Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gemeinsame Dienste Unfall/Allgemeinchirurgie
Ich habe mich auf eine Stelle beworben, bei der ich im Dienst leider auch die Allgemeinchirurgie mit abdecken müsste. Das ist für mich insofern ein Problem, da ich nie Allgemeinchirurgie gemacht habe. Was sind eure Erfahrungen bei gemeinsamen Diensten? Wie ist in etwa die Verteilung? Ist es schwieriger für Unfallchirurgen? Kann ich das überhaupt noch lernen, wenn ich ja weiterhin nur im Dienst Kontakt mit der Allgemeinchirurgie habe? Was muss man wissen/können?
Pupskopf
10.01.2014, 16:20
Warum soll man das nicht mehr lernen können?
Mache auch gemeinsame Dienste, ist eigentlich kein Problem. Die wichtigsten Notfälle und ihre Behandlungen (Cholecystitis, Appendicits, Ileus, Subileus) sind ja überschaubar. Alles machbar.
Wir haben auch gemeinsame Dienste. Unsere Unfallchirurgen kriegen das in den meisten Fällen hin, einen Notfall zu erkennen und den Hintergrund anzurufen ;-) Und so kleine septische Chirurgie, das machen die Unfallchirurgen schon auch, klar.
Im Zweifelsfall immer nüchtern lassen!
Nein, ernsthaft: Ich würde sagen in den Diensten die Verteilung ca 90% traumatologisch+septisch. Und für alles andere kommt dann der viszeral,- oder gefäßchirurgische Hintergrund rein. Einige Unfallchirurgen bei uns operieren die Appendizitiden prinzipiell, aber dann nur offen. Und weil es mal Gemecker gab, weil offen operiert wurde, wird jetzt auch meist der Hintergrund reingeholt, weil laparoskopisch eben DER Standard ist.
Ansonsten wird halt mal ne Thoraxdrainage gelegt oder ne Nachblutung umstochen, aber das kriegt man sicher hin.
MissGarfield83
10.01.2014, 17:12
@lava : Das Haus , in dem ich gemischte Dienste mitgemacht habe, hatte in etwa eine 70/30 Verteilung Trauma/Allg.Ch. ( Kreiskrankenhaus in Oberfranken ). Am Wochenende meist doch etwas mehr Trauma ...
Bevor ich die Seite der Bluthirnschranke gewechselt habe, gab es in meinem alten Haus auch gemeinsame Dienste. Kann mich schlussendlich meinen Vorrednern nur anschliessen, was die Verteilung betrifft. Und schallen kannst Du ja sicherlich, auch wenn es dann halt um "Bäuche" geht, ausser es sonographieren die Radiologen in dem Hause….
Naja, ich bin froh, wenn ich Leber, Nieren und Milz finde. Einen DHC ausmessen oder solche Scherze kann ich nicht :-nix
Ich hab halt Angst davor, entweder Leute nachhause zu schicken, die was haben, oder - was wahrscheinlicher ist - jeden Mist aufzunehmen, wofür ich dann später Mecker krieg. :-blush
WackenDoc
10.01.2014, 18:41
Keine Angst- das mit dem DHC kann man recht schnell lernen.
Gibt´s da sowas wie ne Aufnahmestation, wo man Patienten über nacht lagern kann und dann die Entscheidung über Aufnahme oder Entlassung am Folgetag trifft?
Feuerblick
10.01.2014, 18:46
Ich denke mal, es wird am Anfang für dich und deine Oberärzte etwas seltsam, weil du ja in "deinem" Fach fast FA bist, in der Viszeralchirurgie aber blutiger Anfänger, der halt wegen jedem Mist anruft oder Patienten aufnimmt. Da würd ich mir aber wenig Sorgen machen. Die wichtigen Sachen wirst du schnell draufhaben... In "kleineren" Häusern kommt ja nicht sooooo Abgefahrenes rein. Akute Galle, akuter Wurm, (Sub-)Ileus und Co. sind schon überschaubar.
Und Chirurgen denken ja einfach. Hier zum Beispiel die Faustregel von meinem Chef bezüglich ner Appendizitis.
2 von 3 Punkten müssen stimmen: passende Anamnese, passendes Labor und vor allem passende Klinik.
Und : junge Männer mit Bauchschmerzen haben fast immer ne Appendizitis. Frauen immer erst zum Gyn.
WackenDoc
10.01.2014, 19:15
Die letztendliche Entscheidung zu OP oder auch nicht, trifft ja eh der Hintergrund, der dann auch schnibbelt. Das machst du ja nicht alleine.
Ja. Bei uns im Haus werden die Oberärzte auch echt häufig gefragt. Aus der Unfallchirurgie bin ich es gewohnt, 95% allein zu entscheiden. :-nix
Unsere jungen Unfallchirurgen kriegen das alle gut hin.
