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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrung mit psychosom. Privatklinik als Honorararzt? Wievel Stundenlohn?



ahava
26.02.2016, 13:44
Hallo zusammen!

Habt ihr Erfahrungen oder Tipps, welche Gehaltsvorstellungen man im Nachtdienst in einer psychosomatischen Privatklinik haben kann? Im normalen Dienst auf einer Inneren Station sind es so 65-80 Euro, aber nachts in einer psychosomatischen Klinik ohne Notaufnahme???

Über eine Einschätzung würde ich mich sehr freuen:) gerne auch Erfahrungsberichte, was einen da so erwartet

Liebe Grüße :-)

Pflaume
26.02.2016, 17:57
Bereitschaftsdienst? Facharzt? Hängt ja auch von der Arbeitsbelastung ab. Tendenziell würde ich aus dem, was ich so an Angeboten gesehen habe, sagen: Bereitschaftsdienst ohne Notaufnahme-Tätigkeit leider nur ca. 35 bis 55 Euro. Habe das aber nie selbst gemacht. Kenne jemanden, der als Facharzt in einer geriatrischen Rehaklinik mit eher krankem Patientengut (geriatrische Reha mit NIV-Beatmungsmöglichkeit!), aber ohne Notaufnahme, für 24h-Dienste am WE 48 Euro/h bekommt. Kenne einen anderen, der als Honorar-Dienstarzt in einer reinen Rehaklinik für sehr sehr entspannte Nachtdienste (im Schnitt nur jeden 8. Dienst mal zwischen 23 und 6 Uhr 30 geweckt worden) nur 25 Euro/h genommen / bekommen hat...

ahava
26.02.2016, 18:48
Vielen Dank für Deine Antwort! Ich bin Assistenzärztin in der Inneren im 4. Jahr, und suche was für den Übergang, damit ich nicht verhungere ;o)

SuperSonic
26.02.2016, 19:01
Willst du dich schon auf ein konkretes Angebot bewerben oder war das eine grundsätzliche Frage? Denn es gibt so einige Vermittlungsagenturen, die dir nach kostenloser Anmeldung Angebote per E-Mail unterbreiten. Da sind auch Reha- und psychosomatische Kliniken dabei.
Das meiste läuft heutzutage aber nicht mehr auf Honorarbasis (Stichwort Scheinselbstständigkeit), sondern über eine kurzfristige Anstellung oder Arbeitnehmerüberlassung durch die Agentur.

ahava
26.02.2016, 20:04
ich wollte mich auf ein konkretes Angebot bewerben. Es handelt sich um eine Privatklinik für Psychosomatik, für Bereitschaftsdienste in der Nacht und am WE, Kinder/Jugendliche und Erwachsene mit "klassichen kinder- und jugendpsychiatrischen Krankheitsbildern"

EKT
26.02.2016, 20:41
ich wollte mich auf ein konkretes Angebot bewerben. Es handelt sich um eine Privatklinik für Psychosomatik, für Bereitschaftsdienste in der Nacht und am WE, Kinder/Jugendliche und Erwachsene mit "klassichen kinder- und jugendpsychiatrischen Krankheitsbildern"

Vermutlich die Somnia-Klinik? Die zahlen sehr schlecht, im Bereich von 20-30 €/h.

ahava
26.02.2016, 21:36
ja, genau dort.
Hast Du Erfahrung mit denen? Wie sind die Nachtdienste dort? Stressig?

EKT
26.02.2016, 21:48
Nein, keine Erfahrungen.

WackenDoc
26.02.2016, 21:57
Für Notarztdienste bekommt man ca. 35€/h als Bruttohonorar. Drunter würde ich nicht gehen ,sonst bleibt zu wenig über.
was du aber wissen musst- wenn du dich als Honorarkraft anstellen lässt, keinen Befreiungsantrag bei der DRV stellen- geht eh nicht durch und du bist dann wohl den Job los.
Bei ner Festanstellung kann man drunter gehen, wenn wenig los ist- da sind dann aber auch Sozialleistungen mit drin.

