Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gründe für Austritt aus Marburger Bund
Philip_MHH
21.05.2016, 10:52
Mein Unverständnis hab ich ja schon geäußert, aber jeder wie er meint. Wobei der MB sehr günstig ist, siehe auch der Beitrag mit der 1% Regel bei "normalen" Gewerkschaften, damit liegt der MB bummelig bei unter der Hälfte der Höhe der Beiträge und wenn du jetzt noch die steuerliche Absetzbarkeit mit einberechnest zahlst du auch keine 200 euro. von den vergnüstigeungen bei Versicherungen, Kursen, kostenloser (Arbeits-)Rechtsberatung, Prüfung von Arbeitsverträgen usw. mal abgesehen...
LostSoul
21.05.2016, 13:11
Man kann den Beitrag doch von der Steuer absetzen, dann sind es fast die Hälfte weniger. Auch wenn man an einem Haus ist, das nicht nach einem MB-Tarif bezahlt, so wird sich dessen Tarifvertrag trotzdem mehr oder weniger am MB-Tarifvertrags-Niveau orientieren, weil sie sonst keine Ärzte bekommen, wenn sie viel weniger zahlen.
Ich habe schon mehrmals die arbeitsrechtliche Beratung in Anspruch genommen und schnell qualifizierte Auskunft erhalten. In Fragen, die einen Nicht-MB-Tarifvertrag betreffen...
Wenn jeder so denken würde, hätten wir immernoch 48h Dienste und TvöD-Gehalt. Die knapp 100 € pro Jahr (nach Steuerabzug) haben sich schon längst durch ein um mehrere Hundert Euro pro Monat höheres Gehalt bezahlt gemacht.
Jule-Aline
21.05.2016, 18:25
TvöD Gehalt gibt es noch, sowohl beim Gesundheitsamt,Öffentliches Gesundheitswesen,Institute an der Uniklinik.
klingelpütz
22.05.2016, 19:00
Ja, aber nicht bei den "normalen Ärzten" im Krankenhaus. Ich zahle das Geld für den Gegenwert gerne.
Wenn ich niedergelassen wäre, wäre ich natürlich auch nicht im Marburger Bund. Bin ja auch nicht in der IG-Metall oder der GEW...
Aber ansonsten verschlägt mir die Abneigung bzw. das Unverständnis von einigen hier doch ein wenig die Sprache...
arbeiter79
25.05.2016, 13:57
Ich find den MB auch gut, konnte mich aber noch nicht zum Beitritt durchringen
Das Thema ist ein wenig komplexer. Ich stelle hier einfach mal ein paar Dinge zu Diskussion, hinterher kann sich ja jeder selbst überlegen, was er davon hält.
Vorweg:
-ja, ich lege keinen Wert darauf, mich von ver.di vertreten zu lassen und
- es gibt (leider) keine "vernünftige" Ärztegewerkschaft.
Nach langer Mitgliedschaft im MB sind mir aber doch ein paar Dinge übel aufgestoßen, die mich letztendlich zum Austritt veranlasst haben. Wenn man schon jeden Tag aufs neue in die Pfanne gehauen wird, dann möchte ich das nicht auch noch mit meinem eigenen Geld unterstützen.
Der MB nennt sich ja "Verband der angestellten Ärzte".
Eine Gewerkschaft zeichnet zwei Dinge aus, die dem MB abgehen:
-eine Streikkasse (2006 wurde mit "wir sind ja noch Anfänger") argumentiert, jetzt haben wir 2016 und es gibt immer noch keine. Zufall? Oder Absicht, damit nicht doch jemand Streiks anzettelt?
-zweitens nimmt man wie selbstverständlich Führungskräfte auf. Die zahlen auch mehr und haben höheren Einfluß, d.h. angedachte Arbeitskampfmaßnahmen scheitern dann direkt schon auf KH-Ebene am Chefarzt, der noch dazu persönliches finanzielles Interesse hat, daß die Personalkosten immer schön gering bleiben.
