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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Würdet ihr wieder Tiermedizin studieren?



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Elvira93
29.04.2014, 21:09
Hallo ihr,

ich hab jetzt schon öfters gehört, dass es einige Tierärzte gibt, die einem davon abraten, Tiermedizin zu studieren und sie sich selber anders entscheiden würden, wenn sies nochmal machen könnten.

Wie siehts bei euch aus: sagt ihr "das ist mein absoluter Traum, jederzeit wieder!" oder seid ihr doch eher ernüchtert im Studium?

LG Steffi

Nickel1992
30.04.2014, 13:02
Hey,

ich hab das auch schonmal gehört. Und ich denke, dass man das wahrscheinlich erst so richtig beurteilen kann, wenn man einige Jahre gearbeitet hat und schauen kann ob die Vorstellung mit der Realität übereinstimmt.
Momentan gehe ich ganz gerne zur Uni und mir macht das Studium Spaß und ich würd mich auf jeden Fall wieder dafür entscheiden. Aber man weiß ja nie, wie das in drei bis vier Jahren aussieht ;)

LG Julia

Viehdoc
02.05.2014, 12:42
Hey,
ich glaub das hat jeder schonmal gehört ;). Und ich denke auch, dass man das erst genau sagen kann, wenn man ein paar Jahr im Berufsleben gestanden hat, ob sich der ganze Aufwand gelohnt hat.
Aber bisher würd ich sagen ich würds immer wieder machen. Mir macht das Studium wirklich Spaß und ich fühl mich einfach richtig hier :). Hab mich auch noch nie gefragt warum ich den ganzen scheiß eigentlich mache... das fragen sich einige Leute wohl schon des öfteren mal...

Liebe Grüße

Nette
03.05.2014, 12:01
Ich würde auch sagen: IMMER wieder!
Allerdings sagen andere meiner Kommilitonen: "auf KEINEN FALL nochmal! Der ganze Stress, der massive Druck....never ever!"
Deren Meinung kann ich schon ganz gut nachvollziehen, aber für mich persönlich ist es unvorstellbar ohne die Tiermedizin *gefaelltmir*

DrJoa
04.05.2014, 11:56
hallöchen,

ich hab auch schon das ein oder andere mal gedacht. puuuh ganz schön anstrengend das studium. aber im grunde studiere ich gerne tiermedizin und es macht mir spaß :).
und ich freue mich schon drauf endlich richtig zu arbeiten. und dann werde ich ja sehen, ob ich es bereue ;)

vg Jo

Viehdoc
09.05.2014, 12:53
Ich glaube auch ehrlich gesagt, dass es nicht der Großteil ist, der es bereut. Sonst hätten wir sicher nicht so viele Tierärzte und der Ansturm aufs Studium wär geringer... aber oft hört man ja mehr von den schlechten Dingen.
Klar ist da immer das Problem der Bezahlung, aber das weiß ja eigentlich jeder vorher (hoffe ich). Und dass Not- und Nachtdienste anstehen, sollte auch jedem klar sein ;).

DrJoa
12.05.2014, 12:55
ja, da hast du wohl recht, die negativen sachen sprechen sich meist schneller rum als die positiven. vor allem weil die unzufriedenen ja auch meist lauter jammern als was die zufriedenen sich freuen ;)

Elvira93
13.05.2014, 12:15
ja, das hatte ich nicht bedacht ;). negative Sachen machen ja immer schneller die Runde :).
aber schön, dass ihr alle was positives zu sagen habt.
Wäre ja super, nochmal was von wem zu hören, der vielleicht schon fertig ist?

Shantao
13.05.2014, 19:07
Ich würde das Studium nicht noch einmal aufnehmen.

