Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Visite - wer ist dabei?
Ich gebe euch Recht, dass die Visite wichtig ist und die Pflege dazugehört, allerdings lässt sich das im Frühdienst (3 Pflegekräfte, 40 Patienten) nicht leicht organisieren. Das ist m. M. nach ein Fehler im System. Bei Personalreduzierung müssen ja leider irgendwelche Tätigkeiten darunter leiden. :-(
Mit dem Argument könnte man auch die ärztliche Visite abschaffen... ist wichtig und gehört eigentlich dazu, aber die Ärzte sind einfach überlastet bei 1 Arzt zuständig für 30+ Patienten und damit ist das einfach nicht leicht zu organisieren. Immerhin sind Entlassungen, Aufnahmen, Aufklärungen, Angehörigengespräche, Briefe schreiben ja auch noch zu machen. Irgendwelche Tätigkeiten müssen da ja drunter leiden. Also sparen wir uns doch die Visite ganz dann sind auch die Pflegekräfte entlastet...
Hm ich sehe, alle hätten gerne eine gemeinsame Visite. Die Begründung, dass das nicht stattfindet ist meist Personal-/Zeitmangel.
Aktuell erlebe ich auch, dass von den meisten pflegenden Kollegen die Visite als notwendiges Übel erlebt wird und gar nichts Positives daran gesehen wird. Ich habe das von einer anderen Station/Klinik auch schon ganz anders erlebt. Dort war auch die Zeit knapp, aber die Kollegen sind trotzdem mitgekommen. Es fühlte sich nach Team an. Der Patient wurde auch von der Pflege "präsentiert" (wir haben heute schon dies und jenes gemacht, er war so und so mobilisiert, wir haben mit der Ernährung/SK Probleme etc., Schlucken klappt/klappt nicht). Wenn ich das so vergleiche , habe ich einfach das Gefühl, dass das auch ein anderes Selbstverständnis war und den Kollegen bewusster war, wie wichtig sie und ihre Informationen für uns Ärzte sind.
Bei meiner jetzigen Stelle kann ich mich leider nicht auf Informationen von der Pflege verlassen. In meiner alten Klinik kannte die Pflege die Patientin wirlich gut. Die wussten, was bei dem Patienten gemacht wurde, wie es weiter geht, was so geplant ist. Wenn ich das unsere Schwestern frage, höre ich immer nur "das weiß ich nicht, ich kenne den Patienten erst seit heute morgen". Möchte mal wissen, was die bei den Übergaben besprechen... :-wand
mitallemundscharf
20.12.2014, 12:48
Ich finde zumindest in der Inneren absolut wichtig, dass die Pflege mit zur Visite geht. Das ist bei uns auch immer so, nur in Ausnahmefällen gehe ich alleine. Früher in der Unfallchirurgie bin ich öfter alleine gegangen, da fand ichs aber auch nicht so tragisch. Aber in der Inneren finde ich es wichtig, dass mir die Pflege sagt, ob es Besonderheiten in der Nacht gab, ob die Patienten essen/trinken, ob sie sich selbst versorgen können/ mobilisiert werden können (V.a. im Hinblick auf die weitere häusliche Versorgung, usw. Dann möchte ich, dass die Pflege direkt mitbekommt, welche und warum ich an der Medikation Änderungen vornehme, Untersuchungen anmelde, etc. Und für wann ich Entlassungen plane, sodass man ggfs. gleich nen Transport bestellen kann usw. Ich finde das ist effektiver, am Ende spart es dann meiner Meinung nach Zeit und es gehen weniger Infos verloren. Ich bin aber auch Fan von kurzen Visiten, ich mach das immer so:
Wir haben um 8.00 Frühbesprechung. Ich komme meist zwischen 7.00 und 7.30 Uhr, schaue mir die Neuaufnahmen der Nacht an, gehe neue Befunde durch und notiere mir die wichtigsten Sachen zu jedem Patienten auf dem Stationszettel, den ich jeden Tag neu erstelle. Damit lege ich dann auch schonmal grob das Prozedere für den Tag fest. Um 8.00 ist dann Besprechung, die je nachdem bis ca. 8.30 Uh-9.00 Uhr endet. Anschließend gehe ich auf Station und gehe dann gleich Visite, wenn die Pflege gerade noch was fertig machen muss, diktiere ich noch nen Brief oder so. Bei der Visite schaue ich dann kurz zu den Patienten, schaue, wies Ihnen geht sage ihnen, wies weitergeht und mache Anordnungen. So bekommts die Pflege direkt mit. Wenn Patienten mehr Gesprächsbedarf haben, dann sage ich Ihnen, dass ich nach der Visite nochmal zu Ihnen komme, damit die Pflege nicht so lange warten muss. Die Visite für meine Station (20 Betten) dauert so selten länger als 1 Stunde, eher weniger.