Ich hab halt Angst davor, entweder Leute nachhause zu schicken, die was haben, oder - was wahrscheinlicher ist - jeden Mist aufzunehmen, wofür ich dann später Mecker krieg. :-blush
Ich mach auch fachübergreifende Dienste und es gibt 3 Möglichkeiten:
1. es ist so einfach, dass ich mir sicher bin dass der Patient wieder nach Hause kann -> Entlassung
2. es ist einfach/unkritisch, aber ich weiß er muss dableiben -> Aufnahme und Vorstellung am nächsten Tag
3. es ist komplizierter, ich trau mich nicht, es ist irgendwo kritisch -> Anruf beim Hintergrund
Der Hintergrund ist gefälligst dafür da, dass er die Verantwortung übernimmt. Wenn er das nicht will, dann soll gefälligst ein Facharzt Vordergrunddienste machen. Oh, dass wollen sie auch nicht. Also doch nicht die Nächte um die Ohren schlagen. Dann sollen sie sich gefälligst nicht beschweren.
Und ich ruf auch um 2 Uhr nachts den Hintergrund wegen einem Ileus an der schon seit 5 Tagen da liegt (bei den Internisten) und bisher nicht gesehen wurde. Ist mir völlig egal. Ein Ileus muss eigentlich sofort operiert werden und auch wenn er schon 5 Tage da liegt und zwischen der OP um 2 und um 8 kein wirklicher Unterschied besteht übernehm ich nicht die Verantwortung. Fertig. Gut, natürlich ist der Hintergrund dann doch nicht reingekommen und die Patientin wurde erst am Morgen operiert, dafür gibts die Leute mit den breiteren Schultern (Hintergrunddienste).
Mei, manche würden gern weniger oft angerufen werden, manche gern öfter, aber man kann es nie allen recht machen. Man findet sehr schnell seinen Stil und wenn man fleißig nachfrägt und das dann auch aufnimmt, wird man auch gut respektiert von den Viszis oder auch den Unfallern. (ja, man kann auch fachfremd gleichzeitig beiden Unfallern und den Viszis Dienste machen, ist zwar völlig krank, geht aber auch und man lernt...)
Ich hab am Anfang wegen Analvenenthrombosen meinen Hintergrund angerufen weil ich keine Ahnung hatte was zu tun ist. Inzwischen weiß ich es. Jeder lernt mal.
John Silver
11.01.2014, 21:21
In unseren Diensten sehen wir allgemein- (inkl. Gefäße und Thorax), unfall- und kinderchirurgische sowie orthopädische Notfälle. Die ganze Bandbreite. Am Anfang fühlt man sich mit Patienten anderer Fachrichtungen schnell überfordert, aber dafür gibt es die entsprechenden Kollegen im Vordrgrund, und den bereits erwähnten Hintergrund. Man lernt schnell. Nach nunmehr rund 3 Jahren solcher Dienste rufe ich selbst fachfremden Hintergrund fast immer nur dann an, wenn es darum geht, eine OP-Indikation zu stellen; mit dem Rest komme ich allein klar.
blackcat86
12.03.2014, 22:46
Was mich interessieren würde ist wie anderswo im allgemeinen die Fluktuation zwischen den beiden Richtungen ist - gibt es von euch jemanden der vom einen ins andere wechselte weil ihn die Einblicke die er bekommen hat überzeugten? Oder wusstet ihr schon immer dass ihr UCh bzw. ACh machen wollt und alles andere nicht in Frage kommt? Was hat den Ausschlag gegeben? Oder habt ihr das genommen wo es in eurer Nähe eine freie Stelle gab?
Kackbratze
13.03.2014, 05:25
Wechsel von Bauch zu Knochen oder umgekehrt sind selten, weil es zwei operativ unterschiedliche Areale sind. Ich kenne keinen Wanderer zwischen den beiden Welten.
Entweder die Kollegen wechselten das Haus oder gingen ganz woanders hin.
Nach einem Facharzt die zweite Weiterbildung anzufangen ist kein Wechsel, sondern ein Karrierwziel, weswegen ich das raus gelassen habe.
Ich kenn auch keinen, obwohl wir die UCH/Ortho-Assis die ihren Common trunk bei uns machen, pfleglich behandeln und umwerben… umgekehrt wird man von unseren Unfallchirurgen nur umworben, wenn man männlich ist und Fußball spielt. Aber selbst von den in Frage kommenden hat noch keiner gewechselt.
Ich kenn ein paar, die von Ortho/uch zur Neurochirurgie abgewandert sind, aber zu den anderen chirurgischen Richtungen kenn ich keinen. In die Anaesthesie wechseln allerdings recht viele, wie ich finde.
In die Anaesthesie wechseln allerdings recht viele, wie ich finde.
Warum nur... Ich glaub es gibt wenig wo man so geregelte Arbeitszeiten hat wie in der Anästhesie...
Naja, es sind nicht nur die Arbeitszeiten. In meinem alten Haus ist man auch in der UCh fast immer pünktlich ruasgekommen. Da spielen auch noch andere Faktoren mit.
Ich persönlich kenne auch keinen, der von Bauch nach Knochen oder umgekehrt gewechselt hätte. Und unsere Oberärzte, die ja auch alle mal Bauch gemacht haben, sind froh, damit nichts mehr zu tun zu haben.
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