Als positiv wird hier immer die Rechtsberatung herausgestellt. Klar, die gibt es und die Leute auf der unteren MB-Ebene machen hier auch eine gute Arbeit. Wer allerdings glaubt, er könne sich auf den MB in heiklen arbeitsrechtlichen Fragen verlassen, möge doch mal das Kleingedruckte lesen. Eine Prozessvertretung durch den MB bedarf voher einer internen Abstimmung. Ich schätze das so ein, daß potentiell systemverändernde Fragen (Arbeitszeiten, BD-Vergütung usw.) spätestens hier "durchfallen". Oder gab es für das damalige Urteil zum AZG MB-Unterstützung?
Tip: eine normale Rechtsschutzversicherung kommt auch für Miet,- Verkehrsfragen usw. auf. Und zahlende Mitglieder im Hippokranet werden nicht nur politisch neutral bestens informiert, sondern bekommen auch eine kostenfreie Rechtsberatung.
Persönlich mache ich den MB für folgendes verantwortlich:
-die niedrigsten Arztlöhne der westeuropäischen Länder. Im Prinzip nur noch attraktiv für Kollegen vom südöstlichen Mittelmeer und weiter, oder gaaanz weit östlich. Wie hier unlängst mehrfach zu lesen, ist das Gesamtpaket selbst für die südeuropäischen und südwesteuropäischen Kollegen nicht mehr attraktiv.
-absolutes Lohndumping, was die Dienstvergütung, Überstunden usw. angeht und praktischerweise auch noch gleich die Möglichkeit, die diesbezüglichen Gesetze zu umgehen, a.k.a "opt-out". Dazu diverse Gummiparagraphen, z.B. für Zeiterfassung.
-Kollegen, die sich aus der Patientenversorgung verabschieden und die noch am Patienten arbeitenden Kollegen in die Pfanne hauen (MDK) erhalten in allen Gehaltsstufen deutlich mehr. Übrigens zahlt der MDK 13 Monatsgehälter. Begründet wird das mit der fehlenden Dienstvergütung. Wieviel die ausmacht, lesen wir hier weiter unten. Einen Tausender wohl eher selten. Und die armen "Kollegen" vom MDK können ja gerne Notarzt fahren oder KV-Dienst machen. Die politisch gewünschte Übermacht von Verwaltung, Krankenkassen und Co. unterstützt der MB sehr deutlich.
-Ein Tarifsystem, in dem hochprofitable Klinikketten weniger Lohn zahlen müssen und länger arbeiten lassen als hochverschuldete Kommunen. Genau umgekehrt wie in der freien Wirtschaft, wo der Maschinenschlosser bei Audi mehr bekommt als bei den Stadtwerken.
Die Tariftabellen kann man alle beim MB auf der homepage nachsehen. Hinzu kommt ein permanentes Getrickse bzgl. Vertragslaufzeiten (bitte mal die Erhöhung über die Gesamtlaufzeit ausrechnen), wiederholte Abschlüsse unter der Inflationsrate, gestrichenes Weihnachtsgeld, Fortbildungstage am untersten Rand des Möglichen (in BW sind für Nicht-Ärzte z.B. sieben Tage vorgesehen).Ab und zu rutscht auch mal eine Peinlichkeit raus, z.B. hier:
http://www.marburger-bund.de/tarifpolitik/kommunale-krankenhaeuser#content
Am 4.2.15 war das VKA-Angebot völlig inakzeptabel, am 5.2. wurde der Abschluss unterschrieben. Und alles ohne Streiks. Da muß man dem VKA ja richtig Druck gemacht haben;-) Übrigens hatte ich in dieser Runde dann auch noch einen Tag Urlaub eingebüßt- ältere Kollege noch mehr.
Das ganze ist übrigens nicht zufällig so.
Da möge man sich die Personalien angucken:
-Lutz Hammerschlag, MB-Verhandlungsführer aus 2006, kurz danch (vermutlich hochdotierter) Geschäftsführer eines arbeitgebernahen Institutes und dann einer Klinikkette geworden. Ganz sicher ein Dankeschön dafür, daß er die Lohnkosten so hoch getrieben hat;-). Diese Sache wurde seinerzeit in der MB-Zeitung konsequent unter den Teppich gekehrt.
