Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage an die Augenexperten
ralfschmidt84
15.10.2014, 11:43
Habt ihr oder du Feuerblick Erfahrungen mit Begutachtungen im Rahmen eines Antrages auf Schwerbehinderung beim Versorgungsamt? Wie läuft eine solche Begutachtungen bei einem externen Gutachter (Augenklinik) ab? Welche Tests sind dort üblich?
Danke
Feuerblick
15.10.2014, 12:24
Meistens wird anhand Aktenlage begutachtet. Falls nicht, wird eine Vorstellung bei einem Gutachter (oft Augenkliniken mit entsprechender diagnostischer Infrastruktur) vereinbart. Zu den üblichen und schon bekannten Untersuchungen kommen dann oft solche Dinge wie OCT, Fluoreszenzangio, orthoptischer Befund und Elektrophysiologie. Kommt auf Diagnose und Fragestellung an. Sprich: Je komplizierter die Erkrankung oder je weniger plausibel die Vorbefunde, desto intensiver die Untersuchung.
Wieso interessiert dich das so en Detail? Bei miesem GF, schlechtem Visus und schon vorliegendem VEP sollte da eigentlich nichts mehr kommen...es sei denn, die Befunde sind doch nicht so plausibel wie hier geschildert :-nix
ralfschmidt84
15.10.2014, 14:44
Du hast recht. Es interessiert mich wirklich aus privaten Gründen. Eine mir sehr nahestehende Person hat seit Anfang März einen erheblichen Visusverlust. Im Raum stehen entweder eine nicht ausgeheilte Neuritis, eine SMS oder eine Leber OpticusAtrophie. Auch seltenere Augenerkrankungen sind nicht ausgeschlossen. Diagnostik läuft zurzeit noch. Das VEP ist bei der P 100 Latenz erheblich verzögert. Kortison i.v. hochdosiert brachte keinen Erfolg. Der Visusverlust ist beidseits... Also was da der Gutachter noch machen will ist mir auch nicht ganz klar. Ein path. VEP ist ja eigentlich Nachweis genug oder?
Wie läuft so ein Gutachten? Ganz entspannt oder sind das eher Wadenbeißer, die gucken wie man dem Patienten ein bisschen mehr Visus geben kann? Das Versorgungsamt meinte wohl, in solchen Fällen wird zu 95% ein Gutachten gemacht. Da beim Merkzeichen BL ja einiges dran hängt...
Als unabhängiger Gutachter hast Du ja keinerlei Interesse an einer tendenziösen Begutachtung. Du kriegst ja nicht mehr oder weniger Geld je nach Erebnis. Im Gegenteil, wenn Deine Gutachten alle wegen fehlerhaften Befunde nach Widerspruch wieder kassiert werden, dann werden die Anforderer Dich zukünftig eher meiden, die haben ja auch keinen Bock darauf, zusätzlich zum eigentlichen Gutachter immer noch einen Zweitgutachter zu zahlen, der den Befund vom ersten nachbessert.
Wenn ich ein Gutachten mache (und die Augenärzte werden es kaum anders machen) versuche ich maximal unvoreingenommen an die Sache ranzugehen und das Gutachten vor allem auf die objektiven Befunde zu gründen, das kann man ja dann auch für andere gut nachvollziehbar begründen. Schließlich muss man das ja genau das machen können, wenn eine Seite das Gutachten anzweifelt.
Feuerblick
15.10.2014, 16:41
Stimmt, Rico...
Was man anders macht als Gutachter? Im Prinzip nichts, aber man ist genauer und lotet auch Dinge aus, die in der normalen Praxis oder Ambulanz teilweise nicht gemacht werden. Da kommt dann beispielsweise auch die manuelle Goldmann-Perimetrie zum Zuge, da wird die Elektrophysiologie genauer und ausführlicher gemacht etc. pp.
Wadenbeißer sind auf solche Sachen spezialisierte Gutachter eigentlich nicht. Warum auch? Man hat ja nichts davon. Aber man überprüft quasi noch während der Untersuchung alle Befunde sehr genau auf Plausibilität und schaut unter Umständen nochmal genau hin, wenn etwas nicht passt.
Und natürlich kitzelt man den bestkorrigierten bestmöglichen Visus raus. Das ist normal und muss auch sein. Es geht ja nicht nur darum, wie der Patient eingestuft werden kann sondern auch darum, wie es für ihn in Alltag und Beruf weitergehen kann (vergrößernde Sehhilfen, Eingliederung etc.). Und dafür muss man schon wissen, welche Funktion da ist. D.h. aus "Handbewegungen" wird vielleicht 0,0XX, weil man sich die Mühe macht, wirklich genau zu testen. Das passiert aber nicht aus der Intention heraus, jemanden aus der Blindheit "rauszuprüfen".
