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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chirugie: Weniger Assistenten gleich bessere Ausbildung?



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BadGateway502
20.01.2016, 15:20
Hat jetzt nur marginal etwas mit Chirurgie zu tun, aber es scheint das sich auch andere mit der Thematik ernsthaft beschäftigen. Das ZDF berichtet heute um 22:45 Uhr "Notruf 112: Woran krankt der deutsche Rettungsdienst?"

"Tausende Menschen sterben in Deutschland bei Notfällen, weil lebensrettende Hilfe zu spät am Einsatzort ist und Notärzte nicht ausreichend ausgebildet sind, klagen Experten. Zentrales Problem sei die schlechte Organisation, kritisieren viele Ärzte: „Es werden Menschen sterben, weil wir zu spät kommen“, sagt Dr. Gerdts, ärztlicher Leiter, Rettungsdienst Cuxhaven, denn die Zahl der Einsätze steige – die der Notärzte und Einsatzwagen nicht."

"Scheitern in Deutschland lebensrettende Reformen am Festhalten der Ärzteschaft an einem veralteten System?

Zentrale Fragen betreffen aber auch die Chirugie: Schlechte Organisation und veraltete Systeme!

http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/befc0476-9f54-36cb-bcb9-43012ec8ac62/1aed0f2d-4f85-4d74-8491-d66529108180?doDispatch=1

Evil
20.01.2016, 19:17
Tausende Menschen? Na, da möchte ich aber mal verläßliche Quellen sehen, die Zahl scheint mir arg weit hergeholt.
Und eines der größten Probleme ist ja auch die Masse an Einsätzen, die nicht wirklich Notfälle sind.

MissGarfield83
21.01.2016, 10:28
Der Beitrag war an Polemik nicht zu überbieten - gestern angeschaut und mein Schatz und ich waren nur am schmipfen auf die tendenziöse und unsachliche Berichterstattung ... Ärztebashing vom feinsten.

SuperSonic
21.01.2016, 11:10
Puh, zum Glück habe ich den Notarzt-Kurs nicht am Meer besucht, sondern in einem Nest ohne großartige Gefahr der Ablenkung. Ich habe von Dermatologie keine Ahnung, dafür aber mehr als 6 Monate Weiterbildung im Krankenhaus hinter mir. Vielleicht kann ich bald als Notarzt doch dem ein oder anderen Patienten was Gutes tun...?

Relaxometrie
21.01.2016, 12:49
Ich halte den Bericht weder für überwiegend polemisch, noch sehe ich die genannte Zahl ("tausende Tote") allzu kritisch. Der Bericht hat wesentlich mehr an Informationen geliefert als nur Polemik und hat Punkte herausgearbeitet, an denen zur Verbesserung des Rettungswesens gearbeitet werden könnte.
Es wird sogar ein Bericht aus Seattle gezeigt, in dem von einer Dauer von 40 Jahren zur Verbesserung des Rettungswesens gesprochen wird. Es verlangt in dem Film also niemand schnelle und realitätsferne Verbesserungen.
Der Rechtsmediziner der Charité hat von seiner eigenen Studie berichtet, laut der -auf ganz Deutschland hochgerechnet- ca. 500 Menschen pro Jahr versterben, weil die rettungsdienstlichen Maßnahmen unzureichend sind.
Insofern neige ich dazu, die positiven und richtigen Punkte der Berichtes zu sehen. Daß die Ausbildung für Notärzte in vielen Fällen schlecht und unzureichend ist, weiß wohl jeder von uns. Woher kommen denn sonst auch die hier im Forum immer wieder gestarteten Threads "Ich soll Notarzt fahren, fühle mich aber nicht ausreichend ausgebildet"?
Ich finde es nicht schlimm, wenn ein System fehlerhaft ist......Luft nach oben ist wohl in vielen Bereichen vorhanden. Was ich aber schlimm finde, ist ein Verharren in als veraltet erkannten Systemen. Und Verharren nur deswegen, weil Kompetenzgerangel einen Fortschritt verhindert.

