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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überberatung- verjage ich den Kunden?



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Migole
19.09.2015, 19:46
Also ich frage meistens direkt nach wenn ich etwas wissen möchte, z.B. wenn ich Symptome habe und nicht weiß, was ich nehmen soll aber auch nicht direkt zum Arzt rennen will (leichter Reizhusten, geschwollener Mückenstich etc.). Da freue ich mich dann über eine gute Beratung.
Des weiteren auch bei Sachen, die mein Hausarzt für eine akute Krankheit verschrieben hat und die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht regelmäßig eingenommen werden.

Nerven tut es mich hingegen, wenn ich Thyroxin und Eisen abhole und immer wieder darauf hingewiesen werde, wann ich die Sachen nehmen soll... ein kurzes: "sie nehmen die Sachen schon länger?" "Ja" "ok" würde da vollkommen ausreichen ...

Also wie schon geschrieben wurde, man muss wahrscheinlich einfach ein Gefühl dafür entwickeln, was idR regelmäßig oder zum ersten mal eingenommen wird etc. :) der Apotheker in "meiner" Apotheke ist aber auch rundum klasse. Es sind dann eher die PTAs etc. die einem Alles 50× erklären (nichts gegen die Berufsgruppe im allgemeinen natürlich!).

Ich lese aber auch immer die Beipackzettel und verstehe als (fast) Biologin natürlich auch die Sachen/Wirkungen besser als ein Laie.

Muriel
19.09.2015, 20:33
ja ich weiß :-D
und wenn ich gemeine Apothekerin spiele frage ich: " und was hat der Arzt gesagt?"

Und damit hätte die Apotheke dauerhaft einen Kunden weniger, angefangen vom jetzigen Zeitpunkt.

Krötino
19.09.2015, 22:25
Eine ja/nein Frage ist schon ok finde ich. Das stellt ja quasi das Angebot für Beratung da. Wenn dann jemand ja sagt und immer noch keine Ahnung hat... Dann ist derjenige wirklich selbst schuld und in manchen Fällen würde eine ausführliche Beratung in so einem Fall wohl auch nicht viel bringen..

Sebastian1
19.09.2015, 22:40
Wobei ich sagen muss, das meine (spärliche) Erfahrung doch eher dahin geht, das meist sehr freundlich sinnvolle Ratschläge gegeben werden. Wenn ich nicht gerade mit Arztausweis rezeptpflichtige Medikamente bezogen habe, steht mir das ja nicht auf die Stirn tätowiert, das ich Arzt bin. Und wenn dann Tipps a la "Falls es nach x Tagen nicht besser wird, sollten Sie nochmal zum Arzt gehen" oder "Bitte nicht länger als y Tage nehmen" kommen, dann empfinde ich das durchaus als guten Service.
Schulmeistern lässt sich dagegen natürlich keiner gern, und im persönlichen Kontakt merken doch die meist, ob das Gegenüber eine Beratung braucht oder einfach schnell raus will.

Absolute Arrhythmie
19.09.2015, 22:45
Sinnvolle Beratung ist super, keine frage. Aber wenn ich alle drei Monate mein L-Thyrox abhole und auf die frage "sie kennen das Medikament? " mit Ja antworte (nur als beispiel), dann wäre ich schon sehr pikiert als Kunde, wenn man mich - wie zuvor hier im Thread impliziert - die genauen Einnahmehinweise rezitieren lassen würde.

EVT
19.09.2015, 23:00
So wäre es vielleicht ungeschickt formuliert, man könnte das bestimmt auch psychologisch wertvoller fragen ohne dass sich der Kunde blöd vorkommen muss.
Das lernt man in der Uni wahrscheinlich nicht, dafür muss man sich dann privat fortbilden.

Aber an sich finde ich es gut, denn es zeigt, dass der Apotheker seine Verantwortung ernst nimmt. Besser als ohne jegliche Frage einfach alles zu verticken nur um Geld zu machen. Dann würde ich da lieber einen eingeschnappten Kunden verlieren als meinen Standard zu senken.
Vielleicht gefällt einem Kunden dann dafür diese Gewissenhaftigkeit umso besser. ;-)
Man kann es sowieso nie allen Recht machen.
Ich würde es auch seltsam finden, wenn ich bei bestimmten Kombis oder Medikamenten nicht gefragt würde, ob ich die richtige Einnahme kenne oder ob das mit einem Arzt abgesprochen ist etc.
Dann würde ich denken, dass der Apotheker/ PTA entweder völlig desinteressiert ist oder keine Ahnung hat.

