Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Landarzt-Debatte
ehemaliger User_25062015
10.03.2014, 17:51
@Rhiannon Ach es gibt noch genug die im Woid leben wollen. Mich hält dort aber nix mehr und ich kann jeden verstehen, der auf die teilweise echt krasse Einöde keinen Bock hat, erst recht nicht um die teilweise verschrobenen Waidler zu behandeln..Aber ich hab Bayern allgemein den Ruecken gekehrt. :-)
sorry fuers offtopic *verschwind*
ich kenne weiden, das ist in der nähe, richtig?
manche mögen das landleben ja auch, es hat schon was. ist doch jetzt trend, siehe der ganzen magazine wie landlust.
aber stadtlust gibts ja jetzt auch schon ;-)
ich glaube, wenn man aus der stadt kommt, bleibt man lieber dort.
wie ihr schon gesagt habt, mit zwang wird das wohl alles nichts, sondern nur mit veränderung.
ehemaliger User_11062015
10.03.2014, 18:28
ein Aspekt, den man noch erwähnen könnte, bei der Diskussion ist auch, dass die Medizinstudenten, folglich dann auch die Ärzte (durch G8 etc.pp) um einiges jünger sind als damals. 17 jähriger Abiturient, 6 - 7 Jahre Studium, ein/ 24 jährige/r Arzt ist mittlerweile einfach nichts ungewöhnliches mehr.
Sehe die Problematik schlichtweg dann auch einfach darin, dass ein Leben als Landarzt, gerade als sehr junger, strebsamer Mensch schlichtweg unattraktiv ist. Da kann eine gute Vergütung auch nichts mehr rausreißen.
Hab zu Abizeiten auch in einer ländlichen Gegend gewohnt, bzw in einer 60 tausen einwohner stadt und selbst das war mir teilweise viel zu öde.
Vielleicht sollte man versuchen vom Bild des klassischen 'Landarztes' abzurücken und die ländlichen Gegenden auf stand des 21. Jahrhunderts zu bringen. Vielleicht im Sinne einer regionalen(lokalen Gemeinschaftspraxis, irgendwo nicht ganz am arsch der welt, und gut strukturierten 'außenstellen' vielleicht mit einer Art Rotationssystem? Das birgt zwar auch viele Nachteile, wär aber vielleicht mal ein anderer Ansatz, welcher auch die erwähnte Privatsspähre ein stück weit wahren würde.
PrinzessinAmygdala
10.03.2014, 20:27
Ich kann mir "Landarzt" schon gut vorstellen, wobei das hier im Westen ja ein relativer Begriff ist. Hier ist alles so dicht besiedelt, dass es nicht wirklich Einöde ist. Mit einem Sprung bin ich in Köln, Düsseldorf oder Aachen. Ruhrgebiet und Bonn sind auch nicht grad weit weg.
Glaub aber, dass es andere Gegenden gibt, wo es echt krass ist.
Im Grunde muss irgendwie das Landleben wieder attraktiv werden und das ist der Knackpunkt. Alle wollen mitten im Leben sein, da wo der Trubel ist.
ehemaliger User_25062015
10.03.2014, 20:37
ich kenne weiden, das ist in der nähe, richtig?
Najaa was heißt in der Nähe..man fährt schon n'Stückchen. Näher als Weiden ist wohl Straubing. Ich mag das Landleben definitiv nicht mehr. 10 km fahren um mal schnell Klopapier kaufen zu können? Ist für mich einfach nicht attraktiv. Gut ich komm direkt vom Dorf in der Einöde, da gibts auch keinen Arzt, da muss man auch 10 km fahren. 10 km sind jetzt nicht sooo unglaublich viel, wenn ich aber bedenke, dass ich in der Unistadt bloß um die Ecke gehen muss und hab da nen Supermarkt und ne Straßenbahnhaltestelle, für ne Bahn, die mich direkt ins Stadtzentrum bringt. Ne ne Landleben wär mir auch als Berufstätige zu blöd. Ewig viel Zeit mit Rumgondelei verbringen, nur weil die richtige Zivilisation erst einige Kilometer später stattfindet.
naja, wenn eh keiner mehr auf dem land wohnen will, braucht man da auch keine ärzte mehr :-))
naja, wenn eh keiner mehr auf dem land wohnen will, braucht man da auch keine ärzte mehr :-))
Dann haben wir ja gar kein Problem :-)) Prima! So einfach kann es manchmal sein. :-D
naja, wenn eh keiner mehr auf dem land wohnen will, braucht man da auch keine ärzte mehr :-))
Diese Aussage hat schon einen wahren Kern. Denn in einigen ländlichen Regionen Deutschlands gehts eigentlich nur noch darum die ärztliche Versorgung für die nächsten 20-30 Jahre sicherzustellen - danach sind diese wohl ohnehin so stark entvölkert dass sich dort kein Arzt mehr auszahlt.