Unter Wert solltest du dich aber auch nicht verkaufen- geht nicht nur um die Menge der Arbeit, sondern auch um die Verantwortung, die du trägst (Mist- eigentlich bekommt man als Notarzt ziemlich wenig)

klingelpütz
26.02.2016, 22:05
Gibt es eigentlich für Honorardienste an Kliniken bestimmte offizielle Vorgaben? Ich meine damit zB eine bestimmte Dauer der bisherigen ärztlichen Tätigkeit oder so. Oder kann der Auftraggeber sprich die Klinik theoretisch jeden mit Approbation dafür engagieren?

ahava
26.02.2016, 22:24
bez Befreiung DRV: uh, danke. darüber hab ich gar nicht nachgedacht.....ich scheine etwas naiv da herangegangen zu sein....

SuperSonic
27.02.2016, 12:19
@klingelpütz:
Approbation oder Berufserlaubnis ist natürlich zwingend notwendig; was darüber hinausgeht, kann der Auftraggeber bestimmen, z. B. Facharzt vs. Assistenzarzt, Zusatzbezeichnungen, Fachkunde Strahlenschutz, ITS-Erfahrung usw.

klingelpütz
28.02.2016, 21:46
Ok, das ist dann sozusagen auftragsgebunden. Aber generell geltende Vorgaben scheint es nicht zu geben.
Ich kann es mir irgendwie nicht so wirklich vorstellen, wie man für eine Woche zum Beispiel als Honorardienstler auf einer internistischen Station arbeiten will. Das fachliche Können ist da ja nicht unbedingt das Allerwichtigste, das einen das hinbekommen lässt. Ohne das Haus mit seinen Strukturen zu kennen, kann das doch eigentlich gar nicht funktionieren, schon gar nicht so, dass eine Verwaltung bereit wäre, diesem Kollegen das Dreifache dessen zu zahlen, was festangestellte Ärzte bekämen. Aber nun gut, das ist ja hier nicht Thema, sorry.

SuperSonic
29.02.2016, 16:45
Von den Honoraren sollte man sich nicht blenden lassen und voreilige Schlüsse ziehen, weil mehr dahintersteckt, als man auf den ersten Blick vermuten mag:
- Die Honorarkraft muss sämtliche Sozialabgaben selber abführen, es gibt keinen Arbeitgeberzuschuss zu KV, PV, Versorgungswerk.
- Die Honorarkraft muss sich um eine Unfallversicherung und Haftpflichtversicherung selber kümmern.
- Die Honorarkraft hat keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
- Die Honorarkraft kann selten mit werktäglichen Aufträgen rechnen, es wird also viele Tage im Monat ohne jedes Einkommen geben. (Geschäftsrisiko)
- Mit dem pauschalen Honorar sind alle sonst üblichen tariflichen Zuschläge sowie Zulagen abgegolten.
- Neben der starken zeitlichen Flexibilität (oft nur ein bis wenige Tage Vorlauf) muss auch eine örtliche Flexibilität berücksichtigt werden, da geeignete Honorarärzte manchmal von weiter her anreisen müssen, Fahrtkosten jedoch nicht übernommen werden.
- etc.

Die ersten beiden Punkte gelten nicht bei einer kurzfristigen Anstellung, aber auch in dieser neueren Konstellation bleiben genug Argumente übrig, wieso man als kurzfristige "Aushilfe" (und oft geht es nur um einzelne Dienste, besonders nachts und am Wochenende) einen deutlich höheren Stundenlohn als die Festangestellten erhalten sollte.
:-meinung im 2500. Beitrag.

PsychoFan
03.03.2016, 22:06
Ich wiederrum verstehe nicht, weshalb man sich als Arzt entscheidet, zu grotesk schlechten Konditionen nach Marburger Bund zu arbeiten.

Dieser Verein gehört aufgelöst. Deren Tarife liegen netto bei ca. 50-75% dessen, was man problemlos netto auf dem freien Markt heutzutage in Deutschland verdient. Insbesondere die Vergütung von Bereitschaftsdiensten und Hintergrunddiensten. 150-200 EUR für 24 Std. Hintergrunddienst. Wenn das nicht gegen die Berufsordnung verstößt?

Hört nicht auf Märchen von wegen AG-Anteile. AG-Anteil zur RV, zur KV und zur PV, das sind ca. 20%. Brutto erhält man auf Honorarbasis aber mind. 3x so viel, wie auf Marburger Bund. In der ANÜ übrigens auch.