Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 1 NEF, 2 RTW, 1 LZ (LF, TLF, DL), 1 ELW, 1 KRAN, 1 RW, 1 OVA, 1 BVA - P-Klemmt
WackenDoc
12.02.2014, 21:25
Ah, ich hab gedacht, wir hätten die beiden RTWs, die mit uns gekommen sind. 2 zusätzliche wären gerade angekommen und 4 noch unterwegs.
Da zeigt sich doch mal wieder, wie wichtig es ist frühzeitig zu sortieren.
Ja, wenn genug Kapazitäten da sind, kann man die beiden nicht angeschnallten holen, wenn nicht, können sie auch selber gehen.
Auf jeden Fall finde ich es wichtig, dass die 4 gehfähigen angeschaut und betreut werden. Wäre nicht das erste Mal, dass ein vermeintlich Leicht- oder Unverletzter untergeht und leise vor sich hin stirbt.
Wie ist das bei euch? Dürft ihr 2 Patienten in einem Auto transportieren? Oder gibt es dabei Probleme?
Naja, kommt ein bißchen auf die Situation an. Eigentlich nicht. Aber wie so oft muss man halt manchmal fünfe gerade sein lassen.
Ich kann mich an eine Diskussion mit einem RA erinnern, wo wir bei einem Wohnungsbrand mit 2 RTW und einem NEF vor Ort waren. Letzten Endes hatten wir dann 10 (!) Patienten mit Rauchgasintox. Nach und nach kamen noch 2 RTW und ein NEF. Wir hatten die ersten 4 Patienten mit den ersten beiden RTW abtransportiert. in dem dritten RTW waren dann 3 Patienten, da haben die RA auch eingesehen, dass es eben eine Notfallsituation ist... Und dann waren wir mit einem NEF und dem letzten RTW alleine, und die FW bringt uns 2 Kinder und die Tante raus. Alle mit deutlichen Rußspuren im Gesicht und Husten.
Und der Info, dass das Feuer jetzt aus ist, und alle aus der Wohnung raus sind. Außerdem keiner mehr unter PA. Also in Absprache mit dem E-Leiter dann entschieden, dass wir mit dem RTW in die Kinderklinik fahren. Aussage RA: geht nicht. :-nix
Zur Info: es waren 4 (!) RTW vor Ort. Im Nachbarort war ein schwerer VU mit MANV, weswegen wir keinen anderen RTW und natürlich auch den LNA nicht bekommen konnten... Manchmal passiert eben alles gleichzeitig... :-nix
Der RA argumentierte nicht mit der fehlenden Sicherung, sondern mit den Transportscheinen und der nicht möglichen Abrechnung. Gut, das können hinterher die Bürokraten ausknobeln. Ich habe ihm gesagt, dass wir das jetzt als ebenfalls als MANV laufen lassen, und dann sollen die das hinterher verhackstücken. Das kann nicht unser Problem sein. :-nix
grundewelle
12.02.2014, 22:12
Wie sehen die Autos denn aus? Airbags ausgelöst?Wie wahrscheinlich ist es denn, dass die Patienten wirklich gegen die Windschutzscheibe geprallt sind? Und wenn die beiden Unangeschnallten quasi "leicht" verletzt sind, was war denn dann der Typ unter der Leitplanke? Fahrer? Beifahrer? Und warum liegt der außerhalb des PKW unter der Planke???
Airbags ausgelöst, die eine scheint tatsächlich von innen gegen die Windschutzscheibe geprallt zu sein. Wurde von den restlichen Insassen auch so beschrieben. Der Typ unter der Leitplanke war der Fahrer. Warum der da liegt weiß niemand. Rausgeschleudert wurde er jedenfalls nicht. Scheint wohl irgendwie synkopiert zu sein.
-> Inzwischen trifft das NEF mit dem LNA ein, der auch schon fleißig mit den beiden nahegelegenen Traumazentren telefonaniert.
Achja, insgesamt kommen jetzt noch zwei RTW, nicht vier. Sprich am Ende habt ihr Sechs RTW. So wie es aussieht, lässt sich aber auch ein Doppeltransport durchführen, wenn das erwünscht ist.
