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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Doktorarbeit abbrechen!



WHSmith
05.11.2015, 17:41
Hallo an alle,

Ich habe vor rund einer Woche eine experimentelle Doktorarbeit begonnen. Ich habe vorher auch zwei Tage im entsprechenden Labor hospitiert und mit sogar mit der Professor gesprochen.
Seit Montag habe ich dort angefangen und werde momentan eingearbeitet. Ich lese mich ein und sie erklären mir die Laborexperimente.
Das Problem ist einfach, dass ich schon relativ schnell gemerkt habe, dass die Arbeit im Labor nichts für mich ist. Ich habe echt Probleme und fühle mich einfach nicht in der Lage dazu. Ich war noch nie gut in reinen Naturwissenschaften und mir ist aufgefallen, dass ich echt unfähig bin, wenn es um die Experimente geht. Das Team ist super und auch nett, sowie hilfsbereit, aber ich denke einfach, dass ich zu schlecht bin für eine experimentelle Doktorarbeit. Ich hätte lieber etwas klinisches etc. machen sollen.
Ich habe mir auch ein Freitertial genommen und war echt motiviert, aber ich denke nicht, dass es mir liegt.
Ich würde diese Doktorarbeit am liebsten abbrechen, aber es ist mir echt peinlich, nach bereits einer Woche zu sagen, dass ich es nicht mehr machen möchte, aber ich denke nicht, dass mir in einem Monat plötzlich die Experimente gelingen werden.
Ich habe leider auch einige Zettel unterschrieben. Ich weiß jetzt nicht genau, ob es ein Promotionsvertrag war. Daher weiß ich nicht, ob die mich gehen lassen, aber ich blicke einfach nicht durch und bin echt nicht gut im Labor.
Ich werde ja nicht bezahlt und hoffe, dass sie mich gehen lassen. Hat das Abbrechen der Promotion große Nachteile in meiner zukünftigen Karriere und bei der weiteren Suche nach Promotionen?
Ich bin im vierten Jahr und würde dann lieber mit dem normalen Studium weitermachen...

ProximaCentauri
05.11.2015, 18:29
Ganz ehrlich: Nach einer Woch bringt NIEMAND ohne Laborerfahrung halbwegs anspruchsvolle Experimente einigermassen hin, und NIEMAND hat den Durchblick.
Source: 4 Jahre Biochemie mit Laborforschung. Nach einer Woche kannst du das schlicht und einfach noch nicht beurteilen inwiefern das etwas für dich ist. Ich würde dir daher sehr stark anraten, einfach mal noch etwas länger durchzuhalten.

elastic
05.11.2015, 18:38
dran bleiben und nicht aufgeben!

Kandra
05.11.2015, 19:07
Und wenn es tatsächlich ein nettes Team ist, dann sprich da ruhig offen mit denen. In der Regel ist es auch im Sinne des Labors, wenn Kandidaten, die tatsächlich nicht für Laborarbeit geeignet sind, dann relativ schnell wieder gehen. Aber nach einer Woche ist es wirklich zu früh, da was zu entscheiden. Manche Experimente klappen auch nach Wochen nicht. Ich bin zB eine absolute PCR-Niete, bei mir wird das nie was. Hatte sogar schon den Laborchef neben mir sitzen, der jeden einzelnen Handgriff überwacht hat, nix zu beanstanden hatte und am Ende kam wieder nichts raus.
Warte einfach ab, das wird schon!

fMRI
05.11.2015, 19:15
Hallo

Könntest Du noch etwas präziser werden?
1) Wie lange dauert das Projekt? (E.g. Du sollst 3 Monate lang Experimente machen und anschliessend Auswerten und Zusammenschreiben (in anderen Fächern nennt man das übrigens einen Bachelor...)).
2) Bist Du "schusselig" oder woran liegt es, dass Du Dich nicht "wohlfühlst"?
3) Warum hast Du Dich darauf beworben? Was hat Dich motiviert? (Das Fach, die Fragestellung, das Prestige der Arbeitsgruppe, eine mögliche Publikation, es schien einfach nur praktisch, etc.)

