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WackenDoc
17.04.2014, 17:30
Da gerade ein Kumpel von mir im Krankenhaus liegt und er ein Foto seines heutigen Mittagessens gepostet hat, sind bei mir einige Erinnerungen an das Krankenhausessen sowohl der Mensa im Studium, als auch der Mitarbeiterkantinen als auch das "Essen" was mir bei eigenen Krankenhausaufenthalten serviert wurde hoch gekommen.

Also mal ganz ehrlich- mit moderner, gesunder Ernährung hat das alles nichts zu tun:
Fettig, viel minderwertiges Fleisch, gerne gebraten, überbacken, paniert, fette Soßen, kaum Salat, Weissbrot statt Vollkorn etc.

Ich hab ja mal das Adipositasprogramm in einem unserer Häuser betreut- es war nicht möglich, dass die Patientenküche unseren Patienten das lieferte, was wir bestellt hatten- weder Kaloriengehalt, noch die Zusammensetzung, noch Berücksichtigung von Unverträglichkeiten/Abneigungen der Patienten. Dabei ging es noch nicht einmal um eine spezielle oder exotische Diätform, sondern die Umsetzung der DGE-Empfehlungen.

Als ich selber Patient war, wurde ich zwar zur Ernährungsberaterin geschickt- das Krankenhaus war aber nicht in der Lage irgendwas davon umzusetzen. In einem anderen Haus musste man zur Ernährungsberatung, wenn man Extra-Salat verordnet haben wollte- ungesetzt werden konnte das auch nicht richtig.

Uniklinikum Aachen war auch so ein Problemfall- die haben ein Institut für Ernährungsmedizin, waren aber nicht in der Lage in der Klinikmensa ein vernünftiges Essen anzubieten (ok, inzwischen gibt´s seit einigen Jahren die neue Mensa- da war das Essen zumindest besser)

Liegt das Problem rein am Geld? Oder an der Unfähigkeit der Köche? Am Desinteresse?
Wäre es nicht besser für Patienten und Mitarbeiter, wenn gesundes Essen serviert werden würde?

Fr.Pelz
17.04.2014, 17:43
Das hat mich ja auch letztens furchtbar aufgeregt, bei uns ist Mitarbeiter- und Patientenessen der gleiche Caterer/bzw Küchenfirma und ganz ganz furchtbar (habe auch ein paar Gruselfotos gemacht), die Beilagen sind grundsätzlich verkocht, die Soßen oft versalzen und der Aufwand, der organisatorisch betrieben werden muss, wenn jemand laktose- oder glutenunverträglich spottet auch jeder Beschreibung.
Ich denke, dass die Kliniken einfach die billigsten Caterer auswählen um Kosten zu sparen. Bis sich jemand massiv beschwert, ändert sich nichts. Und wenn man mit Patienten redet, sagen eben viele "ach ich bin doch in 2 Tagen wieder draußen, da lohnt sich so eine Beschwerde nicht" (ist vielleicht auch vielerorts gegen den guten Ton, sich übers Essen zu beschweren).
Die Kollegen haben sich damit abgefunden. Ich gehe grundsätzlich nur mit selbstgerechten Essen in die Kantine, um trotzdem mit Kollegen quatschen zu können.

Kandra
17.04.2014, 18:00
In dem Krankenhaus in dem ich im Moment arbeite geht es essenstechnisch ganz gut, der allergrößte Teil ist essbar, allerdings sicher nicht übermäßig gesund.
Die letzten beiden Aufenthalte meinerseits als Patientin in 2 anderen Krankenhäusern endeten damit, dass ich beim ersten von meinen Eltern versorgt wurde um den Gewichtsverlust von 500g/Tag zu stoppen, aus dem anderen kam ich nach 7 Wochen mit einem BMI von 13 wieder raus, ich denke, das sagt alles ^^
Besseres Essen wäre sicher wünschenswert, scheitert leider vermutlich wie so vieles an den Kosten.

WackenDoc
17.04.2014, 18:14
Wäre mal interessant zu untersuchen, ob gesundes Essen wirklich so viel teurer wäre und ob man damit nicht wieder Kosten durch Vermeidung von Komplikationen einsparen würde.

Mal so als Beispiel, was mein Kumpel gepostet hat:
Da gab es 2 undefinierbare Frikadellen, Erbsen mit Mais in irgendeiner Pampesoße (wahrscheinlich einfach Soßenbinder oder so- meine Tante macht das auch öfter in ihr Gemüse) und ne große Protion Kartoffelpüree- nach der Konsistenz wahrscheinlich irgendein Tüten-Fertig-Zeugs und eine größere Menge braune Soße.