Ich habe schon öfter gehört, dass Kunden nicht so Hemmungen haben den Apotheker zu fragen als einen Arzt.
Ärzte haben ja auch nicht immer Zeit alles ewig zu erklären und wenn die Leute den Beipackzettel nicht lesen...
Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nochmal darauf hinweisen.

Minoo
20.09.2015, 14:49
Eine gute Beratung bedarf sehr viel Einfühlungsvermögen und kommunikatives Geschick. Das lernt man tatsächlich nicht in der Uni.
Wichtig ist es irgendwie eine persönliche Ebene zu dem Kunden auf zu bauen. Sei es, dann man sein fürchterliches Halskratzen wirklich ernst nimmt und auch den Insektenstich, der eigentlich schon gar nicht mehr sichtbar ist.
So Sätze wie "da habe ich genau das Richtige für Sie", oder " Ich hole Ihnen jetzt was, mit dem es Ihnen schon morgen besser geht" bewirken Wunder.
Wortlos eine ACC über den Tisch zu reichen bringt gar nichts. Zumindest nicht bei jedem Kunden.
Mein Chef sagt immer:
Gesagt ist nicht verstanden, verstanden ist nicht angewendet und angewendet ist nicht richtig eingenommen.
Leider ist es oft so, dass wir gar nicht so dumm fragen können wie der Kunde denkt.
Beispielsweise, dass das Asthmaspray nicht in die Luft sondern in den Mund gesprüht wird.

Nurbanu
20.09.2015, 14:55
Beispielsweise, dass das Asthmaspray nicht in die Luft sondern in den Mund gesprüht wird.

:-))


https://www.youtube.com/watch?v=vTGk3ckj7NY

luckyluc
20.09.2015, 15:04
:-))
Ich habe mal von einem Kunden gehört, der sich immer zur Anwendung seines Inhalators ins Auto setzte, die Lüftung nach außen verschloss und dann das Spray vernebelte. Hilf ganz gut, sagte er. Besser als im Schlafzimmer. Es war im aus Dauer doch zu umständlich und wollte daher die Therapie absetzen.

Phosphorsalzperle
23.09.2015, 20:18
haha, einige bringen sich mit den Abgasen um andere nutzen das ganze Auto als Device.
Warum stellen die Technologen eigentlich handliche Inhalationsgeräte her ???:-))

Phosphorsalzperle
23.09.2015, 20:24
Ich habe schon öfter gehört, dass Kunden nicht so Hemmungen haben den Apotheker zu fragen als einen Arzt.
Ärzte haben ja auch nicht immer Zeit alles ewig zu erklären und wenn die Leute den Beipackzettel nicht lesen...
Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nochmal darauf hinweisen.

Die Erfahrung habe ich auch gemacht. In der Apotheke wird eben das noch so kleine Problemchen ernst genommen. Mit Zeit und einer Beratung, was denn helfen könnte. Wir nehmen uns einfach die Zeit noch. In der Apotheke steht der Service ganz oben. Das weiß der Kunde und traut sich daher auch eher mit Fragen heranzutreten. Außerdem tragen wir schon oft keinen weißen Kittel mehr. Allein deswegen haben die Kunden schon weniger Angst vor uns ;-)

McQ
24.09.2015, 17:08
Würde ich alles sehr differenziert betrachten. Ich halte nichts davon, der Beratung eine solche hohe Relevanz zuzumessen. Bei alternativmedizinischen Sachen vielleicht noch eher als bei rezeptpflichtigen oder rezeptfreien Sachen. Denn a) sind die meisten Apotheken heute eh so durchoptimiert und gestylt, dass sehr viel Psychologie bei Erwerb des Medis mit im Spiel ist und b) informieren sich unsere Kunden vorher sehr genau im Inet/bei Doc und wissen dann genau was sie wollen und c) ist die Arzneimittelanamnese mit im Budget des Hausarztes und wird auch von den Kranken Kassen entsprechend bezahlt. Somit verkneife ich mir lieber weit ausschweifende Beratungen.

Meine Apo geht da auch eher auf Masse, um rentabel zu sein ;-) und meine Chefin will auch sehr gerne ihren Lebensstandard halten, den sie jetzt hat. Mittlerweile machen ich auch mehr administrativere Aufgaben gegen Ende des ersten halben Jahres im PJ.

Nurbanu
24.09.2015, 17:52
[...] c) ist die Arzneimittelanamnese mit im Budget des Hausarztes und wird auch von den Kranken Kassen entsprechend bezahlt.



Jo, jeder wird mal krank. :-oopss

EDIT: Eigentlich wollte ich nur das Zitat, aber nun gut, wenn es schon hier steht kann es das auch weiterhin tun.

