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Stephan0815
12.08.2014, 16:08
Die Akademisierung wird wohl eh nur die Führung der Pflege betreffen-also eher Bereiche wie Pflegemanagement und nicht die alltägliche Pflege am Patienten.

Also wenn das nur die Pflegeleitung betreffen soll, womit wir ja von einem verschwindend geringen Prozentsatz der Pflegenden insgesamt reden, frage ich mich, was sich denn dann im Alltag der Basis dadurch verändern soll/kann?
Man würde damit dem ärztlichen Personal eine "akademisch" geschulte Pflegeleitung gegenüberstellen, als Ansprechpartner "auf Augenhöhe" oder wie soll man sich das vorstellen?
Ich stelle mir das gerade eher kontraproduktiv vor, soll man dann die übrigen examinierten Pflegekräfte nicht mehr ansprechen dürfen und nur noch über die Pflegeleitung kommunizieren dürfen?

Peter_1
12.08.2014, 19:52
Es gibt in allen Berufen solche und solche, diese Blut und Antibiotikageschichten haben doch gar nichts mit einzelnen Pflegern/Schwestern (oder gar deren Schulabschluss) zu tun, nein das sind einfach tradierte Rituale über die nicht nachgedacht wird. Wie immer sind solche Traditionen schwer zu durchbrechen (am wenigsten mit Logik). Erst seit dem Ärzte vermehrt auch ihre Überstunden wirklich aufschreiben und es wagen dafür Kompensation zu verlangen, haben schlaue, meist betriebswirtsch. denkende Menschen festgestellt, das ist ja total bekloppt da Arztstunden für Arbeit aufzuwenden, für die es keinen Arzt benötigt. Leider kann sich das bis heute oft in manchen Häusern nicht durchsetzen, weil die Machtstrukturen über Jahrzehnte so verkrustet sind, dass des lieben Frieden willens solche "Revolutionen" eben nicht veranstaltet werden.
Der Fisch stinkt vom Kopf her.

*milkakuh*
13.08.2014, 10:08
Mal blöd dazwischengefragt....wieso "nur" Realschulabschluss und was hat das mit der Fähigkeit Dinge zu hinterfragen zu tun?
Weil man in der Regel weder in der Real- noch in der Krankenpflegeschule lernt wissenschaftlich zu arbeiten. Um zu erkennen, dass es z.B. unnötig ist die Antibiotikaerstgabe vom Arzt anhängen zu lassen müsste man sich erstmal informieren wann überhaupt eine Anaphylaxie zu erwarten ist. Das war auf keinen Fall abwertend gemeint aber sowas lernt man halt einfach nicht und in den gängigen Lehrbüchern steht sowas ja nicht unbedingt.

Zum Thema Akademisierung in der Pflege: Sehr wohl wird das auch die Arbeitsabläufe auf Station verändern, wenn Stationsleitungen, Gruppenleitungen und PDL's studiert haben und sich zunehmend mit EBN beschäftigen. Die Aufgabenverteilung wird ja leztendlich von "oben" festgelegt und wenn es dann eben eine Handlungsanweisung gibt, dass auch die Erstgabe des Antibiotikums von der Pflegekraft angehängt wird wenn vom Arzt alles ordnungsgemäß angeordnet wurde ist das so. Wird aber alles dauern, denn festgefahrene Strukturen sind eben nicht so leicht zu durchbrechen.

Und wie schon geschrieben gibt es da ja auch von Abteilung zu Abteilung große Unterschiede. :-)

ehemaliger User_25062015
13.08.2014, 18:59
Weil man in der Regel weder in der Real- noch in der Krankenpflegeschule lernt wissenschaftlich zu arbeiten. Um zu erkennen, dass es z.B. unnötig ist die Antibiotikaerstgabe vom Arzt anhängen zu lassen müsste man sich erstmal informieren wann überhaupt eine Anaphylaxie zu erwarten ist. Das war auf keinen Fall abwertend gemeint aber sowas lernt man halt einfach nicht und in den gängigen Lehrbüchern steht sowas ja nicht unbedingt.


Ich weiß immer noch nicht wieso erst ein bestimmter Schulabschluss einem bescheinigen sollte, dass man sein Gehirn nicht dafür hat, damit der Kopf nicht so hohl klingt wenn der Wind ins Ohr pustet...Ich behaupte einfach mal, dass ich auch zu Realschulzeiten dazu in der Lage war nicht alles was man mir vorkaut einfach hinzunehmen. Und sich aus eigenem Interesse einfach mal selber zu informieren ist ja auch nicht an Schulabschlüsse gebunden. Naja..

Evil
13.08.2014, 19:11
Die Wahrscheinlichkeit dafür könnte aber bei Leuten, die im Gegensatz zu Dir sich nicht weiterbilden, doch deutlich höher sein.

Salatsultan
13.08.2014, 20:32
Schulabschluss/Bildungsgrad korreliert sicher mit wissenschaftlichem Interesse.

wischmopp
13.08.2014, 20:54
Naja, muss eine Schwester wirklich Studien wälzen? Ich mach´s auch eher selten und vertraue bei bestimmten Themen durchaus auch auf Lehrbücher.

M.M.n. ist das alles eher ein zwischenmenschliches Ding, "was will ich tun", weniger ein "was kann ich stämmen". In Häusern, in denen das Arzt-Pflege-Verhältnis passt, kann man doch einiges absprechen. Wenn´s nicht passt, stösst man halt automatisch auf taube Ohren.

