Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gefahr durch Biosimilars ?
...Gernerika, okay. Da ist es mir als Patient doch egal, wer nun mein ASS produziert, schließlich sieht das Molekül doch immer gleich aus.
Aber ich mache mir Sorgen bei den so genannten Biologicals. Ab diesem Jahr dürfen nämlich monoklonale Antikörper durch "Generika" = Biosimilars ersetzt werden.
Nur mit dem Unterschiede, dass ein generischer AK nicht absolut da gleiche Molekül darstellen wird. Durch eine andere Charge können Mutationen auftreten, die andere Glykosilierungsmuster, eine etwas andere Tertiärstruktur und und und zu Folge hat.
Was denkt ihr? Wird das vielleicht ein zukünftiges Problem darstellen?
Lissminder
29.01.2015, 19:15
Da gibt es ab 2015 eine Neuregelung. Das habe ich auch vor paar Tagen gelesen.
Betrifft meines Wissen vor allem monoklonale AK für die Rheuma-Therapie.
Andererseits weiß man doch nie, ob ein Medikament, dessen AK vor 10 Jahren auf dem Markt gekommen hat, heute noch der absolut identische ist.
So viel wie ich weiß wird für die Produktion nicht die Stammkultur, sondern nur eine daraus hervorgegangene Zelllinie aufgetaut. Da können ebenfalls schon Mutationen entstanden sein.
Phosphorsalzperle
29.01.2015, 19:20
ich muss mal ganz doof fragen:
was ist denn genau der Unterschied zw. Generika und Biosimilars?
Ist das nur eine begriffliche Unterscheidung, dass biologische Generika nun Biosimilars genannt werde oder gibt es noch einen anderen Unterschied?
[...] was ist denn genau der Unterschied zw. Generika und Biosimilars?
Ist das nur eine begriffliche Unterscheidung, dass biologische Generika nun Biosimilars genannt werde oder gibt es noch einen anderen Unterschied?
Generika sind hundertprozentig wirkstoffidentisch mit dem Originalpräparat. Bei komplexeren Biopharmazeutika kann das nicht funktionieren, weil bei unterschiedlichen Produktionsverfahren definitiv unterschiedliche Moleküle rauskommen werden - biologische Generika gibt's nicht. Dementsprechend sind auch die Zulassungsbedingungen andere. Bei Generika muss, wenn ich's recht entsinne, nur die Bioverfügbarkeit gleich sein, bei Biosimilars reicht eine Phase-III-Studie für eine Indikation des Originals, deren Ergebnis auf weitere Indikationen des Originals ausgeweitet werden kann.
[...] Andererseits weiß man doch nie, ob ein Medikament, dessen AK vor 10 Jahren auf dem Markt gekommen hat, heute noch der absolut identische ist.
So viel wie ich weiß wird für die Produktion nicht die Stammkultur, sondern nur eine daraus hervorgegangene Zelllinie aufgetaut. Da können ebenfalls schon Mutationen entstanden sein.
Den Einwand verstehe ich nicht. Die absolute Identität der Wirkstoffmoleküle kann naturgemäß nichtmal in einer Flasche, geschweige denn einer Charge, sichergestellt sein - braucht's ja auch nicht. Die genetische Identität der produzierenden Organismen mit der Stammkultur kann aber jederzeit überprüft und sichergestellt werden, die synthetisieren ja nicht unbeobachtet vor sich hin.
Lissminder
30.01.2015, 07:13
Den Einwand verstehe ich nicht. Die absolute Identität der Wirkstoffmoleküle kann naturgemäß nichtmal in einer Flasche, geschweige denn einer Charge, sichergestellt sein - braucht's ja auch nicht. Die genetische Identität der produzierenden Organismen mit der Stammkultur kann aber jederzeit überprüft und sichergestellt werden, die synthetisieren ja nicht unbeobachtet vor sich hin.
natürlich ist die absolute Identität nicht zwangsläufig notwendig, aber wer sagt mir denn, ab wann kleine Veränderungen doch Einflüsse auf die Wirkung haben, bspw. auf Kinetik und Dynamik. Wirkverlust oder auch Wirkverstärung sind doch dann eine potentielle Gefahr.
Klar, um diese potentielle Gefahr geht's.
Dein Einwand war, die aktuell produzierenden Organismen könnten genetisch von der Stammkultur abweichen. Beim gleichen Hersteller stellt sich die Frage nicht, weil er den Produktionsprozess kontrollieren kann, beim Biosimilar-Produzenten stellt sie sich ebenfalls nicht, weil die Stammkultur von vornherein eine andere ist.
Darum werden diese Produkte eben auch nicht generisch sondern mit biosimilar bezeichnet. Als Arzt/ Apotheke weiß man dann, des es nur eine ähnliche Wirkung hat, aber man nicht von dem identischen Wirkstoff ausgehen kann.
Ihr habt Recht, dass es natürlich eine gewisse Grauzone gibt, wo eben durch Mutationen auch erhebliche Veränderungen in der Pharmakodynamik/-Kinetik auftreten können. Es ist aber auch nicht leicht diese Antikörper herzustellen. Das gleicht mehr dem Bierbrauen als einem technologischen Prozess.
Es ist aber auch nicht leicht diese Antikörper herzustellen. Das gleicht mehr dem Bierbrauen als einem technologischen Prozess.
:-party dann weiß ich jetzt welche richtung ich später einschlage. der job würde mir gefallen.
