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Zitrusfrucht
28.01.2016, 20:10
Ich arbeite nun seit einem Jahr in einem Haus der Maximalversorgung in der allgemein Inneren und habe grad gefühlt motivationstechnisch den tiefpunkt erreicht.
Ich finde Innere als Fach immer noch super und bin daher so hin und hergerissen, ob es am Fach oder an den Strukturen in meinem Haus liegen, dass ich mich so ausgebrannt fühle.
Ich verlasse das Krankenhaus meist um 18 Uhr, an super guten Tagen selten um 17 Uhr und dennoch gibt es immer etwas was liegen geblieben ist. Ich komme morgens auf Station und bin von da an wortwörtlich nur noch am rennen um alles irgendwie den Tag über zu schaffen, das mittagessen fällt dann eben auch öfter mal flach.
Anfangs dachte ich, dass es an mir liegt, dass ich zu unorganisiert bin aber jetzt nach einem Jahr ist es immer noch nicht besser und auch meine Kollegen die noch länger dabei sind kommen teilweise am Wochenende um Briefe zu schreiben.

Wertschätzung vom Chef oder den OÄ für die Arbeit gibt es nicht, man kriegt nur auf den Deckel wenn mal wieder ,,dampf'' abgelassen werden muss oder etwas nicht sofort so funktioniert wie der OA es will, dann wird man durchs Telefon gezogen. Das nimmt einem zusätzlich noch mehr die Motivation weiter zu machen.
Dienste und Funktionen werden von fortgeschrittenen Kollegen eingeteilt, da gibt es für die Funktionen leider keinen festen Rotationsplan und es ist sehr von der Sympathie der zuteilenden Kollegen abhängig, wann man in welche Funktion kommt und wie lange. Die Funktionen werden zusätzlich zur Stationsarbeit erledigt.
Da auch die Dienste von besagten Kollegen eingeteilt werden, ist auch hier das ganze sehr intransparent und nicht wirklich gerecht aufgeteilt von den Diensten und den Wochenenden. Einige Kollegen kommen hier natürlich besser weg als andere.

Unsere Dienste sind 24 h Dienste und zum Schlafen kommt man vllt. unter der Woche mal so für 2-3 Stunden. Am Wochenende arbeitet man in der Regel 24h durch. Ich bin dann die ganze Nacht für die Ambulanz und 5 internistische Stationen zuständig, nach dem Dienst muss dann noch visitiert und blut abgenommen werden. Am Wochenende visitiert man die komplette Station (auch die seite des kollegen) und rennt eig. nur zwischen Haus, visite und ambulanz hin und her. Hinzu kommen noch Blutentnamen und Braunülen legen und am Folgetag dann Blut abnehmen auf allen internen Stationen.

Der Super-gau ist nach einem 24 D am Samstag wieder Montag zur arbeit zu gehen und dann 2 Wochen durchgearbeitet zu haben.

Wenn ich das so lese komm ich mir grad wie der größte Jammerlappen vor. Aber zur Zeit fühle ich mich ausgebrannt und desillusioniert.

Mich würde eure Meinung zu oben geschilderten Bedingungen interessieren... vllt bin ich einfach nicht tough oder stark genug. Aber es kann doch nicht normal sein nur noch zu arbeiten und kein leben mehr zu haben:-?

vanilleeis
28.01.2016, 20:11
Und Du fragst ernsthaft, ob das am Haus oder an Dir liegt????

WackenDoc
28.01.2016, 20:23
Such dir so schnell wie möglich einen anderen Arbeitgeber!

Feuerblick
28.01.2016, 20:49
Was bitte hält dich in diesem Laden? So hoch kann das Schmerzensgeld aka Gehalt nicht sein...

WackenDoc
28.01.2016, 21:14
und wenn du eh nicht in die Funktion kommst, bringt es dir weiterbildungstechnisch ja auch nicht allzu viel.

BadGateway502
28.01.2016, 22:27
Was bitte hält dich in diesem Laden? So hoch kann das Schmerzensgeld aka Gehalt nicht sein...

Halt durch! Kündige und such nach einer neuen Stelle.

:-top

LasseReinböng
29.01.2016, 01:56
Bei mir war es in der Inneren ungefähr ähnlich. Am Wochenende traf man die Kollegen beim Briefe schreiben im Arztzimmer, obwohl jeder frei hatte.

Manchmal habe ich den Eindruck, daß es in Deutschland doch sehr viele internistische Abteilungen gibt, wo es so mies abläuft.

Feuerblick
29.01.2016, 06:04
Wer am Wochenende ohne Dienst zu haben und ohne dass er Überstunden aufschreiben könnte zum Briefeschreiben in die Klinik kommt, hat es einfach nicht verstanden! Selbst schuld, wenn es immer noch Abteilungen gibt, in denen es so läuft. Wenn die Besetzung so schlecht ist, dass die Arbeit nicht geschafft werden kann und man ständig Überstunden macht, dann muss man eben seine Arbeit auf die wirklich wichtigen Dinge beschränken. Der Rest bleibt bist zum St.Nimmerleinstag oder bis zu einer Flaute liegen. Sobald der Chef die ersten Beschwerden von außerhalb bekommt, wird etwas passieren. Entweder man bekommt Unterstützung oder man entscheidet sich für einen Abgang, weil man erkennt, dass sich nichts ändern wird. :-nix

wischmopp
29.01.2016, 06:45
Die Geschichte könnte glatt von mir vor einigen Monaten sein!

