Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : OTA oder Notfallsanitäter?
suncrumb
13.12.2015, 15:13
Hi ihr Lieben!
Da ich mit einer DN von 2,6 einiges an WS absetzen muss, möchte ich ganz gerne ne' Ausbildung beginnen und wollte wissen, ob jemand schon Erfahrungen gemacht hat im Bezug auf welche Ausbildung - operationstechnischer Assistent oder Notfallsanitäter - mehr an medizinischem Inhalt aufweist (sodass ich wenigstens nicht komplett erschlagen bin im Studium).
Also mir ist natürlich klar, dass ich im OTA kaum was über Noteinsätze lernen werde, sowie der Notfallsani kaum chirurgische Inhalte mit sich bringt. Ich weiß bisher nur von angehenden OTAs, dass die OTA-Ausbildung grundsätzlich viel Anatomie beinhaltet (sicher nicht zu vergleichen mit dem Studium).
Ich möchte nur wissen, ob die eine Ausbildung einem als späterem Medizinstudenten mehr bringt als die andere. Viele meinen, dass mir der Notfallsani nur was bringt, wenn ich auch tatsächlich vorhabe, Notarzt zu werden - aber wer kann das schon so viele Jahre voraus sagen...?
Zudem frage ich mich auch, ob es sich lohnt den NS zu machen angesichts des teuren C1 Führerscheins, den ich im Anschluss ,mehr oder weniger ,nie mehr brauchen werde.
Mir ist auch klar, dass wahrscheinlich in keinem der beiden Ausbildungen Biochemie oder Zellbiologie in der Art wie es im Studium vorkommt, gelehrt wird. Und dass mir - egal für welche der beiden Ausbildungen ich mich entscheide - eine davon sicher etwas bringen wird.
Wäre trotzdem ganz schön, wenn welche die eine der beiden Ausbildungen machen, ein bisschen was dazu sagen könnten! :))
Ich bin Rettungsassistentin, arbeite also im selben Berufsfeld wie die Notfallsanitäter.
In meinen Augen macht eine Ausbildung im Rettungsdienst auch Sinn, wenn man kein Notarzt werden will. Man sollte allerdings schon ein bisschen "notfallmedizinaffin" sein, sonst wird einem der Job nicht sonderlich viel Freude bereiten.
Ich bin jetzt im 2. klinischen Semester und mir hat die Ausbildung schon geholfen. In der Vorklinik weniger, da konnte auch nur bedingt Grundlagenwissen vorweisen und der Stoff des Medizinstudiums ging deutlich über das hinaus, was in der Ausbildung gelehrt wurde. Termi wird mir damals sicher leichter gefallen sein, in Physio und Anatomie hab ich vielleich ein bisschen weniger Zeit mit den absoluten Grundlagen verbracht, das wird am im Endeffekt nicht viel ausgemacht haben im Vergleich zu den Kommilitonen ohne Ausbildung.
Jetzt in der Klinik finde ich die Ausbildung schon sehr nützlich. Vieles in Pharma, Innere und Anästhesie war mir nicht völlg fremd, ich konnte auf bereits vorhandenes Wissen aufbauen und musste mir nicht alles grundlegend erschließen. Wobei der größte Wissensvorsprung sicherlich in Anästhesie vorhanden war. Lernen muss ich trotzdem noch genug aber so im Vergleich zu Kommilitonen, war da durch die Ausbildung eine gute Basis vorhanden, auf die ich aufbauen konnte.
Als größten Vorteil sehe ich zur Zeit eigentlich die Tatsache, dass ich bereits im Umgang mit Patienten geübt bin. Sowohl was Anamnese/Gesprächsführung angeht als auch im Bezug auf Untersuchungen und invasive Maßnahmen. Ich habe halt schon seit einigen Jahren Patientenkontakt während viele Kommilitonen jetzt erstmal wirklich auf Patienten treffen und mit ihnen interagieren müssen. Da stehen sich viele oft selbst im Weg, weil sie sehr gehemmt sind und viel zu viel Angst haben, etwas falsch zu machen. Ging mir zu Beginn der Ausbildung ganz genauso, aber ich hatte halt einfach schon einige Jahre Zeit diese Hemmungen abzulegen und unbefangener auf die Patienten zuzugehen.
Diese Praxiserfahrung, vor allem auch mit Blick auf Kontfliktlösung und dem Umgang mit vielen unterschiedlichen Menschen, ist für mich im Moment sicher der größte Benefit aus der Ausbildung. Ich bin mir aber auch sicher, dass dieser genauso in anderen medizinischen Ausbildungen vorhanden ist und dass auch meine Kommilitonen in kurzer Zeit ihre Scheu überwinden.
Letzten Endes muss dir klar sein, dass du mindestens 7 Jahre auf diesen Studienplatz warten wirst. Und in dieser Zeit solltest du etwas machen, was dich interessiert und dir Spaß macht. Denn diese 7 Jahren sind lang und oftmals frustrierend. Da noch in einem Job festzuhängen, der einen nur noch nervt, macht die Sache sicher nicht einfacher.