Die beiden unangeschnallten werden jetzt genackt und gecheckt. Die Besatzungen der RTW geben derweil schonmal Rückmeldung an euch:
RTW 1 mit dem Fahrer des Van:
Kein akutes ABC Problem, GCS 15
RR 170/90 bei bekannter arterieller Hypertonie. Frequenz 110/min, Spo2 99% bei 6l Sauerstoff.
Im 4-Kanal EKG keine Auffälligkeiten.
Pupillen opB, kein Zeichen für SHT
BZ 159mg/dl
Von Kopf bis Fuß:
Diverse Schnitt- und Platzwunden, nichts großes.
Kein Nacken/Kopfschmerz, leichte Übelkeit, kein Erbrechen
Schultergürtel stabil, aber schmerzhaft.
Thoraxschmerz sowohl in Ruhe als auch bei Provokation. Keine Prellmarken oder sichtbare Verletzungen, völlig stabil, beidseits VAG
Abdomen weich, keine Verletzungen/Prellmarken/Schmerz
Becken stabil, kein Schmerz
Extremitäten alle frei beweglich und schmerzfrei, keine Frakturzeichen.
Der Patient teilte jedoch einige male mit, dass er nicht gut Luft bekomme.
Versorgung bis jetzt:
Stiftneck, Vakuummatratze, RTW aufgeheizt, Rettungsdecke, Sauerstoff über Brille, Zugang 18G li. HR mit tröpfelnder, aber potenziell top laufender Infusion, mehr war nicht drin. Der rosane Zugang in der rechten Ellenbeuge vom NEF-Pilot war nichts.
RTW 2 mit dem "Auffahrenden":
Auch kein ABC Problem, ebenfalls GCS 15
RR 130/70, HF 98, 98%ige SpO2 unter Raumluft
Pupillen gut, keine Übelkeit, kein Erbrechen
BZ um die 100 rum
Schmerzen in linker Schulter und rechtem Thoraxbereich.
Sonst keinerlei Beschwerden.
Bis jetzt liegt der ohne Stiftneck auf der normalen Trage und beschwert sich über nichts.
RTW 3 mit Schleuderer 1:
Nichts akutes bzgl. ABC, GCS 15
RR 110/60, HF: 80/min, SpO2 98% bei 6l O2
Nackenschmerz, Kopfschmerz und Übelkeit, kein Erbrechen.
Pupille rechts>links, nicht bekannt.
BZ 111
Bodycheck o.p.B. bis auf die Nacken- und Kopfschmerzen, der rechte Arm tut auch weh, jedoch nirgendwo Frakturzeichen oder andere Verletzungsmuster.
Vakuummatratze, Stiftneck, zwei graue Zugänge liegen, zwei Infusionen tropfen langsam rein. Ebenfalls O2 über Brille. Sonst noch nichts.
RTW 4 mit Schleuderer 2:
Ich spare mir das jetzt mal alles, der ist auf jeden Fall vital und vom Bodycheck komplett top, hat lediglich Schmerzen in der Schulter und im Arm.
Hab ich was vergessen? Was wollt ihr jetzt wissen/machen?
Airbags ausgelöst, die eine scheint tatsächlich von innen gegen die Windschutzscheibe geprallt zu sein. Wurde von den restlichen Insassen auch so beschrieben. Der Typ unter der Leitplanke war der Fahrer. Warum der da liegt weiß niemand. Rausgeschleudert wurde er jedenfalls nicht. Scheint wohl irgendwie synkopiert zu sein.
-> Inzwischen trifft das NEF mit dem LNA ein, der auch schon fleißig mit den beiden nahegelegenen Traumazentren telefonaniert.
Achja, insgesamt kommen jetzt noch zwei RTW, nicht vier. Sprich am Ende habt ihr Sechs RTW. So wie es aussieht, lässt sich aber auch ein Doppeltransport durchführen, wenn das erwünscht ist.
Das halten wir erstmal so in der Hinterhand!
