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Chris.
08.06.2014, 16:42
Die Rentenbeiträge gehen automatisch ab, die Sache musst du vorher nur beantragen. Findest du aber bestimmt hier im Forum weitere Infos.
Klar variieren die Beiträge und die Versicherungen die du wählst, aber finde es grob fahrlässig ohne Berufs-und Privathaftpflicht als Arzt durch die Gegend zu spazieren.
Wenn du dich selbstständig machst, gehört ne BU auch dazu, wie in jeder anderen Selbstständigkeit auch.
Das einzige was ich als individuell betrachte ist die Mitgliedschaft in Ärztevereinen.


Nun wenn wir ja jetzt mal bei dem Thema sind...wie gesagt, bin noch im Studium, lerne also gern dazu.


Privathaftpflicht hängt ja nicht an Arzt ja oder nein...Berufshaftpflicht je nach dem noch inkl. einiger Tätigkeiten in deiner Freizeit hängt doch von deinem Arbeitsvertrag ab, nicht?.....Und Selbstständigkeit- da kommen doch noch andere Faktoren hinzu, die eben zum Thema Selbstständigkeit gehören. Die sollte man dann eher nicht pauschal dazu zählen.

Nessiemoo
08.06.2014, 16:56
Ich finde so eine Liste schon gut, damit man mit realitätsnahen Erwartungen anfängt zu studieren, auch wenn ich aus meinem Semester eher wenige Leute kenne, die "nur mal so" angefangen haben.

Vielleicht noch das Papierkram dazu, aus meinen Famulaturen kenne ich dass Ärzte mind. 50% ihrer Arbeitszeit hinterm Computer mit irgendwelchen Dokumenten bechäftigt sind.

Aber das mit "Ich nehme kein Blut ab bei HIV-Patienten"... also als Student, oder PJ-ler sehe ich es als komplett berechtigt das nicht machen zu wollen. Man arbeitet nicht in dem KH, sondern ist da zum lernen, verdient kein Geld, ist nicht versichert - und kann das eben noch nicht so gut. Kenn das auch so das viele Ärzte sagen bei so einem Patienten schon vorher, dass da nehmen sie schon selber Blut ab usw.

Später als Arzt kann man das natürlich nicht mehr sagen, das ist dann auch klar.

Rico
08.06.2014, 21:36
Ich finde ja die Idee mal so ein paar Basics um den Arztberuf zu vermitteln aller ehren wert, aber was dann bei rausgekommen ist, ist leider wenig ausgewogen und neigt schon deutlich zur Schwarzmalerei in der Art wie da die negativen Seiten hervorgehoben werden.

Fakt:
1. Als Arzt arbeitet man auch am Wochenende, in der Nacht und auch an Feiertagen. Es ist somit möglich dass ihr an Weihnachten und Silvester und an eurem Geburtstag etc. arbeiten müsst, da es von der Besetzung her nicht anders geht. Der erste Satz kann man IMHO in der Tat so unterschreiben. Die Dienstbelastung ist - in den meisten Fachrichtungen - während er Asistentenzeit schon beachtlich und wird in der Bedeutung sicherlich oft bei der Berufswahl nicht in dem Maße gewürdigt wie es nachher das Leben beeinflusst. Dazu kommt noch, dass man mit den Jahren die Dienste weniger gut wegsteckt als mit 19/20.
Dann geht die Schwarzmalerei aber schon los: Weihnachten, Sylvester und Geburstag... abgesehen, dass zumindest mein Geburtstag (noch) kein Feiertag ist und es mir somit in jedem Beruf passieren kann, dass ich an dem arbeiten muss sei hier vielleicht mal der Ausgewogenheit erwähnt, dass es schon Regelungen gibt, dass sich Dienste - vor allem an unbeliebten Tagen - gleichmäßig auf alle Schulter verteilen. In vielen Häusern teilen sich die Dienstärzte in zwei Gruppen auf, die eine deckt, die Weihnachtstage ab, die anderen die Sylvester/Neujahrstage, ebenso Ostern und Pfingsten.
dass man beide Blöcke arbeiten muss, ist schon sehr, sehr, sehr selten, wenn es in einer Abteilung mehr als zwei Assistenten gibt. Denn bevor der arme Kerl, der den 24.12 gearbeitet hat auch den 31.12 arbeiten muss ist erstmal jeder andere Dienstfähige in der Pflicht, auch wenn Außergewönliches passiert und einer krank würde, dann wäre für die Vertretung an Sylvester der der Weihnachtsdiensthabende die allerletzte Wahl.

Dazu kommt, dass die Dienste einen nicht ein Arztleben lang in der Form begleiten, wie man sie als Assitenzarzt schrubbt. Präsenzdienste werden zu Hintergrunddiensten oder fallen je nach Fachrichtung, Arbeitsplatz oder Dienststellung ganz weg oder werden auf ein paar wenige reduziert. Wer also sein Leben langfristig ohne Dienste planen möchte, der muß nicht gleich auf den Arztberuf verzichten.


2. Ihr arbeitet zusätzlich zu der 40(meist sogar tariflich festgelegten 42) Stundenwoche die Bereitschaftsdienste ab(je nach Arbeitszeitmodell der Klinik). D.h. ihr arbeitet immer mehr als diese 42 Stunden, wenn ihr voll beschäftigt seid. Durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 48-80 Stunden die Woche. Das ganze ist von Haus zu Haus unterschiedlich und variiert. Ein Beispiel von meiner letzten Arbeitswoche: Mo-Mi 7 Uhr-18 Uhr gearbeitet. Do und Fr. langer Dienst 7 Uhr bis offiziell 20 Uhr (natürlich erst gegen 21 Uhr raus). Dann Hausdienst am Samstag(offiziell nur 4 std.) inoffiziell von 7-16 Uhr arbeit die angefallen ist. Sonntag frei.
Arbeitsweg one way ca. 45 min.Soziale Beziehungen zu halten oder Hobbys nachzugehen wird somit zunehmend schwerer. Überstunden werden meist gar nicht oder nur zu einem bestimmten Satz bezahlt. Ausnahmen bestätigen die Regel.Also ein Haus, das Überstunden nicht vergütet oder in Freizeit ausgleicht (oder die Dokumentation zu verhindern versucht), das darf man getrost fluchtartig verlassen. In einem Haus, in dem so ein Geist vorherrscht sind die langfristigen Probleme (keine richtige Weiterbildung, verwehrte Rotationen/Funktionen, unendlich verzögertes Weiterbildungszeugnis, etc.) doch vorprogrammiert. Das muss man sich im Jahre 2014 auch nicht wehrlos gefallen lassen, es gibt genug Häuser mit arbeitszeitgesetzkonformen Dienstmodellen und funktionierenden Systemen des Überstundenausgleichs - das ist eher die Regel als die Ausnahme.
Wer sich heutzutage noch sowas gefallen lässt, der hat selber Schuld - und keineswegs der Arztberuf an sich.