Zu mir - ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung zur Pferdewirtin Schwerpunkt Rennreiten (Galopp) gemacht. In Deutschland lässt sich als Jockey leider nur schwer Geld verdienen. Von Renngewinnen in den unteren Leistungsklassen kann man kaum leben, in die Listen- und Grupperennen muss man erstmal kommen, als Frau eher utopisch. Also bin ich etwa ein Jahr nach Beendigung meiner Ausbildung in die USA gegangen. Nachdem mir ein Jährling während eines 'Speedtests' buchstäblich unterm Hintern weggestorben ist und ich relativ schwer verletzt wurde, war der Rennsport erst einmal nichts mehr für mich. Also zurück nach Deutschland. Die Entscheidung zum Vetmed-Studium war ziemlich überstürzt. Der Abischnitt hat gepasst, medizinisches Interesse war da, ansonsten ist mir halt nichts Besseres eingefallen.

Ich habe das Studium mit einem sehr guten Staatsexamen abgeschlossen und anschließend eine 2-jährige Dissertation begonnen (Bereich Pferd, 50 - 60 h/Woche). Glücklicherweise habe ich zumindest ein Stipendium über 800 Euro erhalten. In der Veterinärmedizin ist die Finanzierung nicht selbstverständlich und hing, zumindest in meinem Fall, maßgeblich von den Noten ab. Da ich während des Studiums auch nicht mehr Geld zur Verfügung hatte und die Zeit zum Geld ausgeben sowieso nicht vorhanden war, war das damals kein Problem.

Nach 7,5 Jahren stand ich also da, mit Examen und Doktortitel, richtig verdient hatte ich bis dahin noch nichts. Kleintier kam nie in Frage, Nutztier hätte ich mir vorstellen können, bin aber dann doch im Pferdebereich geblieben. Nun haben wir ja zwar auch die Variante des deutschen Fachtierarztes, allerdings wurde mir suggeriert, dass man, sofern man Karriere machen möchte, doch bitte den Diplomate anstreben möge. Grundsätzlich ja nicht verkehrt, vor allem, wenn man mal in Ausland möchte, allerdings ist der Weg dorthin immer noch reinste Ausbeutung.

Man beginnt mit einem Internship. Bevorzugt werden Bewerber mit Dissertation im Bereich der entsprechenden Tierart, wenn's geht doch bitte auch noch ordentlich klinischer Erfahrung. Ich muss vor meiner Anstellung vier Wochen 'hospitieren', sprich: arbeiten ohne Vergütung. Aber hey, das machte nichts, das Internship selbst wurde ja schließlich auch nicht bezahlt. Im Gegenteil, man sollte seiner Klinik dankbar sein, dass die Ausbildung kostenlos ist :-wand
Das Internship dauert ein normalerweise ein Jahr, wobei man durch alle möglichen Bereiche seiner Klinik rotiert. Dazu muss ich sagen, dass ich wirklich alles gesehen habe, was so möglich ist - Innere, Chirugie, Neurologie, Derma, Ortho, Kardio, Bildgebung usw. Ja, man lernt verdammt viel, denn man ist für seine Patienten selbst verantwortlich, auch wenn natürlich immer noch ein Oberarzt da ist.

Mein Arbeitstag:
Zwischen 6:30 und 7:00 Uhr Arbeitsbeginn (offiziell 7:30, aber mindestens eine Übergabe musste immer besonders vorbereitet werden...), Feierabend offiziell um 17:00, kann mich allerdings nicht daran erinnern, jemals um 5 rausgekommen zu sein. Realistischer war zwischen 19:00 und 20:00 Uhr. Sind wir also bei einem Arbeitspensum von etwa 12 Stunden täglich. Pausen musste ich einfordern oder heimlich während täglichen Fallbesprechungen futtern. Weiterhin gab es täglich irgendwas Besonderes für die Interns (Journal Club, Projekte o.Ä.). Im Prinzip wird von Montag bis Freitag also etwa 12 Stunden gearbeitet, zudem war es an meiner Klinik so geregelt, dass die Interns sämtliche Nacht- und Wochenenddienste abdecken mussten - und zwar alleine! Wir waren 7 Interns und durften den Kuchen selbstständig unter uns aufteilen. Im Durchschnitt habe ich etwa 75 - 80 h die Woche gearbeitet. Nacht- und Wochenenddienste wurden nach TL-V vergütet (knapp 13 Euro).

