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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verunreinigung einer Infusion?



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VaniNessi
02.03.2016, 13:20
Hallo Zusammen,

ich würde gerne mal einen Vorfall diskutieren, den ich vor kurzem beobachtet habe...
Eine Schwester wollte eine Infusion bei einem Patienten anschließen, sie hatte sich die Hände kurz vorher desinfiziert...Die Verschlusskappe des Anschlussstückes des Infusionsschlauchs ging extrem schwer ab, sodass sie ein bisschen rütteln musste...Als die Kappe dann endlich abging ist sie ein bisschen abgerutscht, sodass ich mir ziemlich sicher bin, dass sie mit dem Ende, das an die Braunüle angeschlossen wird, an ihre Hand gekommen ist. Daraufhin hat sie die Infusion angeschlossen. Meine Frage ist nun, ob sowas nicht ernsthafte Folgen für den Patienten haben kann, denn verunreinigt war das Anschlussstück nun doch auf jeden Fall, oder?

Evil
02.03.2016, 13:48
Nicht wirklich.
Vollständig steriles Arbeiten ist unter diesen Bedingungen nicht möglich, bei ordnungsgemäßer vorheriger Händedesinfektion dürfte die Keimlast am Infusionsendenach flüchtiger Berührung nicht größer sein als beispielsweise die Bakteriämie nach dem Zähneputzen.

Übrigens sind Mehrfachpostinngs mit identischem Inhalt nicht erwünscht, daher habe ich die anderen beiden gelöscht.

*milkakuh*
02.03.2016, 14:21
Die Infusion wird dadurch jedenfalls wahrscheinlich nicht so stark verunreinigt gewesen sein, dass ein (immunkompetenter) Patient deshalb eine Infektion bekommt. Natürlich ist das Vorgehen dennoch hygienisch nicht 100%ig einwandfrei, kann aber passieren. Ich würde das ganze auch wie Evil unter keimarmen Arbeiten verbuchen (wegen der vorausgegangenen Händedesinfektion).

Die wichtigste hygienische Maßnahme in der Klinik ist die Händedesinfektion. Es wäre schon ein großer Schritt, wenn die konsequent von allen Berufsgruppen durchgeführt werden würde.

VaniNessi
02.03.2016, 14:23
Achso, das wusste ich nicht. Danke!

Aber nach der Desinfektion der Hände hat sie auch noch ein paar Papierschnipsel vom Bett genommen, sich Tupfer zum Unterlegen zurechtgelegt usw..., aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie damit die Hautareale getroffen hat, mit denen sie dann den Infusionsanschluss berührt hat, ist wohl auch sehr gering...!?

Ich war nur so verwundert, weil ich dachte das muss auch alles 1000%ig steril über die Bühne gehen...?

Nessiemoo
02.03.2016, 15:07
Oh, dazu hätte ich auch ein paar (gefühlt sehr dumme) Fragen, aber sowas kommt ja in Studium einfach viel zu kurz:
- Aber wenn der Schlauch auf dem Boden fällt, muss man die Infusionsbesteck wechseln - oder die ganze Infusion?
- Wenn die Braunüle nicht läuft, wird hier die Infusionsschlauch abgestöpselt und im Flur abgestellt, um auf eine neue Viggo vom Arzt/PJ zu warten, und es dauert dann manchmal eben etwas länger. Ist das von der Hygiene so ok? Und wenn es nicht abgestöpselt ist - das geht dann eigentlich nicht, oder?
- Wenn man für i.v Medikamente das Mandrin kurz rauszieht (ohne dass es was anderes berührt), kann man es wieder reintun oder muss man es wechseln?

