir sind noch mehr.

Marie2014
10.01.2014, 13:14
Hey Granada,

vielen Dank für deine Antwort. Also die Anerkennung bei den Schwestern ist schwierig? Wie hat denn die soziale Integration im Jahrgang, mit den Kommilitonen, bei den Profs und anderen Medizinern geklappt? Die Schwestern sind ja eher eine temporäre Angelegenheit, während soziale Integration bei Kommilitonen und die Anerkenung später im Kollegium schon wichtig sind.

Ich finde meine Hauptalternative ziemlich schwammig, in der BWL kann man so ziemlich alles sein, entweder super Gehalt und ppt Folien - oder z.B. wenn man schwanger wird, ist man ganz schnell Sachbearbeiter oder arbeitslos.

LotF
10.01.2014, 13:35
naja, kommt ja auch darauf an, was man machen möchte. Es gibt einige Leute, die wollen gar keine (Personal-)Verantwortung oder jeden Tag abstrakte Probleme angehen, sondern sind mit Bearbeitung nach Checklist, geregeltem Einkommen und einem fixen Stundenpensum vollkommen zufrieden. Nur weil man Schwanger wird, kommt man auch da nicht sofort aufs Abstellgleis - vielleicht in deiner aktuellen Firma - ist aber nun wirklich nicht überall so.

Anerkennung von Schwestern ist auch Bullshit. Sorry, wenn ich das so sage. Aber es gibt genügend Schwestern, die sind auch auf 19 Jährige "eifersüchtig", weil sie auch eigentlich gerne Medizin gemacht hätten und es nie geschafft haben oder es sich doch nicht trauten oder einfach nur denken "die mit Abi sind sowieso nur Labertaschen" oder oder oder, und lassen die das schon ordentlich spüren. Es gibt so viele Wartezeitler mit mitte bis Ende 20, das ist vollkommen normal. Habe noch nicht einmal mitbekommen, dass jemand nur wegen seines Alters bei Komilitonen angeeckt ist oder Probleme mit Profs hatte.

bremer
10.01.2014, 13:54
Ich glaube das ist ein sehr schwaches Argument. Man hat sehr viel Lebenserfahrung, die einem schon weiter hilft.

Das "Lebenserfahrung-Argument", das man immer wieder zu hören bekommt, ist schwach. Jemand der 10 Jahre lang Hüften kloppt, Patienten untersucht oder Lappenplastiken näht ist im Allgemeinem besser als jemand, der das erst seit 1 Jahr macht. Nicht so schwer einzusehen, oder? Übung macht halt den Meister.

LotF
10.01.2014, 14:41
das ist aber nur ein kleiner Teil des Jobs. Selbstverständlich ist Facherfahrung wichtig, das möchte hier auch niemand bestreiten. Erfahrungsgemäß darf und kann man einen Beruf jedoch nicht nur darauf beschränken.

Herzkasperl
10.01.2014, 15:48
Mal von hinten nach vorne:

KPP: Suchen, dann findet man auch ne nette Ecke. Ist allerdings wirklich painful für jemanden, der ansonsten geistig eher anspruchsvolle Tätigkeit betreibt. Ich spreche da aus Erfahrung, irgendwann ist jede Station einfach nur noch ein Zeitfresser.

Karriere Strategieberatung vs. Arzt: Strategie, nun ja, ist ja ganz nett. Aber eben auch ein Karussell, wie Du schon mitbekommen hast. Die Absprungmöglichkeiten sind zahlreich und genauso inhomogen. Von 40k bis 240k ist da so ziemlich alles drin. Arzt (nicht Medizin, dazu später mehr) ist das glatte Gegenteil: Ein fast beamtenmäßig planbares Erwerbsleben (jetzt werde ich hier gesteinigt...), allerdings genießt man als niedergelassener Kollege auch die große Zufriedenheit vieler Selbständigen - abgesehen vom Einkommen.

Entscheidungshilfe: Geh nicht ins Krankenhaus, da willst Du eh nicht hin (Punkt Freiheit). Durch die Zeit im Khs beißt Du Dich schon durch, wenn Du ein Ziel hast. Schau Dich in einer Arztpraxis ein paar Tage um. Es ist schon eine eigene Welt, für mich viel schäbiger als ich mir das von außen vorgestellt hatte.

