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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Englisches Physikum



hyk57
25.06.2014, 22:22
Hallo allerseits,

ich bin derzeit gerade einer von den zahlreichen Physikumsanwärtern. Da bei mir geplant ist, nach dem Studium längerfristig ins Ausland, vermutlich Richtung Ozeanien, zu gehen, habe ich nun ein paar Fragen - vielleicht kann und mag mir ja wer von euch helfen.
Ich bin mir unsicher, ob das deutsche Medizinstudium bzw. Approbation weltweit anerkannt wird. Nun habe ich gehört, dass es die Möglichkeit gibt, praktisch direkt im Anschluss an das reguläre deutsche Physikum nur wenige Wochen später genau das gleiche (von den Themeninhalten her) noch mal auf Englisch zu machen, womit man internation abgesichert wäre (international anerkannt und für spätere Praktika und ärztliche Tätigkeiten vor allem im englischsprachigen Raum von großem Vorteil)

Weiß jemand etwas von diesem "Englischen Physikum" und kann mir was darüber sagen? Ich bin für jeden Hinweis sehr dankbar :)

Herzlichen Dank und liebe Grüße, Miriam :-winky

wandschrank2
25.06.2014, 22:27
?!
woher hast du diese info her?

EVT
25.06.2014, 22:42
Meinst du das amerikanische Examen, USMLE step 1? Ist so aehnlich wie Physikum, nur noch mit mehr klinischen Inhalten. Also kann man das direkt nach dem deutschen Physikum noch nicht machen.
USA ist auch so ziemlich das einzige Land, wo das deutsche Examen nicht anerkannt wird und man daher noch eins machen muss.
Keine Ahnung, wie das in Australien und Neuseeland aussieht... Aber ich wuerde erstmal Famulatur und PJ in dem Land machen wollen, bevor ich ueberlege, auszuwandern.

wandschrank2
25.06.2014, 22:55
ja genau, also ein ,,englisches physikum'' gibts per se nicht, das amerikanische system hat USMLE Step 1 und Step 2, wobei Step 1 deutsches Physikum + allg., klinische Pharmakologie + Mikrobio (extrem wichtig in dem Step) geprüft werden. Step 1 hat eine relativ hohe durchfallquote und es gibt eine anmeldegebühr (wie für eig alles in amerika..). wenn du das geld hast, kannst du auf jeden fall das auf diesem weg machen, günstiger wäre es, wenn man als gast-arzt oder gast-dozent an einer med school wäre, haben zb einige professoren ind eutschland gemacht. auch auf die gefahr hin, dass ich hier geköpft werden, ich finde die amerikanischen med schools um einiges mehr hardcore als unsere ausbildung...

EVT
25.06.2014, 23:01
Ja, ich glaube auch, dass die med schools viel intensiver sind, viel mehr Druck.. Sind ja auch nur vier Jahre.
Es ist mehr Aufwand, auch schon in High Schools und am College, viel mehr Hausaufgaben und Essays etc., die man nachmittags noch machen muss. Dann zaehlen die Noten immer unglaublich viel, fuer die Zulassung und spaeter beim match.
Ich habe step 1 noch nicht gemacht, aber im USA Unterforum meinte nasenbaer, dass es viel klinisches im step 1 waere, also nicht nur Mikrobio u Pharma. :-nix
Man kann sich ja mal so ein Vorbereitungsbuch dazu angucken.

wandschrank2
25.06.2014, 23:07
ich hab mal aus spaß son step 1 zuhause einfach mal durchgemacht und ich fand es war die hölle pur. die fragen sehr, sehr klinisch ab, auch anatomie z.B. ich kann mich noch erinnern wie gefragt wurde, welcher muskel bei hyperthyreoidismus am ehesten geschädigt wird oder so..und es gibt keine altfragen, nur übungsbücher (diese gelben populären).


ja in den usa gibts auch kein losverfahren und keine wartezeit, das reinkommen hier ist also vergleichsweise einfach

EVT
26.06.2014, 00:25
Ja, wenn man amerikanischen Aerzten erzaehlt, dass es hier eine Wartezeit gibt, koennen die das gar nicht glauben, die geringen Gebuehren natuerlich auch nicht. Ueber die 500 Euro Studiengebuehren lachen die nur.
Auch dass alles viel billiger ist in Deutschland... Natuerlich verdienen die Fachaerzte in den USA viel mehr, aber sie haben ja auch hohe Schulden und die Gehaelter werden wohl eher wieder sinken wegen Obamacare.
Oder wenn man Krankenschwestern erzaehlt, dass man in Deutschland fuer die Ausbildung bezahlt wird. Die halten Deutschland fuer den Himmel auf Erden. Eine wollten wissen, was Give me the money auf Deutsch heisst. :-))

In Deutschland hat man es schon gut.