Absolute Arrhythmie
02.03.2016, 16:43
Oh, dazu hätte ich auch ein paar (gefühlt sehr dumme) Fragen, aber sowas kommt ja in Studium einfach viel zu kurz:
- Aber wenn der Schlauch auf dem Boden fällt, muss man die Infusionsbesteck wechseln - oder die ganze Infusion?
- Wenn die Braunüle nicht läuft, wird hier die Infusionsschlauch abgestöpselt und im Flur abgestellt, um auf eine neue Viggo vom Arzt/PJ zu warten, und es dauert dann manchmal eben etwas länger. Ist das von der Hygiene so ok? Und wenn es nicht abgestöpselt ist - das geht dann eigentlich nicht, oder?
- Wenn man für i.v Medikamente das Mandrin kurz rauszieht (ohne dass es was anderes berührt), kann man es wieder reintun oder muss man es wechseln?

Meine (Schwestern-) Meinung:
Ad 1) würde ich das System auf jeden Fall wechseln. Infusionen je nachdem was drin war: kleines Volumen der Infusion: ja, großvolumige Elyteinf. Nein.
Ad 2) ich mache persönlich nen "Nubsi" (aka In-Stopfen) drauf
Ad 3) Mandrin mache ich immer neu,die Dinger sind mir eh suspekt,in meinem Ausbildungshaus waren die sogar verboten wegen stattgehabtem Materialbruch mit Verschleppung des Plastikfragments. Daher würde ich die möglichst erneuern und nicht wieder reinstopfen.

*milkakuh*
02.03.2016, 18:09
Sehe ich wie AA, nur noch eine Anmerkung zu 2) Das Infusionssystem muss unbedingt mit einer Verschlusskappe verschlossen worden sein. Und weiterhin kommt es auf Infusionslösung an wie lange die aufbewahrt werden darf. Antibiosen z.B. generell nur 60 Minuten nach Herstellung, die Zeit dürfte in den meisten Fällen verstrichen sein und daher sollte man die nicht mehr anhängen sondern eine neue Lösung herstellen.



Ich war nur so verwundert, weil ich dachte das muss auch alles 1000%ig steril über die Bühne gehen...?
100%ig korrekt wäre es natürlich gewesen, wenn sie ein neues Infusionssystem benutzt hätte. Eine Sprühdesinfektion wäre auch nicht 100%ig korrekt gewesen, da das System offen war und so auch Desinfektionsmittel in die Flüssigkeit und damit dann in die Vene kommen könnte. Im Pflegeexamen hätte ich die Infusion so auf keinen Fall angehängt, da wäre man wahrscheinlich durchgefallen. Im Stationsalltag wirst du solche Situationen öfters erleben und die Wahrscheinlichkeit, das wirklich was passiert ist eben gering.

Absolute Arrhythmie
02.03.2016, 19:01
@steril: Was im Allgemeinen so als "steriles arbeiten" bezeichnet wird ist wohl im wahren Leben allenfalls als "möglichst keimarm" zu bezeichnen. Sterilisier mal deine Hände, danach unterhalten wir uns vielleicht nochmal über das Thema ;-)
Vergleiche dazu: Sterilisation (https://de.wikipedia.org/wiki/Sterilisation) und Desinfektion (https://de.wikipedia.org/wiki/Desinfektion)

altalena
02.03.2016, 19:13
Also, wenn mir nur der Schlauch auf den Boden fällt und die Infusionsflasche weiter am Infusionsständer hängt, hätte ich jetzt ehrlich gesagt nur das Besteck erneuert...... Oder is mein Hygienebewusstsein da zu lapidar ? :-))

Und Mandrin raus und wieder rein, bäh pfui.... nehme auch immer 'nen neuen. (manchmal hängen da ja auch so Blutkoagel dran und so....)

*milkakuh*
02.03.2016, 20:09
Also, wenn mir nur der Schlauch auf den Boden fällt und die Infusionsflasche weiter am Infusionsständer hängt, hätte ich jetzt ehrlich gesagt nur das Besteck erneuert...... Oder is mein Hygienebewusstsein da zu lapidar ? :-))
Ich hätte auch nur das Infusionssystem erneuert, außer das Infusionsvolumen ist so gering, dass quasi schon die Hälfte des Wirkstoffes im Schlauch war.


