Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hypochonder der Notaufnahme, in wie verhält man sich richtig?
DrSkywalker
24.04.2016, 15:41
auch wenn es sicher dem thread-eröffner nicht entspricht, aber ich sah einmal auch chirurgisch einen patienten, dem ich seine symptomatik bestehend aus nackenverspannung (die klinisch nicht nachvollziehbar war), unwohlsein und "umtriebigkeit" nicht glaubte. der psychiater (im haus) sah ihn im anschluss und empfahl ein ct. hier zeigten sich bei einem mitte 20jährigen multiple wohl embolische hirninfarkte...
Das dürften dann aber keine Erklärung für die akute (?) Symptomatik gewesen sein. Passt von der Klinik her überhaupt nicht. Wenn das ein MRT gewesen wäre vielleicht, aber im CT sieht man ja ganz akut null und später ist es auch nicht so eindeutig, außer es sind größere Infarktareale.
Generell sollte man die Diagnose Hypochonder nicht vorschnell vergeben (und aus eigener, leidvoller Erfahrung weiß ich, wie schnell man diesen Stempel verpasst bekommt.... obwohl halt was ist)
Generell sollte man die Diagnose Hypochonder nicht vorschnell vergeben (und aus eigener, leidvoller Erfahrung weiß ich, wie schnell man diesen Stempel verpasst bekommt.... obwohl halt was ist)
Ich denke bei der geschilderten Symptomatik ist da mit ziemlicher Sicherheit ein wenig Hypochonder/ pyschische Grunderkrankung dabei. Aber man sollte nicht ausschließen, dass ein Teil somatisch ist - also Hunde und Flöhe...
Es gibt immer den einen gruseligen Fall, bei dem keiner dran gedacht hat und und am Ende doch was ganz schlimmes rauskam.
Wir hatten hier auch schon einen vom Orthopäden entdeckten Herzinfarkt, der nur Rückenschmerzen hatte.
Aber trotzdem muss man ja auf dem Boden der Tatsachen bleiben und kann bei dem geschilderten Fall (sehr lange Anamnese, keine Hemisymptomatik etc) mit 99%er Sicherheit davon ausgehen, dass es kein Apoplex im Lysefenster ist... das übrige 1% ist halt das medizinimmanente Pechgehabt.
WackenDoc
24.04.2016, 20:47
Das hört sich nach irgendeinem neurologischen oder psychiatrischem Problem an. Vielleicht auch gemischt. Aber eher nichts hochakutes. Wenn er sehr geplagt ist, kann man ihn ja mal neurologisch abklären und am nächsten Tag dem Oberarzt vorstellen. Aber eher in Richtung Psychose als akut neurologisch.
Was halt auffällig ist, ist dass er noch nicht beim Neurologen oder Hausarzt war.
Oh ja, die mit atypischer Symptomatik kenn ich auch. Einmal STEMI, wo aufgrund eines Computerproblems das EKG zu spät befundet wurde. Aufgrund der Symptomatik hatte ich das als nicht soo zeitkritisch eingestuft. Einen anderen hab ich mit "können sie mal schauen, ich war gestern im Garten und jetzt ziehts im Rücken" mehr aufgrund eines Bauchgefühls rausgefischt. Das EKG war noch nichtmal soo dramatisch.
Und einmal atypische Appendizitis, der mit V.a. Zystitis da war (Erstvorstellung war glaub ich sogar leichte Gastroenteritis, kam ein oder zwei Tage später wieder) und bei dem ich auch mehr durch Zufall mal nen Schallkopf drauf gehalten hab. Wasn Glück dass ich beim ersten Mal noch dokumentiert habe "klinische Zeichen auf Appendizitis negativ)
smanpodg
24.04.2016, 21:17
Ich bin dafür, die Diagnose Morbus Bahlsen zu vergeben. Einen knusprigen Keks im Kopf...
Ich hatte einen Patienten, der Depressiv wurde, weil er meint, er verdient ZUVIEL!! Zuviel! Er meint, seine Arbeit sei so geringwertig, dass er eigentlich nur die Hälfte bekommen sollte... Diese Erkenntnis kam NACH Dauerterminen bei tausend Fachärzten als spontaner Einfall in der Sprechstunde (8 Konsultation in drei Wochen....)....
