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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Darum liebe ich mein Fach



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flopipop
05.06.2017, 16:11
radiologie:
- breites spektrum --> vom scheitel bis zeh und vom sesselradiologen bis interventionalist alles dabei
- meistens pünktlich feierabend
- wenig patientenkontakt, keine stationsarbeit
- niederlassungsmöglichkeiten

milz
17.06.2018, 10:01
Pathologie:
- Es-war-einmal-das-Leben für Erwachsene / Histoporn! :-D : Am meisten fasziniert mich der Mikrokosmos, ein normalerweise unsichtbares Paralleluniversum mit bisweilen hoher Ästhetik, wo man den "Bausteinen des Lebens" und ihren Geheimnissen auf die Spur kommen kann. Näher und unmittelbarer am Geschehen kann man nicht dran sein.
- Vielschichtigkeit auf Makro-, Mikro-, Protein- und Gen-Ebene mit zahlreichen Untersuchungsverfahren (Auge, LM, EM, IHC, ISH, PCR...).
- Detektivarbeit: Selbst aus winzigsten Proben ein Maximum an Information gewinnen und sagen können, was der Patient hat. Ob H.p.-Gastritis oder Basaliom, der Blick ins Mikroskop liefert meist die Antwort.
- Breit gefächert von Kopf bis Fuß.
- Immer noch unverzichtbarer Goldstandard insbesondere der Tumordiagnostik und Basis einer zielgerichteten Therapie. So kann man auch patientenfern viel für den Patienten tun.
- Hohes Maß an Interdisziplinarität (z.B. Tumorkonferenzen).
- Mix aus praktischen und Büro-Tätigkeiten.
- Geregelte familienfreundliche Arbeitszeiten, keine Nachtdienste.
- Gute Zukunftsaussichten, ob Uniklinik, Krankenhaus oder Praxis.

freak1
17.06.2018, 10:28
Radiologie:

- Sehr breites Fach, man hat mit praktisch allen anderen Fachrichtungen (von Rechtsmedizin bis Neonat) zu tun und sieht eine riesige Bandbreite von Erkrankungen + Differentialdiagnosen. Von Stagings über hoch instabile Polytrauma bis hin zu Vorsorgeuntersuchungen ist alles dabei.
- Vom niedergelassenen MSK-Radiologen, über Kinderradiologie bis hin zum 24/7 Neurointerventionisten ist alles möglich!
- 4-Augen-Prinzip und häufig eine FA:AA Quote von ~1:1 mit den entsprechend guten Möglichkeiten der Ausbildung.
- Relativ geregelte Arbeitszeiten, klar ist man "mal" länger da, aber es hält sich in Grenzen.
- Rasante Weiterentwicklung des Fachs. Neue Geräte, Verbesserungen etc., viel Möglichkeit zur Forschung.
- Keine Stationsarbeit! Wenig Patientenkontakt, der eine findet es gut der andere eher weniger.

ananassaft
17.06.2018, 16:04
Wir hatten die Frauenheilkunde noch nicht? Dann los:
Es ist super abwechslungsreich. Operativ, aber nicht nur; konservativ, aber nicht nur; viel handwerkliches (OPs, viel schallen, stanzen...), aber auch viel zum Denken (Stichpunkt Endokrinologie, warum wird die nicht schwanger, was könnte sie haben...).

Gyn:
Ich sag immer ich mach Gyn, weil ich mit Brüsten arbeiten möchte. Dann lachen immer alle. Ich mein das aber eigentlich ernst. Brüste sind super. Brüste operieren ist super, so ne OP dauert nicht ewig, man sieht viel, und man sieht auf den ersten Blick ob der Operateur es konnte oder nicht. Es ist eine ästhestische Aufgabe, das schön wieder hinzukriegen. Und so traurig manche Brustkrebsfälle sind, wenn die Patientin nach ihrer Mastektomie mit Wiederaufbau oder auch nur BET mit Reduktionsplastik/Mastopexie inkl Gegenseite strahlend vor dem Spiegel stehen und ihre Brüste bewundern, dass sie so schön schon lange nicht mehr waren - welchem Krebs kann man sonst noch so direkt was Gutes abgewinnen? Zudem kriegt man viele wieder gesund. Man hat durch die Häufigkeit das komplette Klientel einmal durch, aus jedem Alter, aus jeder gesellschaftlichen Nische kommen die Patientinnen. Das ist super.
Endokrinologie - wieder was komplett anderes, man kann sich niederlassen und Frauen schwängern und sich fühlen wie Gott, wenns einem denn gefällt.