Und Mandrin raus und wieder rein, bäh pfui.... nehme auch immer 'nen neuen. (manchmal hängen da ja auch so Blutkoagel dran und so....)
Ja das geht gar nicht. An der Uniklinik hier gibt's die Mandrins laut Skills Lab gar nicht mehr sondern es werden nur noch diese roten Verschlusskappen benutzt. Genaue Begründung warum das hygienischer ist weiß ich leider nicht.

Rhiannon
02.03.2016, 20:11
Mandrin nehm ich immer nen neuen.

Das grusligste, was ich jetzt im PJ mal gesehen hab war: Viggo para gelaufen, also gezogen worden (von der Praktikantin, die offenbar kein Mensch richtig angeleitet hat). Sie hat die Infusion einfach zugedreht, an der Viggo dran gelassen und dann hing da die Infusion mitsamt der gezogenen Viggo dran, als ich reinkam um nen neuen Zugang zu legen. Das sah schon irgendwie eklig aus wie das da alles rumhing, mit dem gekrumpelten Viggopflaster noch dran etc.
Da ich mir da dann auch nicht mehr sicher war wie hygienisch das alles ist, hab ich lieber mal vorm Zugang legen ne neue Infusion fertig gemacht und die dann angehängt.

vanilleeis
02.03.2016, 20:20
Infusionen in den Flur stellen? Wieso das denn?
Das wäre mir suspekt

Brutus
02.03.2016, 21:08
Mandrins sieht pfui bah!
Roten Stopfen drauf und gut mit Ringer / Jono / NaCl spülen. :-)

Gesocks
02.03.2016, 22:29
[...] Ja das geht gar nicht. An der Uniklinik hier gibt's die Mandrins laut Skills Lab gar nicht mehr sondern es werden nur noch diese roten Verschlusskappen benutzt. Genaue Begründung warum das hygienischer ist weiß ich leider nicht.

Mal flott ergoogled:
"Es existieren keine wissenschaftlichen Daten über Mandrinverschlüsse, d. h. die Komplikationsrate bei längerer Liegedauer derartiger Verschlüsse und die maximal zulässige Liegezeit sind nicht definiert. Aufgrund vereinzelt aufgetretener Infektkomplikationen (schwerer Lokalinfekt,Sepsis) bei längerem „Ruhen“ peripherer Verweilkanülen, die mit einem Mandrinverschluss versehen waren,erscheint es vernünftig, die maximal zulässige unbeobachtete Liegezeit für derartige Verschlüsse auf 24 h zu begrenzen." (RKI: Prävention Gefäßkatheterassoziierter
Infektionen https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Gefaesskat_Rili.pdf?__blob=publicationFile)

*milkakuh*
02.03.2016, 22:35
Vielen Dank, Gesocks! :-)

klingelpütz
02.03.2016, 22:41
Bei uns gibt's auch nur noch die roten Stöpsel. Ist mir ganz recht, da muss man nicht so stochern ;-)

Philip_MHH
03.03.2016, 16:44
ich würde mal sagen, dass die Mandrins durch rote stopfen ersetzt werden hat vor allem den Grund, dass es billiger ist, weil man viele rote stopfen kauft und nicht 5-6 verschiedene Mandrins kaufen muss....

FirebirdUSA
03.03.2016, 20:18
Aber nicht das nachspülen von Brutus vergessen. Sonst kann man die Viggo auch gleich ziehen. In der Regel thrombosieren die recht schnell zu.

Nessiemoo
03.03.2016, 21:56
Oh, das hatte ich noch nie gehört, dass man generell bei Mandrins Bedenken hat! Werde versuchen mich da umzustellen.

Das mit Viggo an Infusionsschlauch dranlassen habe ich aber auch schon ein paar mal gesehen -.-

epeline
03.03.2016, 23:06
Wir haben an den Viggos (bei uns heißen die ja Flexülen) noch so ne kleine Schlauchverlängerung dran, auf die am Ende ein roter Stopfen kommt.7

Viggo am Schlauch lassen ehe ich öfter, allerdings nur, wenn dieser auch gleich mit in die Entsorgung geht ;-)