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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie organisiert man sich gut als Assistenzarzt auf Station?



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Reflex
26.05.2014, 19:58
Als Anfänger neigt man manchmal dazu Dinge kleckerweise nach der Visite an zu ordnen, wenn sie einem entsprechend auffallen. Deshalb kann man selber das genervt sein dadurch minimieren, in dem man bis zu einem Punkt X alles Nachmittags sammelt, was noch nachgeordnet werden muss. (wenn es nicht unbedingt sofort umgesetzt werden muss). Und dann gesammelt einträgt und die Schwestern am besten auch noch mal mündlich darauf hinweist, dass was angeordnet wurde. Ich kombinier das meist mit der Abgabe der Unterlagen der elektiven Aufnahmen, da die bei uns erst um 14h kommen. Denn dann ist eh eine Schwester mit ausarbeiten beschäftigt und kann den Rest dann auch noch mitdurchgehen. Ein bissel entgegen kommen und vernüftige Kommunikation tut dem Arbeitsklima dann meist ganz gut und bis lang auch immer zu einem postiven Feedback geführt.

Wer dann noch mosert, hat es nicht besser verdient und darf ignoriert werden...

The Proteinkinase
28.05.2014, 17:34
Ja stimmt, da kann man nichts anders organisieren mit dem Blut. Bei uns gibt es Blutergebnisse erst um 11 Uhr. Ich mache halt irgendwie alles doppelt. Also ich mache zuerst Kurvenvisite (ich brauche das für mich noch ganz in Ruhe alles durchgehen), dann visitier ich die Patienten und dann kommen um 11 die Blutergebnisse, wo ich mich ja dann ggf. nochmal an die Kurven setze :-?
Ich notiere mir über den Tag verteilt auch alles erstmal, was jetzt nicht ganz schrecklich dringend ist und ordne dann später an, wenn ich gesammelt habe. Das Schwierige für mich ist es momentan immer hin- und her zu Switchen. Also bspw ich mache gerade Visite, dann kommt was akutes dazwischen wie zb ein akutes Problem mit einem Patienten. Oder eine Neuaufnahme.....oder ein Angehöriger.... oder oder oder....dann ist es für mich oft schwer da wieder rein zu kommen und einfach anzuknüpfen an dem was ich gerade getan habe. Aber ich denke das sind Dinge die man mit der Zeit lernt. Hoffe ich zumindest ;-)

WackenDoc
28.05.2014, 17:44
Sowas ist echt doof, wenn man nicht direkt von den alten Hasen lernen kann.

Wenn du deine Arbeit unterbrechen sollst, dann überleg, ob die Unterbrechung nicht warten kann, bis du mit der aktuellen Arbeit fertig bist.
Z.B. kann man ein Zeitfenster für Angehörigengespräche reservieren. Man muss nicht immer sofort springen, wenn ein Angehöriger was will.
Genauso Neuaufnahmen. Die, die über die Notaufnahme sind ja meist schon vom Diensthabenden "bespasst" worden und können auf Station auch mal warten.
Das kann man sich sehr schön von den Übergaben (oder auch Pausenzeiten) der Pflege abschauen. Das sind Zeiten wo wirklich keiner stören darf, wenn es kein Notfall ist. Das muss man aber lernen, entsprechende Anliegen für bestimmte Zeiten abzublocken.

Ob eine Kurvenvisite vor der richtigen Visite Sinn macht, hängt davon ab, ob du damit später Zeit sparst. Kann man machen- aber nur wenn dann wirklich nicht alles doppelt ist.
spätestens bis nach der Visite solltest du aber auch wissen, was du vom Labor wissen willst, so dass du dann mit den Kurven nicht wieder bei 0 anfängst, wenn das Labor kommt.

The Proteinkinase
28.05.2014, 18:09
Ja ich glaube ich muss noch lernen auch mal nein zu sagen :-))

"spätestens bis nach der Visite solltest du aber auch wissen, was du vom Labor wissen willst, so dass du dann mit den Kurven nicht wieder bei 0 anfängst, wenn das Labor kommt. " Wie meinst du das? Erst Visite und dann Kurvenvisite? Oder meinst du Kurvenvisite und mit der "richtigen" Visite warten bis Blutergebnisse da sind?
Die Kurvenvisite brauche ich momentan einfach (noch?). Ziehe mich dann zurück und gehe alles ganz in Ruhe durch. Ich lasse mich sonst gern ablenken...