Die Besatzungen der RTW geben derweil schonmal Rückmeldung an euch:
RTW 1 mit dem Fahrer des Van:
Kein akutes ABC Problem, GCS 15
RR 170/90 bei bekannter arterieller Hypertonie. Frequenz 110/min, Spo2 99% bei 6l Sauerstoff.
Im 4-Kanal EKG keine Auffälligkeiten.
Pupillen opB, kein Zeichen für SHT
BZ 159mg/dl
Von Kopf bis Fuß:
Diverse Schnitt- und Platzwunden, nichts großes.
Kein Nacken/Kopfschmerz, leichte Übelkeit, kein Erbrechen
Schultergürtel stabil, aber schmerzhaft.
Thoraxschmerz sowohl in Ruhe als auch bei Provokation. Keine Prellmarken oder sichtbare Verletzungen, völlig stabil, beidseits VAG
Abdomen weich, keine Verletzungen/Prellmarken/Schmerz
Becken stabil, kein Schmerz
Extremitäten alle frei beweglich und schmerzfrei, keine Frakturzeichen.
Der Patient teilte jedoch einige male mit, dass er nicht gut Luft bekomme.
Versorgung bis jetzt:
Stiftneck, Vakuummatratze, RTW aufgeheizt, Rettungsdecke, Sauerstoff über Brille, Zugang 18G li. HR mit tröpfelnder, aber potenziell top laufender Infusion, mehr war nicht drin. Der rosane Zugang in der rechten Ellenbeuge vom NEF-Pilot war nichts.
Gut, zu diesem fallen mir ein paar Sachen auf: Warum bekommt der 6l Sauerstoff? Wenn er die nicht braucht, bitte ausstellen. Was mir bei ihm Sorgen macht ist der Thorax-/Schulterschmerz in Verbindung mir geäußerter Luftnot! Da soll doch bitte der Unfallchirurg draufgucken. Der Patient fährt auch bitte in NA-Begleitung ins KH. V.a. Thoraxtrauma, Ausschluß Pneu / Hämatothorax, Oberbauchorganverletzung. Warum Synkope? Gefäßabriß? Internistische Ursache? Egal, der geht auf jeden Fall zum Maximalversorger/Traumazentrum.
Für den Transport: Hier kann es ganz schnell gehen. Daher sollte man die Intubation im Hinterkopf behalten und vor allem auch eine ggf. notwendige Notfallpunktion des Pneumothorax, der bei ggf. anhängiger Beatmung auch ganz schnell zum Spannungspneu werden kann...
RTW 2 mit dem "Auffahrenden":
Auch kein ABC Problem, ebenfalls GCS 15
RR 130/70, HF 98, 98%ige SpO2 unter Raumluft
Pupillen gut, keine Übelkeit, kein Erbrechen
BZ um die 100 rum
Schmerzen in linker Schulter und rechtem Thoraxbereich.
Sonst keinerlei Beschwerden.
Bis jetzt liegt der ohne Stiftneck auf der normalen Trage und beschwert sich über nichts.
Gut, die Schmerzen sind mit dem Gurt gut erklärbar. Prinzipiell gehört der aufgrund des Unfallmechanismus auch in ein Traumazentrum. Da ich nicht weiß, wie bei die bei Euch so gesät sind, würde mir bei Platzmangel bei diesem Patienten auch ein Haus der Regelversorgung genügen. Wenn es geht, natürlich Traumazentrum.
Ansonsten geht der ohne NA mit dem RTW ins KH.
RTW 3 mit Schleuderer 1:
Nichts akutes bzgl. ABC, GCS 15
RR 110/60, HF: 80/min, SpO2 98% bei 6l O2
Nackenschmerz, Kopfschmerz und Übelkeit, kein Erbrechen.
Pupille rechts>links, nicht bekannt.
BZ 111
Bodycheck o.p.B. bis auf die Nacken- und Kopfschmerzen, der rechte Arm tut auch weh, jedoch nirgendwo Frakturzeichen oder andere Verletzungsmuster.
