Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Braucht man Dienste für den Facharzt?
Pseudokrupp-Anfälle sieht man tagsüber auch eher selten. ;-)
Für uns steht es auch in der WBO, denke aber, dass da Ausnahmen möglich sind, wenn man bei derÄK anfragt. Genauso wie die WB grundsätzlich in Vollzeit zu erfolgen hat, man aber auf begründete Antrag auch Teilzeit angerechnet bekommt. Ich würde da einfach mal nachfragen.
LG
Ally
Kackbratze
08.07.2014, 08:56
Man kann aber vielleicht vorsichtig anmerken, dass es zumindest in der Chirurgie vermutlich länger dauern würde mit dem FA, weil die Dienste nun mal das sind, wo man schnell Anfängereingriffe sammeln kann... Je nachdem wie groß die Klinik ist, wird man vielleicht nicht zu jeder abszessspaltung gerufen, die sich im Tagesgeschäft ereignet.
Dir sei vergeben, da dein Parasitismus deinen Ausblick trübt. ;-)
DAS IST QUATSCH!
In einer gut organisierten Klinik kann die gesamte FA-Ausbildung im Tagesgeschäft stattfinden. Die paar fitzeligen Appendices und Abszesse, die ich im Nachtdienst machen durfte haben mir Erfahrung gebracht und den Katalog gefüllt, aber sie waren nicht zwingend erforderliche Grundlageneingriffe.
Meine Mägen, Därme, Lebern und Co liefen alle im Tagesgeschäft, egal ob Notfall- oder Elektiveingriff. Später kamen dann die Därme und Co in der Nacht dazu, aber da war der Katalog schon fertig und es ging wieder "nur" um den Erfahrungsgewinn, nicht um die Grundausbildung.
Welcher OA hat den echt Bock nachts um 3 noch einem Anfänger einen Eingriff zu assisteren, den er vielleicht 1x vorher gemacht hat?
Nachts fehlt der gesamte Backup für alle (er ist da, aber zu Hause und nicht im Nachbarsaal), man befindet sich in einem anderen Stresslevel und vorallem ist es ein Systemversagen, wenn die Ausbildung in die Nacht oder auf das Wochenende verlagert wird.
Ich bezweifle ja nicht, dass man alles im Tagesgeschäft hinbekommt. Aber es könnte wie gesagt etwas länger dauern. Je nach klinikirganisation. Hier machen zb hauptsächlich die Chirurgen das Tagesgeschäft ihrer jeweiligen Station. Wenn ich auf der viszeralchirurgie eingeteilt bin, sehe ich keine Abszesse, wenn ich auf der septischen Chirurgie bin, keine Appendizes... Dass ich trotzdem schon über 50 Abszesse gespalten habe, liegt nunmal an Diensten- bin sehr froh, dass ich dafür nicht extra auf die septische Chirurgie rotieren muss...(ist bei uns nämlich eher ne Schlafstation, die interessanten wundheilungsstörungen landen bei den gefässis...)
Aber wie gesagt, ist nur ein organisatorisches Problem...
Kackbratze
08.07.2014, 11:12
Aber wie gesagt, ist nur ein organisatorisches Problem...
Korrekt. Das Problem ist nur, dass viele Chefs sich lieber nicht drum scheren und die Leute mit "kommt eben in der Nacht rein", "nur im Dienst lernt man was" und Co. abspeisen und die das dann glauben.
Weiterbildung bedeutet Ausbildung nicht Ausbeutung in der Nacht.
