Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Zu blöd" für die Chirurgie?
Ich drücke dir die Daumen! Vielleicht kannst du das ganze ja auch als Art Expositionstherapie aufziehen. Erstmal nur Einschleusen und vielleicht bis zur OP-Tür, dann reingehen, dann zuschauen und dann an den Tisch.
Jemand, den die Chirurgie fasziniert, wird mit Phys Med garantiert nicht glücklich. Und mit Anästhesiologie auch nicht.
Such dir fürs PJ eine Klinik, in der die gute Atmosphäre auf pj-ranking.de explizit hervorgehoben wird. Kann ja auch im Ausland sein. Mit Psychos muss und soll man nicht zusammenarbeiten, dafür ist die Arbeitsmarktlage viel zu gut. Parallel dazu kannst du dir ja wirklich etwas psychologische Hilfe suchen, um mit Spinnern (die es vereinzelt leider fast überall gibt) besser umgehen zu lernen.
arbeiter79
18.04.2016, 20:38
Wenn dich so ein Vorfall dermaßen mitnimmt ist die Chirurgie wahrscheinlich wirklich nichts für dich, selbst wenn du das überwindest, irgendwann kommt wieder was ähnliches, einer will Dampf ablassen oder zeigen wie toll er ist... und bist du selber die Materie so beherrscht das dir kaum einer mehr was vormachen kann wirds viele Jahre dauern, nicht nur paar Monate als Assistenzarzt.
So ist das leider immer noch im op, kotzt mich auch an aber ich habs ertragen ohne so zu reagieren paar Jahre, besser klargekommen bin ich damit aber auch nicht mit der Zeit. Habe den op gehasst, auch als erfahrener Assi in der Chirurgie.
Seit ich nicht mehr operativ tätig bin, hat sich nicht nur mein Arbeitsleben grundlegend verbessert.
Das mit der Anästhesie stimmt übrigens, da lernt man das operieren nicht aber kriegt viel (mehr) von dem mit was sonst so im op passiert, rund um die Op
Elluschka
19.04.2016, 14:08
Hallo Queasel,
der Unfallchirurg, der diese Bemerkung damals zu Dir gemacht hat, hat das bestimmt schon längst vergessen und zig Famulanten nach Dir auf ähnliche Weise "zusammengefaltet".
Es tut mir Leid, dass Dir das so nahe geht und ich kann auch verstehen, dass es Dich stark verletzt und verunsichert hat. Allerdings hilft Dir das jetzt auch nicht weiter.
Ich kann Dir die Urologie empfehlen. Hier gibt es auch viele kleine Eingriffe, die ambulant durchgeführt werden können.
Vielleicht interessiert Dich ja auch interventionelle Radiologie? Du musst Dich doch jetzt nicht an Ortho/UChi klammern, wenn Du dabei leidest. Rheumatologie ist zwar ein internistisches Fach, aber wenn Du Knochen, Gelenke und Schmerztherapie magst, passt das doch auch.
LG
Arrhythmie
05.05.2016, 14:00
Gibt es hier ein Update? Würd mich mal interessieren welchen Weg das nun geht...
Oha Entschuldigung...das wird ein sehr spätes Update...
Also ich habe versucht nochmal mit Ärzten, die ich kenne in den OP zu gehen. Einfach mal was dagegensetzen...war ohnehin schon nicht sonderlich entspannt, aber die OP Pflege dort hat mich auch wieder drauf gebracht, was mich an dem Arbeitsklima da drin so ankotzt.
Therapeutisch habe ich auch versucht, das anzugehen, weil ich solche Reaktionen von mir nicht kenne. Geholfen hat das leider gar nicht. Inzwischen synkopier ich teilweise aus reiner Panik ohne größere Vorwarnung ins Sterilfeld. Und das ist sooo ätzend.
Ich bin jahrelang Rettungsdienst gefahren, hab in Notaufnahme und auf ITS gearbeitet. Mich schockt normalerweise gar nichts. Ich bin aöso kein Typ Aaaahhhh oh Gott ich kann kein Blut sehen oder so...
Nur OP geht halt irgendwie gar nicht mehr. Zu allem Überfluss geht in einer Woche mein Chirurgie Tertial los. Habe ernsthaft überlegt, eine Schwangerschaft vorzuschützen (nein, tu ich natürlich NICHT!!!)
Ah ja...und der erwähnte "nette" Oberarzt ist inzwischen übrigens Chefarzt...
LG
Queasel
Dann sag in der Chirurgie eben, dass du gerne Stationsarbeit machst (Briefe, Pat. aufnehmen, BE...Ambulanz?), aber aus gesundheitlichen Gründen nicht in den OP kannst. Ich denke, da wird dir keiner einen Strick daraus drehen. Der Operateur will ja auch keinen, der in den Situs reinfällt.