Um es nochmal deutlich zu machen: man 'verdient' in diesem System etwa 200 Euro monatlich über die Dienste, da alles andere nicht bezahlt wird. Meine Klinik ist leider auch kein Einzelfall, diese Ausbeutung ist gängige Praxis. Ich möchte an dieser Stelle nur mal daran erinnern, dass ich kein Student war, sondern ein approbierter Tierarzt mit Dissertation. Finanziert wurde ich damals von meinem Bruder, mit dem ich zusammen gewohnt habe. Von 200 Euro kann natürlich niemand leben und ein Nebenjob ist definitiv nicht möglich.


Nächster Schritt auf dem Weg zum Diplomate: das Residency-Programm.
Dieses Programm führt letztendlich auch direkt zum Diplomate-Titel, sofern man denn die sehr anspruchsvolle Prüfung besteht, deren Erwartungshorizont die des dt. Fachtierarztes übersteigt. Um zugelassen zu werden, müssen ein Haufen Voraussetzungen erfüllt werden. Neben der Klinikzeit geht es auch um Publikationen, ohne geht da nichts. Der Titel wird zudem in Zusammenhang mit einer bestimmten Fachrichtung erworben. Meine Ausbildung ist auf vier Jahre angesetzt, das letzte Jahr sollte im Ausland absolviert werden. Gezahlt werden 800 Euro monatlich, zzgl. der Dienste. An der regulären Arbeitszeit hat sich nicht viel geändert, abgesehen davon, dass nun auch noch viel Zeit in Publikationen investiert werden muss. Wer nicht an Forschung interessiert ist, ist in so einem Programm definitiv falsch.

Wo bin ich also angekommen, etwa 5 Jahre nach Beendigung meines Studiums?
Mit Selbststudium komme ich auf knapp 14 Stunden Arbeitszeit täglich, für rund 1000 Euro brutto im Monat. Die Weiterbildung zum Diplomate unterliegt strengen Auflagen, die Weiterbildungsberechtigung haben in Deutschland vergleichsweise nur wenige Kliniken. Wer den internat. Facharzt möchte, kommt um dieses System nicht herum. Und so lange diese Stelle selbst bei diesem miesen Verdienst so hart umkämpft sind, wird sich am Gehaltsmodell wohl auch nicht viel ändern.

Versteht mich nicht falsch - ich werde mein Residency-Programm zu Ende bringen und die Stellen für Diplomates sind, wenn auch im Ausland eher als in Deutschland, definitiv da und werden auch besser bezahlt. Von einem Diplomate meiner Klinik weiß ich, dass sie 3700 Euro brutto verdient. 5,5 Jahre Studium, in ihrem Fall knapp 3 Jahre Dissertation, 5 Jahre Weiterbildungszeit für den FA-Titel. Kann man drüber streiten, ob 3700 Euro da gerechtfertigt sind :-nix
Da sind die Gehälter der Humanmediziner definitiv attraktiver.

Nochmal würde ich dieses Martyrium aber vermutlich nicht durchstehen. Ich habe keine Kinder (und will auch keine), keinen festen Freund und eigentlich keinen Freundeskreis, der nicht aus Tiermedizinern besteht. Nun könnte man sagen, okay, selbst Schuld, wenn man sich den Stress antut, aber die veterinärmedizinische Praxis ist allgemein gekennzeichnet von viel Arbeit und wenig Geld.

Was meine ehemaligen Kommilitonen so machen (Gehalt in brutto):

1x Amtstierarzt
3,5 Jahre Dissertation, gute Noten im Examen. Verdienst nach Tarif, ist mit 3200 Euro angeblich schon an der oberen Grenze angekommen (müsste man mal nachschauen..)

