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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Impfkritiker



ichnixDoktor
13.03.2016, 12:59
Hallo,

da es immer mehr Impfgegener gibt ( gerade Akademiker) und man immer wieder damit konfrontiert wird, wollte ich mich mal gründlich mit dem Thema auseinander setzen.

Klar ist, dass das komplette Ablehnen einer Imfpung Quatsch ist. Im Voraus möchte ich sagen, dass ich absolut kein Freund von Globuli bin und überzeugt bin, dass die wissenschaftliche Medizin der korrekte Weg ist.

An der (bzw meiner) Uni scheint das Thema keine große Rolle zu spielen.

Das eine oder andere Argument scheint doch irgendwo berechtigt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Mitglieder der Stiko haben fast alle irgendwelche Verbindungen zur Pharmaindustrie. Außerdem fungiert die Pharmaindustrie in Studien ja nachweislich sehr oft als Drittmittelgeber. Eine Unabhängigkeit ist ja nicht gegeben.

Die Antworten des RKI auf Impfkritik habe ich schon gelesen.

Zusammenfassend:
Wo informiert man sich am besten bezüglich dieses Themas? Gibt es Links oder Buchtipps, die ihr empfehlen würdet? Wie sollte man später mit Patienten umgehen, die eine Impfung vollständig ablehnen?
Sind hier eventuell Ärzte, die die Empfehlung der Stiko kritisch betrachten? (Bspw. eine Hep B Impfung eines Kleinkindes) Wie kann man sich unabhängig informieren?

Ich bitte um eine sachliche Diskussion und freue mich auf eure Antworten.

Viele Grüße

roxolana
13.03.2016, 13:20
Meine Meinung: Wenn die STIKO wirklich nur eine Marionette der Pharmaindustrie wäre, dann wäre sie nicht so kritisch gegenüber neuen Impfungen (z.B. Meningokokken B, schon seit Jahren auf dem Markt, aber immer noch keine STIKO-Empfehlung). Daher vertraue ich persönlich auf die STIKO bzw. das RKI und habe bislang keine wissenschaftlich fundiertere Quelle gefunden. Wenn du eine hast, dann kannst du sie gerne mit uns teilen.

Und was hast du gegen die Hepatitis-B-Impfung bei Kleinkindern? Du weißt schon, dass Hepatitis B peripartal übertragen werden kann und dann z.B. in der Kita durch Bissverletzungen andere Kinder angesteckt werden können? Außerdem gibt es auch ein Ansteckungsrisiko bei (zahn-)medizinischen Eingriffen. Eine Patientin von mir chronischer Hepatitis B wurde als Kind vom Zahnarzt infiziert. Laut Leitlinie hat 1/3 der Hepatitis-B-Träger die Infektion in der Kindheit erworben.

annekii
13.03.2016, 13:39
Hallo,

als niedergelassene Kinderärztin impfe ich sehr viel und habe auch viele Gespräche zu den Impfungen und natürlich auch Impfkritiker in der Praxis. Die Masse lässt bei uns alles impfen. Dann gibt es einige, die sich genau überlegen und manche Sachen nicht impfen, z.B. Varizellen, HepB, MenC und Rotaviren in der Säuglings- und Kleinkinderzeit, also ein bisschen auch wie der Schweizer Impfplan. Da kann ich immer gut mitgehen, aber ich kläre nochmal genau dazu auf und lasse es mir auch unterschreiben, da hier nun mal die StIKo-Empfehlung gilt und ich sicher gehen will, dass mir niemand später ankommt und sagt, wir hätten das nicht erzählt.

Dann haben wir später-Impfer, die selbst gesteckte Zeiten haben, z.B. ab 6 Monate oder ab Ende der Vollstillzeit oder mit 1 Jahr oder mit 3 Jahren. Was anderes habe ich bisher noch nicht gehört. Aber eine sinnvolle Begründung für diesen Zeitpunkt habe ich auch noch nie bekommen. Diese 4 Zeiten kommen immer mal vor. Da wünschen sie auch Impfstoffe, die für das Alter oder für die Grundimmunisierung nicht zugelassen sind (z.B. Td pur oder Revaxis, sind ja beide mit d statt D), sodass ich den Off label-Use aufkläre und mir unterschreiben lasse, wenn ich es mache.