Alter / fehlendes Geschick: Für Medizin null Problem, zumal wenn Du eh nicht Chirurgin wirst sind beide Punkte vollkommen unkritisch. Ich kenne auch einen Chefarzt, der mit 36 zu studieren angefangen hat.

Mein Gefühl: Dein UB-Karussell wird jetzt mit 30 richtig schnell und Du bist in der üblichen Krise dieser Branche. Und die Krise kann man branchentypisch auch nur eingeschränkt mit den Kollegen besprechen.

Fazit: Lass Dich nicht stressen, das Medizinstudium rennt nicht weg, die Unis stehen auch nach 2014 noch. Lass Dir Zeit für Deine Entscheidung, vielleicht kommt auch noch was ganz anderes. Und wieso nicht jetzt promovieren, wenn Du eh gerne forscht, wie Du schreibst? Da kannst Du dann auch nochmal nachdenken während Du etwas machst, was Dir auch Spaß macht. Ohnehin würde ich den Job nicht aufhören, so lange er zumindest ein Mindestmaß Spaß bereitet. Leg Dir Geld zu Seite. Und dann fang irgendwann an.

Ich hab mit 38 angefangen und bin zufrieden. Hausarztpraxen kannst Du derzeit auch noch mit 55 kaufen und ich glaube nicht, dass das BevrfG diese Altersgrenze nochmal wie damals in den 70ern bestätigt, d.h. es geht eher noch weiter nach oben mit dem Alter.

test
10.01.2014, 20:27
das ist aber nur ein kleiner Teil des Jobs. Selbstverständlich ist Facherfahrung wichtig, das möchte hier auch niemand bestreiten. Erfahrungsgemäß darf und kann man einen Beruf jedoch nicht nur darauf beschränken.

Facherfahrung ist nur ein kleiner Teil des Jobs? ;-) Ahja. Dann kann man ja bald Zweitstudenten den Facharzt erlassen. ;-)

LotF
10.01.2014, 20:39
test, dein Post soll jetzt ja lediglich der Provokation dienen, aber ja: Facherfahrung ist nur ein kleiner (aber eben sehr wichtiger) Teil des Jobs. Man bekommt es oft selbst nicht mit, aber sehr viel Zeit geht einfach für andere Dinge drauf, die mit dem eigentlichen Fachwissen nur noch sehr wenig zutun haben und in diesen Bereichen kann man sehr wohl aus Lebens-/Berufserahrung, allgemeinen Fortbildungen etc. profitieren.

test
10.01.2014, 20:43
test, dein Post soll jetzt ja lediglich der Provokation dienen, aber ja: Facherfahrung ist nur ein kleiner (aber eben sehr wichtiger) Teil des Jobs. Man bekommt es oft selbst nicht mit, aber sehr viel Zeit geht einfach für andere Dinge drauf, die mit dem eigentlichen Fachwissen nur noch sehr wenig zutun haben und in diesen Bereichen kann man sehr wohl aus Lebens-/Berufserahrung, allgemeinen Fortbildungen etc. profitieren.

Ich glaube eher dein Post diente der Provokation.
Wie lange arbeitest du schon in dem Job?

LotF
10.01.2014, 20:54
ach, du möchtest doch jetzt nur hören, dass ich für diese Aussage gar nicht qualifiziert bin. Ich stütze meine Worte auf Aussagen von Teilnehmern an Managementseminaren für leitendes ärztliches Personal und meine bisherigen Erfahrungen stützten die These. Ich kann mich aber auch gerne noch mal in 10 Jahren bei dir melden und berichten, ob ich falsch lag ;)

test
10.01.2014, 21:15
ach, du möchtest doch jetzt nur hören, dass ich für diese Aussage gar nicht qualifiziert bin. Ich stütze meine Worte auf Aussagen von Teilnehmern an Managementseminaren für leitendes ärztliches Personal und meine bisherigen Erfahrungen stützten die These. Ich kann mich aber auch gerne noch mal in 10 Jahren bei dir melden und berichten, ob ich falsch lag ;)

Ja wäre gespannt, in welchem Fach du diese Aussage auch in 10 Jahren noch aufrecht halten wirst. Vielleicht nach dem Wechsel ins Medizincontrolling?
Es ist klar, dass die ärztliche Tätigkeit heutzutage nicht nur aus der Theorie der Medizin besteht, aber zu sagen ärztliche Facherfahrung (die ja wesentlich mehr enthält als reine Theorie) sei nur ein kleiner Teil des Jobs, halte ich für falsch. Klar es gibt leitende Ärzte, die kaum noch Patienten selber sehen, sondern sich lieber um Verwaltungsdinge, Personal, Posten in Gremien/Fachgesellschaften usw.. kümmern, für diese Arbeit mag deine Aussage zutreffen aber nicht für die aktive Patientenversorgung.