3. Als Arzt wird man nicht reich!!!! Das ganze war einmal! Die Tarifverträge der Ärzte kann man auf der Marburger Bund Homepage nachlesen. Viele meiner Freunde, die ebenfalls studierten arbeiten weniger und verdienen im Schnitt das Gleiche bis 100-200 mehr oder weniger. Wer reich werden möchte, studiere doch bitte etwas anderes. Bedenkt den Verdienstausfall während des langen Studiums. Ihr verdient zu Berufsstart etwa 2000-2300 netto ohne Dienste. Die ersten 6 Jahre steigt der Lohn um ca. 100 euro netto. Danach stagniert es bis ihr euren Facharzt macht. Danach steigt das Gehalt in 2-4 Jahren Abständen. Danach stagniert es wieder und werdet entweder Oberarzt oder lasst euch nieder usw.Auch hier finde ich die Darstellung sehr tendenziös und teilweise auch irreführend oder durch (bewußtes?) Weglassen schlechter dargestellt:
Zunächsteinmal ist die Gehaltangabe in netto unseriös. Gehälter werden grundsätzlich der besseren Vergleichbarkeit als Bruttogehalt (das liegt für Berufsanfänger etwas über 4000€) angegegen, denn das Nettogehalt wird ja von allem möglichen beeinflusst (Steuerklasse, Kinder, Freibeträge, Beiträge zur freiwilligen GKV/PKV noch enthalten?, mit oder ohne Arbeitgeberanteil? etc...).
Dann haben wir ja bei Punkt 2 festgestellt, dass man ja so schrecklich viele Dienste machen muss. Angegeben wird aber ein Gehalt ohne Dienste? Wozu? Das nackte Grundgehalt hat man außer in den ersten Monaten bis man Dienste macht nie auf dem Lohnzettel, sondern immer inclusive Dienste und Überstunden. Das geht dann auch mal je nach Dienstbelastung um >1000€ (brutto ;-)) nach oben - je mehr Dienste, desto mehr Geld.
--> Was soll also diese Nettohausnummer aussagen? :-???

Das Gehalt steigt auch nicht "in den ersten 6 Jahren um X €" sondern jedes Jahr innerhalb der ersten sechs Jahre.
Die Tariftabellen sind ja auch kein geheimnis, die kann man sich ja via Google ("TV-Ärzte") mal anschauen, das ist sicher aussagekräftiger als diese Zufallszahlen.

Klar, man wird nicht mehr so reich wie vor 40 Jahren als Niedergelassener - aber gut leben kann man schon davon.

4. Das Studium ist lang. Die Regelstudienzeit gehört mit 12 Semestern und 3 Monaten zu den längsten Studiengängen Deutschlands. Danach schliesst sich die Facharztweiterbildung an und kann wenn ihr Vollzeit arbeitet zwischen 5-8 Jahren liegen. Wenn ihr nur 50% arbeitet, verdoppelt sich die Ausbildungszeit selbstverständlich.Nur mal so BTW: Die Regelstudienzeit dürfte hoffentlich jeder Studienbewerber vor Beginn herausgefunden haben. Und die Facharztweiterbildung ist eben eine Weiterbildung im Beruf, da gibt es ja auch Geld für.


5. Man arbeitet oh wunder mit kranken Menschen!!!! Das heisst es besteht auch ein gewisses Risiko sich anzustecken, so auch ein Kollege der sich mit Tuberkulose bei einem Patienten mit offener Tbc infizierte, da die Symptome recht unspezifisch waren und dazu noch der Quantiferon-test aufgrund der immunschwäche negativ war.
Auch das Argument " der hat HIV dem nehme ich kein Blut ab" wird bei allen Kollegen auf Unverständnis stoßen.
Weiterhin arbeitet ihr mit Ausscheidungsprodukten wie Urin, Stuhl, Speichel etc.Na was soll man dazu jetzt sagen? Berufsbedingte Erkrankungen verschiedenster Schweregrade gibt es ja auch in quasi allen Berufen.
Der Patient mit offener TBC hat evt. auch einen Anwalt, einen Bäcker, einen Bankkaufmann... die kann er auch alle anstecken - in der Klinik hat man wenigstens noch die Chance evt. die Beschwerden richtig zu deuten und sich entsprechend zu schützen (TBC ist ja bei Immunschwäche jetzt keine so exotische (Verdachts-)Diagnose).


6. Familienplanung. Wer seine schulische Laufbahn ohne Verzögerung vollzieht, beginnt mit ca. 18-19 Jahren das Studium und ist mit ca. 24-25 Jahre+3 Monate fertig. Hier ist es vom zeitlichen Aspekt günstiger Kinder zu planen. Der finanzielle Aspekt spricht natürlich dagegen. In der Assistenzarztzeit bedenkt bitte die langen Arbeitszeiten, die es mit Kita-öffnungszeiten von 8-17 Uhr natürlich schwer gestalten und ihr wollt von euren Kindern vermutlich auch noch etwas haben und nicht nur vom Hörensagen mitbekommen wann das erste Wort gesprochen wurde.Vielleicht lohnt sich mal ein Blick in den Elternthread hier im Forum. Kinder und Beruf das geht und zwar zunehmend besser.