-"Monti", der schon 2006 die Streiks nicht wirklich wollte. Wurde von der Hamburger Gesundheitssenatorin zum Prof. e.h. ernannt (auch das sicher ein Dankeschön fürs Hochtreiben der Personalkosten;-), ist mittlerweile als Präsident der BÄK in der hohen Politik angekommen. Kassiert in dieser Eigenschaft fünfstellige Tantiemen u.a. von der Allianz PKV (genau- für das Hochtreiben der Arztkosten). Fällt aktuell durch wenig hilfreiche Themen wie das Abschaffen von "Deutsch als Arztsprache" und dem gegen die niedergelassenden Kollegen gerichteten Absenken der ohnehin von 1982 stammenden GOÄ negativ auf. Frage: was passiert wohl mit den KH-Löhnen, wenn die Niederlassung in Praxis als Alternative wegfällt?
-aber absolute Krönung ist dieser Herr hier:
http://www.abgeordnetenwatch.de/rudolf_henke-575-37642.html
Neben seiner Vollzeittätigkeit als Bundestagsabgeordneter auch noch in Vollzeit MB-Vorsitzender, Vollzeit- Ärztekammerpräsident etc. Ach ja, eine Oberarztstelle hat er auch noch. Und dann noch diverse Nebeneinkünfte von Krankenversicherungen etc. Das Geld von den Kliniken und Versicherungen bekommt er sicher dafür, die Ärztelöhne hochzutreiben und die Arbeitszeiten zu reduzieren;-) Wer etwas googelt, kann sich ja auch mal einen groben Überblick über die Höhe dieser Einkünfte verschaffen. Kleiner Tipp: Top10 im Bundestag. Und das Geld für die Oberarztstelle fehlt auch im KH-Budget. Sollte man mitberücksichtigen, wenn hier, wie weiter oben, irgendwas von "solidarisch" geschwafelt wird. Als Ärztekammerpräsident ist der famose "Gewerkschafter" gleich auch noch verantwortlich für die ganzen kleinen und grossen Zumutungen dieser Organisation ans "Fußvolk".
Eine kleine google-Bildersuche ergab, daß der Herr H. auch überaus freundlich mit dem Herrn Gesundheitsminister verkehrt, mit dem er auch nicht nur die Partei, sondern auch den Landesverband teilt. Übrigens gehen Listenplätze für Bundestagswahlen und damit die ganzen schönen Nebeneinkünfte schon mal flöten, wenn man nicht "spurt", habe ich mal gehört...
Ich stelle diese ganzen Sachen hier mal wertfrei zur Diskussion. Der eine oder andere mag den Abend und das kommende WE nutzen, um mal drüber nachzudenken, warum die Dinge so sind, wie sie sind, ob z.B. die Chefs der Lokführergewerkschaft oder VC Cockpit im Bundestag oder Verkehrsministerium sitzen, ungeniert viel Geld von der Gegenseite kassieren, ob das so in Ordnung ist und was man da für Konsequenzen draus ziehen könnte und überhaupt was Pilotengewerkschaftler von einer "Ärztevertretung" so unterscheidet.
Übrigens gibt es auch "christliche Gewerkschaften", die immer mal wieder durch das Eingehen von prekären Tarifverträgen negativ auffallen. Im Unterschied zu Ärzten laufen denen dann aber nicht noch freiwillig Mitglieder zu. Es kommt halt auf den Inhalt an und nicht auf die Verpackung.
Schönen Abend noch!
Feuerblick
26.05.2016, 18:16
-Kollegen, die sich aus der Patientenversorgung verabschieden und die noch am Patienten arbeitenden Kollegen in die Pfanne hauen (MDK) erhalten in allen Gehaltsstufen deutlich mehr. Übrigens zahlt der MDK 13 Monatsgehälter. Begründet wird das mit der fehlenden Dienstvergütung. Wieviel die ausmacht, lesen wir hier weiter unten. Einen Tausender wohl eher selten.