Ich werde mich beim Stex lernen mal an step 1 versuchen, das soll ganz gut passen. Klinisch lag mir schon immer mehr, die Fragen konnte ich auch im Physikum am besten.

wandschrank2
26.06.2014, 00:35
ja aber wie gesagt, step 1 ist tendenziell eher am physikum orientiert, aber klinischer gestellt alles. ''you're a primary care physician, your patient has elevated PTH and Calcium, what's your primary diagnosis'' blabla. und primären hypoparathyreodismus hast du hier ja auch bei hormonen physio/bc.. naja.
ich find auch, dass deutschland wirklich sehr, sehr großzügig ist was die zulassung zum studium betrifft, vergleichsweise ''nur'' abi,ausbildung oder sogar losverfahren (:-?)
wenn ich reich würd ich echt gern nach amerika auswandern denk ich, aber never gonna happen :/

EVT
26.06.2014, 00:37
Ja, sieht man wieder, die Vorklinik ist die Basis fuer Innere etc. ;-)

Es gibt auch Deutsche, die eine residency kriegen, also warum nicht? Man sollte nur schon im Studium anfangen, es etwas daraufhin auszurichten mit Famulaturen, PJ, Doktorarbeit..

wandschrank2
26.06.2014, 00:44
nein, das ,,deutsch-sein'' ist ja nciht das problem, aber ich wollte eig mal ganz unschuldig ne famulatur in amerika (new york) machen und letztendlich wurden es horrende kosten, die ich berechnet hab..

EVT
26.06.2014, 00:46
Ja, man muss sich ja auch nicht direkt die teuerste Stadt aussuchen ;-)
Schon an eine Famulatur zu kommen ist schwierig, das stimmt. Hat dein Doktorvater nicht irgendwelche connections?

wandschrank2
26.06.2014, 00:54
:-notify hey das ist eine sehr gute idee, auf die ich gar nicht gekommen bin/wäre.. ja, er's ziemlich bekannt in den usa und das promotionsprojekt ist sehr ,,deutsch'' und neu.. hm, das wär echt nice, darüber vielleicht sich möglichkeiten zu eröffnen. vielen vielen dank schonmal ;) hast du denn interesse am ausland?

EVT
26.06.2014, 00:57
Jo, ich bin immer gerne im Ausland. :-))
Aber auswandern.. Ich weiss nicht.

hyk57
26.06.2014, 12:00
Also noch mal kurz zusammengefasst: die einzige englische Prüfung, die euch bekannt ist, das ist das Amerikanische und da braucht man als Viertsemestler gar nicht erst dran zu denken?
Wie sieht es denn dann aus mit der Anerkennung des deutschen Medizinstudiums im Ausland? Amerika reizt mich ehrlich gesagt ohnehin ganz und gar nicht, wenn es da nicht anerkannt ist, dann ist es mir also ziemlich egal. Weiß jemand was von der restlichen großen, weiten Welt? ;)

linchen28
03.07.2014, 17:14
Hat jemand von euch Erfahrungen damit, sich von Anfang an auch an englischen Lehrbüchern zu orientieren zumindest teilweise, um zB sich parallel für die USMLE vorzubereiten? Oder gibt das Schwierigkeiten mit den Begriffen usw. in den hiesigen Prüfungen?
Danke ;)

wandschrank2
03.07.2014, 17:54
hab ich gemacht, das klappt ganz gut, der fokus muss aber auf jeden fall auf der deutschen literatur liegen. aber man merkt im nachhinein, wie krass das einem dann später bei paper für promotion hilft. ist aber auf keinen fall ein muss, hab's uach eher als ''hobby'' (..) angesehen. du kannst auch zb fürs deutsche physikum nur auf deutsch lernen und danach für usmle das buch besorgen, so habens die meisten gemacht die ich kenn

EVT
03.07.2014, 19:29
Manche englischen Buecher sind auch besser verstaendlich geschrieben, die englische Sprache hat da bessere Moeglichkeiten. Aber dafuer muss man natuerlich auch gut Englisch koennen ;-)
Ich wuerde mich aber erst nach dem Physikum darum kuemmern. Nachher verzettelst du dich noch.
In Muenster gab es auch einen englischsprachigen Praeptisch, vielleicht kannst du das an deiner Uni anregen?

black_night
04.07.2014, 01:03
Um noch etwas zu den anderen Ländern zu sagen: Generell gilt dass die EU Länder sich gegenseitig ihre Abschlüsse anerkennen müssen, d.h. wenn du nach Großbritannien willst, reicht dein deutsches Staatsexamen. Für Amerika brauchst du wie schon oben erwähnt den USMLE, der gilt dann neben der USA auch noch für Neuseeland, kannst also wenn du den USMLE machst in diesen beiden Ländern arbeiten. Australien hat wiederum ihr eigenes System, dass weder den USMLE noch das deutsche Staatsexamen anerkennt, d.h. müsstest nochmal eine andere Prüfung ablegen. Gleiches gilt für Kanada, die brauen auch ihr eigenes Süppchen. Wie du siehst gibt es nicht DAS englische Physikum, sondern viele verschiedene. Wenn du wirklich mit dem Gedanken spielst ins Ausland zu gehen, dann solltest du dir klar machen, in welches Land du genau hin willst und dich darüber informieren, was ihre Anforderungen sind, unter Umständen reicht dein deutscher Abschluss oder du musst halt ihre Landsspezifische Prüfungen ablegen. Dann kannst du auch rausfinden, wann es sinnvoll ist diese Prüfungen abzulegen. Zum Bsp. sollte man den USMLE nicht direkt nach der Vorklinik absolvieren sondern erst nach dem du schon in der Klinik weiter fortgeschritten bist ;)

Nessiemoo
04.07.2014, 16:42
Für USMLE ist häufig (je nach Uni) so 5-6. semester optimal, nachem man eben schon Mibi, Patho und Pharma schon hatte. Die Grundlagen aus der Vorklinik muss man dann natürlich noch mal wiederholen, aber die sollen dann doch noch relativ frisch sein.