7. Es gibt Pflichbeiträge in der Ärztekammer. Des weiteren ist eine Berufshaftplicht ggf. sogar schon im Studium notwendig. Siehe hier:http://news.doccheck.com/de/23287/pj-wo-der-tod-im-tertial-lauert/Pflichtbeiträge zur Ärztekammer ist ja nur die halbe Wahrheit. Dafür kriegt man ja auch was. Das Deutsche Ärzteblatt sowie das jeweilige Landesärzteblatt sind im Preis inbegriffen. Außerdem kümmert sich die Ärztekammer um Weiterbildung, Zulassung zur und Durchführung der Facharztprüfung, bietet Fortbildungen an, u.v.m.
Klar kann man drüber streiten, ob man das jetzt alles persönlich will, aber es ist keineswegs nur eine Gebühr dafür, dass man als Arzt registriert ist.
Haftpflichtversicherungen gibt es für Studenten oft gratis, AFAIK ist man auch über die Uni versichert, als angestellter Arzt ist man über den Arbeitgeber Haftpflichtversichert. Ob und in welchem Umfang eine zusätzliche private Absicherung sinnvoll ist, ist ja auch schon episch im Assi-Forum diskutiert worden.


11. Man lernt nie zu Ende. Die wissenschaftlichen Fortschritte und auch Änderungen in den Therapieansätzen sind fortlaufend vorhanden. Fortbildungsveranstaltungen sind Pflicht, die, wenn ihr nicht das Glück habt und die Klinik übernimmt es, selbst zahlen müsst. Die Kosten können zwischen mehreren hundert euro liegen.Dass man immer noch dazu lernt find ich jetzt erhlich gesagt überhaupt nicht negativ.
Fortbildungen sind Pflicht, aber nur für niedergelassene (Fach-)Ärzte mit KV-Zulassung.
Als Assistenzarzt muss man keine einzige kostenpflichtige Fortbildung besuchen um zum Facharzt zu kommen. Und auch Ansonsten gibt es sooooo unendlich viele gratis Fortbildungen wo man zu CME-Punkten kommen kann, dass man selbst als KV-Arzt eigentlich keinen Cent dafür ausgeben müsste.

Und viele Kliniken bieten den Assitenten übrigens freie Tage zur Fortbildung und auch ein finanzielles Budget an - kann man durchaus bei der Arbeitgeberwahl berücksichtigen.


12. Prüfungen werden bis zum Facharzt(also in mind. 11 Jahren eurer Ausbildung) teil eures Lebens sein. Weitere Prüfungen können bei dem Erwerb von Zusatzqualifikationen hinzukommen.Wobei man ehrlich sagen muss, dass die 0 Prüfungen in den 5-6 Jahren zwischen HEX und Facharzt schon irgendwie dazu beitragen, dass Prüfungen nach dem Studium nicht mehr so ganz Teil des Lebens sind wie im Studium.

Kretschmann
08.06.2014, 22:19
Rico unser Top-Analyst von Goldman Sachs. :-dafür

Deine Ansichten sind auch wieder wahr.

PRIND
09.06.2014, 10:28
Viele dieser 13 "Horrorfakten" wirken schon arg konstruiert, andere wiederum lassen sich 1:1 auch auf sehr viele andere akademische Berufe übertragen.

Mit Sicherheit wird der Beruf des Arztes oft glorifiziert und vermutlich haben auch nicht alle Studenten am Anfang den vollständigen Blick auf all die eher negativen Punkte dieses Berufes. Aber wer sich nach dem Abi einen Studiengang bzw. Beruf aussucht, informiert sich doch vorher darüber und weiß dann auch grob was ihn erwartet. Daher sind viele deiner Fakten keine wirklichen Überraschungen.

Der Ansatz mal einen realitätsbezogenen Blick auf diesen Beruf zu werfen ist gut, aber ich teile die Kritik, dass dieser Blick doch sehr wenig differenziert ist.

Chris.
09.06.2014, 11:30
Den Punkt mit den Beiträgen für die Ärztekammer möchte ich nochmal aufgreifen, denn es wird der Eindruck vermittelt, dass man nur um irgendwo als Arzt gemeldet zu sein sinnlos irgendwohin Geld überweist. Ich sehe das anders. Auch wenn ich als Student natürlich noch keine Beiträge zahle.



Der Sinn einer Kammer hat sich mir noch nicht so Recht erschlossen, klärt mich auf.


Was genau ist für dich sinnlos? Die Organisation an sich? Ihre Aufgaben und Kompetenzen? Oder bist du mit den Ergebnissen unzufrieden?...Man kann ja durchaus die Arbeit oder auch die Höhe der Beiträge kritisieren, ohne gleich die Organisation an sich in Frage zu stellen.

Die Beiträge sind Pflicht, ja. Es stellt sich also nicht die Frage, ob man diese Organisationen mit Beiträgen unterstützen möchte. Aber eben weil sie Pflicht sind, sollte man wissen, was diese Kammern machen und was man davon hat.
In D vergisst man ganz schnell die Vorzüge, die das Leben und Arbeiten in diesem Land mit sich bringen. Und diese Vorzüge basieren u.a. auf diese Organisationsformen und Strukturen. Ein Blick über den Tellerrand und man weiß zu schätzen, dass es diese Strukturen in diesem Land gibt, und dass sie auch Gestaltungsmacht und Einfluss haben. Dann beteiligt man sich gern wieder mit seinen Beiträgen an der Aufrechterhaltung dieser Vorzüge. In vielen anderen Ländern sind diese Organisationen nicht existent, und wenn doch dann wirkungslos. Ärzte und andere Berufsgruppen wünschten sich sich so organisieren zu können.

Ähnlich ist es mit dem Marburger Bund - jeder kann, wenn er möchte, Mitglied werden, als Arzt dann eben kostenpflichtig.
Durch diese Mitgliedschaft stehen einem unglaubliche Ressourcen zur Verfügung. Aber selbst wenn man meint, auf diese nicht zurückgreifen zu müssen, die gesamte Ärzteschaft profitiert vom Marburger Bund und sei es nur indirekt.
All diese Organisationen und ihre Bedeutung sollte man wirklich zu schätzen wissen - wie gesagt, das schließt Kritik ja nicht aus.
Ich denke nicht, dass hier bloß der Idealismus aus mir spricht.

Mometasonfuroat
09.06.2014, 13:35
Den Punkt mit den Beiträgen für die Ärztekammer möchte ich nochmal aufgreifen, denn es wird der Eindruck vermittelt, dass man nur um irgendwo als Arzt gemeldet zu sein sinnlos irgendwohin Geld überweist. Ich sehe das anders. Auch wenn ich als Student natürlich noch keine Beiträge zahle.