3x Kleintierklinik
"Normale" Assistenzärzte, alle mit Diss, Verdienst zwischen 900 und 1200 Euro. Arbeitszeit zwischen 50 und 60 h die Woche, Nacht- und Wochenenddienste werden angeblich nicht extra vergütet

1x Kleintierpraxis
"Normale Assistenzärztin" unter zwei Praxisinhabern. Verdienst 1400 Euro, zzgl. Dienste. Keine Dissertation geschrieben.

1x Fahrpraxis Pferd
Hat zunächst in einer Pferdeklinik gearbeitet, bereits ein Jahr nach dem Studium etwa in die Selbstständigkeit gegangen. Hat nach eigener Aussage etwa 1000 Euro im Monat übrig, inkl. ständiger Rufbereitschaft, wie das halt so läuft

1x Pferdeklinik
"Normale" Assistenzärztin, Dissertation, recht renommierte Pferdeklinik in Deutschland, verdient 1200 Euro bei 50 h Woche, zzgl. Dienste

1x Fahrpraxis Rind
Keine Dissertation, von Anfang an am Umsatz beteiligt, hat im Einstiegsjahr etwa 2000 Euro verdient, inzwischen bei 2750 angekommen - keine Dienste!

1x Gemischtpraxis (Rind/Kleintier)
Dissertation, macht vorwiegend Kleintier, 1700 Euro brutto, geregelte 40 h Woche, Dienste freiwillig und vergütet



Zu mehr ehemaligen Mitstudenten habe ich leider keinen Kontakt und 'fremde' Tierärzte plaudern nicht so gerne über Gehälter und Arbeitsbedingungen. Angesichts des Aufwandes (5,5 Jahre Studium + ggf. 2-4 Jahre Dissertation) finde ich die Vergütung in allen Fällen zu gering. Der Kleintierbereich ist überlaufen und wird anscheinend überall miserabel bezahlt. Bei den Nutztieren sieht es offenbar noch besser aus, allerdings sollte man sich vor dem Studium stets darüber im Klaren sein, dass jedes Jahr wesentlich mehr Absolventen von der Uni kommen, als eigentlich gebraucht werden. Die Stellensituation ist in der Tiermedizin bei Weitem nicht so entspannt wie bei den Humanmedizinern.

Ich würde heute auf jeden Fall Humanmedizin studieren, dann in die Neurologie, Psychiatrie, Patho oder Labormedizin. Dann hätte ich auch eine vernünftig bezahlte Weiterbildungszeit und die Humani-FAs werden vermutlich immer sehr viel mehr verdienen, als die VetMed-Kollegen. Zeit für eigene Tiere habe ich nicht. Ich würde sehr gerne reiten, muss nicht mal ein eigenes Pferd sein, aber dafür fehlen sowohl Zeit als auch Geld.

Überlegt euch das mit dem Studium ganz genau - wenn die Humanmedizin auch nur ansatzweise in Frage kommt, schreibt euch dort ein :)

Nickel1992
14.05.2014, 15:47
Hi,

wow danke für deinen ausführlichen Einblick und die vielen Infos :). Das hört sich ja mal gar nicht so gut an :(.
Ich finde es besonders erschreckend, dass man noch so einen langen Weg gehen muss, um ordentlich bezahlt zu werden, obwohl unser Studium schon so lang ist... Ich mein klar, im Grunde sind wir "Fachidioten", die noch viel praktisches lernen müssen, aber trotzdem kann das ja irgendwie nicht sein... Mir war ja von Anfang an klar, dass ich nicht unbedingt die Welt verdienen werde, aber das ist dann ja schon arg wenig, wenn man bei 1000€ brutto ist!