StuartProwerFaktor
01.02.2015, 21:36
Eine Möglichkeit, die irgendwie immer ausgelassen wird, ist noch folgende:
Vielleicht ist das Biosimilar ja sogar besser. Genau wie Generika durchaus besser sein können, da sich diese Unternehmen durchaus Zeit lassen können an der Galenik zu schrauben. Aber ich glaube Sorgen muss man sich da nicht machen, eine Überprüfung findet ja schon statt, und wenn ein AK ein wenig anders aussieht, dann ist das halt so. Kann ja, so lange die variable Domäne gleich bleibt, auch konsequenzlos bleiben. Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass der Rest des AKs (Fc-Teil) funktionsfähig bleibt, ich denke eine Mutation ins Funktionslose ist hier eher sehr unwahrscheinlich.
Außerdem hat ja auch der Originalhersteller das Problem der Chargenhomogenität, die ja letztlich auch immer ein etwas anderes Produkt hervorbringt ...
Eine Möglichkeit, die irgendwie immer ausgelassen wird, ist noch folgende:
Vielleicht ist das Biosimilar ja sogar besser. Genau wie Generika durchaus besser sein können, da sich diese Unternehmen durchaus Zeit lassen können an der Galenik zu schrauben.
Naja, gemeint ist auch das "unkontrollierte an der Galenik schrauben" Es ist einfach schlecht, wenn auf einmal die HWZ länger oder kürzer ist, der AK andere Metabolisierungswege geht oder sich andere NW / Interaktionen ergeben.
AK's, die nur aus dem Fab-Fragment bestehen, stellen da schon eine gute Entwicklung da.
Lissminder
03.02.2015, 16:54
Wir als Apotheker werden nun aber vor die Aut-idem-Regelung gestellt.
Verschreibt der Arzt ein Biosimilar und setzt kein Aut-idem-Kreuz, muss der Apotheker das Mittel austauschen, wenn es eine preisgünstigere Alternative gibt. Und das ist in meinen Augen schon eine nicht ganz unbedenkliche Entscheidung.
Also bitte lieber verschreibende Ärzte kreuzt Aut-idem.
Ist dir eine solches Rezept denn schon untergekommen? Mir noch nicht.
Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt schon AK's verkauft habe. Bei uns sind die ziemlich selten. Meines Wissens werden viele auch iv verabreicht, sodass sich die Anwendung auf die Klinik beschränkt.
"Apotheker können von der Substitution bzw. der Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel absehen, wenn dem im konkreten Einzelfall – aus Sicht des Apothekers – pharmazeutische Bedenken (ApBetrO § 17 Abs. 5) entgegenstehen."
bzw.
"Aufgrund der unterschiedlichen Herstellungsprozesse und der daraus ggf. resultierenden pharmakologischen Unterschiede sind Biosimilars nicht wirkstoffgleich und unterliegen daher nicht der Aut-idem-Regelung des SGB V und des Rahmenvertrags. [...] Ein namentlich verordnetes Original darf daher nicht gegen ein entsprechendes Biosimilar ausgetauscht werden."
(http://www.deutschesapothekenportal.de/biologicals_main.html)
Phosphorsalzperle
06.02.2015, 09:12
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=39103
hier steht was anderes. Bei Epo gibt es wohl einige Ausnahmen.
"Der Austausch von Präparaten ist immer ein Problem. Hiervon kann die Apothekerschaft spätestens seit »Erfindung« der Rabattverträge ein Lied singen. Dieses Problem bekommt nun eine neue Facette. Denn aktuell geht es um den Austausch von Biologicals, konkret um Epoetin-Präparate, Präparate, die den Granulozyten-Kolonie stimulierenden Faktor enthalten und um Interferon beta-1b-Präparate.
Wichtig zu wissen ist, dass es drei Klassen von Biologicals gibt: Innovator-Produkte, Biosimilars und Bioidenticals. Kompliziert wird die Interpretation der getroffenen Vereinbarung zwischen DAV und GKV-Spitzenverband dadurch, dass es bei Innovator-Produkten und auch bei den Biosimilars bioidentische Produkte gibt. Diese Bioidenticals sind dadurch definiert, dass der Herstellungsprozess der Wirkstoffe identisch ist und sie deshalb absolut gleich sind. "
Da steht genau das gleiche, weil ein Biosimilar eben kein Bioidentical ist.
Genau und daher ist es für uns eigentlich denkbar einfach diese AK'a abzugeben. Und wie ich auch schon gesagt habe, kommt das nicht oft vor. Das tägliche Geschäft bestimmen ganz andere Wirkstoffe. Trotzdem ist das Gebiet der AK's rasch am fortschreiten und ich denke auch die Therapie der zukunft. Wir könnne da sicher noch einiges erwarten. Ich bin gespannt...
Phosphorsalzperle
10.02.2015, 18:32
Ja Minoo,
da gebe ich dir Recht. Biologicals sind irgendwie "in". Wahrscheinlich weil wir immer noch nicht die weitreichenden Funktionen von unserem Immunsystem komplett erfasst haben. Das Therapiegebiet bietet also Hoffnung auf neue Therapieoptionen.
Leider sind viele dieser Arzneistoffe nur zu teuer, dass bislang nur wenige davon profitieren können.
Wünschenswert wäre eine bezahlbare Behandlung für jeden mit rekombinanten Wirkstoffe.
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