Und dann Geburtshilfe. Hat mich anfangs von Gyn abgehalten, ich hatte null Bock drauf und oft genug sitz ich schwitzend vor so einem CTG und mir geht der Arsch auf Grundeis und nachm Kristellern weiß ich immer nicht wer gerade fertiger ist, die Frau, das Kind oder ich, und ich bin auch überhaupt nicht der emotionale Typ, aber ganz ehrlich? Wenn das CTG irgendwann nur noch abkackt, man Bolustokolyse reinhaut, es leider nicht wirklich besser wird, man irgendwann diesen blöden Notsectio-Knopf drücken muss, alle angerannt kommen, es ein riesiges Gewusel ist, aber jeder exakt das tut was seine Aufgabe ist und alles trotz Gewusel seine Ordnung hat, die Anästhesie irgendwann ruft "ihr könnt", man sich in Windeseile bis zur Gebärmutter vorwühlt, unter Adrenalin dieses meist recht blaue Kind raushebelt, der Hebamme in den Arm drückt, die damit zu den Kinderärzten rennt, und man es dann trotz Scheiß-pHs schreien hört - dann braucht man nen Schnaps, aber man ist einfach glücklich.
Manchmal hat man noch mehr Glück. Wenn man mit der Hebamme ein gutes Team ist, wenn man dann noch das werdende Elternpaar mag, man ne Nacht mit denen durcharbeitet, trotz semigutem CTG, ständig kurz davor ist den Oberarzt zu rufen, genau wissend, der wird sie wohl sektionieren weils nicht so recht voran geht, und dann hat man kurz vor Übergabe den Zwerg doch noch rauslockt - dann kriegt man manchmal tatsächlich auch eine Portion Glückshormone über die Luft ab und ist mit high.

altalena
17.06.2018, 17:22
....
Und dann Geburtshilfe. Hat mich anfangs von Gyn abgehalten, ich hatte null Bock drauf und oft genug sitz ich schwitzend vor so einem CTG und mir geht der Arsch auf Grundeis und nachm Kristellern weiß ich immer nicht wer gerade fertiger ist, die Frau, das Kind oder ich, und ich bin auch überhaupt nicht der emotionale Typ, aber ganz ehrlich? Wenn das CTG irgendwann nur noch abkackt, man Bolustokolyse reinhaut, es leider nicht wirklich besser wird, man irgendwann diesen blöden Notsectio-Knopf drücken muss, alle angerannt kommen, es ein riesiges Gewusel ist, aber jeder exakt das tut was seine Aufgabe ist und alles trotz Gewusel seine Ordnung hat, die Anästhesie irgendwann ruft "ihr könnt", man sich in Windeseile bis zur Gebärmutter vorwühlt, unter Adrenalin dieses meist recht blaue Kind raushebelt, der Hebamme in den Arm drückt, die damit zu den Kinderärzten rennt, und man es dann trotz Scheiß-pHs schreien hört - dann braucht man nen Schnaps, aber man ist einfach glücklich.
Manchmal hat man noch mehr Glück. Wenn man mit der Hebamme ein gutes Team ist, wenn man dann noch das werdende Elternpaar mag, man ne Nacht mit denen durcharbeitet, trotz semigutem CTG, ständig kurz davor ist den Oberarzt zu rufen, genau wissend, der wird sie wohl sektionieren weils nicht so recht voran geht, und dann hat man kurz vor Übergabe den Zwerg doch noch rauslockt - dann kriegt man manchmal tatsächlich auch eine Portion Glückshormone über die Luft ab und ist mit high.