Mit den gleichen Zutaten könnte man aber folgendes machen:
Das Gemüse ohne das Eindickzeugs, dafür mit ein paar Kräutern und Gewürzen, das Hackfleisch einfach mit ein paar Zwiebeln etc. fettarm anbraten (oder gleich als Hackfleischpfanne mit geeignetem Gemüse zubereiten), Stampfkartoffeln evtl. mit etwas Milch. Keine braune Soße. Dazu evtl. noch Salat
Und nen Stück Obst der Saison als Zwischenmahlzeit-normalerweise gibt´s ja Zuckerjoghurt mit 100kcal/100g.

Kann mir doch keiner erzählen, dass das so viel teurer wäre.

Fr.Pelz
18.04.2014, 10:10
So hier mal ein Beispiel aus unserer Klinik 27200
Schon die Tabletts erinnern an Gefängnis. Meine Mutter arbeitet in einer forensischen Psychiatrie und selbst da ist die "Aufmachung" des Essens einladender.
Naja und dann ist es theoretisch etwas "Gesundes" (gefüllte Zucchini mit Reis) aber der Reis ist verkocht, die Zucchini sind mit etwas undefinierbarem gefüllt und der Nachtisch könnte auch gesünder sein.
27201
Das ist Frühstück, soweit ok, natürlich gäbe auch hier Verbesserungsmöglichkeiten, z.B wäre es gut, wenn man die Marmeladenbecherchen selbst aussuchen könnte, sowohl von der Menge als auch von der Geschmacksrichtung her. Aber man soll ja nicht zu anspruchsvoll sein.

Kandra
18.04.2014, 10:20
Ich hätte das da oben auf dem ersten Bild für eine Wollwurst gehalten ^^

Brutus
18.04.2014, 10:37
Zitat der Leiterin der Mensa beim Berufsfelderkundungspraktikum im Studium: Hier in der Mensa sollen sie satt werden. Für das gesunde Essen müssen Sie zu Hause selbst sorgen. Das können wir hier nicht leisten!
Und ähnliche Sprüche kenne ich aus Krankenhauskantinen auch...
Einer der Gründe, warum ich selten im KH essen gehe. Wobei das Haus, in dem ich jetzt arbeite, eine wirklich gute Küche hat.

Muriel
18.04.2014, 10:38
Die Zucchini hatte ich noch erkannt, aber das undefinierbare Innere... keine Ahnung, was das sein soll. Je länger man darüber grübelt, desto mehr unangenehme Assoziationen kommen da auf.

Meuli
18.04.2014, 10:47
also da kann ich mich ja wirklich nicht beschweren. Das Essen ist bei uns (für Krankenhausverhältnisse^^) wirklich gut. Und in der Cafeteria gibts unter der Woche außer den 3 Patientenessen auch immer noch was frisch Gebrutzeltes von der Sondertheke, außerdem Salatbuffet. Im Sommer (v.a. zu WM-Zeiten) wird auch gerne mal ein Grill draußen aufgebaut :-))
Und das Catering, das unsere Küche macht, ist wirklich Spitzenklasse!! (z.B. bei Weihnachtsfeiern oder Mitarbeiterfest oder auch sonst auf Bestellung) :-top

McDübel
18.04.2014, 11:14
Die Zucchini hatte ich noch erkannt

Respekt! :-((

Rico
18.04.2014, 11:20
Das ist Frühstück, soweit ok, natürlich gäbe auch hier Verbesserungsmöglichkeiten, z.B wäre es gut, wenn man die Marmeladenbecherchen selbst aussuchen könnte, sowohl von der Menge als auch von der Geschmacksrichtung her. Aber man soll ja nicht zu anspruchsvoll sein.Das sieht echt nicht schlecht aus, das Brötchen ist ja sogar irgendwie dunkel. Bei uns gibt's in der Stationsküche so einen Zuber in den die übrig gebliebenen Marmelädchen, Butter & Co. kommen, da kann man bei Bedarf auch tauschen oder nachfordern (kurzer Blick auf das Haltbarkeitsdatum lohnt sich). ;-)

Muriel
18.04.2014, 11:21
Es hätte auch eine Gurke sein können, aber Zucchini erschien mir wahrscheinlicher ;-) Nur dieses rktbraune angekrustete Gedöns darüber irritiert mich weiterhin :-D

Espressa
18.04.2014, 11:44
Unser Haus kocht selbst und für Mitarbeiter gibt's täglich die Wahl zwischen vier Menüs, Beilagen-, Salat- und Dessertbuffet. Kann echt nicht klagen. Die Patienten sind auch ganz happy, die können auch recht detailliert Wünsche äußern.
Als ich zur Entbindung in einem anderen KH war, war das essen auch mies, wählen konnte man nur "vegetarisch" - und selbst das wurde verbummelt und Fleisch serviert. Übel übel, einfach schlechte Qualität und lieblos.