BadGateway502
21.01.2016, 13:41
Im Beitrag wird von der besagten Studie des Rechtsmediziners gesprochen und es werden etwa 500 verstorbene Patienten pro Jahr für den genannten Raum angegeben.

Das Thema betrifft uns insofern, da es schon sehr früh im Film auf einige der wesentlichen Punkte eingegangen ist, nämlich zu wenig Personal und mangelnde Ausbildung.

Weniger Assistenten gleich bessere Ausbildung?


Ist eigentlich erschütternd, dass man ohne strukturierte Rotationen eine Weiterbildung überhaupt durchführen darf... da gäbs in den USA keine Akkreditierung :-))

Stimme ich zu

Evil
21.01.2016, 14:41
Tja, und wo bekommen wir jetzt Scharen von hochqualifizierten Notärzten her?

Kackbratze
21.01.2016, 15:23
Aus dem Ausland. So wie es immer kolportiert wird. DA kommen sie her, die, die unser System retten werden.

Muriel
21.01.2016, 16:31
Aus Tschechien oder Polen? Aber eigentlich doch super. Das Polytrauma auf der Autobahn interessiert es auch nicht, ob der Typ deutsch spricht.

Brutus
21.01.2016, 18:26
Naja, das vielleicht nicht, aber schon, ob der NA ankommt, guckt und sagt: "Inschallah, ER hat es wohl so gewollt, also fahren wir wieder..."

BadGateway502
21.01.2016, 19:22
Tja, und wo bekommen wir jetzt Scharen von hochqualifizierten Notärzten her?

Zum Beispiel Teams verstärken und die Weiterbildungen intensivieren. Es muss ein echtes Interesse seitens der Klinik (in der Regel Abteilungsleiter bzw. der Chef- und Oberärzte) vorhanden sein.

Fr.Pelz
21.01.2016, 19:32
und seitens der Assis selbst... mein OA hatte mich auch mehrmals darauf angesprochen, ob ich nicht den Schein machen will, er ist selber leidenschaftlicher Notarzt. Aber ich halt nicht.

geisterhome
21.01.2016, 19:56
Aus Tschechien oder Polen? Aber eigentlich doch super. Das Polytrauma auf der Autobahn interessiert es auch nicht, ob der Typ deutsch spricht.

Nein, aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan. Da gibt's (/gab es- jetzt sind sie hier!) nämlich so viele Ärzte, und noch mehr Notärzte.

klingelpütz
21.01.2016, 21:26
Naja, das vielleicht nicht, aber schon, ob der NA ankommt, guckt und sagt: "Inschallah, ER hat es wohl so gewollt, also fahren wir wieder..."


:-(( Vom Bekannten des Freundes der Schwester erzählt bekommen oder wirklich erlebt?

BadGateway502
22.01.2016, 18:55
Für eine strukturierte Ausbildung braucht man:
1. Eine Chef der das umsetzen lässt
2. Oberärzte die das auch wollen oder vom Chef zum wollen gebracht werden

Welche Struktur man da genau wählt ist sehr individuell, an erste Stelle muss der Wille zur Weiterbildung stehen. Wenn der nicht gegeben ist, kann das nix werden.

In der anderen Abteilung waren es feste 6 Wochen Rotationen. Einer Station, einer AmbulanzOP, einer ZentralOP. In den 6 Wochen hat man sich entweder die Finger wund operiert/definitiv was gesehen oder sich auf Station in die Wundtherapie/Patientenversorgung einarbeiten können.

Das Prinzip bei euch ist genauso spannend, da es ja konsequent umgesetzt wird. Wenn die Weiterbildung nicht funktioniert, hauen die schlauen als erstes ab. Dann bricht das schlechte Konstrukt noch mehr auseinander....Abteilungsführung ist sicherlich kein Zuckerschlecken, aber dafür bekommt man auch das Chef-Gehalt.

Wieso ist das nicht überall umsetzbar?