Zu den Formularen die Du unterschrieben hast -- waren die von der Promotionskommission etc. (also "allgemein") oder direkt vom Labor/Arbeitsgruppe? (U.a. könnte das eine Datenschutzerklärung gewesen sein etc. -- sicherlich keinen Arbeitsvertrag, aber vllt. ein Promotionsabkommen, etc.)

Vielleicht verräts Du uns etwas mehr und/oder suchst das Gespräch im Labor -- Du kannst ja z.B. eine/n MTA fragen, ob Du Dich --in seiner/ihrer Erfahrung mit den anderen im Vergleich-- besonders ungeschickt oder "doof" anstellst (die hatten ja sicherlich sehr viele Doktoranden et al. vor Dir) und schauen, wo er/sie Dich im ranking einordnet. ;-) Und auch vielleicht mit dem AG-Leiter sprechen, ein Fazit der Woche 1, Du erzählst von Deinen Befürchtungen und vielleicht sagt sie/er auch, dass es halt etwas dauert bzw. wäre er/sie vielleicht ja auch froh, wenn Du gehst (wenn Du wirklich untalentiert und unglücklich bist -- das fällt ja vielleicht auch auf). Vielleicht -- und das hoffe ich -- "kalibriert" sie/er Dich und vermittelt Dir, dass man Laborarbeit nicht in einer oder zwei Wochen lernt. Da muss man durch wenn man im Labor arbeiten möchte.
Freitag kann ja ein guter Tag für ein "kleines Fazit" Gespräch sein.

:-)
fMRI

WHSmith
05.11.2015, 19:50
Danke für eure Antworten. Die waren echt schön.
Ich bin leider echt frustriert. Ich habe es deutlich einfacher erwartet. Ich glaube jedoch, dass mir die Arbeit im Labor einfach nicht liegt
Die Doktorarbeit sollte 10 Monate dauern und man sollte schon nach einigen Wochen selbstständig arbeiten können, aber ich kann mir das schlicht nicht vorstellen.
Ich habe zwar erst angefangen, aber ich habe einfach ein schlechtes Verständnis allgemein für Experimente und Arbeit im Labor.
Auch mathematisch bin ich echt eine Niete, was nicht gerade förderlich ist,
Mir hat, dass Fach schon immer eigentlich gefallen, so dass ich dort unbedingt hin wollte.
Ich habe auf jeden Fall noch nichts ans Promotionsbüro abgegeben.

ProximaCentauri
05.11.2015, 22:19
Wenn du nach einer Woche Arbeit, die dir nicht so gut gefällt schon so frustriert bist, dann solltest du wohl dringendst an deiner Frustrationstoleranz arbeiten. Es wird auf deinem weiteren Weg immer mal wieder Dinge geben, die du tun musst, obwohl du die nicht kannst und nicht besonders spassig findest. Da muss man dann einfach mal die Zähne zusammenbeissen und das durchstehen.

Natürlich kann es tatsächlich sein, dass die ganze Sache mit der Doktorarbeit nichts für dich ist. Ganz klar. Aber: das kannst du zu diesem Zeitpunkt nicht beurteilen. Was meinst du denn, warum Leute, die tatsächlich ein naturwissenschaftliches Studium abschliessen, dermassen viel Zeit mit Praktika etc. aufwenden? Die sind nicht alle irgendwie doof, sondern das Zeug ist tatsächlich manchmal komplex und nicht einfach zu lernen. Da kannst du schlicht nicht erwarten dass du das nach einer Woche kannst. Du wirst aber, wenn du deine eigenen Experimente einige Male gemacht hast, das dann auch hinkriegen. Es erwartet bei einer medizinischen Doktorarbeit auch niemand, dass du einen Nobelpreis damit gewinnst, und es erwartet auch niemand dass du alles spontan kannst. Das ist ein Lernprozess, und da bist du garantiert fähig dazu.

ibbb
08.12.2015, 23:24
Hey WHSmith,

ich will auch in jetzt zum 7 und 8. Semester meine Doktorarbeit machen und habe EXAKT (wirklch GENAU die gleichen Bedenken, ich würde mich sehr freuen, wenn du mir schreiben würdest, wie es dir geht, ob es dir gefällt und ob das durchziehst!)

