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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : OP ohne Strahlenbelastung! Frage an die Chirurgen



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FirebirdUSA
17.07.2014, 00:08
ycr83 hat bei den meisten Angaben Recht, aber eben auch nur bei den meisten:
1. Die Strahlenbelastung von medizinischem Personal (nicht im Strahlengang) ist in der Regel nicht meßbar und somit tatsächlich unter der Schwelle wo ein Schaden zu erwarten ist.
2. interventionell tätige Kollegen (Kardiologie, Radiologie, etc.) haben tatsächlich auch eine meßbare Strahlenbelastung tragen aber häufig ihr Dosimeter nicht (selber Schuld). Mit entsprechender Schutzausrüstung (insbesondere SD-Schutz, Bleiglas, etc.) ist aber auch hier i.d.R. nicht mit einer relevanten Dosis zu rechnen.
3. Es gibt Strahlenschäden bei alten Radiologen und Kardiologen meistens in Sinne einer chronischen Strahlendermatitis. Ich kenne mindestens einen interventionell tätigen Radiologen der so etwas aus meiner Sicht hat, es aber negiert.
4. Gibt es inzwischen eine gute epidemiologische Studie (Lancet, Volume 380, Issue 9840, Pages 499–505) die gezeigt hat das bei Kindern mit CT das Risiko für Leukämie (abhängig von der Dosis des roten Knochenmarks) und Hirntumore (abhängig von der Dosis des Hirngewebes) erhöht ist. Nach diesen Berechnungen erhöhen 2-3 CCTs das Risiko für einen Hirntumor um den Faktor 3. Insgesamt bedeutet eine Verdreifachung aber immernoch eine sehr geringe Anzahl an Patienten und das Risiko ist im Kindesalter auf Grund des erhöhten Zellumsatzes sicherlich höher wie bei Erwachsenen.

Zusammenfassend gibt es also durchaus einen Grund unnötige Strahlenbelastungen und insbesondere CTs zu vermeiden, jedoch besteht kein Grund für eine größere Sorge wenn man mit Bleischutz im OP steht wenn daneben geröntgt wird. Es geht hier ja nicht um eine Durchleuchtung wie in der Angiographie oder CTs mit deutlich höherer Strahlenbelastung für den Patienten (und entsprechend mehr Streustrahlung) sondern um "einfache" Röntgenbilder.
Im Zweifel gilt das Abstandsquadratgesetz --> Etwas mehr Abstand reduzierte die Strahlendosis deutlich und nach 2-3m sind wir sicherlich bei 0.

Fr.Pelz
17.07.2014, 14:19
Außerdem geht so ein Tertial nur 12 Wochen, man ist nicht jeden Tag im OP (gibts eigentlich Studientage noch?) und wenn man dann noch über die Stationen rotiert (was dringend zu empfehlen ist), ist die Zeit, die man in den strahlungsintensiveren Disziplinen verbringt wirklich gering. Daher bekommen bei uns PJler meist kein Dosimeter, es wird allerdings strengstens auf Bleischürze, Schilddrüsenschutz etc geachtet.
Ansonsten wird auch bei uns in der Thorax- und Viszeralchirurgie am seltensten geröntgt. In der Notaufnahme wird dagegen viel geröntgt, aber man geht so lang ja meist raus.

anignu
17.07.2014, 17:44
Klar. Viszeralchirurgie...
Was röntgen denn Viszeralchirurgen überhaupt? Also von der Gallengangsdarstellung mal abgesehen? (und notfalls geht man da raus)

Ich mein, man muss sich ja nicht (bei den Gefäßchirurgen) zu einer EVAR mit beidseitiger Iliac-Side-Branch mit reiner Röntgenzeit von gut über einer Stunde stelle. Bei 12,5 Bildern pro Sekunde versteht sich. Im Vergleich zu sowas sind sogar die Unfallchirurgen harmlos.

Kackbratze
17.07.2014, 17:49
Je nach Klinik manchmal die Portkatheter oder die Gefäßversorgung des Darmes. Das ist aber eher selten der Fall.

Brutus
17.07.2014, 18:02
Also ich versteh den Aufriss auch gerade nicht so wirklich! Selbst wenn die Orthopäden ein paar Mal röntgen während der OP, als Hakenhalter oder Fußfesthalter steht man ja wirklich nicht im Strahlengang. Von der Strahlenquelle ist man sicher mal ein Meter weit weg -> also nur noch 1/4 Dosis. Und meist wird ja nicht beim aktiven Operieren geröngt, sondern dann wird das Gerät reingefahren, positioniert, in der Zeit geht die Instrumentenschwester, die keine Schürze anhat, raus, der Anästhesist geht mit ;-), und und und. Da hat man sicher die Möglichkeit sich entweder weit weg im Saal zu positionieren, oder hinter den Operateur oder eben auch rausgehen. Oder aber man will / kann den Saal nicht verlassen, weil man evtl. mal den Monitor im Auge behalten will, und es gibt keine Schürze mehr, oder man hat sie vergessen, dann geht man in den Strahlenschatten (gibt es das Wort) des Narkosegerätes und setzt sich mit viel Abstand in die Ecke des OPs und bekommt auch nix mehr von der Strahlung mit...

Healix
17.07.2014, 18:27
So sehr trivialisieren würde ich das nicht. In der Kardio gabs nachts auch mal Reanimationen, während weiter kathetert wurde, und da hat man keine Bleihandschuhe, wenn man im Strahlenfeld drückt. Die Ring-Dosimeter trägt doch auch keine Sau...