Wenn mittags dann die Laborwerte da sind, mache ich nochmal ne Art Kurvenvisite alleine. Das hat sich bewährt, denn meistens kann sowohl ich, als auch die Pflege anschließend die jeweiligen anderen Tätigkeiten in Ruhe durchführen, man hängt nicht ständig am Telefon oder wird wegen Fragen unterbrochen.
Gallilei
20.12.2014, 13:39
Anderes Fach zwar, aber so in etwa habe ich das auch immer gehandhabt und bin eigentlich gut damit gefahren. Es gab aber auch die Dienstanweisung bei uns, dass die Pflege mitgehen muss, das erleichtert sicherlich aufkeimende Diskussionen.
Ich denke der Punkt den mundschaaf genannt hat ist ganz entscheidend: Die Visite muss schnell und effektiv ablaufen - das erhöht zumindst ganz allgemein die Akzeptanz deutlich...
Snowcake
20.12.2014, 21:34
In dem Haus, wo ich meine Kinderkrankenpflegeausbildung gemacht habe war es Pflicht und Standard, dass die Pflege bei allen Visiten mit dabei war.
Ich bin aber auch Fan von kurzen Visiten, ich mach das immer so:
Wir haben um 8.00 Frühbesprechung. Ich komme meist zwischen 7.00 und 7.30 Uhr, schaue mir die Neuaufnahmen der Nacht an, gehe neue Befunde durch und notiere mir die wichtigsten Sachen zu jedem Patienten auf dem Stationszettel, den ich jeden Tag neu erstelle. Damit lege ich dann auch schonmal grob das Prozedere für den Tag fest. Um 8.00 ist dann Besprechung, die je nachdem bis ca. 8.30 Uh-9.00 Uhr endet. Anschließend gehe ich auf Station und gehe dann gleich Visite, wenn die Pflege gerade noch was fertig machen muss, diktiere ich noch nen Brief oder so. Bei der Visite schaue ich dann kurz zu den Patienten, schaue, wies Ihnen geht sage ihnen, wies weitergeht und mache Anordnungen. So bekommts die Pflege direkt mit. Wenn Patienten mehr Gesprächsbedarf haben, dann sage ich Ihnen, dass ich nach der Visite nochmal zu Ihnen komme, damit die Pflege nicht so lange warten muss. Die Visite für meine Station (20 Betten) dauert so selten länger als 1 Stunde, eher weniger.
20 Patienten in 1h. D.h. du auskultierst, schaust nach Ödemen, Schleimhäuten und sonstigen Individualbefunden, sprichst und erklärst Therapien patientenverständlich mit presbyakusen und weitgyrigen Omis und dokumentierst das alles noch adäquat im Mittel 3 Minuten pro Patient. Respekt, nehme ich dir aber nicht ab. Welche Fachrichtung Innere?
Wenn du da so straff durchbügelst kommt bestimmt wenig nachträglicher Gesprächsbedarf oder? Die sind gar nicht so schnell sortiert für Fragen, vorher oder nachher... 😉
Hoppla-Daisy
20.12.2014, 22:29
Mal ne ganz andere Frage: Wie oft wird bei euch ne Visite durchgeführt? Nur morgens, oder auch noch nachmittags?