VG Julia

Viehdoc
14.05.2014, 16:50
Hey,

ja, vielen Dank für den Einblick :).
Es ist echt eine Frechheit, wie schlecht die Internships und Residency-"Programme" bezahlt werden. Ich hoffe wirklich inständig, dass sich da in naher Zukunft mal was ändert. Aber du hast wahrscheinlich Recht, solange die Stellen so begehrt sind, müssen die ja nichts ändern :(.
Ich will keine Karriere in ner großen Klinik machen und auch nicht ins Ausland, daher werde ich mir den internationalen Fachtierarzt definitiv sparen. Man kann denke ich dann auch genug über Weiterbildungen im jeweiligen Bereich machen.
Anscheinend ist ja der Nutztierbereich echt der einzige, wo man noch einigermaßen was werden kann, so rein finanziell gesehen (oder man nimmt noch eine elendig lange Weiterbildungszeit mit grottiger Bezahlung in Kauf und verdient eventuell irgendwann mal so "richtig" Geld;))

Liebe Grüße

TorVeti
14.05.2014, 17:41
Wow, ja...erschreckender ausführlicher Einblick!
Aber so sieht doch auch nicht jeder Werdegang aus. Wer sich im Amt oder ähnliches probieren will der hat ja dann auch ein relativ gutes Gehalt und nicht so einen langen Werdegang.
Allerdings ist es schon krass was du alles in Kauf genommen hast! RESPEKT! Hoffe es kommt dir dann auch irgendwann zu gute!!!!

Shantao
14.05.2014, 18:27
Ich finde es besonders erschreckend, dass man noch so einen langen Weg gehen muss, um ordentlich bezahlt zu werden, obwohl unser Studium schon so lang ist... Ich mein klar, im Grunde sind wir "Fachidioten", die noch viel praktisches lernen müssen, aber trotzdem kann das ja irgendwie nicht sein... Mir war ja von Anfang an klar, dass ich nicht unbedingt die Welt verdienen werde, aber das ist dann ja schon arg wenig, wenn man bei 1000€ brutto ist!
Ich denke, dieser "lange Weg" ist ein Merkmal der Medizin, es gibt halt wahnsinnig viel zu lernen. Als frischer Absolvent kann man vergleichsweise gar nichts. Zumindest nichts, was von der Routinearbeit abweicht (und selbst da kann es Probleme geben, wenn man es in den Praktika nicht beigebracht bekommen hat). Ich nehme mal an, dass ist in der Humanmedizin nicht anders, allerdings werden die schon während der Assistenzzeit so entlohnt, dass man davon leben und ggf. Schulden aus dem Studium zurückzahlen kann.

Wer ein (Vet)Med-Studium beginnt, sollte sich unbedingt im Klaren sein, dass selbst der klinische Abschnitt des Studiums nur eine Grundlage ist, zumindest dann, wenn man als Tierarzt nicht nur impfen und Husten behandeln möchte. Der deutsche Fachtierarzt ist zudem etwas chaotisch organisiert, da gibt es teilweise wirklich nennenswerte Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern.



Es ist echt eine Frechheit, wie schlecht die Internships und Residency-"Programme" bezahlt werden. Ich hoffe wirklich inständig, dass sich da in naher Zukunft mal was ändert. Aber du hast wahrscheinlich Recht, solange die Stellen so begehrt sind, müssen die ja nichts ändern.
Ich glaube nicht einmal, dass sich in ferner Zukunft irgendwas ändert. Bei uns geht im Sommer das nächste Internship-Programm wieder los und wir haben seit Dezember (!) durchgehend Hospitanten, die wochenlang unbezahlt ackern, weil sie unbedingt in das Programm wollen. Und selbst unter diesen Praktikanten kann sich die Klinik schon die "besten" Kandidaten raussuchen.
Für eine anschließende Residency-Stelle kratzen sich die Jungs & Mädels buchstäblich gegenseitig die Augen aus, wenn es sein muss.

