Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Längerfristige Berufsperspektiven im Vergleich zu Humanmedizin



Seiten : 1 2 3 [4] 5

baugruen
09.12.2015, 08:34
ich glaube, wir sind hier meinungstechnisch näher beieinander, als es die diskussion vermuten lassen würde.
endo ohne kofferdam ist einfach nicht mehr zeitgemäß. bei uns im notdienst wird das allerdings nie mit kofferdam gemacht, sondern zahn auf, feile reingesteckt, ledermix rein, cavit drauf und nach hause geschickt, mit der bitte, die wk doch beim hauszahnarzt machen zu lassen. kann mir aber gut vorstellen, dass eine beträchtliche zahl derer, die dann am nächsten tag keine schmerzen mehr haben, es einfach sein lassen. und dann haben zahnärzte wie smanpodg die patienten auf dem stuhl und dann kann ich seine wut verstehen.

das mit dem zähne-offen-lassen habe ich glücklicherweise noch nie gesehen. gilt ja berechtigerweise auch als todsünde. einzige ausnahme, die ich gehört habe, ist, wenn es so stark aus dem kanal eitert oder blutet, dass man es nicht gestoppt bekommt. schon mal jemand von euch erlebt?

bei der kariesdiagnostik bin ich auch bei dir. zumindest bei den seitenzähnen gehört ein röntgenbild dazu.

ich bin mittlerweile großer fan von kofferdam und würde generell bei jedem patienten, wo es indiziert ist, kofferdam anlegen wollen. abgesehen von der erstinvestition von einer zange und ein paar klammern hat man dann später doch nur noch die kosten für ein stück gummi, die können doch nicht so hoch sein. und mit einer assistenz und der richtigen technik dauert kofferdam nun wirklich nicht so lange. und dafür hat man eben eine bessere qualität.
weiß jemand, was der kofferdam den patienten kostet, wenn man ihn abrechnet?

smanpodg
09.12.2015, 08:58
Spanngummi je Kieferhälfte ist Kassenleistung. Sollte dem Patienten nichts kosten.

baugruen
09.12.2015, 09:21
das ist komplett kassenleistung? bei uns in den kursen steht das nämlich immer als teil der mehrkostenvereinbarung auf den kostenvoranschlägen...
oder verstehe ich da etwas falsch? bin in abrechnungsdingen nicht so bewandert.

smanpodg
09.12.2015, 11:25
Beim Kassenpatienten wird das Anlegen von Kofferdam als „besondere Maßnahme beim Präparieren oder Füllen“ abgerechnet, und zwar in einer Sitzung je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich einmal. Das bedeutet jedoch nicht, dass die bMF nur im Zusammenhang mit der Füllungstherapie oder der Präparation für Kronen ansatzfähig ist. Vielmehr löst beispielsweise auch das Anlegen von Spanngummi im Rahmen einer endodontischen Behandlung oder einer Fissurenversiegelung den Ansatz der bMF aus.
Dies gilt allerdings nur, sofern es sich bei der Maßnahme um eine Vertragsleistung handelt. Ist die Verwendung von Kofferdam dagegen allein durch eine außervertragliche Leistung bedingt, so muss sie ebenfalls privat nach GOZ in Rechnung gestellt werden. Das ist beispielsweise beim Austausch intakter Amalgamfüllungen auf Wunsch des Patienten oder beim Einsetzen eines keramischen Inlays der Fall. Im Rahmen der Mehrkostenregelung bei der Versorgung eines Zahnes mit Inlays oder Kompositrestaurationen kann die bMF dann als Vertragsleistung über die Krankenversicherungskarte abgerechnet werden, wenn auch die „fiktive“ Füllung das Anlegen von Kofferdam erfordert hätte. Eine präzise Dokumentation ist hier unbedingt vonnöten.

Sind aktuell 9,94 Euro für Kassenpatienten und 8,41 (2,3fach) für private...

baugruen
09.12.2015, 15:41
okay, danke für deine info. ich frage mich nur gerade, wieso ich solche dinge, wie du sie gerade erklärt hast, nicht im studium gelernt habe.
wie hast du das gelernt? einfach nebenbei beim arbeiten oder übernimmt das alles mehr oder weniger die abrechnungssoftware?

