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anignu
14.05.2016, 20:08
Genau. Vergütung von Bereitschaftsdiensten. Bereitschaftsdienste sind so besch... dass die Vergütung zu gering ist.

Unter der Woche arbeite ich von Nachmittag bis nächsten Morgen und komm damit auf meine irgendwas 17h die durch die 90% für einen Teil dieser Zeit auf 16h schrumpfen. Da ist es mir lieber ich arbeite einmal 17h als zweimal 8h, da alleine mein Weg zur Arbeit hin und zurück schon mehr als die eine Stunde Unterschied sind. Deswegen will ich keine Umstellung auf "reguläre Arbeitszeit". Insofern hab ich kein Problem mit den 90%, das ist auch nicht das was ich persönlich unter "Vergütung" betrachte.

Warum bin ich also trotzdem so unzufrieden mit der Vergütung der Bereitschaftsdienste? Weil sie mir am Wochenende direkt vergütet werden. Und da sind die Dienste sowas von besch... dass man eigentlich 100% Aufschlag bekommen müsste damit es die Strafe für "besch... Dienst" und "kein freies Wochenende" aufwiegt. Ich arbeite derzeit Vollzeit, also meine 40h pro Woche (plus die üblichen täglichen Überstunden) und dann zusätzlich 2-3 Wochenenden im Monat die ausbezahlt werden. Das Geld das ich für diese 2-3 Wochenenden bekomm ist einfach der Arbeit und der fehlenden Freizeit in keinster Weise angemessen.

arbeiter79
14.05.2016, 20:59
Hab das auch mal durch gerechnet.

1x24h Bereitschaftsdienst vs. 2x8,75h reguläre Arbeit (inklusive Pause) also zusammen 17.5h. Bereitschaftsdienst heißt also 6.5h mehr auf der Arbeit. Gleichzeitig spare ich mir einmal jeweils hin und zurück inklusive Vorbereitung für die Arbeit. Duschen nach dem Dienst hab ich am Ende des Dienstes inklusive, werde quasi dafür bezahlt. Das macht bei mir nochmal alles in allem nochmal 2h, bleiben also noch 4h30 min mehr die ich für die Arbeit aufwenden muss wenn ich Dienst habe. Letztlich verschlafe ixh diese Zeit locker.

Jetzt hab ich Glück das ich sagen wir in 98 Prozent der Dienste ausreichend schlafen kann (für mich min 6h), das letzte mal das ich mach dem Dienst so müde war das ich mich paar Stunden hinlegen musste ist bestimmt schon 1 Jahr her.. sonst ist Zustand nach Dienst für mich immer ein ganzer freier Tag den ich zu 100 Prozent nutzen kann.

Lange Rede kurzer Sinn, mit einem 24h Dienst während der Woche habe ich mehr netto Freizeit die ich zu Hause aktiv mit meiner Familie verbringen kann als würde ich regular 8h Arbeiten und abends abgekämpft nach hause komme.

Für mich würde es sich sogar noch lohnen während der Woche Dienste zu machen wenn ich 0 Zusatzverdienst dadurch hätte.
Wenn ich nur 5 bis 10 Minuten entfernt von der Arbeit wohnen würde sähe das Ganze aber anders aus denke ich.

PsychoFan
14.05.2016, 22:02
Was ist denn der marktübliche Wert bzw wovon sprichst Du? Wer zahlt wem welche so hohen Gehälter (im Vergleich zum MB-Tarif)? Und wer ist "sie" mit der Werbezeitschrift? Ich verstehe Deinen Beitrag nicht :-nix

Normalerweise berechne ich pro angefangene Stunde Bereitschaftsdienst 60 EUR. Aktivzeit stelle ich mit 90 EUR pro angefangene Stunde in Rechnung.

Eine Ausnahme stellt eine kleine Rehaklinik dar, in der ich nur knapp über 500 EUR pro Woche berechne. Aber die rufen auch höchstens 2 mal pro Woche an, meistens jedoch gar nicht. Da es sich um eine nicht gewinnorientierte Organisation handelt, würde ich es auch ehrenamtlich machen.

Auf Arbeitsvertrag (Zeitarbeitsfirma) verdiene ich in einer Klinik 80 EUR pro Stunde plus Arbeitgeberanteile zur den Sozialversicherungen. Lohnt sich jedoch nicht, da viel Bürokratie (Lohnzettel, schriftliche Verträge, schriftliche Fahrtkostenabrechnung etc.) Das überfordert mich. Als Arbeitnehmer bräuchte man eigentlich ein Rechnungsbüro und einen Rechtsanwalt, um diese Bürokratie zu überblicken.