Was genau ist für dich sinnlos? Die Organisation an sich? Ihre Aufgaben und Kompetenzen? Oder bist du mit den Ergebnissen unzufrieden?...Man kann ja durchaus die Arbeit oder auch die Höhe der Beiträge kritisieren, ohne gleich die Organisation an sich in Frage zu stellen.

Die Beiträge sind Pflicht, ja. Es stellt sich also nicht die Frage, ob man diese Organisationen mit Beiträgen unterstützen möchte. Aber eben weil sie Pflicht sind, sollte man wissen, was diese Kammern machen und was man davon hat.
In D vergisst man ganz schnell die Vorzüge, die das Leben und Arbeiten in diesem Land mit sich bringen. Und diese Vorzüge basieren u.a. auf diese Organisationsformen und Strukturen. Ein Blick über den Tellerrand und man weiß zu schätzen, dass es diese Strukturen in diesem Land gibt, und dass sie auch Gestaltungsmacht und Einfluss haben. Dann beteiligt man sich gern wieder mit seinen Beiträgen an der Aufrechterhaltung dieser Vorzüge. In vielen anderen Ländern sind diese Organisationen nicht existent, und wenn doch dann wirkungslos. Ärzte und andere Berufsgruppen wünschten sich sich so organisieren zu können.

Ähnlich ist es mit dem Marburger Bund - jeder kann, wenn er möchte, Mitglied werden, als Arzt dann eben kostenpflichtig.
Durch diese Mitgliedschaft stehen einem unglaubliche Ressourcen zur Verfügung. Aber selbst wenn man meint, auf diese nicht zurückgreifen zu müssen, die gesamte Ärzteschaft profitiert vom Marburger Bund und sei es nur indirekt.
All diese Organisationen und ihre Bedeutung sollte man wirklich zu schätzen wissen - wie gesagt, das schließt Kritik ja nicht aus.
Ich denke nicht, dass hier bloß der Idealismus aus mir spricht.

Du musst mal mit den Unterstellungen von Aussagen aufhören und genau lesen. Zitat: "Der Sinn einer Kammer hat sich mir noch nicht so Recht erschlossen, klärt mich auf. "Hierbei fordere ich auf, mir zu erklären ob jemand den genauen Hintergrund warum wir Ärztekammern haben und was deren Aufgaben sind expliziter zu erklären, als ich an Informationen auf deren Homepage finden kann. Du unterstellst aber daß ich Ärztekammern für sinnlos halte.Zitat: "Was genau ist für dich sinnlos?"
Genaureres zu deren Aufgaben hast du in deinem Post aber leider nichts weiter hinzugefügt außer daß man Vorzüge hat welche zu besitzen und man sich glücklich schätzen kann in Deutschland welche zu haben.
Ähnlich hattest du ASS1000 unterstellt daß er/sie lediglich negative Punkte aufzählte mit der Frage was negativ an Punkt 7 sein soll. Das waren einfach Fakten und kein negativer Aspektpunkt an sich.

Chris.
09.06.2014, 14:08
Ähnlich hattest du ASS1000 unterstellt daß er/sie lediglich negative Punkte aufzählte mit der Frage was negativ an Punkt 7 sein soll. Das waren einfach Fakten und kein negativer Aspektpunkt an sich.

Das geht nun wirklich nicht aus meinen Beiträgen hervor. Lässt sich einfach nachlesen.

Ja, meine Interpretation von "nur damit man als Arzt gemeldet ist" und "der Sinn erschließt sich mir nicht" (hier nur sinngemäß zitiert) war die, dass von dir die Ärztekammern an sich als sinnlos erachtet werden. Mag sein, dass diese Interpretation nicht dem nahe kommt, was du meinst.
Da du Arzt bist und diese Beiträge zahlst, ging ich davon aus, dass du die Aufgaben und Kompetenzen dieser Kammern kennst...und ggf. nicht nur aus deren Homepage. Sind ja schließlich weniger objektiv solche Seiten. Rico hat in seinem post auch was dazu geschrieben. Ein Blick bei Wikipedia reicht ja auch schon für einen groben Überblick.

Und eben basierend auf der Prämisse, dass du weißt, welche Aufgaben diese Kammern haben, habe ich darauf hingewiesen, dass man sich vor Augen führen soll, welchen Wert solche Organisationen haben. Viele setzen sich nämlich nicht damit auseinander, sondern ärgern sich nur über die Beiträge. Darum ging es mir.
Ja, auch in diesem post habe ich die einzelnen Aufgaben und Kompetenzen nicht aufgeführt. Wie gesagt, als Arzt und Zahler solltest du diese kennen. Wenn sich dir dann immer noch nicht der Sinn erschließt, hast du eben diese Meinung zu den Kammern. Man kann da nunmal verschiedene Positionen beziehen - eben wie bei den Steuern und anderen Pflichtbeiträgen.

Rico
09.06.2014, 14:50
Ähnlich hattest du ASS1000 unterstellt daß er/sie lediglich negative Punkte aufzählte mit der Frage was negativ an Punkt 7 sein soll. Das waren einfach Fakten und kein negativer Aspektpunkt an sich.Also wenn man nur so in den Raum wirft, dass man irgendwo Geld abdrücken muss ohne zu erläutern wofür, dann hat das schon einen negativen Einschlag, denn wer gibt gerne schon für irgendwas einfach so zwangsweise auch nur einen Euro ab ohne Gegenleistung?

Hier ist zum Beispiel mal der Tätigkeitsbericht (https://www.aerztekammer-bw.de/10aerzte/05kammern/10laekbw/20ehrenamt/60tb/tb2013/01aerztekammerimblick.pdf) der LÄK BW - da sind ja viele Bereiche abgedeckt und schon für jeden Beitragszahler was dabei.

Basti1989
09.06.2014, 15:49
Diese ganzen Fakten sind mit bekannt und ich will es trotzdem machen. Müsste man aber mal den 30.000 Bewerbern vorhalten...

ASS1000
09.06.2014, 15:53
hmmm ich sollte mich doch nochmal zu Wort melden, bevor die Diskussion hier weiter entbrennt.