Salzi19
09.12.2015, 16:42
Nein, Abrechnung lernt man mehr oder weniger gut in der Assistenzzeit :-))

baugruen
10.12.2015, 10:51
okay, beruhigt, danke :-)

Malzkaffee
14.12.2015, 00:27
Ich denke, dass man als Humani durchaus erfolgreich ohne Privatleistungen in eigener Praxis arbeiten kann. Das gleiche gilt wohl (abgesehen von der PZR) auch beim Zahnarzt.

Das würde auch keine Kunststofffüllungen bedeuten, oder meinst du nur komplette Privatleistungen? Dann passt die PZR aber auch nicht ins Bild.

noch-humani
16.12.2015, 17:11
Aus dem KZBV Jahrbuch (http://www.kzbv.de/kzbv-jahrbuch-2014.media.b0917e0f93f186981ae45208535d40a6.pdf) von 2014:



Die Zunahme der behandelnd tätigen
Zahnärzte resultiert wesentlich daraus,
dass an den Hochschulen mehr Zahnärzte
ausgebildet werden als Zahnärzte aus
dem Beruf ausscheiden. Diese Entwicklung
wird sich voraussichtlich in den
nächsten Jahren fortsetzen. Ausschlaggebend
hierfür ist, dass sich zum einen
die Zahl der Erstimmatrikulationen im
Studienfach Zahnmedizin auf nahezu
gleichbleibend hohem Niveau bewegt
(von der Erstimmatrikulation bis zur
Approbation werden in der Regel ca. sechs
Jahre benötigt) und zum anderen hinsichtlich
der Zahl der aus dem Berufsleben
ausscheidenden Zahnärzte keine
größeren Verschiebungen erkennbar sind.
Ob sich diese Entwicklung längerfristig
fortsetzen wird, bleibt abzuwarten.


Ich habe vor paar Tagen mit meinem Zahnarzt gesprochen. Er meinte, dass momentan sogar eher mehr Stellen zur Verfügung stehen, als Zahnärzte. Was stimmt denn nun? Wird es nicht irgendwann zum Problem, wenn es immer weniger Einwohner pro Zahnarzt gibt? Ein anderer Zahnarzt meinte, dass es wohl auch in der Zukunft genug zu tun geben wird.

Tortenheber
16.12.2015, 17:51
Ich würde mir nicht so dramatische Gedanken machen. Die Zahnhygiene wird in der Bevölkerung noch immer Stiefmütterlich gehandhabt. Die Deutschen werden im Durschnitt dicker und auch das Essverhalten (Zucker etc.) ist eine Katastrophe.
Ich denke da wird es in Zukunft genug Handlungsbedarf geben. Natürlich haben Städte eine höhere Zahnarztdichte! Andere Regionen sind da eher unterversorgt, ähnliches findest du bei den Allgemeinmedizinern.

Tortenheber
16.12.2015, 17:57
Kann gerade nicht editieren...

Google doch mal nach Zahnärztemangel. Das Problem was viele sehen ist eben der Wandel von der Region in die Stadt, Alle wollen hin, keiner will Kompromisse machen, Ballungsräume sind überversorgt, Praxen werben Patienten ab, Konkurrenzdruck.
So lange du nicht direkt im Zentrum arbeiten möchtest würde ich mir keine Gedanken machen. Land ist nicht gleich ländlich! Viele denken immer an die tiefsten Provinzen...

noch-humani
16.12.2015, 19:48
Kann gerade nicht editieren...

Google doch mal nach Zahnärztemangel. Das Problem was viele sehen ist eben der Wandel von der Region in die Stadt, Alle wollen hin, keiner will Kompromisse machen, Ballungsräume sind überversorgt, Praxen werben Patienten ab, Konkurrenzdruck.
So lange du nicht direkt im Zentrum arbeiten möchtest würde ich mir keine Gedanken machen. Land ist nicht gleich ländlich! Viele denken immer an die tiefsten Provinzen...