Als "sie" war ursprünglich "Die Gewerkschaft MB" beschrieben, dann habe ich "die Gewerkschaft" gelöscht und der Text ist gänzlich unverständlich geworden... Der Marburger Bund gibt wöchentlich eine Werbezeitschrift aus, in der die Alltagsrealität von Arbeitnehmern beschrieben wird. Da werden auch deren Tarife angepriesen. Die schlechten Konditionen (wie etwa teilweise 6monatige Kündigungsfristen bei Kündigung durch AN oder die m.E. sittenwidrige Vergütung von Diensten) werden natürlich verschwiegen.

arbeiter79
15.05.2016, 17:59
Normalerweise berechne ich pro angefangene Stunde Bereitschaftsdienst 60 EUR. Aktivzeit stelle ich mit 90 EUR pro angefangene Stunde in Rechnung.

Eine Ausnahme stellt eine kleine Rehaklinik dar, in der ich nur knapp über 500 EUR pro Woche berechne. Aber die rufen auch höchstens 2 mal pro Woche an, meistens jedoch gar nicht. Da es sich um eine nicht gewinnorientierte Organisation handelt, würde ich es auch ehrenamtlich machen.

Auf Arbeitsvertrag (Zeitarbeitsfirma) verdiene ich in einer Klinik 80 EUR pro Stunde plus Arbeitgeberanteile zur den Sozialversicherungen. Lohnt sich jedoch nicht, da viel Bürokratie (Lohnzettel, schriftliche Verträge, schriftliche Fahrtkostenabrechnung etc.) Das überfordert mich. Als Arbeitnehmer bräuchte man eigentlich ein Rechnungsbüro und einen Rechtsanwalt, um diese Bürokratie zu überblicken.


Das kannst du aber nur Verlangen weil zigtausend andere Ärzte zum "Hungerlohn" arbeiten und dich mitfinanzieren ;-)

mainzer
15.05.2016, 19:05
Das kannst du aber nur Verlangen weil zigtausend andere Ärzte zum "Hungerlohn" arbeiten und dich mitfinanzieren ;-)

Angebot und Nachfrage würde ich das nennen ;-)

FirebirdUSA
16.05.2016, 08:27
In der Psych herrscht eben tatsächlich chronischer Arztmangel. Schön wenn du dann 60€/h bekommst.
Ich finde die Vergütung wenn die Eingruppierung der AZ passt tatsächlich ok. Klar mehr ist immer schön, wenn ich aber mal so vergleiche wer was verdient im Bekanntenkreis dann ist unser Lohn gut. Klar kenn auch ich einige z.B. bei Bosch die mehr wie ich verdienen und keine Nachtdienste machen. Dafür wird aber "freiwillig" häufig bis spät abends oder am WE etwas fertig gemacht. Die arbeiten häufig noch deutlich mehr wie ich und sehen ihre Familie effektiv seltener.

PsychoFan
16.05.2016, 23:04
In der Psych herrscht eben tatsächlich chronischer Arztmangel. Schön wenn du dann 60€/h bekommst.
Ich finde die Vergütung wenn die Eingruppierung der AZ passt tatsächlich ok. Klar mehr ist immer schön, wenn ich aber mal so vergleiche wer was verdient im Bekanntenkreis dann ist unser Lohn gut. Klar kenn auch ich einige z.B. bei Bosch die mehr wie ich verdienen und keine Nachtdienste machen. Dafür wird aber "freiwillig" häufig bis spät abends oder am WE etwas fertig gemacht. Die arbeiten häufig noch deutlich mehr wie ich und sehen ihre Familie effektiv seltener.

Wichtiger als der Betrag, ist ein gutes Gefühl. Ich habe schon umsonst Dienste geschoben und für 80 EUR/Std. Wichtig ist mir immer, dass ich ein gutes Gefühl habe und nicht das Gefühl, ver..scht zu werden.