Man kann den Hospitanten ja erzählen was man will, die können sich trotzdem alle vorstellen, den Diplomate zu machen. Ich habe irgendwie den Eindruck, dass da an der Universität praktisch Werbung für gemacht wird!? Ich hatte damals am Ende meiner Dissertation erstmals von diesem Titel gehört, die frischen Absolventen und selbst Studierende wissen heute immer schon ziemlich gut Bescheid. Mag aber auch an der Tierart liegen, als Pferdedoc in einer Klinik muss man halt karrieregeil sein :-))



Anscheinend ist ja der Nutztierbereich echt der einzige, wo man noch einigermaßen was werden kann, so rein finanziell gesehen
Wenn dir 2k - 3k Gehalt reichen, ist das liebe Vieh sicher eine gute Anlaufstelle.



Aber so sieht doch auch nicht jeder Werdegang aus. Wer sich im Amt oder ähnliches probieren will der hat ja dann auch ein relativ gutes Gehalt und nicht so einen langen Werdegang.
Wenn du ins Amt möchtest: gutes bis sehr gutes Examen, außerdem ist so gut wie immer eine Promotion erwünscht, was im Endeffekt heißt, dass du eigentlich schon aussortiert wirst, wenn du keine hast. Sofern man die etwa 3,2k als Gehalt angemessen findet, ist das sicherlich eine gute alternative zur Praxis, leider halten sich die Stellen in Grenzen und den Aufgabenbereich muss man auch irgendwie mögen (für mich wäre das nichts).


Wenn ich ansonsten noch einen Rat geben darf - wählt im klinischen Abschnitt möglich Wahlpflichtfächer zu der Tierart, die ihr auch später machen wollt (wenn es denn in die Praxis gehen soll) und macht auch eure Praktika im entsprechenden Bereich. Ich erwarte von Hospitanten ja prinzipiell erstmal gar nichts, aber wer nach der Approbation in eine Pferdeklinik will sollte schon wissen, wie man ein Halfter anlegt :-)



RESPEKT! Hoffe es kommt dir dann auch irgendwann zu gute!!!!
Vielen Dank, ich habe auch noch Hoffnung :-?

DrJoa
15.05.2014, 12:32
krass, ich hätte nicht gedacht, dass so viele leute so heiß auf so ein internship sind... traurig dass man da so hingepusht wird. als könnte man mit ner guten assistentenstelle heut nichts mehr werden. dann such ich mir lieber einen anderen weg, aber auf so einen konkurrenzkampf hab ich gar keine lust.

Elvira93
20.05.2014, 15:30
Hey,

ja echt mal interessant was von jemandem "aus dem Nähkästchen" zu hören, der schon fertig ist :). Auch wenns ziemlich negativ ist... aber die Gehaltssituation ist ja auch echt einfach miserabel...
Das lässt mich aber wirklich überlegen, ob ich nicht statt Praxis irgendetwas anders machen möchte, es gibt ja genug spannende Aufgabengebiete, wo wir später arbeiten können. Und da ich eh nicht so festgelegt auf die Praxis bin, halte ich mir da mal alles offen ;).

Lg Steffi

Shantao
20.05.2014, 19:06
Und was wären das genau so für spannende Aufgabengebiete, die angeblich gut (besser?) bezahlt werden?
Laut Universitäten kann man ja so ziemlich überall arbeiten, allerdings tue ich mich sehr schwer damit, irgendwelche konkreten Stellenangebote ausserhalb der Praxis zu finden, die man nicht auch mit einem Biologen/Chemiker/Pharmazeuten (...) besetzen kann. Mal abgesehen vom Vertrieb von VetMedikamenten?

Viehdoc
21.05.2014, 21:19
Hey,
also bei dem Stipendiatentreffen neulich waren mehrere Pharmavertreter. Und in der Pharmaindustrie hat man anscheinend schon gute Möglichkeiten als Tiermediziner. Und das Gehalt ist (laut denen) richtig gut. Und nach oben hin offen. Wenn man echt Karriere machen will und ein bisschen offen ist, wo man später arbeitet (und auch bereit ist (viel) zu reisen), dann kann man da echt was werden. Natürlich muss immer eine Stelle da sein, aber das ist ja in der Praxis nicht anders. Da gehört denke ich schon ein bisschen Glück dazu.
Für mich persönlich wäre das nichts, weil ich kein Labormensch bin und auch keine, die 8-12 Stunden am Tag nur in nem Büro hockt. Und trotzdem fand ich, dass sich einige Jobs dort sehr gut angehört haben.