Minoo
25.09.2015, 11:49
Naja, also bei Globuli und Schüssler Salze musste kaum beraten und wirklich gut informiert ist auch nur jeder 5. Kunde.
Ich weiß nicht, wo du diese Meinung her hast. Arbeitest du in der Apotheke?
Der Arzt nimmt sich so wenig Zeit für die Patienten, dass oft die AM-Anwendung auf der Strecke bleibt oder einfach mal eine richtige Beratung zur Hautpflege.
Ich sehe nun ja jeden Tag, was bei uns in der Apotheke los ist und da gibt es sehr viel Beratungsbedarf.
Außerdem sterben jedes Jahr rund 25.000 Menschen aufgrund von UAW's. Dabei findest du Beratung sinnlos?

McQ
25.09.2015, 13:20
Sinnlos nicht, aber bitte auch nicht überbewerten. In der GoÄ steht klar, dass der Hausarzt die gesamte Medikation des Patienten bewerten soll (auch mit OTC sofern bekannt). Dafür wird er von den Kassen auch entsprechend bezahlt. Das macht auch Sinn, denn nur er kennt alle Diagnosen und die Laborwerte. Das kann ich in der Apo doch gar nicht. Ich habe gar keine Datenbasis. Die ca. 6,50 plus 3% vom EK sind für mich reine Vergütung für Lagerung, Miete und Personal. Mehr ist eine öffentliche Apo für mich auch nicht: eine logistische Unternehmung. Der Gesetzgeber kann das gerne anders gestalten, dann muss er es aber auch gesetzlich (wie etwa in den USA oder Kanada) festlegen.

Darum beschränke ich mich bei der Beratung auf das absolut wesentliche. Mehr Wert wird auf Lieferfähigkeit, gleiche Firma und niedrige Zuzahlung gelegt.

luckyluc
26.09.2015, 10:37
Und nur weil etwas in der GoÄ steht, wird es auch so gemacht:-?
Auf was für einem Planeten lebst du denn?
Bei mir hat sich noch kein Arzt mehr als 2 Sätze Zeit darüber genommen, wie ich das Medikament anzuwenden habe.
Außerdem geht der Trend dahin, dass die Leute sich bei den ersten Krankheitszeichen in die Apotheke gehen und nicht zum Hausarzt, wo sie 3 h im Wartezimmer sitzen.
Ich denke, dass deine Einstellung etwas überholt ist. In der Apotheke werden gerade mit Kundendateien und mit immer stärkere Hinblick auf die pharmazeutische Betreuung einiges zur Arzneimittelsicherheit beigetragen.

Kackbratze
26.09.2015, 12:52
Ich denke, dass deine Einstellung etwas überholt ist. In der Apotheke werden gerade mit Kundendateien und mit immer stärkere Hinblick auf die pharmazeutische Betreuung einiges zur Arzneimittelsicherheit beigetragen.

Ja. Absolut. Nur ihr. Ärzte können das auch nicht. Dummerweise mein Apotheker auch nicht.
Was nun?

Minoo
28.09.2015, 11:32
Moin Leute,
diese Diskussion ist doch leidig. Der Arzt kann viele, was der Apotheker nicht kann und umgekehrt. Darum sind es auch zwei verschiedene Berufe. Doch trotzdem sitzen wir im selbern Sektor, der immer schwieriger wird und da sollte es doch möglich sein, dass man zusammen und nicht gegeneinander arbeitet.
Arbeit genug ist für alle da. Warum immer dieser Konkurrenzkampf?
Ich kann schon gut abgrenzen, ob ich den Kunden in der Selbstmedikation beraten soll oder ihn besser zum Arzt schicke. Und die Dosierung auf einem Rezept übertrage ich auch so, wie es der Arzt aufgeschrieben hat. Trotzdem bleiben meistens noch genug andere Frage seitens des Kunden übrig. Diese zu beantworten ist mein Job.

Kackbratze
28.09.2015, 12:07
[...]

:-top
:-meinung

Phosphorsalzperle
29.09.2015, 11:54
Vielleicht kommt der Konkurrenzkampf daher, dass Ärzte mehr verdienen als Apotheker.
Obwohl ich es auch ok finde. Ihre Verantwortung ist meistens noch größer und das Studium dauert auch länger bzw. es ist auch noch schwieriger überhaupt einen Studienplatz zu finden.
Aber ich denke auch, dass es genug Beispiele gibt, wo die Zusammenarbeit gut funktioniert und man über diesem Kinderkram steht.