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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Refraktiver Linsensersatz



roxolana
17.05.2016, 09:41
Ein seit der Kindheit stark weitsichtiger (bds. +9 mit Astigmatismus) 50-jähriger Mann ohne Katarakt möchte in einer privaten Klinik einen refraktiven Linsenersatz vornehmen lassen und hat mich um meine Meinung gefragt. Ich kenne mich damit nun überhaupt nicht aus, daher wollte ich mal die Schamanen hier dazu befragen, was ihr davon hält. Ich habe ihm erstmal empfohlen, eine Zweitmeinung einzuholen, weil ich weiß dass LASIK ziemlich umstritten ist und ich diesen refraktiven Linsenaustausch qualitativ erstmal in die selbe Schublade gesteckt habe, ohne mich damit genauer auszukennen. Was meint ihr dazu?

Feuerblick
17.05.2016, 09:48
Angesichts der Tatsache, dass er auch schon presbyop sein dürfte...welche Linse möchte er sich denn implantieren lassen und welche Ansprüche hat er an die OP?
Ein refraktiver Linsenaustausch funktioniert genauso gut wie eine Katarakt-Operation, ist aber eben auch ein "unnötiger" Eingriff in ein gesundes, unbeeinträchtigtes Auge.
Meistens wollen sich aber die schon presbyopen Menschen multifokale Intraokularlinsen einsetzen lassen und glauben, sie würden in allen Entfernungen gestochen scharf sehen. Wird ihnen von Operateuren auch gerne erzählt. DAS ist aber nicht der Fall. Es geht Kontrast verloren, es geht in der Regel eine Visusstufe verloren und wer in der Nähe auf präzises Scharfsehen angewiesen ist oder wer auch nachts Autofahren möchte, der wird in aller Regel heftigst enttäuscht sein. Wer lediglich morgens seine Zeitung bei guten Lichtverhältnissen lesen will, danach ohne Brille Gartenarbeiten machen möchte und aufs Auto nicht angewiesen ist, der kommt mit multifokalen Linsen klar. Wer noch arbeitet, viel am Computer sitzt, gerne genauso scharf wie mit Brille sehen möchte und auch nachts Auto fahren, der sollte multifokale Linsen meiden und sich lieber eine "normale" Intraokularlinse einsetzen lassen. Dann brauchts halt nachher immer noch eine Brille und der "Vorteil" der OP ist zum größten Teil weg...

Nurbanu
17.05.2016, 09:53
Eine Lehrerin hatte sich das mal machen lassen und hat schon die Nachteile der Akkomodation erwähnt. Ich weiß, dass es da mittlerweile multifokale Linsen gibt, aber der Meinung, dass nichts so gut ist wie die Natur. Wenn die eigene Linse weg ist, ist das endgültig.
Er sollte sich mal an der Uniklinik darüber informieren. Bei uns an der Uni wird das gemacht, keine Ahnung wie das an anderen Unis ist. Die Beratung kostet um den Dreh 170 €. Wenn er sich dann für die Behandlung entscheidet kann er sie auch an der Uni ausführen lassen.

roxolana
17.05.2016, 10:31
Danke für eure Antworten. Er möchte eine torische Linse wegen Astigmatismus und seine Erwartung ist, dass er nur noch eine Lesebrille brauchen wird und ansonsten ohne Brille klar kommt. Ich habe ihn schon zur Uniklinik geschickt für die Zweitmeinung. Ich weiß nur nicht, ob er bei der Sprechstunde für refraktive Chirurgie (die werden vermutlich Interesse haben, ihn zur OP zu überreden) oder bei der Privatsprechstunde der Chefin (er ist Privatpatient) besser aufgehoben ist.

Feuerblick
17.05.2016, 11:27
Die werden ihn mit diesem Ansinnen auf jeden Fall in die refraktive Sprechstunde schicken. Allerdings ist es an Unis meistens so, dass die nicht soooo gewinnorientiert sind in ihren refraktiven Sprechstunden... Trägt er denn keine Kontaktlinsen?

roxolana
17.05.2016, 12:04
Ne, an Kontaktlinsen hat er wohl kein Interesse :-nix
Ich hab ihm jetzt gesagt, dass er sich einen Termin in der refraktiven Sprechstunde holen soll. Mal sehen, was sie ihm da sagen. Würdest du generell eher empfehlen, solche Eingriffe an der Uni statt Privatklinik durchführen zu lassen oder kann man das nicht so pauschalisieren?