Gewagte Aussage, dass zu 95% ein Gutachten gemacht wird...Aktenlage vielleicht, aber mit Untersuchung? Da hätten die Gutachter ja nix mehr anderes zu tun als Blindengutachten (und die sind unter Umständen sehr umfangreich!) zu machen :-nix
ralfschmidt84
30.10.2014, 20:06
Hallo Feuerblick, ich muss dich beziehungsweise euch noch mal belästigen. In dem Fall von dem ich berichtete geht das Versorgungsamt immer noch nicht ganz auf die Patientenschilderung ein. Ich bin mir hier selbst nicht sicher wer recht hat. Meine ganz konkrete Frage: Kann man bei Untersuchungen wie VEP, Blitzlicht VEP; ERG, mfERG so ungünstig mitarbeiten, dass ungünstige Werte dabei heraus kommen. Hier besteht nämlich der Verdacht einer visuellen Agonie oder Aggravation. Das VEP hatte eine verzögerte Latenz, aber regelrechte Amplitude. Nun soll noch ein ERG oder ein mfERG gemacht werden. Könnte der Patient dies bewusst beeinflussen? Einfach nicht fixieren, oder Augen schließen, vorbei sehen...z.B.. Geht sowas?
Nein, ein VEP ist eine objektive Untersuchungsmethode. Klar kann der Patient die Augen schließen oder so, aber dann misst man ja gar nix mehr bzw. keinen Befund mit normalen Amplituden und verzögerten Latenzen. Ein Inder Elektrophysiologie erfahrener Untersucher erkennt bei einem Befund, ob er glaubhaft ist oder nicht.
ralfschmidt84
30.10.2014, 20:34
Was würde dir denn noch an Diagnose einfallen. Stark geminderter Visus, erhöhte Latenz, normale Amplitude. Papille und Augenhintergrund normal. Ursprünglich war eine Neuritis Ausgangspunkt mit schnell fallenden Visus. LHON ausgeschlossen, Papille nicht blass. Daher zweifelt der Gutachter den Visus an...
ralfschmidt84
30.10.2014, 20:35
OCT normal, Zentralskotom...Kein Anhalt für MS, Liquorpunktion oB
Feuerblick
30.10.2014, 20:38
Naja, also eine normale Amplitude bei verzögerter Latenz würde mich bei einem Muster-VEP und noch frischem Geschehen jetzt nicht allzusehr verwirren. Wurde denn ein Muster-VEP gemacht? Mit etwas Erfahrung und Blick auf Fixationskontrolle etc. kann man eigentlich relativ schnell rausbekommen, ob der Untersuchte versucht hat, die Sache zu beeinflussen.
Das ist ja insbesondere auch bei Kindern wichtig, denn die machen ganz oft nicht wirklich mit. Da muss man schon auseinanderhalten können, ob ein Aufmerksamkeitsdefizit oder ein organisches Problem vorliegt. Ein VEP bewusst zu beeinflussen halte ich für sehr schwierig. Dazu muss man schon genau wissen, worauf es ankommt und ich würde behaupten, dass ein erfahrener Untersucher trotzdem dahinterkommt. Deshalb ist es ja als Hinweis für Aggravation/funktionelle Probleme so wichtig. :-nix
Notfalls muss die Untersuchung wiederholt werden. Spätestens dann weiss man es sicher.
Und mit welchem Argument möchte man nun ein ERG machen? Das sucht ja nun an ganz anderer Stelle...
Feuerblick
30.10.2014, 20:42
Als Diagnosen Neuritis unterschiedlichster Genese (und die kann sich genau so äußern mit Zentral- oder Zentrozökalskotom, deutlichem Visusabfall, normalerweise aber wieder Visusbesserung im Verlauf), Neuromyelitis optica (wobei da eigentlich noch mehr außerhalb der Augen kommen müsste)...im Prinzip alles, was sich im Sehnerven selbst und nicht in der Sehbahn abspielt.
Im übrigen kenne ich sehr, sehr viele Patienten, die mit Zentralskotom, VEP-Auffälligkeiten und schlechtem (wenn auch nicht SO schlechtem Visus, aber da könnte man ja nochmal ein paar Tests machen) kommen, bei denen eine Neuritis nervi optici diagnostiziert und ansonsten NICHTS gefunden wird. Nicht beim ersten Schub...
ralfschmidt84
30.10.2014, 20:45
Das verstehe ich auch nicht warum ein ERG. Ja ein Muster VEP wurde gemacht. Was wäre deine Idee zu erhöhter Latenz bei normaler Amplitude? Kann man eine normale Ampl. haben und trotzdem ein Zentralskotom und eine Visus kleiner 1/50? Geht das ohne morphologischen Befund?
ralfschmidt84
30.10.2014, 20:48
Das MRT war unauffällig. Was ja eher gegen eine Neuromyelitis spricht und frisch ist das Geschehen nicht mehr. 6 Monate!! Oder zählt das noch als frisch?
ralfschmidt84
31.10.2014, 08:47
Ich möchte mal noch einen weiteren Aspekt einwerfen. Könnte es sein, dass Medikamente auch bei kurzfristiger Einnahme bspw Carbamazepin das VEP und möglicherweise das ERG beeinflusst haben??
ralfschmidt84
02.11.2014, 18:02
Hast du noch eine Idee Feuerblick oder jemand anderes?
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