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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage nach Burnout unter Assistenzärzten



dr.acula1
28.04.2016, 13:48
Hallo ihr alle,
ich weiß, dass das ein Forum für Assistenzärzte und bereits approbierte Medizinstudenten ist, aber dennoch bin ich mal so frech einfach als Nicht-Medizin-Student hier herein zu schreiben (nicht vom Namen in die irre leiten lassen ^^)

Mein Vater ist Arzt. Meine Mutter ist Apothekerin und liegt im Moment im Sterben, was für mich jedoch irgendwie am Rande abläuft, da wir sie schon seit 10 Monaten zu Hause pflegen. Nachdem ich 2 Semester Medizintechnik studiert habe und ein Praktikum im OP gemacht habe und dann noch weitere 3 Monate Krankenpflegedienst, stand für mich eigentlich fest, dass ich auf jeden Fall Medizin studieren will. Anzumerken ist, dass ich nie irgendwelchen Druck seitens Eltern bekommen habe, also diese Entscheidung aus freiem Willen entstanden ist. Nach mehrmonatiger Vorbereitung zu Hausel, schlichen sich doch Tag für Tag immer wieder Zweifel ein, ob ich dem überhaupt gewachsen bin, ob es das richtige für mich ist, ob ich mich nicht nach Wünschen anderer richte. Ich habe die Zeit im Krankenhaus sehr genossen und fand es eigentlich immer schön hinzugehen, allerdings waren das Pflegedienste von nur 7,5 h morgens oder mittags.
Gestern hatte ich mich quasi entgültig entschieden den Zweifeln nachzugeben und alles wieder über den Haufen zu werfen und Physiotherapeut zu werden bzw. erstmal diese Ausbildung zu machen.
Der jetzige Grund: Assistenzarztzeit. Ich habe eine Menge gelesen über Burnouts, Depressionen, Stress und Überstunden ohne Ende. Und das 6 Jahre lang. Es hat sich mir irgendwie ins Gehirn gebrannt. 3/4 der Assistenzärzte wären Burnout gefährdet.

Ohne das hier jetzt unnötig in die Länge ziehen zu wollen, wäre nun meine Frage. Ist es möglich die Assistenzarztzeit auch ohne Burnout zu machen? Wie viel Stunden arbeitet ihr pro Woche und bleibt euch auch mal Zeit die schönen Dinge im Leben zu genießen, wie mit Freunden wegzugehen?
Ich habe schon jetzt mit dem Gedanken gespielt, diese Zeit zu umgehen und nach Dänemark auszuwandern, jedoch sollte man seine Lebensentscheidung Medizin wohl auch nicht von einem so weit vorhergegriffen Plan abhängig machen oder?

Wenn jemand etwas schreiben würde, wäre ich unendlich dankbar. Ich sitze im Moment seit 2 Monaten zu Hause und lerne auf den Aufnahmetest in Österreich. Allerdings hätte ich doch auch die Möglichkeit übers Ausland an einen Studienplatz zu kommen und evtl. in Rumänien, Lettland studieren zu können.

Dennoch ist die große Frage.. Wenn ich jetzt schon solche Zweifel habe und bereits daran denke so wenig wie möglich als Assitenzarzt Dienste machen zu müssen, wie es wohl erst im Studium wäre (angenommen ich würde einen Platz bekommen) und ob ich nicht einfach nur fehlendes Durchhaltevermögen habe, wenn ich immer nach Gründen suche nicht Medizin zu studieren. Denn mein Herz will es. Mein Kopf aber nicht in Hinblick auf Assistenzarztzeit, Familienleben, Freizeit.

Liebe Grüße an alle gestressten Assistenzärzte,
Arne

Nico85
28.04.2016, 14:01
Hallo Arne, ich lassen mal den anderen den Vortritt, die Situation in der Assistenzarzzeit zu schildern, da ich selbst noch Student bin. Allerdings gibt es an vielen Kliniken die Möglichkeit der Teilzeitbeschäftigung, wodurch sich die Arbeitszeit reduzieren lässt. Dann dauert es zwar länger bis zum Facharzt, aber man verdient ja schon gut als Assistenzarzt.

Fr.Pelz
28.04.2016, 14:47
Hallo Arne, evtl kann ja ein mod deinen Beitrag in einen extra-Thread verschieben, da mit dort ausführlicher geantwortet werden kann.
Kurzform: ich bin Assistenzärztin in der Chirurgie, arbeite Vollzeit plus Opt-Out also theoretisch 64h in der Woche, habe 2 Kinder und kein Burnout. Unter meinen Kollegen ist das eher auch nicht der Fall.
Aber sag mal, wenn es deiner Mutter so schlecht geht und du das "nur am Rande mitkriegst" ist vielleicht auch nicht der beste Zeitpunkt wichtige Entscheidungen zu treffen. Du musst keine Angst zu haben, dass dir das Studium wegläuft.