Brutus
17.07.2014, 18:39
Du sprichst von interventioneller Radiologie/Kardiologie und ich vom Orthopädie-OP.
Könnte ein kleiner Unterschied sein! ;-)

anignu
17.07.2014, 18:58
Sei doch nicht so kleinlich... ist immerhin beides Medizin, oder?

anignu
17.07.2014, 19:02
Nö, ich muss auch sagen: es gibt bei Röntgensachen halt einfach alles von unberechtigtem legeren Umgang über berechtigte Vorsicht bis unberechtigte Angst.

Man muss sich halt überlegen an welcher Position dieser Skala man steht und daraus seine Konsequenzen ableiten.

Das mit den Ports werd ich übrigens nie verstehen. Wenn es in einem Haus Gefäßchirurgen gibt, warum machen das dann die Kardiologen oder Viszeralchirurgen? Ich mein, die Kardiologen/Gefäßchirurgen machen ja wiederum auch keinen Blinddarm oder die Viszeralchirurgen/Gefäßchirurgen keine Herzkatheter... obwohl? Warum eigentlich nicht?

Ulle
17.07.2014, 21:01
On topic: Jeder Mediziner sollte nach dem Radiologie-Kurs eigentlich wissen, mit welchem Risiko er/sie zu rechnen hat. Ich hab im OP immer meine Bleischürze mit Kragen getragen, allerdings auch einmal meine Hand im Strahlengang gehabt, als wir eine gute Einstellung haben wollten und der Patient nicht anders sinnvoll gelagert werden konnte. Man sieht es nicht, aber ich tippe immer noch mit zehn Fingern... - so wie das hier geschildert wird, muss zumindest ich an mangelnde Strahlenschutz-Kenntnis + Panikstörung denken.


So sehr trivialisieren würde ich das nicht. In der Kardio gabs nachts auch mal Reanimationen, während weiter kathetert wurde, und da hat man keine Bleihandschuhe, wenn man im Strahlenfeld drückt. Die Ring-Dosimeter trägt doch auch keine Sau...

Kann ich mir gerade nicht vorstellen, wie das funktionieren soll - was sieht der Kardiologe überhaupt noch, wenn da gerade jemand auf dem Herzen rumdrückt?

Kackbratze
17.07.2014, 21:04
Das mit den Ports werd ich übrigens nie verstehen. Wenn es in einem Haus Gefäßchirurgen gibt, warum machen das dann die Kardiologen oder Viszeralchirurgen?

Weil im Viszeralchirurgieschem Katalog (dem alten Katalog) noch Ports drinstehen. Deswegen werden die manchmal noch von den VCHlern gemacht.
Ausserdem ist das manchmal auch eine Abrechnungssache.

Rico
17.07.2014, 21:26
Kann ich mir gerade nicht vorstellen, wie das funktionieren soll - was sieht der Kardiologe überhaupt noch, wenn da gerade jemand auf dem Herzen rumdrückt?Da ist der C-Bögen halt ein bissle gekippt. Außerdem muss er ja eh durch die Rippen durchröntgen, da machen es ein paar Knöchelchen mehr auch nicht aus...

Giftmischer
17.07.2014, 21:30
Die Strahlenbelastung bei intraoperativer Durchleuchtung beträgt für den Operateur in Bleischürze ca. 0,04 μSv/m (gemessen am Beckenphantom). Die Durchleuchtungszeit wird bei 200 Arbeitstagen im Jahr auf 17 Stunden hochgerechnet. Damit landet man bei 40,8 μSv/a. Das ist ein HUNDERTSTEL dessen was ein Pilot bei seiner Arbeit an kosmischer Strahlung im Jahr abbekommt und ebenfalls mehrere Nullen unter dem, was man jährlich unvermeidbar an natürlicher Umgebungsstrahlung zu verbuchen hat (0,6 - ca. 1 mSv/a).

Ansonsten immer ans Abstandquadratgesetz denken. Abstand zur Strahlenquelle ist mit der beste Strahlenschutz - 25cm Abstand senken die relative Dosisleistung auf 16% ab, bei 50cm Abstand sinds schon nurnoch 4%.

Quelle der Werte: Beck, Hans - Intraoperatives Durchleuchten in Unfallchirurgie und Orthopädie

Ulle
17.07.2014, 22:31
Da ist der C-Bögen halt ein bissle gekippt. Außerdem muss er ja eh durch die Rippen durchröntgen, da machen es ein paar Knöchelchen mehr auch nicht aus...
Ich hatte eher an die Beurteilung der Herzkranzgefäße gedacht - die Kompression ist ja vermutlich nicht so rund, der Patient liegt nicht wirklich ruhig. Hätte jetzt intuitiv gedacht, dass man da als Kardiologe nicht viel sieht - aber da scheine ich mich geirrt zu haben.

Rico
17.07.2014, 22:53
... sonst bewegt sich das Herz ja auch. ;-)

Aber ohne Spaß: ein Kardiologe, der unter Rea kathetert ist so erfahren, dass ihn das nicht doll tangieren sollte.

FirebirdUSA
18.07.2014, 13:33
So sehr trivialisieren würde ich das nicht. In der Kardio gabs nachts auch mal Reanimationen, während weiter kathetert wurde, und da hat man keine Bleihandschuhe, wenn man im Strahlenfeld drückt. Die Ring-Dosimeter trägt doch auch keine Sau...

Bleihandschuhe würden es eh nur schlechter machen, da die Belichtungsautomatik der Durchleuchtung sofort die mAs hoch fahren würde bis wieder etwas durch die Handschuhe durchgeht. Dieser Fall ist aber auch nicht die Regel, insbesondere nicht für PJler.