Ferner ist es wichtig, eine Marktnische zu finden. Bereitschaftsdienste sind unbeliebt. Ich bin halt flexibel. Für eine Woche Nachtdienst bin ich bereit auch mehrere Hundert Kilometer zu fahren. In dieser Woche verdiene ich nach Abzug aller Kosten zwar genausoviel, wie ein Oberarzt im Monat, doch ich widme mich in dieser Zeit gänzlich der Arbeit. Das bedeutet, dass ich außerhalb der Dienstzeiten auf ausreichend Schlaf und ausreichend Erholung achte. Gesunde Ernährung, Sport, Sonnenlicht. Kein Alkohol, kein Fernsehen, kein Internet.

mainzer
17.05.2016, 01:34
Wichtiger als der Betrag, ist ein gutes Gefühl. Ich habe schon umsonst Dienste geschoben und für 80 EUR/Std. Wichtig ist mir immer, dass ich ein gutes Gefühl habe und nicht das Gefühl, ver..scht zu werden.
[...]doch ich widme mich in dieser Zeit gänzlich der Arbeit. Das bedeutet, dass ich außerhalb der Dienstzeiten auf ausreichend Schlaf und ausreichend Erholung achte. Gesunde Ernährung, Sport, Sonnenlicht. Kein Alkohol, kein Fernsehen, kein Internet.

Ich finde zwar, dass man sich weder wie billig Fleisch anpreisen oder gar umsonst hergeben muss...aber Selbstkasteiung muss meiner Meinung nach auch nicht sein!
Aber hey; jeder wie er mag :-)

Locutus001
22.05.2016, 20:15
Also ich kann dem Thread-Ersteller nur zustimmen und verstehe auch die prompt geposteten Antworten die erstmal ein wenig wie Anfeindungen wirken überhaupt nicht.

Überall in der freien Wirtschaft wird für einen Nachtdienst oder einen Wochenend-/Feiertagdienst richtig gut was drauf gezahlt.
Eine Freundin erzählte von ihrem Mann, der bei Siemens manchmal auch i.d. Nacht Bereitschaft machen muss...
Sie fand es sooo hart und krass, dass er wirklich die ganze Nacht zuhause am Handy angerufen werden kann und dann los muss, Nebensatz "wird zwar für jedes Mal Rausfahren richtig gut bezahlt, aber ist schon krass... so um 1 uhr ... oder 3 uhr... oder auch 5 uhr dann..."

In mir tobte in diesen Momenten der Erzählung dann so einiges und ich nickte einfach nur und schwieg.

Der Punkt ist: Es ist egal, ob man die ganze Nacht durchpennen kann dort oder tatsächlich die ganze Nacht durcharbeiten muss, man MUSS für den Arbeitgeber am Arbeitsplatz sein. Das zählt zur Arbeitszeit. Fertig.
Der Typ vom Sicherheitsdienst der in der Nacht in seinem Zimmerchen sitzt und alle Stunde eine Runde dreht, der wird ja auch nicht anteilig bezahlt, weil er ja theoretisch nicht die ganze Zeit arbeitet...

Die Umfrage zeigt auch sehr eindeutig, was die Gespräche mit dem größten Teil meiner Kollegen und ehemaligen Studienkollegen bestätigen: Wir lassen uns alls verarschen, ärgern und darüber und ärgern uns noch mehr weil wir so hilflos sind und nicht wissen was wir dagegen effektiv machen können. Und so ist es doch.

Meine Kollegen aus Portugal haben mir neulich gesteckt, dass sie zwar in Deutschland mehr verdienen, die Lebenshaltungskosten aber auch höher sind und im Endeffekt läuft es für sie auf etwa dasgleich hinaus. Aber für die Nächte und Wochenenden und Feiertage, da sei das in ihrer Heimat erheblich besser vergütet worden.

Wir verdienen nicht schlecht im Vergleich, aber bei einigen Sachen lassen wir uns kräftig verarschen und ob jetzt Hartmann-Bund oder MB oder sonste was die haben v.a. DA noch VIEL Arbeit zu leisten. Und NEIN! Nicht jeder der unzufrieden ist muss deshalb gleich im MB oder sonst wo höchstaktiv werden und am besten noch Bundeskanzlerkandidat werden. Das ist eine absurde Äußerung die viel zu oft als Antwort kommt, wenn jemand seine Unzufriedenheit mitteilt.