-> Morbus Bahlsen
FirebirdUSA
24.04.2016, 21:35
Das dürften dann aber keine Erklärung für die akute (?) Symptomatik gewesen sein. Passt von der Klinik her überhaupt nicht. Wenn das ein MRT gewesen wäre vielleicht, aber im CT sieht man ja ganz akut null und später ist es auch nicht so eindeutig, außer es sind größere Infarktareale.
Dissektion = Nacken/Halsschmerzen? Passt jetzt bei einem jungen ganz gut.
Kackbratze
24.04.2016, 21:37
Wo wir gerade Kolibiris austauschen:
Ich hatte mal einen Patienten mit den typischen Zeichen einer Appendizits.
Laborchemisch, klinisch und sonographisch.
Hatte er dann intraoperativ auch.
Immer dieses Gelaber mit den Kolibris, bei dem Patienten musste ich mit unseren Uniabsolventen auch erstmal alle Kolibris durchkauen bis dann endlich der Glaube an eine wahre und eindeutige Appendizits überhaupt auf dem Schirm auftauchte.
Man darf Kolibris nicht vergessen, sie sind aber trotzdem SELTEN!
Anne1970
24.04.2016, 21:46
Richtig. Erstmal muss man die Hausaufgaben machen; und das Naheliegende untersuchen und finden oder ausschließen.
Auch jeder PSY- oder Pychsom-Pat. braucht zumindest eine ordentliche somatische Abklärung. Und Psych-Patienten können -oh Wunder - auch noch zusätzlich körperlich krank werden.
Aber auch wenn das Hufgetrappel da draußen bei uns meist kein Zepra ist, sollte man es erkennen, falls es eines ist...
[QUOTE=Kackbratze;1925561]Der Wechsel zwischen "der Patient" und "ich" im Text zusammen mit den fehlenden Ergebnissen ist doch fischig.
QUOTE]
Davon abgesehen würde kein normaler (Notaufnahme) Arzt jemals dieses zeitliche Protokoll erstellen...
maggi90w
25.04.2016, 21:26
[QUOTE=Kackbratze;1925561]Der Wechsel zwischen "der Patient" und "ich" im Text zusammen mit den fehlenden Ergebnissen ist doch fischig.
QUOTE]
Davon abgesehen würde kein normaler (Notaufnahme) Arzt jemals dieses zeitliche Protokoll erstellen...
Meine Güte, natürlich nicht, deswegen steht in dem Protokoll ja auch "ich". Der Patient hat es selbst erstellt und der Arzt hat es hier reinkopiert. Bevor man jemandem unterstellt ein Troll oder Lügner zu sein, erst mal Lampe einschalten.
Slippengringo
26.04.2016, 16:14
Schlimme Hypochonder bekommen einen Schwenkeinlauf angeboten. Das hat schon viele Probleme gelöst...
Kackbratze
26.04.2016, 16:52
[QUOTE=OizO;1925894]
Meine Güte, natürlich nicht, deswegen steht in dem Protokoll ja auch "ich". Der Patient hat es selbst erstellt und der Arzt hat es hier reinkopiert. Bevor man jemandem unterstellt ein Troll oder Lügner zu sein, erst mal Lampe einschalten.
Also wurde der Text auf einem Usbstick als word dokument weitergegeben?
P.S. Schau mal in den Untiefen des Fachsimpelei-Teils nach wieviele als Ärzte getarnte Patienten hier schon gepostet haben. Selber mal eine Birne einschrauben und mit dem Licht alle Quellen beleuchten. :-p
Also wurde der Text auf einem Usbstick als word dokument weitergegeben? ��
Ergänze um:
Und der Arzt hat freudig "Geben Sie mal den Stick, ich schau mir das an" gesagt?
Der Patient sollte schon mündlich sein Problem schildern.
der fall war etwas komplexer. im ct hatten sich mehrere alte embolische infarke in kleinhirn gezeigt, die schon älter waren. daher erfolgte gleich darauf ein mrt. die symptomatik ging insgesamt schon seit zwei wochen, wie sich dann langsam eruieren lies... - der patient war schon in mehreren rettungsstellen geewesen und entweder heimgeschickt oder selbst gegangen, da zu lange wartezeit. schlussendlich kam heraus, dass der pat ein offenes foramen ovale hatte und darüber wohl embolien.
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