Vakuummatratze, Stiftneck, zwei graue Zugänge liegen, zwei Infusionen tropfen langsam rein. Ebenfalls O2 über Brille. Sonst noch nichts.
Dieser hier macht mir mal abgesehen vom Fahrer die meisten Sorgen. Der sieht nach nix aus. Aaaaaber: Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen, dazu die Pupillendifferenz... Keine Ahnung, aber der macht Ärger! Der geht in NA-Begleitung zum Maximalversorger! NCH bitte auf jeden Fall mit dabei! V.a. ICB nach VU mit Anprall an Windschutzscheibe, fragl. Schädelfraktur/HWS. Stiffneck und Vakuummatratze finde ich gut und richtig.
Das wäre dann Nr. 2 für das Traumazentrum / Maximalversorger!
BTW: Auch hier: warum Sauerstoff?
RTW 4 mit Schleuderer 2:
Ich spare mir das jetzt mal alles, der ist auf jeden Fall vital und vom Bodycheck komplett top, hat lediglich Schmerzen in der Schulter und im Arm.
Der scheint ja zumindest nicht relativ stabil zu sein. So wie er selbst den Unfall für sich schildert, kommt er wie auch der Fahrer des Auffahrenden nach Möglichkeit ins Traumazentrum, aber wenn die Kapazitätsprobleme haben, dann gerne auch zum Regelversorger.
Fehlen uns noch die beiden Letzten: Angeschnallt, im ersten Wagen gesessen. Die sollten wir uns noch mal ansehen. Aber das kann der LNA auch entscheiden, soll ja auch mal arbeiten für sein Geld.
Die Rückmeldung der RTW-Crews mit unseren/meinen Ansichten können wir ihm ja direkt mal vortragen. Da er ja schon mit den in Frage kommenden KH telefoniert hat, wird er ja sicherlich schon was sagen können in Verbindung mit unseren Erkenntnisse. Was ist denn mit dem 2. NA, der noch kommen soll?
Ohne den wird es nämlich knapp! Wir haben ja 2 Patienten, die in NA-Begleitung ins KH fahren. 2 im RTW mit RA und 2, die noch gesehen werden müssen.
Übrigens: U.U. sollte man doch noch einen RTW bestellen! Denn ich würde ungern den "Unfallverursacher" mit einem der Geschädigten zusammenfahren lassen. Das kann gut gehen. Aber es kann auch ganz schnell nach hinten losgehen. Muss ja nicht sein!
Hab ich was vergessen? Was wollt ihr jetzt wissen/machen?
Ja, ich hätte gerne auch die Infos, die der LNA hat. Also welche Krankenhäuser gibt es, wer kann was aufnehmen und vor allem, in welcher Stückzahl?
grundewelle
13.02.2014, 16:23
So!
Traumazentren sind beide in der nähe, etwa gleich weit entfernt. Die erwarten euch.
Der LNA übergibt euch dazu noch die beiden letzten Patienten, die alle vergleichbar sind mit Schleuderer 2 aus RTW 4. Die hat der ohne NA Begleitung in Richtung Regelhaus geschickt. Das liegt auch quasi 1000 Meter von der Uniklinik weg, falls da verlegt werden müsste.
-> Priorität haben also erstmal Der Fahrer des Vans und die Frau mit der Pupillendifferenz... Bei wem fahrt ihr mit? Der LNA hat ja scheinbar alles unter Kontrolle.
RTW 1 mit dem Fahrer des Vans (Dyspnoe, Thoraxschmerz) meldet sich derweil... Der Druck von dem guten ist immernoch so um die 160-180mmHg... Die wollen irgendwas von euch, ich würde mal vorbeischauen.
Das dritte NEF steckte noch in nem Einsatz und macht sich derweil auf den Weg, braucht aber noch so 7 Minütchen.
Zum Sauerstoff: Der läuft da eigentlich immer, sobald v.a. Polytrauma besteht. Sollen wir den ausdrehen?
So!
Traumazentren sind beide in der nähe, etwa gleich weit entfernt. Die erwarten euch.