Vielen lieben dank im voraus!!

Ibrahim

Paracelsus
11.02.2016, 12:48
Hallo WH Smith !

Ich kann Dich recht gut verstehen, da ich mal in einer ähnlichen Situation war. Auch ich habe mal mit einer experimentellen Arbeit begonnen, an der sogar ein bezahltes Stipendium hing. Diese habe ich aber nach knapp einem Monat abgebrochen, weil der Doktorvater einfach unglaublich hohe Erwartungen hatte. So sollte ich u.a. auch Nächte im Labor durcharbeiten, um den ein oder anderen Western Blot fertigzustellen. Dann musste man auch am Wochenende mehrmals ins Labor fahren, um irgendwelche Zellkulturen mit Nährlösung zu füttern.

Mir war das dann irgendwann einfach zu viel. Ich habe dem Doktorvater dann in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass ich das ganze nicht mehr möchte. Seine Reaktion war alles andere als verständnisvoll, hat mir sogar noch an den Kopf geworfen, dass ich mir gut überlegen soll, ob ich in der Medizin richtig bin, wenn ich wohl doch eher einen "8-to-5-Job" suche. Mir war das egal, und er musste letztlich auch meine Entscheidung akzeptieren. Ich habe dann eine statistisch-klinische Arbeit gemacht und diese Entscheidung nie bereut.
Es war weitaus weniger aufwändig und auch das Team war netter.

Mein Fazit also: Gebe nicht voreilig auf, aber lasse das Ganze bleiben, wenn Du wirklich keinerlei Spass und Interesse daran hast. Dann macht es keinen Sinn ! Zudem solltest Du Dich fragen, warum Du eine Doktorarbeit machen möchtest !
Wenn es nur um den Titel geht, dann erreichst Du mit einer statistischen Arbeit nun wirklich viel schneller und einfacher Dein Ziel. Eine experimentelle Arbeit macht nur Sinn, wenn Du später tatsächlich eine Karriere an der Uni-Klinik bzw. in der Forschung anstrebst.

Wie auch immer Du Dich entscheidest, ich wünsche Dir viel Erfolg !

Gruß Paracelsus

Nessiemoo
11.02.2016, 17:47
Also nach eine Woche im Labor habe ich mich auch schrecklich gefühlt. Es hat ca 3 Monate gedauert bis es alles einigermaßen geklappt hat und auch nach 4-5 Monaten habe ich immer mal ausgerastet und ins Zimmer von meinem Betreuer reingestürmt. Es ist einfach viel schwieriger als man es sich vorstellt. Es hat aber schon irgendwannmal Spaß gemacht. ;)

elastic
11.02.2016, 22:35
...und auch das Team war netter.

Gruß Paracelsus


ich denke da liegt der Hund begraben. Es ist nur reine Spekulation, aber wäre das Team super motiviert und nett gewesen, hättest du sicher auch die eine oder andere Nacht mit Freude im Labor verbacht. Hohe Ansprüche heißt ja nicht gleich schlechtes Arbeitsklima. Ich denke der Erfolg einer Diss hängt weniger von der Art der Arbeit als vom Zusammenspiel des Teams ab.

Amygdala88
12.02.2016, 10:21
Mit einem netten Team steht und fällt in meinen Augen der Erfolg einer experimentellen Diss. Dabei geht es in erster Linie gar nicht darum, die eigene These tatsächlich mit Wow-Ergebnissen belegen zu können, sondern vielmehr darum, Leute zu haben, die Ahnung haben, die wissen, wie dieses oder jenes Gerät funktioniert, die frühmorgens die eigenen Schnitte schon mal mit in die vorbereitenden Geräte stellen usw usf.