Ach ich seh grad, von diesem Oberarzt hab ich noch gar nicht erzählt.
Im Groben hab ich von ihm während eines Praktikums in einem Wutanfall gezielt (!) das Skalpell abbekommen...bei einer fraglich HIV-positiven Patientin. Es gab bis heute keine Entschuldigung. Einzige Aussage war: "Ich glaube, Sie brauchen einen neuen Handschuh".
Die Anästhesistin hat mich dann aus dem Team genommen und zur BE geschickt.
In der Ambulanz war dann schon völlig klar, dass das ein blöder Unfall war (bevor ich irgendwas dazu sagen konnte), hatte das OP Team schonmal unten so klargemacht. Die Anästhesistin sagte später unter vier Augen zu mir es täte ihr leid, sie wüsste dass es anders gewesen sei, aber dagegen werde ich nicht ankommen.
Das hat meine Liebe zur Chirurgie glaub ich dann endgültig gekippt...
Neuling2017
03.03.2017, 19:37
Hey, das klingt ja wirklich nicht gut! Warum machst du denn in dem Haus dein PJ, ging es nicht anders? Rotiert du wenigstens auch in andere Abteilungen?
Ganz ehrlich, ich würde wirklich eine mögliche Schwangerschaft vortäuschen. Kannst ja sagen, du könnnest schwanger sein, da ihr grade übt :-)
Macht dich vielleicht nicht unbedingt beliebt, aber wenn du dafür auf Station fleißig hilfst mit BE, Verbänden und Briefen werden sich die Assistenzärzte trotzdem freuen, dass da noch wer ist. Auch wenn du sie im OP nicht ersetzen kannst. Aber vielleicht immer noch besser, als ins Sterilfeld zu fallen...
Liebe Grüße und alles Gute!
WackenDoc
03.03.2017, 19:49
Sowas geht gar nicht das mit dem Skalpell.
Scheint aber kein Einzelfall zu sein. Ich frage mich aber immer wieder, was einen eigentlich halbwegs intelligenten Menschen, der ja einen Beruf ergriffen hat, bei dem man mit Menschen arbeitet zu so einem asozialen Verhalten bewegt.
Hallo- gezielt ein Skalpell gegen einen Menschen einsetzen und das auch wenn potenziell kontaminiertes Blut im Spiel ist???? Geht´s noch.
Sowas sollte man eigentlich anzeigen, ist aber natürlihc schwierig, wenn der Rest es vertuscht.
Was das Chirurgietertial angeht- lass dir vom Hochschularzt eine Bescheinigung ausstellen, dass du nicht im OP arbeiten kannst. Keine Begründung, nichts weiter. Solange du auf Station und der Ambulanz arbeiten kannst,reihct das. Es heisst Chirurgietertial und nicht OP-Tertial.
Oder du fällst noch ein paar Mal mehr in´s OP-Feld, dann hat sich das mit dem OP eh erledigt.
Coxy-Baby
03.03.2017, 20:02
Vollidioten gibts überall. Du bist Student/in , da gibt es doch diverse Möglichkeiten dem OP zu entgehen, von direkter Ansage "kein Bock" über "ich hab Kreislauf" und als Ultima Ratio "ich könnte schwanger sein" , wobei es dann mit BE und Verbänden auch Essig sein dürfte.... ansonsten ist PJ ja auch nochmal eine tolle Chance sich ein dickeres Fell zuzulegen.... und wenn gar nichts geht, kurzschliessen mit dem Studiendekanat.
SpekulatiusLebkuchen
03.03.2017, 20:37
[QUOTE=arbeiter79;1924365]Wenn dich so ein Vorfall dermaßen mitnimmt ist die Chirurgie wahrscheinlich wirklich nichts für dich, selbst wenn du das überwindest, irgendwann kommt wieder was ähnliches, einer will Dampf ablassen oder zeigen wie toll er ist... und bist du selber die Materie so beherrscht das dir kaum einer mehr was vormachen kann wirds viele Jahre dauern, nicht nur paar Monate als Assistenzarzt.