Erstmal Rico dir vielen Dank für die differenziertere bzw. objektiver dargestellte Sichtweise. Die 13 Fakten die ich hier aufgeführt habe entstanden aus Situationen heraus und haben daher einen negativen Einschlag, da ich verdutzt darüber war, dass mir zunehmend Studenten begegneten, die sich über diese Fakten im Arztberuf nicht im Klaren waren.
Ich versuche dass ganze kurz und bündig zu erklären.
1.Fakt: Mich fragten tatsächlich Studenten nach den Dienstplänen ob man Weihnachten und Silvester arbeiten müsse, da ein Kollege für beide Tage eingetragen war und nahmen an das rechtlich man nur an einem der beiden Tage arbeiten müsse.
2.Fakt: Es gibt weiterhin Häuser und in meiner Umgebung nicht wenige(hatte 5 Hospitationen), die Überstunden nicht im vollen Umfang begleichen und aufgrund der schlechten Besetzung(ohne weitere Stellenausschreibung) man mehr als üblich arbeitet. Ob man sich dass nun gefallen lässt oder nicht, hängt davon ab wie flexibel man ist. Wenn man allerdings familiär an den Partner und die Umgebung gebunden ist, hat man kaum noch Optionen, außer nicht zu arbeiten. Lasst euch gesagt sein, es gibt diese Kliniken weiterhin!!!
3.Fakt: Da gebe ich dir Recht, hätte ich in Brutto angeben sollen, hatte allerdings versucht darzustellen was der Großteil der Berufsstarter am Ende des Monats auf den Konto hat und zur Verfügung steht. Das man die Tariftabellen des MB einsehen sollte, hatte ich erwähnt. Früher oder später kam bei uns damals schon im Studium(erst in der Klinik) die Frage nach dem Gehalt auf, und nein es wussten nicht viele dass die Gehälter öffentlich präsent sind. Als einige die Zahlen hörten, wurde schon der eine oder andere demotiviert, soviel musst du mir aus meinen persönlichen Erfahrungen einfach glauben.
4.Fakt:Ist ein Fakt, der zur Vollständigkeit aufgeführt wurde
5.Fakt: Nein auch das sind sich einige erst später wirklich bewusst geworden, denn wie kann es sein, dass ich regelmäßig höre "der hat das und das, da gehe ich nicht ins Zimmer" Wenn ich Arzt bin, muss ich mich entsprechend der Hygienevorschriften kleiden und verhalten. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln.
6.Fakt:Kurz angerissen, lohnt sich mit Sicherheit, wollte daher in diesem Post keine Romane zu dem Thema schreiben, was hoffentlich nachvollziehbar ist
7.Fakt: Ebenfalls als Fakt zur Vollständigkeit aufgeführt worden, damit jeder weiss mit welchen Kosten man in etwa später zu rechnen hat. Dass es etwas kostet ist ja nicht wegzureden und wie ich auch hier erkennen konnte weiß der ein oder andere nicht das dort ein jährlicher Mitgliedsbeitrag erhoben wird, wobei ich mich davon nicht ausnehmen möchte. Auch ich habe erst im PJ erfahren, dass man jährliche Beiträge an die Ärztekammern zu entrichten hat( ohne jetzt weiter eine Diskussion darüber lostreten zu wollen, tut das doch zur Übersicht halber bitte in einem neuen Thread)
11.Fakt: Ob es etwas positives oder negatives ist, kann jeder für sich selber eruieren, dennoch steht diese Aussage außer Frage und ich als kleiner Perfektionist liebe es wenn ich etwas abschließen kann und ärgere mich immer wieder dass ich nicht alles über dieses oder jenes weiß, aber das ist nun mal Medizin " a never ending story". Es gibt daher bestimmt den einen oder anderen der ähnliche Gefühle in diese Richtung hegt.
Ich habe in keinen der fünf Hospitationen(ein Träger) erlebt dass die Fortbildungen bezahlt werden, klar gibt es Gratis-Veranstaltungen, aber dass sind dann meist Vorträge. Sonokurse o.ä. kosten Geld und dass es so ist sollte nicht unerwähnt bleiben, genauso wenig, dass es Veranstaltungen und Kongresse gibt die sehr viel kosten oder auch dass es Möglichkeiten gibt sich finanziell darum zu drücken, die Frage ist dann nur inwieweit man sich dann dort auch wirklich fortgebildet hat.
12.Fakt: Es ist nichts abgeschlossenes wenn ich weiss die oder jene Prüfung wird noch auf mich zukommen. Weiter kommt hinzu dass das Gefühl ständig ins kalte Wasser geworfen zu werden bis jetzt noch nicht vergangen ist und laut meiner Kollegen noch lange anhalten wird.

So ich hoffe ich konnte etwas Licht ins Dunkeln bringen

Rico
09.06.2014, 21:07
Die 13 Fakten die ich hier aufgeführt habe entstanden aus Situationen heraus und haben daher einen negativen Einschlag, da ich verdutzt darüber war, dass mir zunehmend Studenten begegneten, die sich über diese Fakten im Arztberuf nicht im Klaren waren.Weil das Wort zunehmend inflationär vorkommt: "Fakten" sind das hier nicht worüber wir reden, das sind Beobachtungen und subjektive Eindrücke mit n = 1 bis 5 mit ein paar eingestreuten Fakten.
Dass die Möglichkeit existiert, dass irgendetwas in bestimmten Konstellationen geschieht macht noch lange keine Tatsache.


Ich versuche dass ganze kurz und bündig zu erklären.
1.Fakt: Mich fragten tatsächlich Studenten nach den Dienstplänen ob man Weihnachten und Silvester arbeiten müsse, da ein Kollege für beide Tage eingetragen war und nahmen an das rechtlich man nur an einem der beiden Tage arbeiten müsse.Ganz ehrlich, wenn ich an einem Dienstplan vorbeilaufe, an dem der gleiche Kollege für Heiligabend und Sylvester drinsteht, dann würde ich auch fragen, was denn da schief gelaufen ist. Zumal es, wenn es so im Plan drinsteht, ja offensichtlich nichtmal eine kurzfristige unvorhersehbare Situation wie ein Krankheitsfall war, der dazu geführt hat. Ob es jetzt rechtliche Regelungen gibt oder nicht - geschenkt. Zumindest den Anstand unter Kollegen sollte es geben, dass sowas nicht vorkommt (zumindest nicht gegen den Willen des Betroffenen).