WackenDoc
13.08.2014, 21:00
Studien wälzen wohl weniger. Aber wenigstens Interesse haben, warum man überhaupt was macht.
Das war eines der Probleme, die ich oft erlebt hab und weswegen mir das Krankenhausleben auch überhaupt nicht gefallen hat.
Komischerweise habe ich das bisher im Rettungsdienst anders erlebt- und das ist ja die gleiche Ausbildungsebene.

Stephan0815
02.11.2014, 13:16
http://www.zeit.de/2014/43/absolventen-pflegestudium-jobchancen-interview

Jetzt haben wir ihn also, den Pflege-Bachelor in der Klinik.
Und was machen wir jetzt mit ihm? Scheinbar ist man sich da noch überhaupt nicht einig geworden.
Der Herr Westerfellhaus selbst, scheint sich da ja ein Märchenbild auszumalen, welches sich mit der Realität nicht so ganz deckt.
Und die Motivation für den Abschluss scheint bei den meisten Absolventen zu sein, daß man den Knochenjob der "banalen Pflegekraft" dann nicht mehr machen muss?
Das sind ja lustige Aussichten, wenn für die Bachelor dann in Zukunft weitere Stellen der "normalen" Pflege gestrichen werden - so wird´s ja wahrscheinlich kommen.

EVT
02.11.2014, 13:35
Wenn man sich später dazu entschließt, doch noch Medizin zu studieren, gilt man als Zweitstudent und es ist viel schwieriger einen Platz zu bekommen als über die Wartezeit. :-nix

Absolute Arrhythmie
02.11.2014, 13:43
Das ist wohl kaum das Hauptproblem bei der Akademisierung der Pflege.

EVT
02.11.2014, 14:12
Nö, aber ich bekomme genug Nachrichten von verzweifelten Zweitstudenten, die vielleicht niemals einen Medizinplatz in Deutschland bekommen werden. Mit einem Pflegebachelor ist man dann auch sofort Zweitstudent.

Ich hätte gedacht, dass Akademiker dann ein höheres Gehalt fordern (wo soll das herkommen?), aber in dem Artikel steht, dass die Absolventen das (bisher) wohl nicht fordern.

Was ist denn deiner Meinung nach das Hauptproblem?

Stephan0815
02.11.2014, 14:13
Naja, so wie sich das liest, gibt es dann halt die "einfach bloß" examinierte Pflegekraft, als Pflegende 2. Klasse und dann die Pflegeakademiker. Die sind sich dann natürlich zu fein für so Sachen wie Grundpflege und die "einfachen" Aufgaben.
Die Kompetenzumverteilung geht dann in Richtung eigener Praxen für die Pflegeakademiker zB. im hochspezialisierten Dekubitusbereich.

Also für mich hört sich das mehr so an, als wollte man den Heilpraktikern Konkurrenz machen. ;-)

Absolute Arrhythmie
02.11.2014, 14:18
Sehe das wir Stephan: zwei-klassen-Gesellschaft in der Pflege, und auf welcher echten akademischen Grundlage?

jijichu
02.11.2014, 17:21
Bei uns gibt es seit ca. 1 Jahr eine Pflegekraft, die den Bachelor gemacht hat, sie “untersteht“ den examinierten Pflegekräften, da ihr die praktische Erfahrung fehlt. Laut der PDL muss sie wohl erstmal 1 oder 2 Jahre praktisch arbeiten, bevor sie als “volle“ Pflegekraft zählt.
Bei ihr sehe ich nicht, dass sie sich besser fühlt, als die anderen oder keine Grundpflege machen möchte. Vielleicht liegt es an ihr, aber es läuft soweit ganz gut.

Muriel
02.11.2014, 17:40
Eine Pflegekraft, die nicht pflegen kann. Interessant. Vielleicht sollte man eine Pflegeausbildung zur Voraussetzung fürs Studium machen. Wenn jemand durch die Akademisierung auf welche Art auch immer (finanziell, empfundener Status...) besser gestellt ist, sollte auch sicher gestellt werden, dass derjenige diesen Beruf auch praktisch kann und nicht nur theoretisch. Und wenn jetzt das Argument kommt, Ärzte könnten ja auch nichts am Anfang, so sage ich zwar ja, das stimmt, aber hier gibt es eben den Unterschied, dass es keinen nicht Akademiker Arzt gibt und der normale Weg eben so ist.

jijichu
02.11.2014, 18:22
Pflegen kann sie, aber es stimmt schon, es fehlt ihr an praktischer Erfahrung und manche Beispiele aus ihrem Studium erscheinen im Arbeitsalltag sehr unpraktisch und realitätsfern.

WackenDoc
02.11.2014, 18:41
Aber was bringt ihr dann der Bachelor?
Arbeitet sie z.B. an neuen Pflegestandards für die Abteilung aufgrund wissenschaftlichen Grundlagen oder so? Oder macht sie Fortbildungen, wo der wissenschaftliche Blick auf das Thema sinnvoll wäre (von wegen die Studie xy zeigt, dass Maßnahme .....)

jijichu
02.11.2014, 18:52
Was ihr es bringt weiß ich nicht, ich weiß nur, dass sie diesen Weg gewählt hat. Weder neue Pflegestandards noch Fortbildungen...

EVT
02.11.2014, 19:21
Im neuen Pflegestudiengang in Lübeck macht man die Ausbildung und einen Bachelor.