Und es ist ja jetzt auch nicht so, dass es nur Leute gibt die schlechter verdienen als wir, gibt ja auch diejenigen, die sich ein schönes Leben machen, sich ihren Hin- und Rückflug vom Kunden bezahlen lassen, die täglichen Spesen mit 50€ Essen/d und 200€ Hotel/d inklusive. In der freien Wirtschaft ist das alles "ganz normal". Bei uns ist es ganz normal sich mit tlw. mieser Stimmung im Team von Woche zu Woche zu hangeln und sich über die 200-300€ mehr Lohn am Ende des Monats zu freuen für die man Nächte und Wochenenden geopfert hat. Tolle Wurst.

FirebirdUSA
22.05.2016, 22:00
Eine Freundin erzählte von ihrem Mann, der bei Siemens manchmal auch i.d. Nacht Bereitschaft machen muss...
Sie fand es sooo hart und krass, dass er wirklich die ganze Nacht zuhause am Handy angerufen werden kann und dann los muss, Nebensatz "wird zwar für jedes Mal Rausfahren richtig gut bezahlt, aber ist schon krass... so um 1 uhr ... oder 3 uhr... oder auch 5 uhr dann..."

Das was du da beschreibst nennt sich Rufdienst und wird bei uns auch fürstlich belohnt. Es wird bei jedem Einsatz auf die volle nächste Stunde gerundet, du bekommst Lohn + Nachtzuschlag + Übrstundenzuschlag ggf. auch + WE/FT-Zuschlag. Bei uns waren die Dienste lange Zeit Rufdienst. Wir hatten meist 1-4 Einsätze pro Nacht. Kam echt vom Geld her viel zusammen. Am nächsten Tag musste aber weiter gearbeitet werden. Wir haben dann freiwillig auf BD gewechselt und dafür eine Stelle mehr bekommen.
Insofern hinkt der Vergleich mal wieder... ich bin auch dafür, dass die Nachtdienstzuschläge weiter erhöht werden sollen. Bin aber froh dass der MB es schon hinbekommen hat, das wir überhaupt einen im BD bekommen.



Und es ist ja jetzt auch nicht so, dass es nur Leute gibt die schlechter verdienen als wir, gibt ja auch diejenigen, die sich ein schönes Leben machen, sich ihren Hin- und Rückflug vom Kunden bezahlen lassen, die täglichen Spesen mit 50€ Essen/d und 200€ Hotel/d inklusive. In der freien Wirtschaft ist das alles "ganz normal".

Ein schönes Leben machen... meistens sind das Personen die in der Woche an 3-4 verschiedenen Orten sind, ständig wechselnde Orte haben. Ein schönes Leben sieht für mich anders aus. Schulkamerad von mir hat bei einer Beratungsfirma angefangen. Fürstlicher Lohn, Frau wird am WE auch mal zum Arbeitsort z.B. nach Südafrika eingeflogen, etc. Aber besonders glücklich war der nicht mit seinem Job.

Ich bin immernoch der Meinung wir verdienen sehr gut, aber die Arbeitszeiten sind katastrophal und es gehören andere Arbeitszeitmodelle her. Am Gehalt muss man aus meiner Sicht nicht schrauben.
Ich bin nicht der Meinung, dass es gut ist wenn man die Nacht durcharbeitet, keine Pause hat und dann BD-Lohn bekommt. Aber man muss dann auch so konsequent sein und entweder a) Schichtdienst oder b) kürzere Dienste (die sich dann auf mehr Leute verteilen) einfordern.

Ich kenne einige Personen bei Bosch, Daimler, Siemens, Microsoft, etc. wer gut Geld verdient arbeite i.d.R. auch sehr viel (und häufig auch "freiwillig" unentgeltlich am WE oder Abends außerhalb der zulässigen AZ).

Locutus001
26.05.2016, 04:54
"Ich kenne einige Personen bei Bosch, Daimler, Siemens, Microsoft, etc. wer gut Geld verdient arbeite i.d.R. auch sehr viel (und häufig auch "freiwillig" unentgeltlich am WE oder Abends außerhalb der zulässigen AZ)"

Also so in etwa wie Ärzte das auch ständig tun?

Kandra
26.05.2016, 07:43
"Ich kenne einige Personen bei Bosch, Daimler, Siemens, Microsoft, etc. wer gut Geld verdient arbeite i.d.R. auch sehr viel (und häufig auch "freiwillig" unentgeltlich am WE oder Abends außerhalb der zulässigen AZ)"

Also so in etwa wie Ärzte das auch ständig tun?