1x morgens nach dem Frühstück mit den Kollegen. Als Chefdackel auf Privat 2x (auch nachmittags)
Hoppla-Daisy
20.12.2014, 22:41
Mich nervt es MASSIV, dass bei uns jeden Tag zweimal Visite gemacht wird. Jeder Patient wird zweimal visitiert. Also ich find das toooootal übertrieben. Was uns DAS an Zeit kostet.... seufz. Ich bin der Meinung, dass einmal Visite am Morgen reicht, um den Fahrplan für den Tag festzulegen. Nachmittags kann man dann - betrifft m. E. eigentlich nur die operativen Fächer - natürlich noch die an diesem Tag operierten Patienten visitieren. Aber das reicht dann auch, wie ich finde.
Wir hatten damals früh morgens OA/Chefvisite, bei der alle frisch operierten des Vortags sowie die anstehenden Entlassungen angeschaut wurden. Ggf wurden auch noch die "Eier" vorgestellt. Den Rest der Station hat dann der Stationsarzt geschaut. Am Nachmittag kam dann der OA, um die Aufnahmen des Tages zu sehen, ggf auch hier noch mal Patienten, bei denen Diskussionsbedarf bestand. Das reicht völlig, finde ich.
Neuro 1x /Tag Visite(je 1x/Woche OA und CA Visite); Frühreha Phase B 2x/Tag Visite; Stroke, um die Strokeprozedur abrechnen zu können entsprechend häufiger(alle 6h am Tag, 8h in der Nacht)
mitallemundscharf
21.12.2014, 11:54
20 Patienten in 1h. D.h. du auskultierst, schaust nach Ödemen, Schleimhäuten und sonstigen Individualbefunden, sprichst und erklärst Therapien patientenverständlich mit presbyakusen und weitgyrigen Omis und dokumentierst das alles noch adäquat im Mittel 3 Minuten pro Patient. Respekt, nehme ich dir aber nicht ab. Welche Fachrichtung Innere?
Wenn du da so straff durchbügelst kommt bestimmt wenig nachträglicher Gesprächsbedarf oder? Die sind gar nicht so schnell sortiert für Fragen, vorher oder nachher... 😉
Ja Innere- Das kannst du mir abnehmen oder nicht, meine Visite dauert selten länger als eine Stunde-
Wie ich in dem Text bereits geschrieben habe, erkläre ich die Therapien patientenverständlich NACH der Visite, dazu brauche ich keine Pflegekraft, die nebendran steht und wartet- dokumentieren tu ich relativ wenig, da ich den Großteil der Patienten von Anfang bis Ende begleite und wichtige Sachen direkt in den Arztbrief schreibe- wir haben eine gute Arztkontinuität auf den Stationen, da wir unsere Dienste wochenweise machen und so i.d.R. ein Arzt mindestens durchgehend 1-2 Wochen eine Station betreut-ausführliche Dokumentationen mache ich auch NACH der Visite, sodass auch hier keine Pflegkraft gebunden ist-sprich, alles, was ich auch ohne Pflege tun kann, mache ich Vor bzw. NACH der Visite-
und zum Thema untersuchen: wenn ich jemanden mit ner dekompensierten Herzinsuffizienz habe und sehe, dass er unter Diurese jeden Tag 1 kg abnimmt, er keinen Sauerstoff mehr braucht und einmal kurz auf die Beine schaue und die Lunge horche, dann schafft man das tatsächlich locker in 3 Minuten... Und wenn so ein Patient z.B. bei Aufnahme einen unauffälligen Schilddrüsenbefund hat, dann brauche ich nicht jeden Tag die Schildkröte abtasten... Das mag mancher anders sehen, aber ich halte das für effektiv-
und btw.: ohne jetzt Selbstbeweihräucherung zu betreiben bekomme ich sowohl von meinen OÄ als auch von den Patienten gutes Feedback, gerade WEIL ich mir die Zeit nehme, nach den Visiten nochmal zu Patienten mit Redebedarf zu gehen und die Therapie mit ihnen ausführlich zu besprechen. Deshalb gehöre ich auch zu den Kollegen mit den meisten Überstunden in unserer Abteilung. Aber meine Visiten sind trotzdem kurz und kosten die Pflege selbst wenig Zeit....