Das hätte original von mir sein können ;-)

WackenDoc
17.06.2018, 21:25
Arbeitsmedizin:
Sehr abhängig vom Arbeitgeber:

- Es gibt vielfältige Einsatzmöglichkeiten, so dass man sich seine Nische suchen kann (angestellter Werksarzt in einem großen Betrieb, überbetrieblicher Dienst, öffentlicher Dienst, eigene Praxis).
- Vor allem auf dem Land gute Möglichkeiten eine hausärztliche Praxis mit Betriebsmedizin zu kombinieren.
- Man hat viel Zeit um seine Probanden zu beraten. Dabei geht es nicht nur um arbeitsplatzspezifische Beratung, sondern oft mehr um allgemeine Gesundheitsberatung.
- Pünktlicher Feierabend, keine Wochenenddienste, teilzeitgeeignet. Teilweise telearbeitgeeignet.
- Im Vergleich zur Akutmedizin sind die Probanden eher entspannt und zufrieden. Die Betriebe meist auch.

- Man bekommt einen guten Einblick in die Arbeitswelt "normaler" Menschen.
- Man muss sich oft in branchenspezifische Besonderheiten einfuchsen- das macht aber auch Spass und hilft gegen die tägliche Routine.
- Das Fachgebiet ist wenig klagefreudig und man trägt vergleichsweise wenig Verantwortung.

- Selbst wenn die Weiterbildung mau ist (ich hab zur Zeit was das angeht echt Glück mit meinem Zentrumsleiter), gibt es die Pflichtkurse in denen man (mehr oder weniger) das Wichtigste lernt.

- Betriebsärzte sind eine gesuchte Spezies, ein später Fachwechsel ist durchaus üblich.
Die Weiterbildungsordnung ist gerade in Änderung, in einigen Bundesländern reicht schon 2 Jahre Weiterbildung in einem klinischen Fach, bisher 2 Jahre Innere.

Jule-Aline
20.06.2018, 16:21
Gibt es auch einen Allgemeinmediziner hier? Dessen Schilderung würde mich sehr interessieren. Spiele nämlich mit dem Gedanken in dieses Fach zu gehen.

WackenDoc
20.06.2018, 16:39
Ich bin Fachärztin für Allgemeinmedizin. Habe aber nur ein halbes Jahr im Rahmen der Weiterbildnug in einer "normalen" Praxis gearbeitet und das hat mich nochmal bekräftigt, das nicht machen zu wollen.
Evil ist klassischer Hausarzt und ist wohl ganz zufrieden was er hier immer wieder schreibt.

jinkxed
20.06.2018, 17:26
Urologische Werbung fehlt noch! (''Ich kann jetzt Leuten nicht nur Penisse auf die Stirn malen, sondern sie ihnen auch da annähen'')

belanglosigkeiten
20.06.2018, 19:24
Würde mich über Berichte von der (Weichteile) schneidenden Fraktion freuen! Und Uro fänd ich ebenfalls super. :)

Evil
21.06.2018, 12:50
Gibt es auch einen Allgemeinmediziner hier? Dessen Schilderung würde mich sehr interessieren. Spiele nämlich mit dem Gedanken in dieses Fach zu gehen.
Mach ruhig ;-)

Grundsätzlich hat man in der Praxis ein deutlich selbstbestimmteres Arbeiten, d.h. man kann sich vieles selber einteilen. Je nach Region hat man meist auch deutlich weniger Dienste, und last but not least ist der Verdienst auf gutem Oberarzt-Niveau.

Nachteile sind:
- Du musst vielen Patienten zuhören können, auch wenn sie Dir ein Ohr abkauen, schätzungsweise ein gutes Drittel tut das; das muß man abkönnen
- gute Arbeitsorganisation ist essentiell, wenn der Praxisablauf hakt, erzeugt das maximalen Frust, daher sollte man sich in Praxen mit gutem Konzept umschauen und die dann übernehmen/dort anstellen lassen/Konzept auf eigene Praxis übertragen
- mit der KV und den Kassen herumärgern ist weniger anstrengend als man denkt, wenn man einige kritische Punkte kennt und darauf achtet
- die Bürokratie lässt sich mit guter Organisation (siehe oben) in Grenzen halten
- in Deiner Stadt/Dorf/Gemeinde wirst Du wiedererkannt und angequatscht, es liegt an Dir damit umzugehen und dem ggf einen Riegel vorzuschieben, jeder wie es mag
- für kaufmännische Dinge und die ganze Personalverwaltung muß man sich interessieren oder einen guten Steuerberater haben