Microsoft hat keine Regelarbeitszeit sondern Vertrauensarbeitszeit. Sprich, solange die Zielvorgaben eingehalten werden, kann man arbeiten wann und wieviel man will. Stoßzeiten gibt es immer, ansonsten ist das jetzt in der Regel kein Job, bei dem man sich völlig überarbeitet. (Consulting mal ausgenommen). Damit ist es aber auch nicht vergleichbar mit einem Job mit festen Anwesenheitszeiten.

FirebirdUSA
26.05.2016, 09:03
Also so in etwa wie Ärzte das auch ständig tun?

Ich arbeite i.d.R. nicht unentgeltlich, bei uns werden alle Überstunden bezahlt und die Arbeitszeit auch korrekt erfasst. Klar gibt es auch bei uns einige Arbeitszeitverstöße, aber ich habe nicht das Gefühl verarscht zu werden. Ich denke das ist tatsächlich das Hauptproblem in den meisten Abteilungen.

Dass das (noch) nicht die Regel ist, ist mir klar. Das liegt aber nicht am MB oder den Tarifverträgen. Wenn dann an den Chefarztverträgen mit entsprechenden Leistungsklauseln. Wenn der Chef hier seine Mitarbeiter nicht knechtet bekommt er selbst deutlich weniger.

Mit dem Vergleich mit den Beschäftigen in der freien Wirtschaft wollte ich nur sagen, dass es auch in der freien Wirtschaft i.d.R. so ist, dass wer viel verdient (und wir verdienen alle nicht wenig) auch meist viel arbeitet.

Ich kenne eine Abteilung die wird im Moment komplett umgestellt von der Arbeitszeit. Schichtdienst wird eingeführt, zusätzliche Stellen geschaffen. Was war passiert: Anonyme Anzeige beim Gewerbeaufsichtsamt vermutlich von einer Person die gekündigt hatte. Jede Stunde Arbeitszeitverletzung wurde mit 50€ Strafe angesetzt und ein Jahr geprüft. War ein chirurgisches Fach mit entsprechend vielen Arbeitseinsätzen nachts im Rufdienst und dann ohne Pause weiterarbeiten, etc. Da wurde auch nicht nur die Abrechnung der Arbeitszeit geprüft sondern alle OP-Berichte und das abgeglichen (Operateure, OP-Zeiten, etc. mit abgerechneter Anwesenheit). Da kam einiges zusammen, dass der Chef der Abteilung als Dienstplanverantwortlicher am Ende aus seinem Privatvermögen zahlen musste.
In Ulm gab es einen vergleichbaren Besuch des Amts vor ein oder zwei Jahren. Ob es Konsequenzen in der Besetzung hatte weiß ich nicht.

Wer die Nacht durcharbeitet und dan BD bezahlt bekommt wird natürlich verarscht und bekommt zu wenig Geld! Mal davon abgesehen, das nach 12h ohne Pause arbeiten auch Fehler passieren. Deswegen ist aus meiner Sicht ein reines anheben des BD-Entgelds hier der falsche Ansatz. Man muss dann versuchen das Dienstmodell zu ändern. Entweder Regelarbeitszeit mit rein nehmen oder eben überlappende BD Zeiten, o.ä.

Panto-zol
26.05.2016, 10:08
Ich glaube mittlerweile dass das Problem zumindest in unserem Haus in einem Verstoß gegen den Grundsatz "Der Arbeitgeber darf Bereitschaftsdienst nur anordnen, wenn zu erwarten ist, dass zwar Arbeit anfällt, erfahrungsgemäß aber die Zeit ohne Arbeitsleistung überwiegt." liegt.
Wir arbeiten in unseren Bereitschaftsdiensten einfach durch und die Arbeitsbelastung ist gefühlt sogar höher als Wochentags. Ergo müssten diese Dienste als Arbeitszeit bezahlt werden und nicht als Bereitschaftsdienst.

FirebirdUSA
26.05.2016, 16:01
Ich glaube mittlerweile dass das Problem zumindest in unserem Haus in einem Verstoß gegen den Grundsatz "Der Arbeitgeber darf Bereitschaftsdienst nur anordnen, wenn zu erwarten ist, dass zwar Arbeit anfällt, erfahrungsgemäß aber die Zeit ohne Arbeitsleistung überwiegt." liegt.
Wir arbeiten in unseren Bereitschaftsdiensten einfach durch und die Arbeitsbelastung ist gefühlt sogar höher als Wochentags. Ergo müssten diese Dienste als Arbeitszeit bezahlt werden und nicht als Bereitschaftsdienst.