Der LNA übergibt euch dazu noch die beiden letzten Patienten, die alle vergleichbar sind mit Schleuderer 2 aus RTW 4. Die hat der ohne NA Begleitung in Richtung Regelhaus geschickt. Das liegt auch quasi 1000 Meter von der Uniklinik weg, falls da verlegt werden müsste.
Der LNA übergibt UNS noch 2 Patienten??? Hmm. Tja, dann soll er mal sagen, wer was machen soll! :-nix
-> Priorität haben also erstmal Der Fahrer des Vans und die Frau mit der Pupillendifferenz... Bei wem fahrt ihr mit? Der LNA hat ja scheinbar alles unter Kontrolle.
:-)) Da bin ich raus! :-))
Was sagt denn der LNA? DER entscheidet jetzt nämlich! :-))
Ich handel jetzt auf Ansage...
RTW 1 mit dem Fahrer des Vans (Dyspnoe, Thoraxschmerz) meldet sich derweil... Der Druck von dem guten ist immernoch so um die 160-180mmHg... Die wollen irgendwas von euch, ich würde mal vorbeischauen.
Nochmal: Der LNA ist jetzt am Zug. Der soll sagen, um wen ich mich kümmern soll und wohin ich mit dem Patienten soll!
Wenn der RTW 1 jetzt ein akutes Problem hat, würde ich als LNA entscheiden, dass der NA, der JETZT vor Ort ist, diesen Patienten betreut, endgültig versorgt und dann so schnell wie möglich ins Uniklinikum fährt!
Das dritte NEF steckte noch in nem Einsatz und macht sich derweil auf den Weg, braucht aber noch so 7 Minütchen.
Gut, der kann ich ja dann um die Patientin mit dem V.a. SHT kümmern.
Zum Sauerstoff: Der läuft da eigentlich immer, sobald v.a. Polytrauma besteht. Sollen wir den ausdrehen?
Würde ich davon abhängig machen, wie die Sättigung ist. Aber einfach so Sauerstoff dran muss ja auch nicht sein.
grundewelle
13.02.2014, 17:07
Neee, der hat die ohne euch einfach weggeschickt, die beiden Patienten. Die fahren ohne NA-Begleitung in das Regelhaus.
Der LNA schleicht zum SHT und schickt euch zu dem Thoraxschmerz. Die haben da wohl ein 12-Kanal, was ihr euch angucken sollt. Ihr geht also zum RTW 1, und seht ein schickes 12-Kanal mit Hebungen V1-V6, Extremitätenableitung nach wie vor o.p.B. (kein Scherz, war wirklich so :S)
Der Patient scheint gut darunter zu leiden... Sauerstoff ist runter auf 2l, Sättigung bleibt gleich.
Jetzt bring doch bitte noch einmal ein bißchen Ordnung rein! Der LNA hat jetzt welche Patienten alle weggeschickt?
Wer ist jetzt noch vor Ort und muss alles versorgt werden? Nicht dass es mich jetzt noch was angehen würde, weil der LNA hat ja jetzt das sagen... Nur interessehalber...
Ich gehe also zum Fahrer, der unter der Leitplanke lag und jetzt ein unschönes EKG haben soll. Also machen wir mal wieder das, was wir können: Medizin mit und für einen Patienten! Kurze Zusammenfassung:
RTW 1 mit dem Fahrer des Van:
Kein akutes ABC Problem, GCS 15
RR 170/90 bei bekannter arterieller Hypertonie. Frequenz 110/min, Spo2 99% bei 6l Sauerstoff.
Im 4-Kanal EKG keine Auffälligkeiten.
Pupillen opB, kein Zeichen für SHT
BZ 159mg/dl
Von Kopf bis Fuß:
Diverse Schnitt- und Platzwunden, nichts großes.
Kein Nacken/Kopfschmerz, leichte Übelkeit, kein Erbrechen
Schultergürtel stabil, aber schmerzhaft.
