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Jo.
14.09.2003, 22:03
Ich bin mir jetzt nicht 100%ig sicher, aber wenn Du eine Doktorarbeit gemacht hast, dann hast Du meiner Meinung nach schon Deinen PhD.

In Deutschland ist so:

1. Es gibt rein universitäre Abschlüsse (im engeren Sinne), da hat man dann nach dem Studium offiziell einen Titel (z.B. Magister oder bei Biologie Diplom --> Titel: Dipl. biol., etc.) Wenn man dann eine Doktorarbeit macht, hat man natürlich zusätzlich den entsprechenden den Doktortitel (bei Naturwissenschaftlern, egal ob Biologie, Physik, Chemie etc. --> Dr. rer. nat., bei Geisteswissenschaftlern Dr. phil. ,etc.)

2. Es gibt universitäre Abschlüsse bei denen der Staat ein berechtigtes Interesse an der Überwachung des Ausbildungsniveaus hat, z.B. bei Ärzten, Juristen und Lehrern.
In diesen Fächern gibt es Staatsexamen und keinen offiziellen Titel. Man ist dann eben Arzt oder Jurist. Wenn man dann eine Doktorarbeit macht, hat man einen Doktortitel, der im Vergleich zu den anderen Doktortiteln, z.B. dem der Naturwissenschaftler, auch die Fachrichtung genauer bezeichnet: Dr.med, Dr. iur.

In den USA ist es so:

Nach Abschluß des Medizinstudiums hat man (vergleichbar mit den Naturwissenschaftlern hier) automatisch einen Titel, das ist der MD. Macht man eine Doktorarbeit, dann hat man zusätzlich den PhD, vergleichbar mit dem Dr.rer.nat. bzw. unserem Dr.med. bei uns.

Für die Amerikaner hast Du beide Titel: MD und PhD.

Du kannst, wie gesagt, beides machen: Facharzt und Forschung, oder nur Forschung. Diese Wahl (und vieles andere) haben Biologen und andere Naturwissenschaftler nicht.
Ein zusätzliches Bio-Studium hätte Dir bei weitem nicht soviel gebracht wie Du denkst. Wenn schon, dann hättest Du die Zeit seit dem 1. Semester besser mit wissenschaftlicher Arbeit in einem guten Labor verbracht, das hätte Dir viel mehr gebracht, aber welcher Erstsemestler denkt schon an sowas Durchgeknalltes? :-)) Der Aufwand für ein zusätzliches Studium lohnt sich meiner Meinung nach nicht. In der Forschung zählen nur Veröffentlichungen, alles andere ist bestenfalls zweitrangig.

Ich persönlich würde, wie gesagt, eher zur Möglichkeit "Facharzt und Forschung" tendieren, denn in der "reinen" Forschung:

- konkurrirest Du zusätzlich mit anderen Naturwissenschaftlern die nicht unbedingt auf den Kopf gefallen sind.
- ist das Niveau sicher NOCH ein bißchen höher, da man sich ja full-time der Forschung widmen kann.

Auch sind Deine Aufstiegschancen mit der Möglichkeit "Facharzt und Forschung" viel besser, wenn es später dann nicht zum C3-Prof. / Abteilungsleiter reicht, dann reicht es vielleicht zum Sektionsleiter, auf jeden Fall reicht es zum Chef an den unzähligen Kliniken im Lande, Hauptsache Habilitation sozusagen, wobei es da sogar einige Chefs ohne Habilitation gibt.
Beim derzeitigen Ärztemangel ist zudem auch die Konkurrenzsituation im Vergleich zur "reinen" Forschung eher als entspannt zu bezeichnen.
In diesem Zusammenhang nicht zu vergessen: auch der Verdienst ist mit dieser Kombination später wohl besser.

Aufwendig wird es so oder so, in der Klinik wird Dir aber auch beim Facharzt ein bißchen geholfen, da werden Dir zur Not für den Facharzt auch mal offiziell Sachen bescheinigt für Zeiten, die Du eigentlich im Labor verbracht hast, das wird dann später eben intern ausgebügelt.

Wie es in der Pharmaindustrie genau zugeht weiß ich nicht, ich kenne aber einen, der ist kurz nach dem AIP in die Pharmaindustrie gegangen, klinische Erfahrung heißt ja nicht Facharzt. Auch hier haben Mediziner naturgemäß viel bessere Chancen als Naturwissenschaftler, weil bestimmte Stellen NUR mit Medizinern zu besetzen sind.

Schreib doch mal in welcher Abteilung Du bist, je nach Fachrichtung hat man unterschiedlich viel Zeit für die Forschung zur Verfügung. Innere ist natürlich sowohl in der Klinik als auch in der Forschung sehr aufwendig, dafür gibt es später auch viele Chefarztstellen, in der Mikrobio hat man sehr viel Zeit für die Forschung, dafür gibt es später aber auch nicht ganz so viele Chefarztstellen an außeruniversitären Krankenhäusern etc.
Je nachdem was Dich interessiert und was Deine Ziele sind gibt es wirklich sehr viele Möglichkeiten, Psychiatrie z.B. ist sicher auch gut machbar. Vorklinische Fächer wie Physiologie würde ich persönlich nicht in Erwägung ziehen, aber das hängt von Deinen Zielen ab.

dr.zoidberg
15.09.2003, 18:00
Kurz zum PhD:
Einige Unis in Deutschland bieten mittlerweile alternativ zum Dr. rer. nat. den Titel 'Doctor of Philosophy' - kurz PhD - an. Das ist aber fast überall nur ein anderes Etikett auf dem selben Inhalt: Die Promotionsordnungen sind zumeist absolut identisch. Eingeführt wurde der Titel PhD, um internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse zu erreichen. Der Haken an der Sache: Kein Mensch weiß in Deutschland mit "PhD" was anzufangen, und wenn du ins Ausland oder auf Konferenzen gehst, darfst du dich als promovierter Naturwissenschaftler ohnehin ungestraft "PhD" nennen. Das ganze bringt also meiner Ansicht nach nur Nachteile und ich werde mich hüten, mir meinen Dr. rer. nat. als PhD ausstellen zu lassen.

Wo ich Jo. eindeutig widersprechen muß ist die Frage, ob man sich als promovierter Mediziner 'MD-PhD' nennen darf. Jeder, der in Amerika diesen Titel erhält, hat nämlich _zusätzlich_ zu seinen 3-4 Jahren Studium zum Master und 4 Jahren Medizin noch etwa 4 Jahre Vollzeit naturwissenschaftlich geforscht. Da kommt die deutsche medizinische Spar-Promotion 'Dr. med. ' nicht mal in Ansätzen ran. Also: Dr. med. = MD.

Gruß
dr.zoidberg