Mit einem gewissen Interesse und Engagement kann du aus jeden medizinischen Beruf Wissen für das spätere Studium mitnehmen und wenn dir z.B. die Notfallmedizin nicht liegt, bringt es dir nicht, wenn ich sage, dass mir die Ausbildung war gebracht hat. Ich habe mich eben schon immer für diese Themen interessiert, mir viel von unseren Notärzten und älteren Kollegen erklären lassen und selbst nachgelesen. Wenn einen das alles nicht so sehr interessiert, kann man aber auch ohne nennenswerten Erkenntnissgewinn 7 Jahre in diesem Job verbringen.
Zudem frage ich mich auch, ob es sich lohnt den NS zu machen angesichts des teuren C1 Führerscheins, den ich im Anschluss ,mehr oder weniger ,nie mehr brauchen werde.
Um den Führerschein wirst du nicht drumherum kommen, wenn du in den Rettungsdienst willst. Ohne diesen Führerschein wird bei uns keiner in der Notfallrettung eingesetzt, auf anderen Wachen gilt er sogar als Einstellungskriterium. Ob dir der Job die 1000 € wert ist, musst du selbst wissen. Wenn man bedenkt, dass vermutlich 7+ Jahre Wartezeit vor die liegen, in denen du arbeiten und Geld verdienen willst, sicherlich keine besonders große Investition. Zumal man diesen Job ja auch während dem Studium weiter ausüben kann und auch da sicher wieder leichter an Nebenjobs kommt, wenn man den Führerschein vorzuweisen hat.
Ich selbst fahre jetzt privat auch nicht mit LKWs durch die Gegend, habe den Führerschein aber auch schon bei Umzügen genutzt. Und zu Ende meines Studiums über 10 Jahre lang im Rettungsdienst gearbeitet und mir so mein komplettes Studium finanziert. Das war mir die 1000 € definitiv wert.
Heerestorte
13.12.2015, 19:07
Ich würde die Ausbildung/Beschäftigung in der Wartezeit nicht danach aussuchen, was mir im Studium am meisten bringen würde, sondern danach, was mir am meisten Spaß machen würde.
Der Wissensvorsprung ist einfach nicht nötig und der Großteil schafft das Studium ja auch ohne irgendwelche Wissensvorteile.
Das würde ich persönlich als unwichtigen Punkt in so einer Situation betrachten.
Eher wäre es interessant, wie man im Job, den man vor dem Studium gemacht hat, noch während des Studiums gut in Teilzeit arbeiten kann.
OT:
Auch wenn es nicht sehr wahrscheinlich ist, so gibt es Kreisverbände, deren RTWs unter 3,5 Tonnen wiegen.
Ist bei uns der Fall. So bin ich auch in den Genuss gekommen RTW, ohne LKW-Führerschein, zu fahren.
Hallo suncrumb,
Ich schließe mich Heerestorte an: Wenn du die Wartezeit in kauf nimmst, mach etwas, was dir Spaß macht und was dich persönlich weiterentwickelt.
Ich selbst habe nach Zivi und Eropäischer Freiwilligendienst eine OTA-Ausbildung absolviert und arbeite nun auch während dem Studium in diesem Beruf. Im Nachhinein wünschte ich mir aber ich hätte in der Zeit irgend etwas gelernt, was mein Leben zusätzlich bereichert. Lass das eine Ausbildung zum Schreiner sein oder zum Fachinformatiker - alles, nur keine medizinische Ausbildung. Denn Fakt ist: Der Wissensvorsprung durch die Ausbildung ist während dem Studium schnell geschwunden und in den meisten Vorklinikfächern auch gar nicht spürbar (gerade in Chemie und Physik hinkt man da den Frischabiturienten hinterher). Ein Kommilitone von mir war vorher beispielsweise Landschaftsgärtner. Da hat er Fähigkeiten erlernt, die er sein ganzes Leben nicht mehr vergisst.
Natürlich kannst du auch etwas anderes studieren. Allerdings musst du das dann im Ausland machen, da dir sonst keine Wartesemester angerechnet werden.
Da mit dem "Masterplan Medizinstudium 2020" die Vergabe nach Wartesemestern sowieso nicht mehr so in Stein gemeißelt ist, solltest du erst recht überlegen ob du eine medizinische Ausbildung ergreifst. Wenn du dann nämlich keinen Platz bekommen solltest wirst du als Krankenpfleger / OTA / Rettungsassistent wohl sehr schnell verbittert auf die ganzen Studenten und die dir weisungsbefugten Ärzte schauen. Mal davon abgesehen sind dir dann die Kollegen, die von deinem Studiumswunsch erfahren, oftmals nicht wohl gesonnen. Da heißt es dann immer "der will auf die andere Seite", auch wenn sich das lächerlich anhört.
Für was auch immer du dich entscheidest, stehe dazu und mach es mit Freude. Ich hatte so einige Ausbildungskollegen, die in Selbstmitleid versunken sind, weil sie noch keinen Studienplatz bekamen.
Frohe Weihnachten :-)
m0ep
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