Weißt du zufällig, wie die Lage im Ruhrgebiet momentan ist?

davo
16.12.2015, 19:59
Wenn man etwas googlet, findet man ja sehr schnell diverse Statistiken, wie z.B. https://www.lzg.nrw.de/_media/pdf/gesundheitberichtedaten/nrw-kurz-und-informativ/Zahnaerzte_2010_03.pdf

Aber noch einmal: niemand weiß, wie es in 5, 10, 20, 30 Jahren aussehen wird. Verschiedene Leute werden dir verschiedene Prognosen geben, verschiedene Zahnärzte werden dir unterschiedliche Einschätzungen geben. Viel relevanter ist doch, welcher Beruf dich mehr fasziniert.

noch-humani
16.12.2015, 20:18
Wenn man etwas googlet, findet man ja sehr schnell diverse Statistiken, wie z.B. https://www.lzg.nrw.de/_media/pdf/gesundheitberichtedaten/nrw-kurz-und-informativ/Zahnaerzte_2010_03.pdf

Aber noch einmal: niemand weiß, wie es in 5, 10, 20, 30 Jahren aussehen wird. Verschiedene Leute werden dir verschiedene Prognosen geben, verschiedene Zahnärzte werden dir unterschiedliche Einschätzungen geben. Viel relevanter ist doch, welcher Beruf dich mehr fasziniert.

Das kann ich relativ einfach beantworten. Mich fasziniert der Beruf Zahnarzt sehr.

Wenn ich wüsste, dass ich ähnlich gute Bedingungen, wie in der Humanmedizin vorfände, dann würde ich sofort wechseln.

Mit gute Berufsbedingungen meine ich vor allem, dass in der Humanmedizin dank dem Tarifvertrag gut verdient wird. 80-100t€ sind durchaus möglich. (Oberarzt wird wohl jeder irgendwann, wenn man nicht in die Praxis geht...) Natürlich sind die Arbeitszeiten mies, aber das hängt dann wohl auch vom Fach ab. Irgendwo kommt man schon unter. Angeblich soll es auch ein gewaltiger Vorteil sein, wenn man in Deutschland studiert hat... Na ja.

Jetzt zur Zahnmedizin zu wechseln, fühlt sich irgendwie an, als würde ich zocken. Mich interessiert das Fach sehr und ich mag die besseren Arbeitsbedingungen, aber ich weiß nicht, zu welchen Bedingungen ich den Beruf später ausüben kann. Gerade wenn man liest, dass die Konkurrenz jetzt schon groß ist und es eben immer mehr ZÄ gibt. Einen Tarifvertrag oder so gibt es ja auch nicht. Man hört immer wieder, dass ZÄ auf Umsatzbasis arbeiten und im Krankheitsfall/Urlaub nix verdienen. Im Angestelltenverhältnis scheint mir die Humanmedizin die sicherere Bank zu sein. Andererseits denke ich mir, dass man als ZA auch seinen Weg finden wird, wenn man gut ist und etwas flexibel...

jan_mediklin
17.12.2015, 11:12
Ich denke auch, man muss keine riesigen Sorgen um die Zukunft machen. Die Menschen werden ja auch immer älter und brauchen eine längere zahnärztliche Versorgung.
Was möglich ist, ist natürlich eine Verschiebung hin von der Prothetik zur Prophylaxe/Kons. Wie sich das finanziell auswirkt, muss man sehen. Und dass man nicht mehr wie in den Siebzigern mit dem großen Reichtum rechnen sollte, ist ja mittlerweile bekannt.

Muesli88
18.12.2015, 18:47
Das kann ich relativ einfach beantworten. Mich fasziniert der Beruf Zahnarzt sehr.

Wenn ich wüsste, dass ich ähnlich gute Bedingungen, wie in der Humanmedizin vorfände, dann würde ich sofort wechseln.

Mit gute Berufsbedingungen meine ich vor allem, dass in der Humanmedizin dank dem Tarifvertrag gut verdient wird. 80-100t€ sind durchaus möglich. (Oberarzt wird wohl jeder irgendwann, wenn man nicht in die Praxis geht...) Natürlich sind die Arbeitszeiten mies, aber das hängt dann wohl auch vom Fach ab. Irgendwo kommt man schon unter. Angeblich soll es auch ein gewaltiger Vorteil sein, wenn man in Deutschland studiert hat... Na ja.