Reflex
28.05.2014, 18:33
Wobei ich auch immer noch eine zügige Kurvenvisite mache bevor ich in die eigentliche Visite starte. Während der Visite hab ich keinen unmittelbaren Zugriff auf das KISS und kann vorher noch mal einen Einblick von allen diagnostischen Befunde gewinnen, sehe die therapeutische Fortschritte, Vitalparameter, Reha etc. und weiß für die Gespräche mit den Patienten den derzeitigen Stand der Dinge und überseh nichts, weil ich struktuiert alles durchgehen kann und mich nichts ablenkt. In der Visite kann ich mich dann gut informiert ganz dem Patienten widmen und muss mich nur mit Anordnungen, die sich unmittelbar aus klinischen Befunden am Bett oder sich aus dem Gespräch mit dem Patienten ergeben, beschäftigen. Die Variante ist für mich insgesamt die ökonomischte und schnellste.

Feuerblick
28.05.2014, 18:38
Ich würde es ja eher umgekehrt machen: Erst Visite, dabei eben auch von der Pflege und den Patienten hören, was an Problemen anliegt und DANN Kurvenvisite. Da kannst du die Erkenntnisse und Anordnungen der Visite gleich einarbeiten. Eigentlich sollte man seine Patienten auf Station zumindest grob so weit kennen, dass man nicht jeden Morgen die kompletten Kurven durchgehen muss, um visitieren zu können. Umgekehrt macht es aber Sinn, erst mit Pflege und Patienten zu reden und dann anhand der Kurve zu schauen, was man ggf. ändern sollte. Zumindest machte das bei mir immer mehr Sinn. Hatte auch den Vorteil, dass man nicht alles mehrfach anschauen musste. Nach Visite (und ggf. Kurvenvisite) sollte man dann einen To-do-Zettel haben, auf dem genau steht, was man vom Patienten noch braucht, welche Untersuchungen nötig sind und welche Konsequenzen die angeordneten Blutentnahmen haben sollen. Ob man dann die Kurvenvisite direkt macht oder ob man wartet, bis man auch die Blutergebnisse hat, muss man selbst herausfinden. Letztlich sollte man aber herausfinden, wie man möglichst wenig Dinge mehr als einmal in die Hand nehmen muss. Das bedeutet auh, dass nur WICHTIGE Dinge Grund für eine Unterbrechung sind.
Angehörigengespräche sind etwas, was fast immer warten kann. Wenn du der Pflege das schon mal sagst und ggf. einen entsprechenden Zettel am Arztzimmer anbringst, hat sich das ganz schnell rumgesprochen.

WackenDoc
28.05.2014, 18:40
Das ist ja auch ok, vorher nochmal in Ruhe die Akten durchzuschauen- erst recht wenn die Patientenvisite dann schneller geht.

Was ich mit dem Labor gemeint hab:
Du ordnest ja Labor mit einer bestimmten Fragestellung an. Dieser Fragestellung sollte man sich bewusst sein.
Wenn du jetzt an einem Tag schon Kurvenvisite und Patientenvisite gemacht hast, bevor das Labor kommt, müsstest du auf dem Schirm haben, welche Konsequenz sich aus den Laborwerten ergeben könnte. Dann brauchst nicht die komplette Akte wieder durcharbeiten. Sondern evtl. nur noch kurz was nachschlagen.
Was dabei allerdings ein Problem darstellen könnte- die Schwestern widmen sich oft nach der Visite den Akten um deine Anordnungen auszuarbeiten- wenn du dann die Akten wieder haben willst wegen dem Labor oder um Anordnungen zu ändern, dann kann das zu Konflikten führen.

Wenn du eine Stationsliste führst: Notier dir, was das Ziel mit dem Patienten ist. sonst plätschert viel planlos vor sich hin (kann ich gerade nicht besser beschreiben, aber ist so eine Erfahrung, die ich gemacht habe)

LostSoul
28.05.2014, 18:55
Ich mache meine "Kurvenvisite" immer während der "echten" Visite, jeweils vor dem Patientenzimmer. Ich versuche, die wichtigen Befunde eh schon im Kopf zu haben und schau dann vor dem Reingehen ins Patientenzimmer die Kurve und ggf. die Befundemappe durch.
Zettel mit Stationsliste, Anamnese, Befunden etc. habe ich am Anfang mal probiert, hat mich aber zuviel Zeit gekostet und ohne meinen Zettel hatte ich wieder keinen Überblick, so dass es sich für mich nicht lohnte. Ich versuche, die wichtigen Befunde im Kopf zu behalten, alles andere kann man bei der Visite oder auch sonst in der Akte schnell nachschlagen.

