Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gluten-Unverträglichkeit - gibt's das?
Ich hatte mal gelernt, dass Dinkel einfach eine Urform des Weizens ist. Ist das falsch? Muss glatt mal wieder bei Wikipedia vorbei ;-)
Edit: so, Ergebnis von Wikipedia:
Dinkel werden teilweise besondere gesundheitliche Vorteile im Vergleich zu allen anderen Getreidesorten zugeschrieben. Die wichtigste historische Quelle basiert auf Beschreibungen der Hildegard von Bingen in ihrem Buch „Physika“.
Allerdings gibt es bis heute keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über die bessere Verträglichkeit des Dinkels.
Wissenschaftlich gesichert ist bislang lediglich, dass Dinkel bei Zöliakie nicht vertragen wird, da er nicht glutenfrei ist.
Es gibt jedoch Fälle von Weizenunverträglichkeiten, bei denen Dinkel als Ersatzgetreide vertragen wird. Die Grundlage für dieses Phänomen ist unbekannt, sodass in diesem Bereich noch Forschungsbedarf besteht. Die Reinheit des Ausgangsproduktes ist für diese Verbraucher von entscheidender Bedeutung. Dabei muss sowohl bei der Auswahl des Getreides als auch bei der Produktion darauf geachtet werden, dass Weizen dem Produkt fernbleibt.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Dinkel#Ern.C3.A4hrungsphysiologische_Eigenschaften
Ich gebe allen hier Recht, dass mit Pseudoallergien und -unverträglichkeiten viele Leute sich hervortun und irgendwo zwischen lachhaft und nervig rangieren. Es gibt aber genügend echte und teils sehr belastende Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die wirklich schwerwiegend und damit keinesfalls lächerlich sind, die Zöliakie eben z.B. Gluten ist in Dinkel, Roggen, Gerste, Weizen. Nicht jedoch in Hafer, was aber ursprünglich so angenommen wurde, so dass trotz Deklarierungspflicht von Gluten bei Haferprodukten nichts extra mehr angegeben werden muss. Dummerweise sind dennoch nur die wenigsten Haferflocken glutenfrei, da sie meist ist glutenverarbeitenden Betrieben hergestellt werden und damit kontaminiert sind. Haferflocken aus dem Bioladen gehen aber meist z.B., dort steht dann aber auch extra glutenfrei drauf. Es gibt die klassische Zöliakie, bei der jede Spur von Gluten unbedingt vermieden werden muss und es gibt eine Glutenunverträglichkeit, die wohl noch nicht ganz verstanden ist, aber wohl nicht wie die Zöliakie autoimmunbedingt ist, bei der je nach Ausprägung kleine Kontaminationen vertragen werden können. Die Symptome sind auch andere, also nicht das klassische kleine, schmächtige Kind sondern auch Erwachsene mit der Erstdiagnose, die durch unspezifische Dinge wie Magen- und Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit etc auffallen, die eine in die Richtung gehende vermutete Diagnose meist erst als Quatsch abtun. Das Problem hierbei ist auch, dass es nicht wie bei Lactose z.B. reicht, mal zwei Tage frei davon zu essen und trinken, sondern dass eigentlich mehrere Wochen bis Monate konsequent darauf verzichtet werden muss, auch in Spuren, um einen Effekt zu spüren. Da glutenhaltige Zusätze aber fast überall drin sind und es nicht reicht, einfach auf Gebäck zu verzichten, kann das anfangs wirklich sehr schwer sein, bis man sich mal eingelesen hat.
Es gibt auch eine reine Weizenallergie, bei der wohl ein Protein, das eben nicht Gluten ist und das eben nicht im Dinkel ist, das Problem darstellt, so dass eben in diesem Fall Dinkel völlig ok ist.
Durch diverse (echte!) Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Freundeskreis bin ich da wirklich sehr sensibel, auch wenn es so Kandidaten gibt, die ich nur zu sehen brauche und mich frage, welche ominösen Dinge die wohl wieder nicht vertragen ;-) Aber sowohl ein schockiges Kind nach einem Krümel eihaltigem Kuchen oder das vierjährige spindeldürre Mädchen mit dauerhaften Schmerzen erlebt zu haben, das nach etlichen Monaten endlich die Diagnose Zöliakie bekommen hat zu einem Zeitpunkt, wo der Darm so kaputt war, dass sie eine Fructoseintoleranz entwickelt hatte und eigentlich nichts mehr essen konnte bei eh schon vorbestehender Lactoseintoleranz in einer Ausprägung mit blutigen Durchfällen, lassen mich das alles nicht direkt als Quatsch abtun.
Bei uns gibt es übrigens Weizen, Nutella auf Verlangen (so selten, dass jedesmal klar gesagt werden kann), Gummibärchen und derzeit viel zu viele Adventskalendersüßigkeiten ;-)
Colourful
08.12.2014, 09:29
Hier wird allerdings oft bei Kaffeeklatsch-Treffen extra ein Dinkelkuchen für die Kinder gebacken (den meine dann nicht essen). Da frag ich mich schon, ob der wirklich so viel gesünder ist. (Und wenn dem so wäre, warum er dann nicht auch für die Erwachsenen angeboten wird :-)).
Bei uns ist übrigens auch Sonntag Nutella-Tag!
Ich bin teilweise auch so eine richtige Öko-Tussi und backe selbst gerne mit Dinkelvollkornmehl, mache auch den Teig für Pizza und Quiche mit Vollkornmehl, also bei uns gibt es das für alle. Würde aber meiner Kleinen dann später auch keine Weizenbrötchen, Nutella oder Süßigkeiten verbieten, da das nicht funktioniert, sondern mich der Nutella-Tag-Fraktion anschließen.
Finde das vielmehr interessant, dass meine Schwester und ich uns jetzt als Erwachsene so ernähren, wie wir das als Kinder gelernt haben und wir da echt drauf achten ohne jetzt zwanghaft zu sein.
Persönlich habe ich ganz subjektiv auch das Gefühl, dass ich Weizen nicht so gut vertrage (und generell auch zuviele Getreideerzeugnisse nicht), esse das dann auch einfach nicht soviel. Und eine Zöliakie habe ich natürlich nicht.
Aber ich würde jetzt meinem Kind keine Glutenunverträglichkeit andichten.
@Muriel: um diese von Dir beschriebenen Kinder geht es ja gerade nicht. Die haben ja eine "echte" Diagnose!!
Das ist mir schon klar. Nur ist der Weg zur Diagnose halt auch durchaus nicht zu unterschätzen. Es ist ja nicht so, dass das Kind einmal Bauchschmerzen hat, man nimmt mal Blut ab und tadaa ist die Diagnose da. Das kann sich über Jahre ziehen und weitere ewige Monate brauchen, um wieder ausgeglichen zu sein mit richtiger Ernährung. Und eben weil ich da etwas sensibilisiert bin, versuche ich, möglichst unvoreingenommen zu sein. Dennoch bin ich mir sicher, dass mindestens 80% aller "ich vertrage das nicht und habe ne ganz fürchterlich schlimme Allergie"-Aussagen völliger Humbug sind und werde auch bei diesen Leuten wahnsinnig ; -)
BetterCallSaul
09.12.2014, 17:26
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23648697
No effects of gluten in patients with self-reported non-celiac gluten sensitivity after dietary reduction of fermentable, poorly absorbed, short-chain carbohydrates.
Gastroenterology. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23648697#) 2013 Aug;145(2):320-8.e1-3. doi: 10.1053/j.gastro.2013.04.051. Epub 2013 May 4.
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