Jetzt zur Zahnmedizin zu wechseln, fühlt sich irgendwie an, als würde ich zocken. Mich interessiert das Fach sehr und ich mag die besseren Arbeitsbedingungen, aber ich weiß nicht, zu welchen Bedingungen ich den Beruf später ausüben kann. Gerade wenn man liest, dass die Konkurrenz jetzt schon groß ist und es eben immer mehr ZÄ gibt. Einen Tarifvertrag oder so gibt es ja auch nicht. Man hört immer wieder, dass ZÄ auf Umsatzbasis arbeiten und im Krankheitsfall/Urlaub nix verdienen. Im Angestelltenverhältnis scheint mir die Humanmedizin die sicherere Bank zu sein. Andererseits denke ich mir, dass man als ZA auch seinen Weg finden wird, wenn man gut ist und etwas flexibel...

Keiner wird dir sagen , welchen Weg du gehen sollst . Für beides gibt es gute Argumente .

noch-humani
10.01.2016, 16:27
Oberarzt kannst du auch als Zahni werden, das stimmt. Natürlich nicht in einer Praxis, aber das war mit deiner Frage wohl auch nicht gemeint. Was so ein Oberarzt an der Uni-Klinik verdient, das kannst du ja in Gehaltstabellen nachschauen.

Wie wird man eigentlich Oberarzt? Ich nehme an, dass man dann nach dem Studium seine Assistenzzeit an der Uni machen sollte. Dann wäre man nach 2 Jahren Zahnarzt und hätte bis dahin seinen Dr. fertig. Wie geht es dann weiter? Ich habe mir die Lebensläufe einiger Oberärzte angeschaut. Viele waren eine Zeit im Ausland. Einige sind habilitiert. Einige sind Fachzahnärzte. Ist das Pflicht? Alle gemein haben sie jedoch, dass sie einige Jahre wissenschaftliche Mitarbeiter waren. Was ist das? Wird man in der Zeit nach dem Tarifvertrag für Ärzte bezahlt oder nach dem TVL, wie andere angestellte wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni?

jan_mediklin
10.01.2016, 16:49
Wie wird man eigentlich Oberarzt? Ich nehme an, dass man dann nach dem Studium seine Assistenzzeit an der Uni machen sollte. Dann wäre man nach 2 Jahren Zahnarzt und hätte bis dahin seinen Dr. fertig. Wie geht es dann weiter? Ich habe mir die Lebensläufe einiger Oberärzte angeschaut. Viele waren eine Zeit im Ausland. Einige sind habilitiert. Einige sind Fachzahnärzte. Ist das Pflicht? Alle gemein haben sie jedoch, dass sie einige Jahre wissenschaftliche Mitarbeiter waren. Was ist das? Wird man in der Zeit nach dem Tarifvertrag für Ärzte bezahlt oder nach dem TVL, wie andere angestellte wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni?

Du bist auch ohne die 2 Jahre Assi-Zeit Zahnarzt. In den 2 Jahren geht es nur darum, eine Kassenzulassung zu bekommen. Wenn du 2 Jahre lang deine Assi-Zeit an der Uni machst, musst du danach trotzdem noch eine (verkürzte) Assi-Zeit in der freien Praxis machen, um die Kassenzulassung zu bekommen. Und das mit "bis dahin seinen Dr. fertig" ist auch etwas zu leichtfertig ausgedrückt. Nach meiner Erfahrung braucht die Merhzahl der Uni-Assistenten länger als diese 2 Jahre.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter ist jeder Uni-Zahnarzt. Der Prof. will eben in der Regel, dass du auch wissenschaftlich arbeitest und nicht nur Zahnarzt bist. Und nein, der geltende Tarifvertrag ist derselbe wie für Ärzte meines Wissens.

baugruen
10.01.2016, 16:52
Wissenschaftlicher Mitarbeiter ist jeder Uni-Zahnarzt. Der Prof. will eben in der Regel, dass du auch wissenschaftlich arbeitest und nicht nur Zahnarzt bist.

was auch bedeutet, dass du jeden deppen-dienst machen muss. also damit meine ich zum beispiel kaffee ausschenken, wenn der prof seine teilnehmer irgendeines kurses bewirtet.

Salzi19
18.01.2016, 11:27
Oder die Folien in der Vorlesung weiterklicken :-))