2.Fakt: Es gibt weiterhin Häuser und in meiner Umgebung nicht wenige(hatte 5 Hospitationen), die Überstunden nicht im vollen Umfang begleichen und aufgrund der schlechten Besetzung(ohne weitere Stellenausschreibung) man mehr als üblich arbeitet. Ob man sich dass nun gefallen lässt oder nicht, hängt davon ab wie flexibel man ist. Wenn man allerdings familiär an den Partner und die Umgebung gebunden ist, hat man kaum noch Optionen, außer nicht zu arbeiten. Lasst euch gesagt sein, es gibt diese Kliniken weiterhin!!!Erfasste Überstunden müssen spätestens bei der Kündigung ausgeglichen werden. Spätestens da kann man das auch einklagen, wei man ja eh gekündigt hat. (Wobei man sich die Kündigung auch zeitnah überlegen kann, wenn man sich davor fürchten muss, den Lohn, der einem für die geleistete Arbeit zusteht, auch einzufordern.)


3.Fakt: Da gebe ich dir Recht, hätte ich in Brutto angeben sollen, hatte allerdings versucht darzustellen was der Großteil der Berufsstarter am Ende des Monats auf den Konto hat und zur Verfügung steht. Das man die Tariftabellen des MB einsehen sollte, hatte ich erwähnt. Früher oder später kam bei uns damals schon im Studium(erst in der Klinik) die Frage nach dem Gehalt auf, und nein es wussten nicht viele dass die Gehälter öffentlich präsent sind. Als einige die Zahlen hörten, wurde schon der eine oder andere demotiviert, soviel musst du mir aus meinen persönlichen Erfahrungen einfach glauben.Glaub ich ja, dass es da Leute gibt, die sich mit sowas nicht vorrangig beschäftigen - und dann auch ordentlich überrascht sind wenn die die Zahlen dann so kleingerechnet vorgesetzt bekommen.
Das Grundgehalt ist ja schön und gut, hat aber eben nichts mit dem tatsächlichen Gehalt zu tun, denn ein Arztgehalt beinhaltet eben einfach Dienste, deshalb ist das Grundgehalt eine Hausnummer, bzw. die Gehaltsuntergrenze.
Die Zugewinne sind natürlich abhängig vom Dienstmodell (Bereitschaftsdienst, Schichtdienst, Hintergrunddienst) und dem Vorhandensein von Freizeitausgleich, aber man kann ja zum Beispiel die durchschnittlichen Jahresgehälter (das nivelliert auch Schwankungen etwas raus) heranziehen und die liegen für ärztliche Berufsanfänger so ungefähr zwischen 60-70.000€ brutto. Da müssen andere Berufseinsteiger erstmal hin - klar, es gibt auch welche, die mehr verdienen, aber eben auch viele, die weniger verdienen.
und wer in der Industrie/freien Wirtschaft mehr verdient, der arbeitet auch keine 40h-Woche, sondern hat Überstunden und Dienstreisen, etc. evt. schon in seinem Grundgehalt eingepreist.


5.Fakt: Nein auch das sind sich einige erst später wirklich bewusst geworden, denn wie kann es sein, dass ich regelmäßig höre "der hat das und das, da gehe ich nicht ins Zimmer" Wenn ich Arzt bin, muss ich mich entsprechend der Hygienevorschriften kleiden und verhalten. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln.Es wurde ja auch schon geschrieben, aber es ist ja nicht unüblich, dass man Studenten freistellt, ob sie an bekannt infektiösen Patienten hantieren wollen. Handhabe ich auch so. Als Arzt muss man halt, als Student nicht unbedingt.
Da schlägt sich keiner drum, deshalb muss halt der ran, der Geld dafür kriegt, dass er es macht.


7.Fakt: Ebenfalls als Fakt zur Vollständigkeit aufgeführt worden, damit jeder weiss mit welchen Kosten man in etwa später zu rechnen hat. Dass es etwas kostet ist ja nicht wegzureden und wie ich auch hier erkennen konnte weiß der ein oder andere nicht das dort ein jährlicher Mitgliedsbeitrag erhoben wird, wobei ich mich davon nicht ausnehmen möchte. Auch ich habe erst im PJ erfahren, dass man jährliche Beiträge an die Ärztekammern zu entrichten hat.Also von Vollständigkeit kann ja keine Rede sein, das ist schon sehr selektiv. Die Approbation kostet Geld, die Facharztprüfung und jede Zusatzbezeichnung, außerdem muß ich 45€ im Monat für meinen Parkplatz bezahlen....

Rätst Du allen ernstes, dass man sich angesichts der Kammerbeiträge das Medizinstudium gut überlegen soll?

11.Fakt: Ob es etwas positives oder negatives ist, kann jeder für sich selber eruieren, dennoch steht diese Aussage außer Frage und ich als kleiner Perfektionist liebe es wenn ich etwas abschließen kann und ärgere mich immer wieder dass ich nicht alles über dieses oder jenes weiß, aber das ist nun mal Medizin " a never ending story". Es gibt daher bestimmt den einen oder anderen der ähnliche Gefühle in diese Richtung hegt. Das ist Deine persönliche Meinung und alles andere als ein "Fakt"!