Kackbratze
22.01.2016, 23:27
an erste Stelle muss der Wille zur Weiterbildung stehen.

Oder wie Stromberg es sagte:
"Nicht-können wohnt in der nicht-wollen Strasse"

Wenn ein Chef kein Interesse oder keinen Willen an der Weiterbildung hat, wird das nix.
Ein Chef den ich kennen lernen durfte hat seinen Schwerpunkt auf den Abteilungszahlen, weil sein Bonus und damit sein Gehalt daran gebunden ist. Weiterbildung hat er nur auf dem Papier stehen, damit Arbeitsbie...äh Assistenten kommen.
Sowie es um "Struktur in der Weiterbildung" ging, kam blabla und "nach dem Mund des Assistenten reden" mit leeren Versprechungen. Wenn es dann so war, das dem Letzten auffiel, dass die Versprechungen nicht eingehalten wurden, kam Schulterzucken ("is eben so, ich versuch ja, aber es ist so schwer") und "stell dich nicht so an, als ich damals....".
Moral von der Geschichte: jeder der konnte, war schneller weg, als man noch TSCHÜSS hinterher rufen konnte.

Ein Fisch kann auch vom Kopf her stinken...

P.S. der leitende OA hat versucht Struktur zu bringen, wurde aber vom Chef zurückgepfiffen, weil Weiterbildung längere OP-Zeiten verursacht. Wenn man Zahlen machen muss, geht das nicht...

ehem-user-19-08-2021-1408
23.01.2016, 19:43
Aus Tschechien oder Polen? Aber eigentlich doch super. Das Polytrauma auf der Autobahn interessiert es auch nicht, ob der Typ deutsch spricht.

Ich finde es auch irgendwie ein bisschen pietätlos den anderen Ländern die Ärzte "wegzunehmen", nur weil wir selbst nicht in der Lage sind die eigenen Studenten im Land und im Arztjob zu halten. Ist jetzt wahrscheinlich nicht so, dass in der Tschechei gerade Ärzteschwemme wäre...

MARTINAX
25.01.2016, 05:49
Es gibt halt solche und solche Chefärzte, einige legen Wert auf Weiterbildung andere eben nicht, da muss sich jeder selbst an die Nase packen. Falls ein Chefarzt da keinen Wert auf eine vernünftige und strukturierte Weiterbildung legt, dann spricht sich das schnell rum und dann wird es auch schwierig qualifiziertes Personal zu finden.Ich meine zu behaupten, dass ein "zu wenig an Assistenten" gleichbedeutend ist mit "gar keiner Ausbildung". Von daher ist es doch nur fair, wenn die entstehenden Personallücken durch ausländische Kollegen geschlossen werden, weil hier zu Lande die eigenen Ärzte in attraktivere Gegenden mit besseren Arbeitsbedingungen, optimierten Weiterbildungsangeboten und besserer Bezahlung ziehen. Die dabei entstehenden Personallücken müssen dann irgendwie anders besetzt werden... Es gibt Chefärzte bzw. Kliniken die sogar aktiv aus dem Ausland anwerben.

Kackbratze
25.01.2016, 08:38
Von daher ist es doch nur fair, wenn die entstehenden Personallücken durch ausländische Kollegen geschlossen werden, weil hier zu Lande die eigenen Ärzte in attraktivere Gegenden mit besseren Arbeitsbedingungen, optimierten Weiterbildungsangeboten und besserer Bezahlung ziehen. Die dabei entstehenden Personallücken müssen dann irgendwie anders besetzt werden... Es gibt Chefärzte bzw. Kliniken die sogar aktiv aus dem Ausland anwerben.

Mit den gleichen Lügen, die sie auch den heimischen Assistenten auftischen: Faire Bezahlung, flache Hierarchien und gute Weiterbildung.

geisterhome
25.01.2016, 16:29
"Flache Hierachien" steht in den Stellenanzeigen für unsere Abteilungen auch immer drin...HHAHAHAHAHAHAAH