Ich bin da jedenfalls ganz schnell wieder weg und habe es keine Sekunde bereut...

Scarsick
29.01.2016, 09:10
Ich habe auch mehr als ein Jahr unter ähnlichen Bedingungen in der Inneren gearbeitet und mich letztendlich dazu entschlossen zu kündigen, da ich nicht sehen konnte, dass sich in diesem einen Jahr etwas zum besseren geändert hätte (eher im Gegenteil...) und die Probleme auch nicht angegangen wurden.
Es ist eine Zumutung unter solch einem Stress zu arbeiten, das hält doch keiner aus.
Du musst mal hochrechnen, was das alles bedeutet. Das war damals das, was mich zur Kündigung getrieben hat, als ich mir vor Augen gehalten habe, was das alles beinhaltet. Ich hatte ca. 50-60 Dienste im letzten Jahr. Das heißt 1/6 vom letzten Jahr habe ich nicht geschlafen! Das heißt, dass 1/3 vom letzten Jahr im A,.... waren, da der Folgetag wie ein Zombie auf der Couch verbracht wurde. Und die paar Euro, die man dafür bekommt, können das auf keinem Fall aufwiegen. Das kann niemand für sich wollen, das ist kein Leben. Drum rate auch ich dir zu kündigen und zwar so oft bis man eine akzeptable Stelle gefunden hat. Wir können uns sowas nicht gefallen lassen und ich bin sicher (auch wenn Kollegen und Oberärzte mir immer wieder versucht haben einzureden, dass es überall so sei...), dass es Kliniken gibt, wo das ganze besser läuft!

tragezwerg
29.01.2016, 09:39
Wenn ich das so lese komm ich mir grad wie der größte Jammerlappen vor. Aber zur Zeit fühle ich mich ausgebrannt und desillusioniert.
Mich würde eure Meinung zu oben geschilderten Bedingungen interessieren... vllt bin ich einfach nicht tough oder stark genug. Aber es kann doch nicht normal sein nur noch zu arbeiten und kein leben mehr zu haben:-?

Nein, du bist kein Jammerlappen. Und mit "stark genug sein" hat es auch nichts zu tun. Das wird einem nur gerne von den oberen Etagen an den Kopf geworfen damit man schön brav in der Opferrolle bleibt und weiter deren Drecksarbeit macht.
Was viele Ärzte noch nicht kapiert haben: Es ist nur ein Job. Den man engagiert machen kann und Freude daran haben kann. Trotzdem ist es ein Job der einem das Leben finanzieren soll und es nicht zerstören.
Deshalb: Such dir eine andere Stelle. Ein derart kaputtes System ändert sich nur dann, wenn wir alle die Konsequenzen ziehen und mit den Füßen abstimmen.
Viel Erfolg!

Jan B.
29.01.2016, 11:40
Ich kann mich den anderen nur anschließen. Du bist absolut kein Jammerlappen, sondern die Arbeitsbedingungen sind eine Katastrophe. Leider sind genau die von dir genannten Probleme an sehr vielen Kliniken und in vielen Fächern zu erleben und auch in deinem Fall fragt man sich, was die Leute antreibt, sich soo ausnutzen zu lassen. Wie kann man freiwillig am Wochenende zum Briefeschreiben kommen? Gehts eigentlich noch? Was geht in diesen Leuten vor und was ist in deren Erziehung so alles falsch gelaufen? Ich frage es mich immer wieder.
Deine 24h Wochenenddienste sind nichts anderes als ein krasser Bruch des Arbeitsrechts und wieso Ärzte nach so vielen Stunden noch selbst Blut abnehmen müssen, was anderswo eine Aufgabe für angelernte Hilfskräfte ist, das weiß wohl nur der liebe Gott.

Ich würde dir raten sofort zu kündigen und bis zum letzten Arbeitstag noch ordentlich krank zu feiern. Wenn dir Innere gefällt, versuch es mal woanders. Stellen gibts ja genug und ganz so schlimm ist es woanders dann vielleich doch nicht. Gleichzeitig kannst du dir ja schonmal vorsichtig Gedanken machen, ob es nicht auch mittelfristig ein anderes Fach sein darf ...

Das Leben ist zu kurz um es mit solchen Arbeitsbedingungen einfach wegzuwerfen. Zum Glück kann man auch als Arzt zu jeder Zeit aussteigen und in einen anderen Bereich mit zumindest normalen Bedingungen wechseln.

hebdo
29.01.2016, 15:57
Kenn ich auch so, zumindest das erste halbe Jahr. Nach der Geburt unseres 1. Kindes habe ich alles, was nichts direkt mit Patienten zu tun hatte um 16:30 fallengelassen und bin nach Hause. Den OA hatte ich immer ab 14.00 Uhr regelmäßig wegen der Kurvenvisite angerufen.

