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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Akutes Volumenmanagement bei Niereninsuffizienz bzw Dialysepatienten



bennopfau
09.05.2016, 18:44
Hallo ihr alle!

Ich suche seit längerem konkrete Guidelines zum Thema Volumenmanagement bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion bzw Dialyse in Akutsituationen (Präklinisch, Notfallaufnahme, ...). Ist NaCl dem Ringer-Lactat oder ELO-MEL vorzuziehen? Wie wird die Situation mit dem Kalium genau bewertet? Darf ich eine 500 ELO-MEL zum "Zugang offen halten" in der Akutsituation anhängen? Usw usf...
Ich habe schon viel (unterschiedliches) diesbezüglich gehört, aber konkrete Aussagen finde ich weder auf uptodate noch über google. Kann mir da jemand weiter helfen?

Vielen Dank im Voraus!

Liebe Grüße

Shizr
09.05.2016, 18:49
Ich suche seit längerem konkrete Guidelines zum Thema Volumenmanagement bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion bzw Dialyse in Akutsituationen (Präklinisch, Notfallaufnahme, ...). Ist NaCl dem Ringer-Lactat oder ELO-MEL vorzuziehen?
Nein, ist es nicht.
NaCl ist kein Volumenersatz.

Im Juli 2015 gabs dazu einen relativ spannenden Artikel in "Der Internist".
http://link.springer.com/article/10.1007/s00108-015-3676-1

Sebastian1
09.05.2016, 19:53
Den Artikel kann ich nur empfehlen. Und damit einhergehend: Egal, was die Frage ist - NaCl 0,9% ist NICHT die korrekte Antwort ;-)

bennopfau
09.05.2016, 23:10
Perfekt! Genau so etwas habe ich gesucht, vielen Dank! :)

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10.05.2016, 12:10
Ich bin auch ein Freund des o.g. Artikels - das vorneweg.
Allerdings muss man einräumen, dass bei/unter Dialyse die Hyperchlorämie respektive die resultierende Azidose unproblematisch durch das Dialysat weggepuffert wird. Die renale Minderperfusion leider auch kein hartes Kriterium mehr darstellt...

Aktuell wird die Volumentherapie mit NaCl ja wieder erneut diskutiert (SPLIT Trial). Die Warheit wird wahrscheinlich wie so oft im Graubereich liegen. Allerdings scheint die Menge eine Rolle zu spielen (bis 2 Liter = recht egal). Aber Die ist bei Dialyse Pat. in der Regel ja auch eher kleiner...
Dazu ein Artikel in der Intensiv News (etwas scrollen)
http://www.medicom.cc/medicom-media/docs/pdfs/PDF-IntensivNews/PDF-IN-D/IN_D_116.pdf

LasseReinböng
12.05.2016, 21:35
Doppelpost

LasseReinböng
12.05.2016, 21:40
Hm... ich musste mich gerade vorgestern im OP mit dem operierenden Urologen streiten, warum ich einem (zugegeben terminal) nierieninsuffizienten hyperkaliämen Patienten intraop nicht NaCl 0,9 % sondern eine K+-haltige balancierte E-Lyte-Lösung gegeben habe.

(Solche Diskussionen sind in der Regel eh frustran, weil die meisten chirurgischen Kollegen sowieso sofort geistig bei komplexeren intensivmedzinischen Zusammenhängen aussteigen)

Zum einen scheint ja die Hyperchlorämie direkt die GFR zu drosseln. Dann gibt es ja noch die Idee der hyperchloärmischen Azidose, unabhängig von der Beeinflussung der Nierenfunktion.

Die Theorie der hyperchlorämischen Azidose ist ja nicht vollständig geklärt - nach dem Säure- Basen Modell nach Stewart sind es die Cl-Ionen, die die Autoprotolyse des Wassers verstärken und die Azidose herbeiführen.. dann gibt es noch das Erklärungsmodell der Dilutionsaziodse, wenn man die HCO3-Konzentration im Blut durch Zugabe von nichtgepufferter NaCl-Infuionslösung verdünnt.

Ich bin da etwas raus aus der Materie...kann nur sagen, dass ich auf der ITS wirklich sehr viele Patienten hatte, die eine substitutionswürdige i.e. symptomatische Hyponatriämie hatten ( 99& neurochirugisch) und viele von denen erhielten hochkonzentiriertes NaCl = 5-Molares NaCl i.v. kontin. - eine metabol. Azidose habe ich nie gesehen.

Nun ja, sicherlich war es dann in der zugeführten Menge auch nicht so viel Nacl wie bei einer massiven Volumengabe beim septischen / instabilen Pat.

Die Frage ist aber ja aber auch vor allem: führt man denn einem terminal niereninsuffizientem Patienten mit z.B. Ringer wirklich signifikante Mengen Kalium zu ???

Shizr
12.05.2016, 22:07
Die Frage ist aber ja aber auch vor allem: führt man denn einem terminal niereninsuffizientem Patienten mit z.B. einer Ringer wirklich signifikante Mengen Kalium zu ???
Naja, bei 4 mmol/l, was die üblichen Vollelektrolytlösungen haben, reden wir pro Beutel über die unglaublich massive Menge von ZWEI Millimol Kalium. Das entspricht bei einer Molekülmasse von knapp 39 g/mol immerhin 0,078 Gramm Kalium.


Wenn man das mal mit üblichen Nahrungsmitteln vergleicht (selbst für Brot findet sich ein Kaliumgehalt von 115 mg / 100 g), halte ich das für völlig vernachlässigbar.


Was die Intensivtherapie mit NaCl 5,85% angeht... ich schätze, einerseits macht da die Menge einen Unterschied, andererseits ist da ja auch eine andere Ausgangssituation.
Aber interessanter Einwand.

Lizard
13.05.2016, 10:22
Hm... ich musste mich gerade vorgestern im OP mit dem operierenden Urologen streiten,
Mit denen muss ich regelmäßig bezüglich Relaxierung streiten und gebetsmühlenartig wiederholen, dass man Faszien und anderes Bindegewebe nicht relaxieren kann. :-)) Auch diese Diskussionen enden quasi immer frustran.