Stephan0815
21.12.2014, 12:30
Visiten um 8 in der Inneren ist aber auch schwierig durchzuführen, da sind ja nicht mal alle Patienten gewaschen... Zum Thema "Semmelservice": Es gibt Verfahrensanweisungen, die vorschreiben innerhalb welcher Zeit das Frühstück beim Patienten stehen MUSS (c.a. eine Stunde nach Ankunft auf Station). Nur mit dem Essenausteilen ist es natürlich nicht getan. BZ muss gemessen und Insulin gespritzt werden (und das in der Inneren auch nicht gerade bei wenigen Patienten).
Ich gebe euch Recht, dass die Visite wichtig ist und die Pflege dazugehört, allerdings lässt sich das im Frühdienst (3 Pflegekräfte, 40 Patienten) nicht leicht organisieren. Das ist m. M. nach ein Fehler im System. Bei Personalreduzierung müssen ja leider irgendwelche Tätigkeiten darunter leiden. :-(
An deinem Kommentar erkennt man eigentlich ganz klar, daß auch ein Wertigkeitsproblem vorliegt, à la:
"Patienten sind ja noch nicht gewaschen" vs Patient wird früh untersucht, um Therapie festzulegen
Für die Pflege wichtige Sachen kreuzen sich mit ärztlichen wichtigen Sachen, die bei der einen Seite zu Unannehmlichkeiten (der Patienten) führen mag, auf der anderen (ärztlichen) Seite aber evtl. überlebenswichtigen Entscheidungen (für den Patienten) gegenübersteht.
Das wird leider oft von der pflegerischen Seite verkannt, bzw. schlicht aus zu geringem Einblick in das Gesamtgeschehen nicht erkannt.
Natürlich muss von ärztlicher Seite auch Rücksicht auf die pflegerischen "Stosszeiten" genommmen werden, viel wichtiger dürfte aber sein, daß von ärztlicher Seite das Pflegepersonal mehr in das klinische Geschehen eingebunden werden müsste. Sprich, man müsste auch regelmäßig zusammen mit jemandem vom Pflegepersonal eine Kurvenvisite durchführen, die dann auch in der Übergabe Berücksichtigung finden müsste. So könnte man die relevanten Infos von den weniger relevanten trennen und der Pflege auch die ärztlichen Bedenken bzw. den Blick auf bestimmte Risikopatienten verdeutlichen.
Das Hauptproblem dabei dürfte der auf beiden Seiten vorhandene Zeitmangel sein.
Stephan0815
21.12.2014, 12:40
Ein Beispiel fällt mir dazu noch ein.
Ein Patient mit Leberzirrhose, starker Wassereinlagerung, zerebraler Minimalfunktion, Pflegefall.
Die Pflege beschwert sich nach 2 Wochen, wann der Patient endlich von Station kommt, das wäre eine starke Arbeitsbelastung.
Antwort von der ärztlichen Seite: Sobald die Einfuhr- /Ausfuhrbilanz klappt und der Patient rekompensiert wurde.
Bislang wurde auf pflegerischer Seite hauptsächlich die neue Praktikantin für den Patienten eingesetzt, die ihm natürlich (weil sie ja so nett ist) immer ein neues Glas Wasser auffüllte, da der Patient ja immer soviel Durst habe.
Da die Praktikantin natürlich keine Ahnung von Bilanzierung hat, wurde das über 2 Wochen auch nicht notiert.
Als die Pflege dann gerafft hat, daß sie selbst bislang dafür verantwortlich war, daß der Patient weiter auf der Station vor sich hinsuppte, lief die Flüssigkeitsbilanzierung ziemlich zügig.
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