Wenn man von Tarif, Arbeitsweise ("Kollegen in die Pfanne hauen" - Nee, is klar. Klischee lässt grüßen! Mir fehlen da noch die "Provisionen" für jede "abgelehnte" Behandlung...) und Tarifverhandlungen (schau mal nach, WER da in den Verhandlungen sitzt... das ist eben nicht nur der MB sondern da sitzt für die nicht-ärztlichen Mitarbeiter... wer... genau! Ver.di!!!) in manchen Bereichen keine Ahnung hat, sollte man lieber nicht damit argumentieren. :-nix
Sry...
1)in den primären Fächern (Chirurgie, Innere...) werden zwischen 40-50% der KH-Rechnungen erst mal angezweifelt (nicht nur im eigenen Haus, sondern auch bei Freunden anderswo und auch laut DKG). Da muß man schon von einer gewissen Boshaftigkeit ausgehen.
2) "durchs Hemd und durch die Hose stellt man keine Diagnose". Wieso sind eigentlich Gutachten rein nach Aktenlage statthaft? Jeder Verkehrsrichter würde so ein Gutachten innerhalb 30sec kassieren.
3) in keinem Fall läßt sich für mich eine Leistung erkennen, die bereits bei einem Anfänger einen Tausender mehr rechtfertigen würde. Noch dazu mal dreizehn...die übrigen Dinge (Fortbildung, Freizeit usw.) bitte auch mal beim MB und MDK im Kleingedruckten nachlesen
4) Nebenkriegsschauplatz...aber jeder, der sich über wiederkehrende Anfragen ärgert, möge sich im Klaren sein, daß er mit seinen MB-Beiträgen dazu beiträgt...der MDK leidet auf jeden Fall nicht unter Ärztemangel....
Feuerblick
26.05.2016, 19:42
Na, dann dröseln wir das mal auf:
- "Anfänger" gibts beim MDK nicht. Es sei denn, für dich sind Fachärzte mit mehrjähriger Berufserfahrung Anfänger.
- Angezweifelt wird von der Kasse, nicht vom MDK. Wie auch? Da hätte der MDK viel zu tun, wenn der jede Krankenhausrechnung bekäme. Der MDK prüft im Auftrag der Kassen. Ob Kassen nun boshaft sind oder ob in vielen Fällen da vielleicht eine gewisse "ungute" Vorgeschichte mitspielt, lasse ich mal dahingestellt. Gibt es beides. In den meisten Fällen prüft der MDK übrigens mit dem Ausgang, dass Aufenthalt und Maßnahmen völlig gerechtfertigt waren. Es sei denn, es wurde schlecht dokumentiert. Wer schreibt, der bleibt. Und nein, es gibt keine Prämie für Ablehnungen...
- Warum Aktenlagengutachten statthaft sind? Weil Aktenlagen in manchen Fächern zur Beantwortung der Fragestellung (!!) ausreichen bzw. Untersuchungen keinen Zusatznutzen hätten. Im Bereich Krankenhaus werden die Diagnosen sogar oft anhand der Doku einfach so geglaubt. Für alles andere gibt es Begehungen, die nur einen Zweck haben: Strittige Fragen zu klären.
In anderen Fächern wird ...au weia... untersucht! Ehrlich! So mit richtigem Patientenkontakt!
Übrigens sind MDK-Gutachten nicht schlechter als so manches Gutachten von "Sachverständigen". Auch hier: Wer von der Struktur des Systems nur wenig Ahnung hat, sollte sich kein Urteil anmaßen.
- Und der MDK leidet inzwischen sehr unter Ärztemangel. Weil nämlich all die schönen Vorurteile kursieren von Leuten, die nur mit Halbwissen glänzen können und Klischees bedienen. :-nix
Hat jetzt alles nix mit dem MB zu tun (zu Tarifverhandlungen und den Teilnehmern schrieb ich ja weiter oben schon etwas), aber das als Begründung anzuführen, warum man den MB nicht leiden kann, halte ich dann doch für etwas sehr weit hergeholt.
Ich sehe den MB übrigens auch durchaus kritisch. Nur... hast du ne bessere Alternative? Und warum sind Ärzte nicht in der Lage, eine Gewerkschaft zu organisieren, die so funktioniert wie andere Gewerkschaften? Und warum engagieren sich so wenige wirklich, um die genannten Kritikpunkte vielleicht beheben zu können?