Miss
28.04.2016, 15:23
Das ist hier auch nicht der passende Thread (bitte verschieben, liebe Mods!), um Dir zu erzählen, daß wir zwar alle mal gestresst sind und ein Leben in Teilzeit noch entspannter sein kann, jedoch man nicht automatisch ein Burn Out bekommen muß ;-)

dr.acula1
28.04.2016, 15:44
Hallo Arne, evtl kann ja ein mod deinen Beitrag in einen extra-Thread verschieben, da mit dort ausführlicher geantwortet werden kann.
Kurzform: ich bin Assistenzärztin in der Chirurgie, arbeite Vollzeit plus Opt-Out also theoretisch 64h in der Woche, habe 2 Kinder und kein Burnout. Unter meinen Kollegen ist das eher auch nicht der Fall.
Aber sag mal, wenn es deiner Mutter so schlecht geht und du das "nur am Rande mitkriegst" ist vielleicht auch nicht der beste Zeitpunkt wichtige Entscheidungen zu treffen. Du musst keine Angst zu haben, dass dir das Studium wegläuft.

Hallo Frau Pelz,
das wäre super mit dem mod. Weißt du, wie ich so jemanden kontaktieren kann? Ich bin noch nicht sehr lange in dem Forum hier.
Nein, ich meinte, dass ich mich davon nicht sehr betroffen fühle. Eigenartigerweise bin ich in der Hinsicht gefühlskalt und denke, dass ich doch einen ziemlich klaren Kopf bewahre.
Wir kümmern uns um Sie und pflegen Sie, aber Sie schläft inzwischen schon ca. 22 h und bekommt fast nichts mehr mit.
Und was das Studium betrifft, läuft es mir ehrlich gesagt doch irgendwo weg, weil die Aufnahmesituation zu jedem weiteren Semester schlechter sind und mit meinem ABI von 2,3 ist es z.bsp. in DE schon sau schwer jemals reinzukommen, wie ich das jetzt mitbekommen habe. Tübingen hat inzwischen einen NC von 0,8 .. :/

Evil
28.04.2016, 16:11
Ich war so frei, ein eigenständiges Thema daraus zu machen :-)

Feuerengelchen
28.04.2016, 17:14
Arne,

erstens: burn-out-gefährdet heißt nicht automatisch Burn-out haben.
es wird Tage geben, da verflucht man die Idee, dass man unbedingt Arzt werden wollte, und es gibt Tage, da geht man heim mit dem Gefühl, Freude an der Arbeit zu haben. Vor allem am Anfang gibts manchesmal ziemliche Durststrecken, sowohl system-immanent als auch personenbezogen. Bei mir ist es zB ein bestimmter Oberarzt, der nächste hasst die Notaufnahme machen im Dienst etc.
Auch wenn ich seit vielen Jahren in der Pflege und im Rettungsdienst viel vom Arztberuf mitbekommen habe, so macht es nochmal einen gewaltigen Unterschied, die volle Breitseite von Verantwortung dann auch abzubekommen. Da kann man noch so viele Praktika machen und anderen Leuten zuschauen....
Ich kann aber auch nach 3 Jahren Innere noch sagen: Ja, ich liebe meinen Beruf, ja, ich würde nochmal dieselbe Entscheidung treffen und studieren wollen (wenn ich 9 Jahre in der Zeit zurückreisen würde)
Es ist ein bisschen wie in einer Beziehung: Man muss mit den Fehlern und Makeln des anderen leben können - in diesem Fall die Schattenseiten des Berufs.

Und: ein bisschen kann man ja auch wählen - Fach, Arbeitszeit (wieviel %) etc, wenns an einzelnen Faktoren liegen sollte.

arbeiter79
28.04.2016, 20:12
Also ich arbeite immer streng am optout limit von 64 Wochen und bin trotzdem nicht burn out gefährdet, ja der Job kotzt mich an aber die geringe Arbeitsbelastung ist ein Grund warum ich immer noch dabei bin. Die Vordergrunddiesnte schlafe ich meist durch, falls ich nicht mal wieder zu lange Mittagsschlaf gehalten haben und abends kein Auge zu bekomme ;) auch das gibt's, ich arbeite in einem der großen Fachgebiete btw. Kommt immer dauf an wo man arbeitet.

hebdo
28.04.2016, 20:16
Zum einen muss dir klar sein, dass du in jedem anspruchsvollem Beruf mit Verantwortung sehr viel arbeiten und Überstunden machen musst - besonders wenn du Karriere machen willst. Freunde arbeiten bei Unternehmensberatungen, Plattenfirmen etc und arbeiten auch 80h/Woche manchmal mit Wochenende, Abendveranstaltungen und müssen sogar im Urlaub erreichbar sein.