Thoraxschmerz sowohl in Ruhe als auch bei Provokation. Keine Prellmarken oder sichtbare Verletzungen, völlig stabil, beidseits VAG
Abdomen weich, keine Verletzungen/Prellmarken/Schmerz
Becken stabil, kein Schmerz
Extremitäten alle frei beweglich und schmerzfrei, keine Frakturzeichen.
Der Patient teilte jedoch einige male mit, dass er nicht gut Luft bekomme.
Versorgung bis jetzt:
Stiftneck, Vakuummatratze, RTW aufgeheizt, Rettungsdecke, Sauerstoff über Brille, Zugang 18G li. HR mit tröpfelnder, aber potenziell top laufender Infusion, mehr war nicht drin. Der rosane Zugang in der rechten Ellenbeuge vom NEF-Pilot war nichts.
Gut, zu diesem fallen mir ein paar Sachen auf: Warum bekommt der 6l Sauerstoff? Wenn er die nicht braucht, bitte ausstellen. Was mir bei ihm Sorgen macht ist der Thorax-/Schulterschmerz in Verbindung mir geäußerter Luftnot! Da soll doch bitte der Unfallchirurg draufgucken. Der Patient fährt auch bitte in NA-Begleitung ins KH. V.a. Thoraxtrauma, Ausschluß Pneu / Hämatothorax, Oberbauchorganverletzung. Warum Synkope? Gefäßabriß? Internistische Ursache? Egal, der geht auf jeden Fall zum Maximalversorger/Traumazentrum.
Für den Transport: Hier kann es ganz schnell gehen. Daher sollte man die Intubation im Hinterkopf behalten und vor allem auch eine ggf. notwendige Notfallpunktion des Pneumothorax, der bei ggf. anhängiger Beatmung auch ganz schnell zum Spannungspneu werden kann...
RTW 1 mit dem Fahrer des Vans (Dyspnoe, Thoraxschmerz) meldet sich derweil... Der Druck von dem guten ist immernoch so um die 160-180mmHg... Die wollen irgendwas von euch, ich würde mal vorbeischauen.
Die haben da wohl ein 12-Kanal, was ihr euch angucken sollt. Ihr geht also zum RTW 1, und seht ein schickes 12-Kanal mit Hebungen V1-V6, Extremitätenableitung nach wie vor o.p.B. (kein Scherz, war wirklich so :S)
Der Patient scheint gut darunter zu leiden... Sauerstoff ist runter auf 2l, Sättigung bleibt gleich.
Gut, dann hätte ich gerne noch ein paar Sachen vom Patienten gewusst:
Vorerkrankungen? Medikamente? Kann er sich an den Unfall und alles, was danach passiert ist, erinnern?
Die Fragen hätte ich gerne beantwortet, wenn es geht.
Die Thoraxschmerzen hätte ich jetzt zwar erstmal unfallbedingt betrachtet, aber mit dem EKG sollte man ja zumindest auch in die Richtung denken. Ich würde ihm fraktioniert gegen die Schmerzen und die Luftnot Morphin geben. 5mg zu Beginn, die restlichen 5mg bei Bedarf noch nachgeben.
Mit ASS / Heparin wäre ich eher zurückhaltend. Denn selbst wenn der Patient einen ST-Hebungsinfarkt haben sollte, der VU mit der fraglichen Thoraxverletzung steht ja auf jeden Fall auch noch im Raum.
Wenn der Patient eh ASS oder andere Gerinnungsmedikamente nimmt, OK. Sonst auch.
Und dann würde ich schon zügig zum Maximalversorger fahren, der nach Möglichkeit auch über eine Kardiologie mit Katheterplatz verfügt (=> mit LNA abklären, wenn nur ein Haus in Frage kommt)...
grundewelle
13.02.2014, 18:12
Also: zwei der acht fahren in die regelklinik. Zwei+zwei weitere fahren auf Anweisung des lna im Doppel. Der wollte die Geschichte langsam mal beenden.
Bleiben also euer Fahrer und das sht.