Es gibt einfach keine Impfpflicht und die Eltern müssen die Verantwortung selbst tragen. Ich ziehe mir den Schuh nicht an, dass ich das übernehme. Wenn die nicht wollen trotz Aufklärung, dann ist es halt so. Sie bekommen von mir aber noch genaue Anweisung, dass ich sie nicht einfach so in der Praxis sehen will, wenn es Verdacht auf Keuchhusten, Masern und Co gibt, da ich dafür Sorge tragen muss, dass die nicht impfbaren Babys sicher sind. Das haben mir bisher auch alle Eltern versichert, nur eine ist mal pampig geworden. Die habe ich dann freundlich aufgefordert, sich eine andere Praxis zu suchen, wenn sie nicht verantwortungsvoll anderen gegenüber durch ihre Impfentscheidung umgehen wird.

Ich glaube, man kann sich nicht wirklich unabhängig informieren. Die StIKo hat auch Gründe, die für mich individuell nicht richtig sind. Z.B. die Rotaviren-Impfung. Das senkt die Kosten für stationäre Aufenthalte, aber es ist ja nun nicht eine Erkrankung mit schweren Folgen oder Todesfällen in Deutschland wie bei den anderen empfohlenen Impfungen. Da geht es meiner Meinung nach um ökonomische Gründe.

roxolana
13.03.2016, 14:18
Die StIKo hat auch Gründe, die für mich individuell nicht richtig sind. Z.B. die Rotaviren-Impfung. Das senkt die Kosten für stationäre Aufenthalte, aber es ist ja nun nicht eine Erkrankung mit schweren Folgen oder Todesfällen in Deutschland wie bei den anderen empfohlenen Impfungen. Da geht es meiner Meinung nach um ökonomische Gründe.

Wobei ein Krankenhausaufenthalt für einen Säugling ja auch ein einschneidendes Ereignis darstellt. Seit dem Neo-Aufenthalt meiner Tochter war mir klar, dass ich sie gegen Rotaviren impfen lasse, auch wenn es zu dem damaligen Zeitpunkt noch keine STIKO-Empfehlung gegeben hat. Ich wollte ihr einfach den neuerlichen Aufenthalt mit Schläuchen, Fehlpunktionen, Schmerzen, Trennung von den Bezugspersonen usw. ersparen. Daher sprechen für die Vermeidung von Krankenhausaufenthalten vielleicht nicht nur ökonomische Gründe, aber ich kann natürlich nicht in die Köpfe der Kommission reinschauen.

annekii
13.03.2016, 18:17
Natürlich ist das auch nicht schön! Aber die anderen Impfungen haben ganz andere Folgen, lebenslange Folgeschäden, Tod, usw. Nach einer Rotavirenimpfen dauert es vielleicht, bis der Stuhl sich wieder eingependelt hat, aber das war es auch. Das meinte ich. Ich will niemandem die Impfung ausreden und tue das auch nicht in der Praxis, im Gegenteil, denn nach meiner Beratung impfen es trotz meiner eigenen Meinung fast alle.

Fr.Pelz
13.03.2016, 19:16
Außerdem fungiert die Pharmaindustrie in Studien ja nachweislich sehr oft als Drittmittelgeber.

Dieses Argument halte ich für schwach, denn mit der Behandlung der Erkrankungen lässt sich ja mehr Geld verdienen als mit den Impfstoffen. So eine Masern- oder Meningokokken-Sepsis landet schnell auf der ITS und was DANN so an Medis reingekippt wird, wird dann wirklich teuer.
Stell dir nur mal vor, es gäbe keine Impfung gegen Diptherie- wie schön man Penicilline verkaufen könnte an die Erkrankten.

vanilleeis
13.03.2016, 19:51
Bei einigen Impfkritikern, die ich kenne, gibt es auch das Argument der Impfschäden. Der eine kennt wen, der kennt wen, der hat das und das und das war ganz sicher die Impfung blablabla.
In einem gewissen Rahmen kann ich die Angst, seinem Kind womöglich einen Schaden durch die Impfung zuzufügen, verstehen. Mir ging es bei den ersten Impfungen auch so, dass es mich wirklich Überwindung gekostet hat, Ratio hin oder her.

Fr.Pelz
13.03.2016, 20:00
Gibt auch ganz aktuell eine schöne Zusammenfassung (Impfkritiker, ihre Argumentew und die besten Erwiderungen) von Philip S. Holstein https://www.facebook.com/psHolstein/posts/778661205567711?fref=nf