Fr.Pelz
29.05.2014, 08:33
Hm, ich hab Visite und Kurvenvisite immer verbunden. Gehe zum Patienten, mit Schwester (die von der Nacht berichten kann, wenn es der Pat nicht selber kann) rede mit ihm und ich sehe gleichzeitig in der Kurve ob er Fieber hatte, sehe das Schmerzniveau und abgeforderte Bedarfsmedikation, natürlich RR und Standardmedikation. Blättere ich nach hinten, seh ich die letzen Laborergebnisse und ob ein Labor für den heutigen Tag angefordert wurde.
Diagnostikbefunde sind bei ordentlicher Dokumentation in Kurzform auf dem Kurvendeckblatt vermerkt (oder ich hab sie im Kopf, bzw es kommen keine frischen am WE ) und auch ob nachts der Dienstarzt kommen musste.
Nach der Visite guck ich dann ins aktuelle Labor und ggf Notfalldiagnostik aus der Nacht. Dann geh ich meine To-Do-Liste durch und besprech Fragen mit den Kollegen/OA.
Manchmal muss dann danach eben zurück zum einzelnen Patienten ("ihr Entzündungswert ist weiter gestiegen, wir machen jetzt doch die Antibiose") Aber das kann ja bei jeder Organisationsform passieren.

Eine zusätzliche Kurvenvisite mach ich vorher nur bei neuen Patienten oder nach der Visite wenn CA-Visite war, wo man entweder keine Zeit für eigene Anordnungen hatte oder eben die CA-Anordnungen niedergeschrieben werden müssen.

Der Pete
02.06.2014, 16:14
Puh ... ich krieg langsam Panik ...jetzt sind es noch 2 Tage PJ und das Examen ... der Dezember ist ruck zuck da und dann bin ich der Stationsarzt :-|. Hoffentlich komme ich schnell rein. Ich neige auch gerne dazu vieles kleckerweise zu machen und dann fällt dadurch gern mal was hinten über.
Ich danke euch auf jeden Fall für eure wertvollen Tipps. Vor allem des Visitenbuch finde ich eine praktische Idee ... vielleicht hilft das die Arbeit besser zu strukturieren.

Der Pete

aschenputtel1977
02.06.2014, 18:03
Ich sage nur: Visite ist heilig. Also außer lebensbedrohlichen Notfällen hat in der Visite nichts zu stören. Keine Angehörigen, keine elektiven Neuaufnahmen und (vor allem bei mir verhasst) die blöden Telefone, die immerzu klingeln, weil irgendwem grade irgendwas einfällt…. Und dann ist man weniger abgelenkt, das wirkt bei mir Wunder.

WackenDoc
02.06.2014, 18:20
Vor allem keine ungefilterten Anrufe von wegen "will nen Arzt sprechen" "Warum, worum geht es?" "Keine Ahnung, hat gesagt, er will nen Arzt sprechen"

Rico
02.06.2014, 19:35
Unvergessen auch die Schwesternschülerin, die (die Befehlskette nicht ganz einhaltend) bei der Chefvisite (!) dem Chef (!!) das Telefon in die Hand drückte mit den Worten: "Die Mikrobiologie ist dran. Wollen einen Arzt sprechen." :-D

Kandra
02.06.2014, 19:52
Unvergessen auch die Schwesternschülerin, die (die Befehlskette nicht ganz einhaltend) bei der Chefvisite (!) dem Chef (!!) das Telefon in die Hand drückte mit den Worten: "Die Mikrobiologie ist dran. Wollen einen Arzt sprechen." :-D

*gefaelltmir*

EVT
03.06.2014, 19:20
Und wie hat der Chefarzt reagiert?

Rico
03.06.2014, 19:29
Mit dem Mikrobiologen telefoniert und irgendeine Meldung über eine positive BK entgegengenommen. Mit breitem Grinsen. :-))

The Proteinkinase
03.06.2014, 20:48
Hey danke nochmal für die vielen Tipps! So langsam brauche ich nicht mehr ganz so lange für die Visite und kombiniere die Kurvenvisite mit der "normalen" Visite. Neuaufnahmen sollten bei uns nach Möglichkeit direkt gesehen werden, das kommt dann leider dazwischen. Habe festgestellt, dass man doch ganz schön Zeitmangel hat, wenn man nur eine 75% Stelle hat. Die 2Stunden am Tag fehlen mir einfach, obwohl ich im Grunde ja auch weniger Patienten hab :-nix