Euer Patient: hypertoniker, nimmt Ramipril. Sonst nichts. Keine Allergien. Er kann sich an alles erinnern und macht schlüssige Angaben. Kurz vor der Leitplanke wollte er sich hinlegen weil es ihm zunehmend schlechter ging. Die Kardiologie hat neun freien Katheter und weiß bescheid.
Nach 3 mg Morphin geht es ihm etwas besser, die schmerzen und Luftnot bleiben bestehen.
5mg zu Beginn, die restlichen 5mg bei Bedarf noch nachgeben.
:-))
Ansonsten RR Auto, 3min, 2 Hub Nitro kann er bei dem Druck noch bekommen, und dann ASAP in die Klinik. Dort bitte einen Schockraum besetzen, zu dem der Kardiologe gerne dazu kommen darf. Nach dem Motto Treat first, what kills first: Traumaabklärung gerne im CT, vorher Blutentnahme mit Trop. und sobald CT fertig und lebensbedrohliche Verletzungen ausgeschlossen und auch sonst keine Kontraindikationen für die Kardiologische Intervention bestehen, ab zu denen auf den Tisch...
grundewelle
14.02.2014, 12:56
Auch gut. In der Realität hat er zu dem Zeitpunkt 500mg ASS und 5000IE Hep bekommen!
Die Pupillendifferenz wurde in dem Einsatz als letztes (!!!) von allen Patienten ohne NEF abgekarrt. Was da ablief war schon echt.... fragwürdig nett gesagt.
FirebirdUSA
16.02.2014, 13:34
Weißt du was raus kam? Pupillendifferenzen sind ja jetzt nicht selten "normal", bei der Anamnese muss man aber natürlich präklinisch eigentlich erstmal vom schlimmsten ausgehen..
Unserer Kleinen müsste man für einen solchen Fall wahrscheinlich besser "Ich habe eine seeehr ausgeprägte physiologische Anisokorie" auf die Stirn tätowieren ;-)
An was kann so eine Anisokorie physiologischerweise liegen? Ne Freundin von mir hat das nämlich auch hin und wieder und bisher hat man keine Ursache gefunden. Lustigerweise ist mir das zum ersten Mal aufgefallen, als sie auf Station neben ihrem Freund, der gerade an der Beugesehne operiert worden war, synkopiert ist. Da war kurz Party angesagt, hat ihr natürlich niemand gegelaubt, dass sie das öfter hat ;)
Ganz platt: seitendifferenter vegetativer Tonus. Bei unserer Tochter wird es eine Dilatatorschwäche sein, da die Anisokorie ständig da ist, aber im Hellen fast aufgehoben und je dunkler es wird, desto stärker ausgeprägt ist. Hinweise auf Horner und Konsorten gibt es nicht.
Wie wäre es mit einem Augenpass? :-))
So à la Anästhesiepass für schwierige Intubationen. ;-)
Ansonsten: Danke fürs Fallbeispiel, auch wenn ich da so einiges nicht verstanden habe. :-nix
FirebirdUSA
18.02.2014, 12:02
An was kann so eine Anisokorie physiologischerweise liegen? Ne Freundin von mir hat das nämlich auch hin und wieder und bisher hat man keine Ursache gefunden. Lustigerweise ist mir das zum ersten Mal aufgefallen, als sie auf Station neben ihrem Freund, der gerade an der Beugesehne operiert worden war, synkopiert ist. Da war kurz Party angesagt, hat ihr natürlich niemand gegelaubt, dass sie das öfter hat ;)
Naja, grundsätzlich spricht eine Pupillendifferenz ohne Bewusstseinstrübung gegen die Blutung als Ursache. Die Pupillendifferenz ist ja Zeichen einer beginnenden einseitigen Einklemmung am Tentorium und da hat man i.d.R. schon deutliche neurologische Symptome. Nach Autounfall mit entsprechender Angabe von Schmerzen wäre ich natürlich vorsichtig, aber selbst da ist i.d.R. nichts dahinter.
Ich habe noch nie einen Patient mit Anisokurie gesehen der eine Blutung der wach, ansprechbar war und keine neurologischen Defizite in irgendeiner Form hatte.
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