Ich habe in keinen der fünf Hospitationen(ein Träger) erlebt dass die Fortbildungen bezahlt werden, klar gibt es Gratis-Veranstaltungen, aber dass sind dann meist Vorträge. Sonokurse o.ä. kosten Geld und dass es so ist sollte nicht unerwähnt bleiben, genauso wenig, dass es Veranstaltungen und Kongresse gibt die sehr viel kosten oder auch dass es Möglichkeiten gibt sich finanziell darum zu drücken, die Frage ist dann nur inwieweit man sich dann dort auch wirklich fortgebildet hat. Sorry, aber da hast Du einfach irgendwie in den Eimer gegriffen mit Deinem Arbeitgeber.
Ich greife einmal in den Zeitungsstapel neben mir und ziehe ein Ärzteblatt hervor (Nr. 22), blättere vor zum Stellenanzeigenteil und schaue mal als Stichprobe auf den ersten 20 Seiten die Anzeigen an, die sich an Assistenzärzte richten:
Seite 1-4: Keine Stellenanzeigen für Assistenten, gleiches gilt im Folgenden für alle fehlenden Seitenzahlen.
Seite 5/6: Innere/HNO/Arbeitsmedizin/Chirurgie: "10 Tage bezahlte Freistellung pro Jahr für Weiterbildungsmaßnahmen"
Seite 12: Psychiatrie: Umfassende Fort- und Weiterbildung [...] Sonderurlaub"
Seite 12: Labormedizin: keine Angaben
Seite 14: Attraktive Fort- und Weiterbildungsangebote
Seite 14: Innere/Kardio: keine Angaben
Seite 18: Gefäßchirurgie: "regelmäßige interne Fortbidlung mit Anerkennung durch die Ärztekammer, Förderung und finanzielle Unterstützung bei externen Fortbildungen"
Seite 19: Neurologie: "regelmäßige interne CME-zertifizierte Weiterbildungen sowie großzügige Unterstützung bei zusätzlichen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen"
Seite 20: Neurologie/Psychiatrie/Innere/Allgemeinmedizin: "interne und externe fachbezogene Weiterbildungsmöglichkeit incl. Bildungsurlaub."

Also von 8 ausgeschriebenen Stellen bieten 6 Arbeitgeber (=75%) irgendeine Förderung der Fortbildung bereits in der Stellenausschreibung an.
wenn man da überhaupt von Fakten reden will - sind ja eher Erfahrungsberichte - dann dürfte wohl das Gegenteil Deiner Behauptung Fakt sein.

Und wie bereits erwähnt: Man braucht keine Sonokurse, o.ä. für den Facharzt. Kann man machen, wenn man möchte, aber wenn Sono in der Weiterbildung drin ist, dann muss das der Weiterbilder auch intern beibringen.
Mein AG zahlt beispielsweise auch keine Sonokurse, aber jeder, der neu in die Sono kommt wird dort +/- zwei Monate von seinem Vorgänger eingelernt. Käme den AG sicherlich günstiger einen auf ein Wochenende für ein paar Hundert Euro zu schicken als einen zweiten Arzt für ein paar Tausender pro Monat da zu binden - dafür ist die Qualität der Ausbildung auch eine ganz andere.


12.Fakt: Es ist nichts abgeschlossenes wenn ich weiss die oder jene Prüfung wird noch auf mich zukommen. Weiter kommt hinzu dass das Gefühl ständig ins kalte Wasser geworfen zu werden bis jetzt noch nicht vergangen ist und laut meiner Kollegen noch lange anhalten wird.Auch das ist Deine persönliche Meinung und kein "Fakt"

Kackbratze
09.06.2014, 21:23
Dein 12. Fakt beschreibt "Leben" und nicht bloss Arbeit als Arzt.
Ich bleibe dabei, dass ich deine Liste eher peinlich als sinnvoll empfinde.
Schön, dass dein Arbeitgeber angeblich anders sein soll, warum schreibst Du dann subjektiv negative Punkte auf, die Du selber nicht mal bei dir selber findest?

EVT
09.06.2014, 22:13
Was bringt es, wenn man beispielsweise Maschinenbau studiert, um den Diensten zu entgehen, aber daran ueberhaupt kein Interesse hat?
Man weiss auch schon lange vor dem Studium, dass Krankenhaeuser rund um die Uhr offen haben.
Wenn einem sowas ueberhaupt nicht gefaellt, muss man eben moeglichst schnell in den ambulanten Bereich wechseln oder eine Fachrichtung waehlen, die nicht so viele Dienste hat.
Aber wie soll man wissen, wie man das abkann, wenn man es nicht selber gemacht hat?

Ich finde es sehr beruhigend, dass die Stellenaussichten so gut sind, selbst mit schlechtem Examen. Wo hat man das sonst noch?

Was ich so von meinem Vater mitbekommen habe, ist die Aerzteversorgung rentenmaessig auch nicht zu verachten. :-)) Bei uns wird es nicht mehr so gut sein, aber immerhin noch besser als die gesetzliche nehme ich an.

Giftmischer
10.06.2014, 09:18
Ist doch jetzt unpassend auf das Pflegepersonal hinzuweisen. Es werden einzelne Punkte beschrieben, die ein Schüler in der Oberstufe wahrscheinlich erstmal nicht auf dem Radar hat und die dann aber nach vielen Jahren ziemlich relevant werden können.
Ich finde den Vergleich mit anderen Berufsgruppen im selben Arbeitsfeld nicht unpassend, sondern sehr notwendig. Die Arbeit mit Ausscheidungen als eigenständigen Punkt zu erwähnen empfinde ich in Relation als Jammern auf allerhöchstem Niveau und alles andere als "ziemlich relevant". In meinem beruflichen Umfeld sind es die Ärzte, die mit diesen Dingen mit Abstand am wenigsten Kontakt haben.
Wer ein Problem hat mit solchen Sachen zu arbeiten, der sucht sich eben eine Fachrichtung in der er das nicht muss. Ist ja nicht so als gäbe es diese Alternativen nicht. Ich sehe daher keinen Grund sich über diesen Punkt wegweisend Gedanken zu machen.

Ganz ehrlich, wer es mit nem 1er durchs Abi schafft und dann nicht schlussfolgern kann, dass man in der Medizin mit Menschen arbeitet (die auch mal unangenehm sein können) und das erst während des Studiums merkt, der hats dann wirklich nicht anders verdient.

Ich empfinde die Liste einfach nicht sehr spezifisch für den Arztberuf, die meisten angesprochenen Punkte treffen auf sehr viele andere Berufe ebenfalls zu und das den meisten Schülern/Studenten erstmal die Ohren schlackern, wenn sie ins Berufsleben starten, ist nun auch nichts neues.