Dass es in der Chirurgie öfter mal etwas rauer zugeht ist sicher ein Punkt, aber ich finde das sollte kein Argument sein es deshalb nicht zu machen. Ein dickeres Fell kann man sich auch aneignen, das lernt man mit der Zeit, wenn man daran arbeitet. Letztlich muss man sich klar machen, dass es echt armselig ist jemanden so verletzend und laut runter zu putzen. Kritik äußern ja, aber wer es nötig hat Famulanten so runter zu putzen hat doch ein echtes Problem mit seinem eigenen Leben und Umfeld oder was auch immer (egal ob es jetzt berechtigte Kritik ist oder nicht). Probier es aus und, wenn Chirurgie nicht dein Ding sein sollte merkst du das auch selber relativ schnell, auch ohne solche Ansagen. Aber Interesse und Spaß am Fach ist doch schon mal die beste Voraussetzung!
roxolana
03.03.2017, 20:56
Es gibt ja durchaus auch nette Chirurgen und OP-Schwestern. Ich wurde im Chirurgie-Tertial von niemandem blöd angemacht, und wenn ne OP-Schwester mal komisch war, dann weil man sich noch nicht kannte - das hat sich dann schnell gelegt und war auch nie böse gemeint.
Ich würds erstmal probieren und wenns nicht geht, dann gibts ja immer noch Plan B und C usw. Und bei Z.n. mehrfachem Kollaps in den Situs wird dich, wie schon gesagt, ja ohnehin niemand mehr für den OP einteilen. ;-)
Ich bin in 5 Jahren genau einmal mit einer OP-Schwester aneinander geraten und da ist dann ein Anästhesist dazwischen gegangen um mich zu verteidigen. Dabei war ich da wirklich begriffsstutzig ^^ Man muss sich seine Chirurgiehäuser halt klug aussuchen. Anschreien oder am Ende noch verletzen lassen muss man sich heutzutage übrigens wirklich nicht mehr. Und den Arzt mit dem Skalpell hätte ich instant angezeigt.
Ja klar gibt's nette Chirurgen und OP Schwestern. Keine Frage. Ich geh auch grundsätzlich erstmal mit der Einstellung ran dass es nur besser werden kann als bisher ;)
Ich überleg grad ein bisschen wie ich das angehen kann. Macht es Sinn, das schon ziemlich zu Anfang mit jemandem anzusprechen oder geh ich dann direkt als Vollpsycho durch? Wird mir das Tertial überhaupt anerkannt wenn ich nicht assistiere? (Die LMU ist eh schon so nervig was Logbücher angeht)
Blut abnehmen kann ich ansonsten, Briefe und Verbände auch, Nähen ist auch kein Problem, ZNA auch nicht. Bin da wirklich nicht arbeitsscheu.
Und ja das mit der Anzeige hab ich mir überlegt, aber da das OP Team geschlossen hinter ihm stand gab's da wenig Chancen. Da kann ich nur auf Karma hoffen ;)
Danke übrigens für eure Tipps, finde ich sehr nett, offen und hilfreich! :)
Habt ein schönes Wochenende!
Rettungshase
03.03.2017, 23:45
Wie ist denn das "vorgeschützten" Erkrankungen, die verhindern, dass man im OP steht, wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung relevant wird? Nicht, dass man sich hier selbst ein Bein stellt...
Zum einen hab ich schon eine.
Zum anderen würde ich nicht so weit gehen, Erkrankungen zu simulieren. Wie gesagt, ich hätte schon bei der Schwangerschaft Hemmungen.
Also ich hab noch kein verpflichtendes Logbuch fürs PJ gesehen ^^ Da brauchst du am Ende die PJ-Bescheinigung und da stehen nur die Fehltage drauf und sonst nichts. Wenn dein Chefarzt dir das unterschreibt ohne das du im OP warst, wer soll denn das rausfinden? Ausserdem ist der OP für Nicht-Chirurgen auch nicht das wichtigste finde ich. Es ist ganz nett, mal in echt zu sehen, was man sonst nur theoretisch liest, aber viel wichtiger ist das Einschätzen von Patienten in Notaufnahme und Station, Wundbeurteilung und Wundversorgung sowie Beurteilung von Röntgenbildern. Das braucht man auch als Nicht-Chirurg später noch. Ob ich jetzt mal nen Whipple gesehen habe oder nicht, wird mich in meiner internistischen Berufsausübung eher nicht behindern ;)
Wie ist denn das "vorgeschützten" Erkrankungen, die verhindern, dass man im OP steht, wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung relevant wird? Nicht, dass man sich hier selbst ein Bein stellt...
Ich glaube nicht, dass der Chefarzt dafür ein Attest haben will, wenn man sagt, dass man etwas kreislauflabil ist und im OP schnell kollaptisch wird.
vanilleeis
04.03.2017, 13:04
Im Gegensatz zur Geschichte mit der vorgetäuschten Schwangerschaft: Da wirst Du mit Sicherheit zum Betriebsarzt geschickt und die haben dann gerne den Mutterpass, bzw. Kopien der schon gelaufenen Immunitätsnachweis (CMV etc)
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