Das ist fast überall das Problem. Aus meiner Sicht müsste häufig sogar noch ein weiterer Dienstarzt anwesend sein. Als Arbeitszeit bezahlt bedeutet aber auch nach spätestens 10h ist Ende und damit in der Regel Schichtdienst. Es sei denn ihr habt Nachts immer mal wieder Pause. Dann ist eine Kombi wie bei uns 8h AZ + 16h BD am WE ja denkbar. Wenn ihr euch einig seid, dass die Dienstbelastung zu groß ist keine Pause da sind könnt ihr einfach selbst mal über 3-6 Monate die Arbeitsbelastung dokumentieren und das bei der Verwaltung einreichen. Dann muss eigentlich reagiert werden.

Brutus
26.05.2016, 16:01
Wir arbeiten in unseren Bereitschaftsdiensten einfach durch und die Arbeitsbelastung ist gefühlt sogar höher als Wochentags. Ergo müssten diese Dienste als Arbeitszeit bezahlt werden und nicht als Bereitschaftsdienst.
Mööööp!
So einfach ist es leider nicht. Du vermischt nämlich die Bewertung als Bereitschaftsdienst mit der Bezahlung. Und das ist (leider) so nicht möglich. Wenn Du der Ansicht bist, dass der AG keinen Bereitschaftsdienst anordnen darf, weil die Dienstbelastung über 49% liegt, dann müsst ihr eine Arbeitsbelastungsanalyse durchführen, wo am Ende rauskommt mehr oder weniger als 49% Arbeitsbelastung in den Bereitschaftsdiensten. Das kann man auch für die Wochenenden gesondert analysieren und z.B. dann nur am Wochenende was ändern. Allerdings muss Euch klar sein, dass bei einer Belastung über 49% kein BD mehr angeordnet werden DARF, sondern es obligat einen Schichtdienst geben MUSS. Oder eben der BD anderweitig gestaltet wird, sodass die Kernarbeitszeit später gelegt wird und der BD später beginnt, oder dergleichen.
Einfach zu sagen, wir arbeiten voll durch und wollen dafür auch voll bezahlt werden geht nicht. Da ist das ArbZG ziemlich eindeutig. Davon abgesehen dürfte bei BD Stufe D / II die Bezahlung eh bei knapp 100% liegen, sodass da fast kein Unterschied zum Regelarbeitslohn liegen dürfte. ;-)

FirebirdUSA
26.05.2016, 16:04
Davon abgesehen dürfte bei BD Stufe D / II die Bezahlung eh bei knapp 100% liegen, sodass da fast kein Unterschied zum Regelarbeitslohn liegen dürfte. ;-)

Am WE und an Feiertagen bekommst du im BD aber zumindestens nicht die Zuschläge. Aber klar, die Folge von so einer Analyse wäre dann im Zweifel definitiv ein Schichtsystem.

Brutus
26.05.2016, 16:34
Nicht? Sicher? Also laut meiner Abrechnung kriege ich im BD am Wochenende und den Feiertagen Zuschläge... :-nix

FirebirdUSA
27.05.2016, 04:10
Nicht? Sicher? Also laut meiner Abrechnung kriege ich im BD am Wochenende und den Feiertagen Zuschläge... :-nix

Schon immer oder erst seit letzter Tarifrunde? Ggf. gibt es hier aktuell ja mal wieder einen Unterschied zw. kommunalen Häusern und Uni. Ich bekomme noch keine Zuschläge...

hiddl
27.05.2016, 07:40
Überall in der freien Wirtschaft wird für einen Nachtdienst oder einen Wochenend-/Feiertagdienst richtig gut was drauf gezahlt.
Eine Freundin erzählte von ihrem Mann, der bei Siemens manchmal auch i.d. Nacht Bereitschaft machen muss...

Na ja, "überall in der freien Wirtschaft" ist aber auch selektive Wahrnehmung. Zufällig bin ich mir einem Ingenieur verheiratet, der ebenfalls für eine große Firma Rufbereitschaften macht - da wird nur vergütet, was er wirklich arbeitet und das auch nur mit Pauschalen.

Wenn die Arbeitszeit im Bereitschaftsdienst 49% überschreitet, dann ist es eben kein Bereitschaftsdienst mehr, ganz einfach. Und wenn man dann ein Schichtsystem nicht will, dann darf man auch nicht über die Bezahlung jammern.