Und ich frag mich halt, was man erwartet, wenn man Tiermedizin studieren geht? Es muss doch jedem vorher klar sein, dass die Gehälter im Gegensatz zu anderen Sparten schlecht sind. Also zumindest ich hab mich da vorher erkundigt, damit ich nicht blauäugig da rein gehen muss. Mein Weg führt früher oder später in die Selbstständigkeit bzw. Teilhaberschaft, auch wenn das ein höheres Risiko ist und auch mehr Arbeit bedeutet. (Natürlich mache ich das nicht, weils ums Geld geht, sondern weil ich ein Mensch dafür bin). Ich wünsche mir auch, dass sich die Gehälter endlich erhöhen, das will denke ich jeder Tiermediziner, aber trotzdem sollte man vorher wissen, auf was man sich da einlässt.

Liebe Grüße

Nette
22.05.2014, 21:38
Ich habe mich vorher auch informiert, wie viel Geld wir ca. später verdienen werden. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass der Werdegang so hart ist (wie von Shantao) beschrieben und man bis dahin doch mit argen Geldeinbußen rechnen muss!
Das war wirklich hart zu lesen!
Mein Weg ist es aber nicht und er war es auch nie. Um so einen Weg zu Gehen braucht man wohl Nerven aus Stahl und ein ganz schönes Durchhaltevermögen!

Shantao
23.05.2014, 02:51
Wobei es gar nicht einfach ist, an Gehaltszahlen zu kommen, die letzte Veröffentlichung, die ich finden konnte, stammt von 2012 und ist etwas verwirrend. Wir bräuchten wirklich verbindliche Tarifverträge, aber das erlebe ich wahrscheinlich nicht mehr.


Mein Weg führt früher oder später in die Selbstständigkeit bzw. Teilhaberschaft, auch wenn das ein höheres Risiko ist und auch mehr Arbeit bedeutet.
Als Praxisinhaber könnte man dann aktiv versuchen, von diesen Hungerlöhnen wegzukommen und ein angemessenes Gehalt an seine Angestellten zu zahlen :-top

Ansonsten, für eventuelle zukünftige Studenten hat die FU jetzt eine ganz nette Infoseite:
http://www.osa.fu-berlin.de/vetmed/start/start/index.html

Viehdoc
25.05.2014, 10:38
Als Praxisinhaber könnte man dann aktiv versuchen, von diesen Hungerlöhnen wegzukommen und ein angemessenes Gehalt an seine Angestellten zu zahlen :-top
[/URL]

wobei ich mich dann frage: sind die heutigen Chefs gleich Chefs gewesen oder warum zahlen sie immer noch so unterirdische Löhne?? die müssten ja eigentlich auch wissen, wie es ist von nem Hungerlohn zu leben.

Ich gehe aber regelmäßig zu Kammerversammlungen und da sagte man vor einiger Zeit, dass eine Praxis unter 250.000€ Jahresumsatz sich gar keinen Assistenten oder Angestellten leisten kann, zumindest nicht, wenn man den angemessen bezahlen will/muss. Und über dem Betrag (ich weiß nicht mehr genau, welche Höhe da angesetzt war), wo man sich gut bezahlte Angestellte leisten kann, waren gerade mal 9% !!! der Praxen. Ich hab echt keine Ahnung, wo das Problem liegt, ob die Chefs wirklich nur Hungerlöhne zahlen WOLLEN oder ob sie nicht anders KÖNNEN, weil die Praxis sonst rein gar nichts mehr abwirft... Habe aber auch schon von gut laufenden Praxen/Kliniken gehört, wo die Chefs sich ein goldenes Näschen verdienen und die Angestellten für nen Appel und ein Ei arbeiten.