Christoph_A
27.05.2016, 10:16
Insbesondere sei hier noch angeführt, daß sich ver.di nun mal so überhaupt nicht um uns Ärzte gekümmert hat, die haben nur schön für ihre Pflegeschäfchen gestritten und mit dem Argument Ärzte verdienen doch genug jeden Fortschritt jahrelang weggebügelt. Bevor ich mich von dem Salonsozenhaufen vertreten lasse, würde ich ins Ausland gehen. In Kliniken hat der MB viel erreicht die letzten 10 Jahre, kannst gerne mal Deine "älteren" Kollegen fragen, wie es früher so zugegangen ist. Bin ja auch schon ein paar Takte im Geschäft und kenn da noch einiges aus meinen Anfangsjahren, wo Dich heutige Klinikyoungster mit gaaanz großen Äuglein anschauen.
Mir ist bekannt, daß der MDK überwiegend oder ganz nur Fachärzte beschäftigt. Den Luxus kann man sich offenbar leisten (welche Klinik kann das schon), was zumindest ein Indiz darauf ist, daß der Personalmangel nicht ganz so schlimm ist. Auch von "Berufserlaubnis" und "Deutsch mind. C 1" liest man von MDK eher selten. Mit der aktuellen Auswanderungswelle wird die Luft ab FA-Level natürlich für alle "dünn".
Nichtsdestotrotz gibt es die entsprechenden MDK-Vergütungstabellen vom MB für Anfänger und Leute im ersten Jahr. Da ja seinerzeit behauptet wurde, daß der Tausender im Monat als Ausgleich für die fehlenden Dienste gedacht wäre, eigenet sich diese Stufe besonders als Vergleich, da die wenigsten KollegInnen unmittelbar nach der Uni einen Tausender extra mit Diensten verdienen. Und die KollegInnen in Fächern ohne Dienste wie Humangenetik bekommen ja auch nicht mehr.
Umgekehrt gibt es beim MDK 13 Monatsgehälter, während für alle andere Sparten selbst ein paar hundert Euro Weihnachtsgeld durch den MB flächendeckend abgeschafft wurde.
Vereinzelt habe ich auch schon von 14 Monatsgehältern gehört, zusammen mit den behaupteten Bildungstagen (zweistellig) und "freier Arbeitszeiteinteilung" entzieht sich das aber meiner Nachprüfbarkeit.
Ob jetzt das Wirken des MDK für den Ablauf in den Kliniken, die betroffenen Patienten und die Arbeitsbelastung der Kollegen segensreich ist, sei dahingestellt. Mir ist auch bekannt, daß die initiale Anfage natürlich von der Kasse kommt (bzw. deren Computeralgorhythmus), wobei die bei uns selbstverständlich nicht von Dritten nach Aktenlage bearbeitet werden darf, sondern stets die involvierten Kollegen sich damit beschäftigen müssen.
Grundsätzlich gönne ich natürlich jedem sein Gehalt (bei McKinsey und Co lacht man vermutlich über MDK-Gehälter), man sollte die Kliniktarife aber nicht mit Wortfloskeln wie "Solidarität" und "Ethik" zukleistern.
Letztendlich geht es mir darum, daß der MB als "staatsnahe" Einrichtung eine übermäßige Betonung der Verwaltung unterstützt, während die KollegInnen in der "Produktion" schlechter gestellt werden. Ansonsten warte ich immer noch gespannt auf eine logische Begründung für die Diskrepanz im Grundgehalt.
Ich habe übrigens auch eine Zeitlang versucht, mich in der MB-Basisarbeit zu engagieren. Letztendlich ist das so erfolgversprechend, wie in die CDU einzutreten, um "Mutti" zu stürzen. Übrigens, spätestens auf dem Level über der Bezirksebene sind die Treffen grundsätzlich zu "idealen" Zeitpunkten wie "Donnerstag, 14h" und dann gerne auch noch ein paar 100km weg, so daß die "arbeitende Bevölkerung" beim besten Willen nicht mehr teilnehmen kann, ohne Urlaub zu beantragen und "Funktionäre", "Linientreue" und die "Verwaltungsmediziner mit Gleitzeit" dann wieder unter sich bleiben.