Ein Kollege hat sich auch schon mal wegen den Briefen ein Bett ins Untersuchungszimmer schieben lassen und hat dann nach einem Diktiermarathon dort übernachtet.

Love it, change it or leave it! Es gibt bessere Stellen!

BadGateway502
29.01.2016, 16:16
Entweder man bekommt Unterstützung oder man entscheidet sich für einen Abgang, weil man erkennt, dass sich nichts ändern wird. :-nix

Genau das war auch bei mir so!

Unzufriedenheit gab es bestimmt schon immer, aber allmählich kommt es mir so vor als würde die "Klageflut" etwas überhand nehmen. Ehemalige Studien- und Arbeitskollegen von mir sind auch sehr unzufrieden.


Wir können uns sowas nicht gefallen lassen und ich bin sicher (auch wenn Kollegen und Oberärzte mir immer wieder versucht haben einzureden, dass es überall so sei...), dass es Kliniken gibt, wo das ganze besser läuft!

Ja genau! Die Sprüche hört man dann wenn es soweit ist. Oder "wir mussten damals noch 48 Dienst schieben". Lachhaft und gelogen!

tiw28
29.01.2016, 16:25
Wow, dass es sowas heute noch gibt sind nur die Leute schuld die sowas mit sich machen lassen, sorry!

Ich arbeite in einem mittelgroßen Haus in einer internistischen Abteilung mit kardiologischen Schwerpunkt und von neuen Assistenten gehen 8 pünktlich nach Hause; der 9. hat halt Dienst;)
Damit will ich nur sagen dass es auch andere Häuser gibt und dem Themenersteller raten schnellstmöglich zu kündigen… Was sagen eigentlich die Kollegen zu dieser Situation? Eigentlich müssten doch alle dort weglaufen!?

Knugs
29.01.2016, 17:27
...genannten Probleme an sehr vielen Kliniken und in vielen Fächern zu erleben

Was sind das denn so fuer Faecher? Und welche Fachaerzte haben es einfacher? Ich frage weil ich mich bald fuer ein Fach entscheiden muss und ich lieber auch ein Leben haben moechte. Ist das schlimm?:-)

Paracelsus
29.01.2016, 20:52
Hallo Zitrusfrucht !
Was Du da schreibst, konnte ich kaum glauben: 24-Stunden-Dienste ? Und das heute noch ? Halloooo, geht's noch ???!!! :eek: Sofern Du bzw. Deine Kollegen keine Opt-Out-Regelung unterschrieben habt, sind so lange Arbeitszeiten nicht mit dem geltenden Arbeitsrecht vereinbar und somit illegal !!! Da sollte mal jemand bei der Gewerbeaufsicht anrufen, die würden das Haus aber mal schön auseinander nehmen ! 12 Stunden Arbeitszeit am Stück sind das Maximum, was heute noch erlaubt ist. :-(

Und wenn dann noch so ein rüder Ton von Seiten der Oberärzte bzw. des Chefs herrscht, dann ist das eine absolute Unverschämtheit. Das geht gar nicht. Der Gipfel aber ist, dass Du schon anfängst, an Dir selbst zu zweifeln ! Die scheinen Dich vom Geiste her ja schon prima umgekrempelt zu haben. Wach endlich auf ! Das liegt nicht an Dir !

Mein Rat: Kündigung zum nächtsmöglichen Termin und ganz schnell weg da ! Sklavenhaltung und Leibeigenschaft in Europa wurden nämlich schon vor geraumer Zeit abgeschafft ! :-meinung

Gruß Paracelsus

jijichu
29.01.2016, 21:09
@Zitrusfrucht - wollte Dir eine PN schicken, ist aber bei Dir nicht freigeschaltet.

Zitrusfrucht
29.01.2016, 21:27
Jiijchu ich hab's nun freigeschaltet :-) vielen Dank fürs mutmachen euch allen :-love irgendwann habe ich nämlich tatsächlich angefangen mich total klein und inkompetent zu fühlen. ich hab mich auch gefragt, ob es überhaupt rechtskonform ist nach einer Woche normalem arbeiten, Samstag 24 h Montag normal ohne Freizeitausgleich weiter zu arbeiten... Aber bei uns war auch Einstellungskriterium das Opt.-out zu unterschreiben, damit zieht der Arbeitgeber seinen Hals ja aus der Schlinge.
Ich hab nur so angst zu wechseln und vom Regen in die Traufe zu kommen wie man so schön sagt... Überleg auch was eine gute Alternative zu innere wäre.
Ich will einfach wieder kraft und Zeit für Sport und soziale Kontakte haben und nicht in meiner mir verbleibenden Freizeit total fertig und depri auf dem Sofa liegen. Das kann's doch echt nicht sein.
Aber von dem was ihr berichtet, scheint es ja doch innere Abteilungen mit besseren Bedingungen zu geben.

jijichu
29.01.2016, 21:44
Zitrusfruch, irgendwie kann ich Dir immernoch nicht schreiben. Schreib Du mir doch kurz eine PN, dann kann ich Dir antworten ;-)