Und die Studien, dass Notfalleingriffe und dann noch nachts mit einem schlechteren Outcome unterwegs sind, gibt es zur Genüge. Da muss das Outcome nicht noch durch einen unfertigen Assistenten mit müdem OA weiter verschlechtert werden.
smanpodg
08.07.2014, 15:33
Wir haben eine Oberärztin in der Abteilung, die nie Dienste gemacht hat. Nichtmal Hintergrund, bei dem man wenn überhaupt nur telefonisch konsultiert wurde. Sie war auch aus gesundheitlichen Gründen befreit. Sie hat für den Facharzt in Teilzeit (12h/Woche) fast 10 Jahre gebraucht und ist von den 10 Jahren akkumulierte 4 krank gewesen. Sie ist es auch jetzt als Oberärztin noch und hat nicht eine Woche seit ich sie kenne durchgearbeitet. (Mittlerweile wurde der Teilzeitvertrag auf 1,5 Wochen Vollzeit und Rest des Monats frei umgestellt, damit wenigstens irgendwas mit der anzufangen ist.) Und natürlich beschwert sie sich alle dreiundzwanzig Sekunden darüber, dass die Arbeitslast derart erdrückend ist, dass sie sich schon völlig ausgelastet fühlt...
Also es geht auch ohne Dienste.
Sie hat für den Facharzt in Teilzeit (12h/Woche) fast 10 Jahre gebraucht und ist von den 10 Jahren akkumulierte 4 krank gewesen. Also an der Geschichte kann was nicht stimmen: 12h/Woche ist ja ca. eine 33%-Stelle. In 10 Jahren wären das also nichtmal 3,5 Jahre Weiterbildungszeit. Das reicht doch für keinen Facharzt.
Kackbratze
08.07.2014, 16:16
Die gefühlten Zahlen sprechen da eine ganz andere Sprache!
smanpodg
08.07.2014, 16:48
Ich hab die gesamte Karriere der Dame nicht mitbekommen ;) Aber meinetwegen kann sie auch 13 jahre gebraucht haben...
Ok, aber kommen wir doch mal wieder zurück auf das was eigentlich gefordert ist...
Ich war mal in einer Klinik mit im Schnitt 1,5 Diensten pro Monat. Und hatte woanders auch mal Zeiten mit 14 Diensten (war weniger stressig als es sich anhört, da mehr Rufbereitschaft). Es wäre ja Blödsinn wenn einer in einer Klinik ist, in der einfach von der Struktur her man im Schnitt nur einen Dienst pro Monat macht, und von dem dann noch gefordert wird dass er mehr Dienste macht für die Zulassung zum Facharzt. Ist Schwachsinn. Es stehen auch nirgens geforderte Zahlen für Nachtdienste drin.
Im Muster der Weiterbildungszeugnisse steht wiederum schon die "Teilnahme am Nacht- und Bereitschaftsdienst" drin. Also wollen die es eigentlich schon. Nun, obwohl ich es gemacht hab, haben es meine bisherigen Chefs einfach vergessen mit zu übernehmen. Schau mer mal was passiert. Ich habs grad eingereicht als "Abschnittsanerkennung" und die werden mir schon schreiben ob das dann drin stehen muss oder nicht. Notfalls muss ich halt mein Arbeitszeugnis hinterherschicken oder das Weiterbildungszeugnis nochmal umschreiben lassen...
Und dann gilt natürlich immer der Grundsatz, dass die in der Landesärztekammer nur das beurteilen können was sie vor sich sehen in Papierform...
WackenDoc
08.07.2014, 18:31
Für meinen Nortarztschein musst ich den Passus mit den Diensten in 2 Zeugnissen ergänzen lassen.
In der zivilen Praxis sind keine Dienste angefallen. In dem Landkreis gibt es einen gut organisierten Notdienst, für den sich fast immer genug Kollegen finden, die das freiwillig machen. Hab mir da aber sicherheitshalber bescheinigen lassen, dass ich keine Dienste machen konnte, weil es keine gab.
PaulaBoston
08.07.2014, 20:54
Danke erstmal für die Antworten! Ich bin nicht in der Chirurgie, also muss ich keinen Op-Katalog erfüllen. Ich hoffe doch, dass es mir bald wieder besser geht und ich dann Dienste machen kann, denke also nicht dass es für immer sein wird.
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