Nur die "Info/Neumitglieder/Schnittcheneßtreffen" werden auch mal um 18.30 durchgeführt.
Feuerblick
30.05.2016, 08:05
Die MDK-Vergütungstabellen für Leute im ersten Jahr musst du, da es sich um Fachärzte handelt (wieso Luxus? Dich möchte ich hören, wenn Leute frisch von der Uni Gutachter beim MDK wären!), mit entsprechendem Facharztgehalt vergleichen. Und dann passen die Relationen sehr wohl. Ich empfehle eine Hospitation beim MDK in deiner Gegend, damit du dein Halbwissen bzgl. Arbeit und Tarif mal etwas aufstocken kannst. Mir wird das hier zu ausführlich.
Und nochmal der Hinweis: In den Tarifverhandlungen steckt ver.di maßgeblich mit drin.
Jeder, der sich politisch irgendwo engagieren möchte, muss leider dafür Urlaub/FZA aufwenden. Wenn einem das schon zuviel ist, kann das mit dem Engagement ja nicht so wichtig sein...
Irgendwie klingt die Geschichte mit dem MDK ziemlich nach Verschwörungstheorie. Gehaltstabellen sind einfach Verhandlungssache. Und der MDK wird einfach rechnen: Jeder zusätzliche Prüfer erwirtschaftet Summe X im Jahr - solange das Gehalt bei < X bleibt lohnt es sich für den MDK weiter Leute einzustellen. Und da sie eben nicht nur diejenigen wollen, die keinen Bock auf Dienste haben sondern möglich motivierte und fähige Leute müssen sie eben das entsprechende Geld in die Hand nehmen. Kliniken haben hingegen den Vorteil dass sie eben diesen Leuten Dinge wie Karriere, Prestige und Macht versprechen können - alles Dinge mit denen der MDK nicht locken kann.
In Österreich ist es noch schlimmer:
http://kurier.at/chronik/wien/asklepios-gruender-gernot-rainer-kritischer-arzt-verliert-seinen-spitalsjob/181.219.137
Anne1970
02.06.2016, 12:28
Die MDK-Vergütungstabellen für Leute im ersten Jahr musst du, da es sich um Fachärzte handelt (wieso Luxus? Dich möchte ich hören, wenn Leute frisch von der Uni Gutachter beim MDK wären!), mit entsprechendem Facharztgehalt vergleichen. Und dann passen die Relationen sehr wohl. Ich empfehle eine Hospitation beim MDK in deiner Gegend, damit du dein Halbwissen bzgl. Arbeit und Tarif mal etwas aufstocken kannst. Mir wird das hier zu ausführlich.
Und nochmal der Hinweis: In den Tarifverhandlungen steckt ver.di maßgeblich mit drin.
Jeder, der sich politisch irgendwo engagieren möchte, muss leider dafür Urlaub/FZA aufwenden. Wenn einem das schon zuviel ist, kann das mit dem Engagement ja nicht so wichtig sein...
Ich stimme dir zu Funkel, ich frage mich wirklich, wer hier Stimmung gegen den MB macht. Doch nicht etwa die Möchtegern-Konkurrenz? Es gibt reichlich Gründe, dort beizutreten und den MB weiter zu stärken. ( http://www.marburger-bund.de/mitgliederservice) Der Marburger Bund ist der größte deutsche Ärzteverband mit inzwischen 118.000 Mitgliedern und die einzige Ärztegewerkschaft. Wenn es um Arbeitsbedingungen und Gehälter von angestellten Ärztinnen und Ärzte geht gibt’s nur eine Kraft, die hier Verbesserungen erreichen kann.
Im Übrigen: Nenn mal eine Gewerkschaft in Deutschland, die für einen Jahresbeitrag (!) von rund 200 Euro – in manchen Bundesländern auch deutlich weniger – Arbeitsverträge prüft, in allen Konfliktfällen kompetent berät und zur Not auch prozessiert. Nehmen die Verdis nicht 1 % vom Gehalt?