Was dann natürlich zur nächsten Frage führt: wenn in manchen ländlichen Regionen in Zukunft die Bevölkerungsdichte sehr niedrig sein wird, wie stellt man dann die Gesundheitsversorgung sicher? Müssen dann Menschen, die in diesen Gegenden wohnen wollen, höhere Steuern zahlen um die Mehrkosten abzudecken? Oder werden sie sich mit einer eingeschränkteren Gesundheitsversorgung zufriedengeben? Oder wird die Allgemeinheit weiterhin für die Kosten aufkommen?
Eigentlich eine spannende Frage. Da hilft sicher auch der Blick nach Finnland, Island, Norwegen oder Schweden.
Kackbratze
11.03.2014, 07:34
Gute Idee. Aushebeln des Solidarprinzips durch die Hintertür. Eine grosse Berliner Karriere steht dir offen.
Sportverletzungen nach Extremsport, plastische-verpfuschte OPs und Co werden anstandslos in der Stadt bezahlt, aber die medizinische Grundversorgung auf dem Land kostet extra...
Sind Finnland, Island, Norwegen oder Schweden "unsolidarisch", nur weil sie sich überlegt haben wie man die Gesundheitsversorgung in Regionen mit sehr niedriger Bevölkerungsdichte halbwegs kosteneffizient sicherstellen kann? Oder sind die vielleicht einfach nur überlegter? Ob es so sinnvoll ist wenn man diese Problematik nicht einmal ansprechen darf ohne gleich als Berliner Bösewicht dargestellt zu werden? :-))
Kackbratze
11.03.2014, 08:23
Gerade Finnland, mehrfach als schlechtestes europäisches Gesundheitssystem ausgezeichnet von Brüssel aus, sollte aktuell nicht als Beispiel dienen (wobei an Reformen ja gearbeitet wird)
Volksgesundheitszentren, deren Ärzte die gleichen Patienten am Nachmittag gegen Bares in ihren Privatpraxen "richtig" behandeln, da die Sozialmedizin keine gute Therapie mehr zulässt.
Finanzierung: primär durch Steuergelder, also durch den Staat
Norwegen: staatliche Finanzierung und hoher Eigenanteil. Basisversorgung durch fest eingetragenen Hausarzt, der die weiteren Überweisungen vornimmt. Auch da gibts auf dem Land Ärzte dafür, etwas, was hier scheinbar nicht geht.
Einziges "gutes" Beispiel ist Schweden, die kaufen ihre medizinische Qualität in Deutschland ein...ne Moment, das löst ja unsere Probleme auchnicht...die nehmen ja auch Geld in die Hand, "zwingen" die Zuwanderer in Sprachkurse und bieten gute Arbeitsbedingungen. Sowas geht hier einfach nicht.
Finanzierung in Schweden: durch Steuermittel
Allerdings haben alle von Dir genannten Systeme nicht den Faktor:
"wer auf dem Land lebt, zahlt mehr"
Warum sollte dieser Faktor das System besser machen? Sowas steigert nur die Entsiedelung, für das Gesundheitssystem bringt das nichts.
Alle 3 Ländern haben das Problem, dass durch die Politik ein betriebswirtschaftliches System entstanden ist, was vergleichsweise hohe Wartezeiten, keine "echte" Arztwahl und auch eine schlechtere medizinische Qualität liefert.
Die Frage dabei ist, was wollen wir?
BWL oder Gesundheit?
Meiner Meinung nach generiert eine gesunde Bevölkerung mehr Geld, als ein auf Profit getrimmtes Gesundheitssystem, was die Leute kränker belässt und dadurch die Arbeitsfähigkeit einschränkt. :-meinung
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