Ich komm mit den Pferdefüßen gut zurecht, manchmal ist es ziemlich anstrengend, dafür hat man auch schöne Momente.
Zugegebenermaßen liebe ich mein Fach aber nicht, sondern meine Frau ;-)

Lava
21.06.2018, 13:54
Unfallchirurgie:

Ich liebe mein Fach, weil es so vielfältig ist: man behandelt Patienten im Alter vom Baby bis zum Greis, vom Scheitel bis zur Sohle, von Knochen und Gelenken über Weichteile bis hin zum Eiter oder Tumor.
Natürlich macht das Operieren großen Spaß, aber ich empfinde es auch als Genugtuung, dass man bei uns recht schnell eine Diagnose stellen kann. Ich freue mich immer wieder darüber, wenn ich den richtigen Riecher hatte, die richtige Diagnostik veranlasst habe und der Patient so schnell seiner passenden Therapie zugeführt werden kann. Das gelingt natürlich nicht immer, aber wahrscheinlich viel häufiger als in anderen Fächern. Die Auswahl an Spezialisierungen ist groß, so dass eigentlich jeder hier seine Nische finden kann. Kinderorthopädie z.B., oder Orthopädie mit Schwerpunkt auf Schmerztherapie, Handchirurgie oder Wirbelsäulenchirurgie, oder auch ZNA, wer die Action mit dem Schockraum liebt, aber das Operieren leid ist.

Mano
21.06.2018, 14:28
Ich bin Fachärztin für Allgemeinmedizin. Habe aber nur ein halbes Jahr im Rahmen der Weiterbildnug in einer "normalen" Praxis gearbeitet und das hat mich nochmal bekräftigt, das nicht machen zu wollen.
Evil ist klassischer Hausarzt und ist wohl ganz zufrieden was er hier immer wieder schreibt.

Kannst du schreiben, warum Allgemeinmedizin auf Dauer für dich nichts ist? Solche Aussagen hört man ja sonst immer nur von Leuten, die Allgemeinmedizin allenfalls im Studium kennengelernt haben...

WackenDoc
21.06.2018, 15:19
Ich muss dazu sagen, dass ich ne Weile allgemeinmedizinisch gearbeitet habe, aber mit einem speziellen Patientengut und im öffentlichen Dienst (also ohne die ganzen Vor- und NAchteile der Selbständigkeit).
In der Praxis hatte ich das Gefühl eben nicht die Medizin machen zu können, wie ich es gewohnt war und wie ich es sinnvoll hielt. Das ging alleine schon mit der ganzen Masse nicht. Meine Chefs waren nur am Hetzen, hatten eben nicht wirklich viele Freiheiten in der eigenen Zeitplanung. Vor und nach den Urlauben ein fürchterlicher Stress. Dann ein völlig undurchsichtiges Abrechnungssystem und ein Regelungsdschungel. Dafür darf man dann im Gegenzug mit dem Privatvermögen! für Regresse haften. Nein danke.

Laelya
23.06.2018, 12:24
Radiologie:

- Sehr breites Fach, man hat mit praktisch allen anderen Fachrichtungen (von Rechtsmedizin bis Neonat) zu tun und sieht eine riesige Bandbreite von Erkrankungen + Differentialdiagnosen. Von Stagings über hoch instabile Polytrauma bis hin zu Vorsorgeuntersuchungen ist alles dabei.
- Vom niedergelassenen MSK-Radiologen, über Kinderradiologie bis hin zum 24/7 Neurointerventionisten ist alles möglich!
- 4-Augen-Prinzip und häufig eine FA:AA Quote von ~1:1 mit den entsprechend guten Möglichkeiten der Ausbildung.
- Relativ geregelte Arbeitszeiten, klar ist man "mal" länger da, aber es hält sich in Grenzen.
- Rasante Weiterentwicklung des Fachs. Neue Geräte, Verbesserungen etc., viel Möglichkeit zur Forschung.
- Keine Stationsarbeit! Wenig Patientenkontakt, der eine findet es gut der andere eher weniger.


unterschreibe ich so. Ich könnte mir kein besseres Fach vorstellen. Zumal Familienfreundlich ;-)
Nur den Kellerkindruf müssen wir noch ablegen damit die Großen verstehen, dass wir auch mitspielen :-D