Absolute Arrhythmie
02.06.2016, 12:36
Danke Anne :-top
Ich bin seit dem ersten Tag meines Studiums Mitglied im Marburger Bund und wüsste keinen Grund das nicht auch zu bleiben.
Ich stimme dir zu Funkel, ich frage mich wirklich, wer hier Stimmung gegen den MB macht. Doch nicht etwa die Möchtegern-Konkurrenz? Es gibt reichlich Gründe, dort beizutreten und den MB weiter zu stärken. ( http://www.marburger-bund.de/mitgliederservice) Der Marburger Bund ist der größte deutsche Ärzteverband mit inzwischen 118.000 Mitgliedern und die einzige Ärztegewerkschaft. Wenn es um Arbeitsbedingungen und Gehälter von angestellten Ärztinnen und Ärzte geht gibt’s nur eine Kraft, die hier Verbesserungen erreichen kann.
Trotzdem steht auch dem Marburger Bund ein wenig Selbstkritik ganz gut zu Gesicht (was durch Ausdrücke wie Möchtegern-Konkurrenz nicht gerade suggeriert wird ;-)).
Wer er sich rühmt, maßgeblich für die Abschaffung des AiP vor 10 Jahren gesorgt zu haben, sollte eventuell dabei erwähnen, daß er 20 Jahre zuvor das AiP überhaupt erst ermöglicht hat.
Anne1970
03.06.2016, 05:14
Evil, Selbstkritik ist immer gut. Und Fehler passieren. Wer nichts tut, macht auch keine Fehler.
Allergisch bin ich nur dagegen, dass suggeriert wird, dass die Wahl des Berufsverbands ( und z.B. der Repräsentanz in den Landesärztekammern) eine reine Geschmacksfrage sei, so ähnlich wie bei politischen Parteien.
Die Funktion "Tarifpartner"der Krankenhaus ( - und einiger anderer) Arbeitgeber hat nur einer der Berufsverbände. So zu tun, als hätten beide die gleiche Funktion, hätten beide die Ergebnisse erreicht, die unser Tariflandschaft heute bestimmen, ist schlicht falsch. Und jede/r Medizin-Studierende/r ist - wenn er in die Patientenversorgung gehen will - erst mal angestellt im Krankenhaus. Für die Niedergelassenen gibt es bisher keinen Arbeitgeber-"Verband/Verbund" in der Fläche..d.h. jeder, der dort angestellt wird ( z. B in Weiterbildung oder später) hat bisher keinen Tarifvertrag, der ihn schützt ( es gibt Mustervertragsvorschläge beim MB). Es ist völlig legitim, die Interessen der eigenen Gruppe zu vertreten. Aber so zu tun, als sei alles eins, ist für mich "Möchtegern" :grins: .
Hier nur zwei Beispiele:
Es ist völlig legitim, sich z.B. dafür einzusetzen, dass mehr Mediziner Hausärzte werden, ist absolut ehrenhaft: Aber zu versuchen, durch Lobbyarbeit daraufhin zu wirken, dass es eine "Quartalisierung" des PJ mit ambulanten "Hausarzt-Pflicht-Quartal" (und damit Prüfung) geben soll ist eine Einschränkung nicht nur der Qualität des PJ. Nicht im Sinne der Berufsanfänger. :-)
Dass man ( als Unternehmer in der Niederlassung) für die eigene Existenz kämpft, ist notwendig und völlig ok.
Nicht im Interesse der Weiterzubildenden finde ich aber den Versuch, die ( schon picke-packe volle) Musterweiterbildungsordnung um einzelne Features zu erweitern, nur mit dem Ziel, dass die KBV irgendwelche Ziffern abrechnet. Dann soll man auch nicht so tun, als läge einem damit die vernünftige Weiterbildung am Herzen. Das ist für mich auch "Möchtegern", lieber Evil :-D
Von welchem Berufsverband redest Du jetzt? Der Hartmannbund war meines Wissens gegen das Pflichtquartal, dahinter steckt die DEGAM, wenn sie auch mittlerweile etwas zurückrudert.
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