Zum anderen liegt es an dir, deine Freizeit zu nehmen. Ich habe im ersten halben Jahr zeitweise 80-90h/Woche gearbeitet - okay ich war Berufsanfänger. Dann wurde unser erstes Kind geboren und ich habe so gut wie keine Überstunden mehr gemacht, bin wieder zum Sport, habe Freunde getroffen und viel Zeit mit der Familie verbracht.

Es bleibt an dir, was du aus deinem Leben machst. (Fast) Jeder Job kann dich auffressen und dich in den Burnout treiben. Physiotherapeuten, gerade auch die Selbstständigen, haben nicht weniger Stress und kämpfen ums Überleben. Pflegekräfte mit den 7,5h Arbeitszeit sind auch Burnout gefährdet. Ich habe auch noch keinen Tag bereut Arzt zu sein. Es gibt je nach Neigung unglaublich viele Bereiche in denen man arbeiten kann.

Wünsche dir viel Kraft für die belastende Zeit und für die Entscheidung.

Peter_1
29.04.2016, 08:09
Zwar von 2010, aber es wird sich wajhrscheinlich nicht viel geändert haben: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/634070/arzt-guter-beruf-trotz-vieler-widersprueche.html

Welcher Job hat schon eine Burnoutrate von nur 4%? Mit anderen Worten: Burnout ist nicht sehr wahrscheinlich.

dr.acula1
29.04.2016, 09:06
Ich war so frei, ein eigenständiges Thema daraus zu machen :-)


Zwar von 2010, aber es wird sich wajhrscheinlich nicht viel geändert haben: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/634070/arzt-guter-beruf-trotz-vieler-widersprueche.html

Welcher Job hat schon eine Burnoutrate von nur 4%? Mit anderen Worten: Burnout ist nicht sehr wahrscheinlich.

Ich denke die Statistik ist quellenabhängig: http://ichbinarzt.de/achtung-aerzte-burn-out-mein-job-ist-mir-zu-stressig-die-zehn-besten-strategien-zur-vermeidung-einer-absoluten-erschopfung/ --> 4 aus 5 sind betroffen??

Da es eine schleichende "Erkrankung" ist, merkt man es selber wohl erst viel zu spät..

WackenDoc
30.04.2016, 09:44
Du hast dich doch schon entschieden, kein Arzt werden zu wollen. Ist ja keine Schande. Wenn die Burnoutgefahr das Argument ist, mit dem du die Entscheidung rechtfertigst- auch gut.

Peter_1
30.04.2016, 10:28
Ich denke die Statistik ist quellenabhängig
Deine Statistik ist ein Blog, woher die Zahlen stammen ist unklar. Der Studienautor Klaus Scheuch der von mir verlinkten Studie hat im Originalartikel einiges zur problematischen Definition der "Burnoutrate" geschrieben. Kannst Du ja mal googlen und lesen.
Frag eine beliebige Berufsgruppe allgemein nach Ihrem Job, so kommt meist raus:
1. Unser Job ist der härteste übehaupt
2. wir verdienen viel zu wenig Geld.
3. wir haben zu viel Stress, zu viel Burnout usw.
4.unsere Arbeit wird zu wenig gewürdigt
5. in Zukunft wird alles nur noch schlimmer werden wenn sich an 1-4 nichts ändert

Fragt man nach der individuellen Zufriedenheit, so sieht das dann oft ganz anders aus. Studien dazu gibt es mittlerweile einige.
Wenn Du Medizin interessant findest, dann mach es, kaum ein Fach hat so eine breite Fächerpalette zu bieten und fast keines eine so niedrige Arbeitslosigkeit, auch gehaltstechnisch ist es deutlich besser angesiedelt als zB ein Biostudium.
Stress und zumindest zeitweise viel Arbeit ist die Regel wenn man einen anspruchsvollen Job hat, das ist auch klar und kein Alleinstellungsmerkmal der Medizin.

MuluGulu
08.05.2016, 18:33
Ich sehe das nicht so schlecht. Arzt ist einer der wenigen sozialen Berufe, in denen man noch so viel verdient, dass man eine Familie ernähren kann. Es ist ein toller Job, in dem du etwas bewirken kannst. Frustriert sind doch nur die, die den Arztjob nur gewählt habe, weil es das gute Abi und die spannenden Serien im TV nahegelegt haben. Du hast einen realistischen Einblick bekommen, jetzt weißt du, worauf du dich einlässt. Also, ich denke Arzt ist schon besser als Physiotherapeut. Und wieviel du arbeitest, hängt von dir ab: Welcher Facharzt, welche Klinik, welche Stadt, wieviele Stunden. also, hang loose

klingelpütz
08.05.2016, 20:38
Es ist sicherlich nicht nur der Beruf als solches, der eine Burnoutgefahr birgt. Den Berufswunsch nur aus dieser Angst heraus aufzugeben, finde ich nicht adäquat. Vieles ist sicherlich auch Persönlichkeitsstruktur. Und dann ist es unerheblich, ob man in der Bank, auf dem Amt oder im Krankenhaus arbeitet.