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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Systematik der Kellerärzte - Unklarheiten



ehem-user-22072019-1327
13.02.2016, 12:16
Hallo zusammen,

ich hätte noch einmal eine Frage zu den Fachärzten bzw. zu der Abgrenzung zwischen diesen, da mir diese teils etw. schwer fällt.

Laboratoriumsmedizin: "Allgemeinmediziner des Labors", alle Arten von Proben, alle Methoden
größtenteils klinisch tätig?

Pathologie: größtenteils Histologie und damit Mikroskopie, aber auch andere Methoden und Proben + Obduktion (wo ist hier - abseits der Obduktion - der große Unterschied zum Labormediziner?)
größtenteils klinisch tätig?
(Im Falle von Neuropathologie größtenteils forschend tätig?)

Humangenetik: Auf genetische Krankheiten und genetische Verfahren spezialisierter Labormediziner + genetische Beratung
größtenteils forschend tätig?

Mikrobiologie/Virologie/Infektionsepidemiologie: Auf Erreger und die damit verbundenen Krankheiten spezialisierter Labormediziner + Epidemiologie (und bisschen Hygiene?)
größtenteils forschend tätig?

Sehe ich das so grundlegend richtig?
Ist für die letzten beiden Fachärzte überhaupt ein Markt da bzw. steht man mit diesen in direkter Konkurrenz zu Labormedizinern oder im Falle von MiBi zusätzlich noch zu Hygienikern?

Ich freue mich auf eure Antworten und hoffe, dass ich niemandem zu sehr auf die Füße getreten bin :)

davo
13.02.2016, 12:27
Mein bisheriges Verständnis davon:

Labormedizin: v.a. Blut; die meiste Zeit am Computer bzw. am Telefon

Patho: v.a. Gewebe; die meiste Zeit am Mikroskop

Humangenetik: genetische Erkrankungen

Mikrobiologie: Erreger; die meiste Zeit am Computer bzw. am Telefon

Aber so wie ich das mitbekommen habe, ist es in all diesen Fächern illusorisch, den Großteil der Zeit mit Forschung zu verbringen. Davon ist man glaub ich auch an Unikliniken weit entfernt.

Gewisse Überlappungen am Arbeitsmarkt gibt es soweit ich bisher mitbekommen habe nur zwischen Mibi und Hygiene, sonst eher nicht. Man sieht immer wieder Ausschreibungen für Assistentenstellen in all diesen Fächern.

Bin schon gespannt inwieweit meine bisherigen Einschätzungen mit der Realität übereinstimmen, sobald die Antworten von erfahreneren Leuten kommen :-))

papiertiger
13.02.2016, 12:49
Zumindest bei unseren Mikrobiologen machen einen nicht unerheblichen Anteil auch noch die infektiologischen Visiten auf den Intensivstationen aus - idR pro Station einmal pro Woche ca. eine Stunde ohne Vor- und Nachbereitung, auf manchen Stationen werden nur ausgewählte Problemfälle besprochen, auf anderen grundsätzlich jeder Pat. mit Keimnachweis und/oder antibiotischer Therapie.

Mano
14.02.2016, 15:11
Ob jemand forscht oder nicht hängt wohl mehr von der Arbeitsstelle (Uni vs. Klinik vs. privates Institut) ab als vom Facharzt. Neuropathologen machen das selbe wie Pathologen - nur eben für Muskel- und Nervengewebe. Das der Anteil an forschenden Neuropathologen größer ist als der von forschenenden Pathologen liegt - falls er überhaupt vorhanden ist - sicher eher daran, dass Neuropathologien tendenziell eher an Unis angesiedelt sind.

Mikrobiologen beschäftigen sich im Gegensatz zu Hygieniker schwerpunktmäßig mit der Krankheitsdiagnose anstatt der Verhinderung der Verbreitung. Wer infektiologische Visiten/ Beratungen übernimmt ist wohl von Haus zu Haus verschieden. Neben den beiden genannten Fällen sind es oft auch einfach erfahrene Kiniker (insb. Intensivmediziner).
Epidemiologie fällt aus dem gesamten Kontext - dazu gehören ja zB auch Statistiker o.ä. Berufsgruppen.

Alle genannten Gruppen haben ihr eigenes Gebiet und stehen meiner Erfahrung nach nicht in gegenseitiger Konkurenz - weil eben klar von einander abgetrennt. In großen Häusern mag es da allenfalls interne Diskussionen darüber geben, wer einzelne ganz bestimmte Untersuchungsverfahren durchführt. Gibt da aber auch teilweise Überschneidungen mit klinischen Fächern (zB Dermatohistologie, Hämatologie, Transfusionsmedizin) wo die Zuordnung je nach Klinik oder Land unterschiedlich erfolgt.

Darüber hinaus halten kleine Häusern nicht alle Bereiche als eigenständige Fächer vor, so dass es durchaus sein kann, dass bestimmte (häufige) Untersuchungen fachfremd durchgeführt werden oder Nacht- und Wochenendbereitschaften gemeinsam vorgehalten werden.