Was bringt es, wenn man beispielsweise Maschinenbau studiert, um den Diensten zu entgehen, aber daran ueberhaupt kein Interesse hat?
So siehts aus.
Jeder ist anders gestrickt und jeder hat andere Prioritäten. Von einem frischen Schulabgänger gleich zu erwarten sich über alle diese Dinge im Klaren zu sein ist ein wenig viel erwartet.

fraudrhouse
11.06.2014, 10:15
Ich habe nicht alle Antworten gelesen, muss ich aber doch mal kurz auslassen, auf die Gefahr hin, etwas zu wiederholen. Meiner Meinung nach sind all diese Fakten Gejammer auf recht hohem Niveau! In Pflegeberufen und der Altenpflege sieht es Arbeitszeittechnisch kaum besser aus, auch da macht man mehr Stunden und Dienste am Stück als eigentlich erlaubt wäre. Für noch weniger geld und erst recht weniger Anerkennung... Mna muss sich von Patienten und Angehörigen beschinpfen lassen (meistens grundlos) und wird oft genug zum "Follein" oder "putz mal weg, dafür biste ja da, Mädchen" degradiert. Um Wochenenddiensten und ähnlichem zu entgehen, bin ich derzeit in einer Tagespflege für psychisch kranke udn demente Senioren.. und soll ich Euch was sagen? Ich geh trotzdem kaputt dran, weil es einfach überhaupt nicht meins ist.
Ich persönlich würde lieber an Wochenenden, feiertagen und 24 stunden Dienste arbeiten, wenn ich dabei das gefühl hätte, was wirklich sinnvolles zu tun, was mich tatsächlich auch interessiert...

Absolute Arrhythmie
11.06.2014, 10:32
Also ich bin in acht Jahren Pflege noch NIE mit "Frollein, machen Se dat ma wech!" angesprochen worden und würde das auch niemals tolerieren.
Auch auf die Gefahr hin mich hier im Forum zu wiederholen: Man kann als Pflegekraft auch im Normalfall nach dem Dienst einfach nach Hause gehen und man arbeitet selten mehr als seine durchschnittlich 38,5h.

Tut mir Leid, wenn ich allen mit dem Pflege-Bla auf den Senkle gehe, aber ich kann son Blödfug nicht unkommentiert stehen lassen -.-

Chris.
11.06.2014, 10:56
Ich habe nicht alle Antworten gelesen, muss ich aber doch mal kurz auslassen, auf die Gefahr hin, etwas zu wiederholen. Meiner Meinung nach sind all diese Fakten Gejammer auf recht hohem Niveau! In Pflegeberufen und der Altenpflege sieht es Arbeitszeittechnisch kaum besser aus, auch da macht man mehr Stunden und Dienste am Stück als eigentlich erlaubt wäre. Für noch weniger geld und erst recht weniger Anerkennung

Ich hab bis jetzt nicht verstanden, warum bei Kritik an der Arbeit eines Arztes im KH immer wieder mit der Arbeit des Pflegepersonals geantwortet wird. Das sind trotz der Überschneidungen unterschiedliche Berufe mit unterschiedlichen Konditionen. Und wenn man ja behauptet, der Abiturient hätte vorher wissen müssen wie es nachher als Arzt im KH aussieht, dann gilt das auch für den Pflegeberuf.

Warum werden nicht der Alltag und die Probleme der Physiotherapeuten und der Logopäden verglichen? Die arbeiten auch im KH und haben Patientenkontakt.
Und wenn mir als Chirurg zum Beispiel der vergleichsweise frühe Arbeitsbeginn oder die Rückenschmerzen und das lange Stehen missfallen, dann bringt es mir nichts zu wissen, dass die Reinigungskraft früher anfängt und ihr der Rücken und die Beine noch mehr weh tun.

Giftmischer
17.06.2014, 16:40
wenn mir als Chirurg zum Beispiel der vergleichsweise frühe Arbeitsbeginn oder die Rückenschmerzen und das lange Stehen missfallen, dann bringt es mir nichts zu wissen, dass die Reinigungskraft früher anfängt und ihr der Rücken und die Beine noch mehr weh tun
Richtig.
Aber zu jammern bringt genausowenig und in Anwesenheit derer, deren täglich Brot aus diesen Dingen besteht, ist das schlicht und einfach unangebracht und taktlos. Das ist wie der Architekt, der sich auf der Baustelle zwischen Mauerern und Dachdeckern beschwert, dass seine Mappe mit den Bauplänen so schwer zu tragen ist. Solche Kommentare ernten zurecht Spott und Zynismus, ganz egal ob es subjektiv stimmt oder nicht.
Ganz davon abgesehen das wir es hier nicht von "mein Rücken tut weh und ich habe aufgrund meines Diensplanes kein Privatleben mehr" hatten, sondern von "Patient X ist ungewaschen und ich muss eine Urinprobe ins Labor tragen, igitt wie eklig".


Und wenn man ja behauptet, der Abiturient hätte vorher wissen müssen wie es nachher als Arzt im KH aussieht, dann gilt das auch für den Pflegeberuf
Der springende Punkt ist ja nicht der ob man das vorher wusste oder nicht, sondern ob man seine Konsequenzen draus zieht oder nicht.
Wenn ich mich mit Blut schwertue, dann werde ich eben kein Chirurg. Wenn ichs vor Ort erst merke, dass ich Probleme damit habe, dann kümmere ich mich drum einen anderen Weg einzuschlagen. Diese Möglichkeiten gibt es und kein junger Abiturient sollte sich DIESEN Punkt so ernsthaft zu Herzen nehmen, als das er die Entscheidung Medizin zu studieren oder nicht davon abhängig machen sollte (und das war ja die Aussage, um die es ursprünglich ging).

Ausserdem hat niemand erwartet das ein Abiturient wissen sollte, wie die Arbeit im KH aussieht. Aber das man als Arzt mit Menschen arbeitet, also so viel Kombinationsgabe sollte man doch noch erwarten dürfen.

Abschließend muss ich noch ergänzen das mir bei meiner Arbeit noch kein Arzt/Student/Pfleger/sonstiger KH-Mitarbeiter begegnet ist, für den die angesprochene Arbeit mit Ausscheidungen ein erwähnenswertes Problem mit Zweifeln an der Berufswahl dargestellt hätte.

WackenDoc
17.06.2014, 17:27
Gerade der Arztberuf ist doch so vielfältig, dass fast jeder seine Nische finden kann.
Die Frage ist wohl eher, ob man bereit ist, negative Aspekte in Kauf zu nehmen, bis man die Möglichkeit hat, was anderes zu machen.
Und es gibt sogar die Möglichkeit, verschiedene ärztliche Tätigkeiten zu kombinieren um das beste für sich selber raus zu bekommen.