WackenDoc
18.04.2014, 11:44
@Meuli: Ist das bei euch denn teurer als anderswo? Oder geben die sich einfach nur mehr Mühe.
Für die Patienten dürfte ja nicht mehr Geld als in anderen Häusern zur Verfügung stehen.

Was das erste Bild angeht- das ist genau das, was ich meine- was soll diese Pampe in der Zucchini? Warum wird Ganze das durch diese braune Soße ertränkt.

Muriel
18.04.2014, 12:42
Die Sauce ist rot! Also künstliche Tomatenaromen drin und damit mediterran mit der Zucchini :-))

JJ*
18.04.2014, 12:43
Das muss entweder eine Generationenfrage sein oder es gibt irgendwo einen Kurs "Schlecht kochen in Großküchen", der von einem Großteil der Küchenverantwortlichen in Krankenhäusern (und auch anderen Betrieben, da wird es aber gefühlt schon seit Jahren deutlich besser) belegt wurde. Die Tomatensauce aus Tomatenmark und Saucenbinder wie in dem gruseligen Zucchini-Bild, eventuell noch mit Trockenkräutern "verfeinert" und vielleicht euphemististisch benannt ("fruchtige Tomatenessenz") ist ein Klassiker der Großküchenreinfälle. Billig, idiotensicher und nicht ganz ungenießbar, wenn auch weit von lecker entfernt. Das selbe gilt für den zerkochten Reis mit Petersilie daneben. Nur vom Betrachten des Bildes weiß ich, wie beides schmeckt. In den meisten anderen Betrieben sterben die schlechten Kantinen langsam aus, nur im Krankenhauswesen scheint es vielerorts keine Veränderungen zu geben. Ziemlich schade.

PS: die neue Aachener Mensa hinterm Klinikum ist mittlerweile völlig akzeptabel (für Kantinenverhältnisse würde ich sie sogar als gut beschreiben), das Personalrestaurant und die Klinikküche sollen aber unterirdisch sein...

Muriel
18.04.2014, 12:48
Mensa vita? Ich fand sie schrecklich damals. Liegt aber wohl auch daran, dass ich Fertigaromen in jeglicher Form sofort herausschmecke und meist abartig finde.

WackenDoc
18.04.2014, 13:06
Die Mensa vita hat zum Ende meines Studiums da auf gemacht. 1. Wenn man nur kurz Mittagspause hat, ist sie zu weit vom Klinikum weg und 2. gab es zumindest damals so nen Kram wie Straussensteak und man durfte sogar noch in einem Teil der Mensa rauchen.
Aber besser als in der Klinikumsmensa war es auf jeden Fall- dafür auch teuer (vor allem das gute Essen).

Das Essen in der alten Mensa war ne Frechheit- das bessere Gericht war innerhalb von Minuten ausverkauft, es gab nur einen Teller für alles- incl. Salat und so- also liefen auch alle Soßen ineinander. 2x/Woche diesen wiederlichen Zwiebel-Selleriesalat.
und in die Mitarbeiterkantine durfte man erst ab einer bestimmten Uhrzeit und man musste dort den Gästepreis zahlen, während die Klinikmitarbeiter in den Mensen oft nur den vergünstigten Preis zahlen mussten.

Absolut widerwärtig auch das Essen in der Anatomie-Kantine.
Verfärbte Plastiktabletts auf die das Essen direkt ohne Teller kam, dreckiges Besteck, einmal schwammen die Spaghetti in einer gelben, dünnen "Soße"- das war reines Fett. Hab mir da nen Packen Papierservierten geholt um das erstmal aufzusaugen.
Und regelmäßig nach dem Präpkurs halbe Hähnchen.

Muriel
18.04.2014, 17:54
Im MTI die Mensa wurde irgendwann zu gemacht. GsD! Und im Klinikum... diese trockene ekelhafte Pizza, huaaaaaaah *schüttel* als einziges ganz ok essen konnte man an der Grilltheke. Aber jeden Tag Fritten und co? Keine gute Idee. Daher habe ich tagsüber Brote gegessen und abends dann zu Hause gekocht.

WackenDoc
18.04.2014, 18:29
Allerdings war die Pizza immer direkt ausverkauft, weil das immer die bessere Alternative zum 2. Gericht war.

Inzwischen koch ich mir mein Essen vor, nehm es mit auf die Arbeit und mach es da nur noch in der Mikrowelle warm.
Aber als Patient hat man die Möglichkeit ja leider nicht.