LotF
10.01.2014, 22:29
wenn dann nur Strategisches :-)) Ich sehe mich schon fluchend im OP stehen und an deine Worte denken (dabei mag ich es ja nicht Unrecht zu haben...). Nein im Ernst, ich glaube in der Tat, dass gerade der nicht explizit medizinische Bereich oft Unterschätzt wird - auch in der Patientenversorgung. Was Ärzte oder leitende Personen da so manchmal fabrizieren ist der Wahnsinn und verkompliziert nicht nur die alltägliche Arbeit, sondern sogt auch nur unnötig für Konfliktpotential, das wiederum Zeit in Anspruch nimmt alles auszuglätten. Ich gehe aber mal davon aus, dass ich dir da nichts Neues erzähle, denn wir reden ja offensichtlich nicht aneinander vorbei, evt. ist es einfach in deinem Umfeld nicht so ausgeprägt oder ist/war in meinem eher der Fall - who knows.

Marie2014
14.01.2014, 19:01
Hallo zusammen,

danke für das super feedback - auch von Herzkasperl - der meine Branche wohl ein wenig kennt. Ich habe gerade eine ruhigere Phase im Job - um ehrlich zu sein, die Phase in der man weniger arbeitet als in den letzten Jahren und mehr Geld verdient. Nur bevor ich 4 Jahre in BWL promoviere (und danach das gleiche mache wie bisher) kann ich auch 6 Jahre ein solides Medizinstudium machen. Ich frage einfach deswegen schon so früh, damit ich mit in den nächsten 9 Monaten bis September genügend Erfahrungen, Informationen und Eindrücke sammeln kann um eine reflektierte Entscheidung zu treffen. Ich habe schon oft drüber nachgedacht - und ich finde es wert auf so eine große Entscheidung viel Zeit zu investieren - was sich in der Tat auch anbietet um Rücklagen anzusammeln.

Herzkasperl
15.01.2014, 12:08
Nur bevor ich 4 Jahre in BWL promoviere (und danach das gleiche mache wie bisher) kann ich auch 6 Jahre ein solides Medizinstudium machen.

Oh, das ändert meine Einschätzung, ich dachte Du machst eine Berater-Promotion (12 Monate Sabbatical , davon 6 beim Segeln, 6 bei der Promotion :-D ). 4 Jahre ist wirklich Käse, wenn Du nicht in der Wissenschaft in BWL bleiben willst, da machst Du Deinen Doktor besser in 6,5 Jahren im Medizinstudium. Und der Rückweg ist auch nicht verbaut, Deine Tätigkeit wäre sicher anders, aber nicht soo anders. Von den Leuten meiner Generation arbeiten die Mehrzahl der Mediziner(innen) nicht als Ärzte (damals gab es AiP, keine Familien-freundlichen Arbeitszeitmodelle etc.). Einer macht z.B. Venture Capital, das wäre vielleicht so eine Ecke. Dann Geschäftsführung von MVZs, Kliniken, ein weites Feld.

Marie2014
15.01.2014, 13:08
....also der Beraterpromotion - am besten noch irgendwie nebenher jetzt in 9 Monaten runtergerissen wäre ich auch sehr aufgeschlossen gegenüber - dann könnte man zur Studienfinanzierung nette Dozentenjobs in wissenschaft. Arbeiten / Marktanalyse usw an Berufsakademien, FHs und so weiter geben. Fertige Foliensätze habe ich auch - ich brauche nur den Titel. Wer also Kontakte hat: sehr gerne ;-) Tausche Titel gegen Publikation. ;-)

Basti1989
17.01.2014, 16:36
Kann man sich eigentlich auch für ein Zweitstudium Medizin berwerben wenn man vorher ohne Abi studiert hat?

Nurbanu
17.01.2014, 16:40
Als Zweitstudent geht man durch, wenn man vorher in Deutschland studiert hat, und das geht nur mit Abi. Von daher verstehe ich deine Frage nicht.