Feuerblick
17.05.2016, 13:04
Pauschalisieren kann man das nicht, aber ich habe den Eindruck, dass man an vielen Privatkliniken und in Privatpraxen häufig über Risiken und Nebenwirkungen weniger gut aufklärt, weil man ja den Eingriff gerne "verkaufen" möchte.

kartoffelbrei
17.05.2016, 15:11
Pauschalisieren kann man das nicht, aber ich habe den Eindruck, dass man an vielen Privatkliniken und in Privatpraxen häufig über Risiken und Nebenwirkungen weniger gut aufklärt, weil man ja den Eingriff gerne "verkaufen" möchte.

Ich mache mir ja schon länger Gedanken über eine phake Intraokularlinse... Sollte ich den Eingriff tatsächlich durchführen lassen, wäre ich eher in Richtung Privatklinik tendiert unter der Annahme, dass die da höhere Fallzahlen und entsprechend mehr Expertise haben. Oder kann man das gar nicht so pauschal sagen? (Außerdem hätte ich Angst vom Assi operiert zuu werden, der das zum ersten Mal alleine machen darf... :-blush)

Du hast nicht zufällig irgendwelche Tipps für Norddeutschland?

Feuerblick
17.05.2016, 16:27
Solche Operationen macht in der Regel nicht der Assi... die werden nämlich überall privat gezahlt (also nach GOÄ), sind nie Kassenleistung (damit natürlich besser bezahlt) und somit ein bisschen das Heiligtum der erfahrenen Refraktivchirurgen, die da auch in aller Regel selbst Hand anlegen. Privatkliniken mögen die höhere Schlagzahl haben, aber in einigen mir bekannten Privat-Häusern ist die Beratung einfach nicht gut genug. Gute Refraktivchirurgen sagen jedem einzelnen Patienten klar, welche Methode für ihn sinnvoll und welche absolut nicht gut wäre. Ohne Ansehen des finanziellen Backgrounds. Es gibt solche auch an privaten Einrichtungen, aber dennoch sind mir die meisten mir bekannten gefühlt zu gewinnorientiert.
Ich persönlich würde mir übrigens keinen intraokularen Eingriff antun - auch wenn mich meine Brille manchmal nervt und ich keine Kontaktlinsen so richtig vertrage.

Espressa
21.05.2016, 23:17
Ist halt immer doof, wenn man nach einem refraktiv motivierten Eingriff irgendeine blöde Komplikation mitnimmt (Maculaödem, Hornhaut...) und dann schlechter aussteigt als vorher.
Andererseits sind hochhyperope meist recht dankbare Kandidaten für eine CatOP, selbst schon einige sehr glückliche Patienten erlebt, vor allem wenn sie vorher ohne Brille gar nicht konnten.
Schwarze Schafe (oft in Privatkliniken) bescheinigen einem 50-jährigen aber schon mal ne Katarakt und machen eine Kassenleistung draus...
Denke auch dass da ein großes Haus vielleicht korrekter und unverblümter ist, weil die eh genug OPs haben und nicht noch "Kunden anwerben" müssen.

Feuerblick
21.05.2016, 23:28
*schmunzel* Sagen wir mal so: Die hoch Hyperopen sind meist nicht so pingelig wie die hoch Myopen :-))

Muriel
22.05.2016, 20:18
Die Hyperopen sehen mit sc 0,5 ja auch perfekt, während der Myope mit BCVA 1,6 ein hoffnungslos verlorener quasi blinder Maulwurf ist :-))

kartoffelbrei
22.05.2016, 22:13
Gemein wird es vor allem, wenn man so myop ist, dass man ohne Brille noch nicht einmal lesen kann... :-kotz
Aber Feuerblick hat schon Recht, ein nicht medizinisch indizierter intraokularer Eingriff ist auch nicht so das Wahre...

Feuerblick
22.05.2016, 22:32
Die Hyperopen sehen mit sc 0,5 ja auch perfekt, während der Myope mit BCVA 1,6 ein hoffnungslos verlorener quasi blinder Maulwurf ist :-))
Genau das meinte ich... und ich schließe mich da nicht aus... 0,25 zu wenig ist n Drama! Ich würde sogar Achteldioptrien nehmen, wenn es die gäbe :-))

Muriel
23.05.2016, 22:27
So war ich mal. Eine Viertel dpt im Asti, die mir einen grottigen Visus von 1,2 beschert hat, war der Horror. Aber ich fand das dann selber so dermaßen bescheuert, dass ich meine letzten beiden Brillen komplett ohne neue Refraktion gemacht habe, weil ich nicht bekloppt werden wollte :-))

Feuerblick
23.05.2016, 22:44
Nee, DAS kommt für mich nicht in Frage. Aber momentan ist alles gut. Vermutlich wäre ich auch deshalb als Refraktiv-Patientin die Hölle :-))
Meine Lieblingsoptikerin und gute Freundin sagte original zu mir: "Deine erste Gleitsicht lässte aber woanders machen, gell?!"