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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 5 Jahre Pause nach Studium. Wieder Arzt? Wie?



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malwieder
19.06.2016, 22:36
Euch allen vielen Dank! Ich schau mal was die Ärztekammer sagt.



Was hast du eigentlich danach studiert? Und in dem Bereich dann auch gearbeitet oder nur studiert?

Ich habe noch Jura studiert. Teilweise neben Medizin. Ist ne lange Geschichte. Ich wollte immer Arzt werden. Das mit Jura fing damit an, dass ich nach dem Abi kein Medizinstudienplatz bekommen habe weil ich mich bei der ZVS ungeschickt beworben habe. In der nächsten Runde hat es dann geklappt. Konnte in der gleichen Stadt zu Medizin wechseln aber Jura durfte ich weiterstudieren und habs halt nebenbei gemacht. War ein Fehler. Ich arbeite auch in dem Bereich. Ihr könnt echt froh sein, dass ihr euch das nicht antun müsst. Bezahlung ist sehr gut aber für kein Geld der Welt will ich das machen. Das macht einen echt unglücklich. Ich mache Medizinrecht. Und es tut wirklich weh, jeden Tag über Medizin zu schreiben anstatt was sinnvolles zu machen.

WackenDoc
20.06.2016, 08:22
Lies dich einfach in dein zukünftiges Fachgebiet ein. Das sollte reichen. Und verkauf dich auf keinen Fall unter Wert.

Anne1970
20.06.2016, 08:36
Genau. Wenn ich mir anschaue, mit welchen Vorkenntnissen manche EU-Ärzte zu uns kommen...
Keinesfalls kostenlos arbeiten ...
Hospitation ist für ein / zwei Tage (z.B. um die Stimmung im Betrieb zu erkunden) ok, mehr nicht.
Das breite Wissen vom Staatsexamen ist nicht notwendig.
Und das (offizielle) Festlegen auf Allgemeinmedizin ist auch zu Beginn noch nicht nötig. Beginne in einer Inneren. Dann siehst du weiter. Guck ins Weiterbildungs-Ranking. Sieh dir den Rahmendienstplan an.
Achte darauf, dass es elektronische Zeiterfassung, einen MB -Tarif und Arztassistenz gibt (z.b. für Reha-Anträge, und Blutabnahme ;-) ) , dann hast du schonmal gute Anfangsvorraussetzungen...

malwieder
20.06.2016, 09:44
Nocheinmal herzlichen Dank euch allen. Es ist sehr gut dass zu hören.

Ich bin normalerweise niemand, der unsicher ist. Es liegt mir auch völlig fern ein Forum vollzujammern. Aber es ist vielleicht interessant zu hören, wie es auch laufen kann.

Man hört ja immer "oah toll, du hast beides studiert...". Man arbeitet bzw. studiert so vor sich hin und schiebt die Gedanken, dass man eigentlich was anderes machen will beiseite, weil einem Kollegen (Mediziner wie Juristen!) und Arbeitgeber im juristischen Bereich eine goldene Zukunft prophezeien. Es ist aber wirklich scheiße, wenn man merkt, dass das im Grunde völlig bescheuert war, was man die letzten Jahre gemacht. Im Endeffekt war ich die letzten fünf Jahre dabei, meinen Traum von einem erfüllten Arbeitsleben zugunsten von einem gut dotierten Bürojob zu verkaufen. Diese Erkenntnis muss erstmal sacken. Zudem habe ich Sorge, dass man das nicht mehr korrigieren kann.

Aber besser spät als nie. Ich glaube, wenn ich mit 31 anfange bin ich ja jetzt auch nicht uralt.


P.S.:


Achte darauf, dass es ... Arztassistenz gibt (z.b. für Reha-Anträge... ;-) )

Anne: Also bzgl Rehaanträge bin ich zuversichtlich, dass ich das alleine kann. Im PJ war ich quasi Oberarzt für Rehaanträge. Ich wusste alles: RV Bund, RV Land...; dieses Rehazentrum ist schön gelegen etc. ;-)
(Es gab (gibt?) ja 25 auch 25 € pro Rehaantrag)

PPS
Soviel hat sich ja auch niccht verändert sehe ich gerade. Es sind 12 Jahre seitdem ich das erste mal in diesem Forum war. Uns bis heute kann die Engine hier nur 21 Smileys. ;-)

PPPS
Mein Job hat auch Vorteile: Man hat andauernd gutes internet und kann sich über seinen neuen Beruf informieren.

Feuerblick
20.06.2016, 09:58
Wenn du aber 30 Patienten versorgen, deren Briefe schreiben UND noch die Rehaanträge ausstellen sollst, bist du schnell froh, wenn du wenigstens das nicht mehr an der Backe hast. Von Blutentnahmen mal nicht zu reden.

So ein klein wenig blauäugig kommst du mir ja schon vor. Insbesondere auch was die Erfüllung durch den Job als Arzt angeht. Dir ist schon klar, dass dich Überstunden, Dienste, überbordende Bürokratie, nervige Oberärzte und Chefs und fordernde Patienten erwarten? Dass du nicht immer das mit dem Patienten machen kannst, was vielleicht medizinisch sinnvoll wäre, weil es eben nicht leitliniengerecht ist und dir die Kasse nen Vogel zeigt, wenn sie das erstatten soll? Dass du Patienten oft nach DRG und nicht als Menschen beurteilen musst? Dass du dich nach Vorgaben deiner Chefs, der Klinikleitung, als Niedergelassener der KV richten musst? Bin mir nicht sicher, ob du dich nicht irgendwann wieder nach deinem gut dotierten Bürojob sehnen wirst...

Brutus
21.06.2016, 10:00
Naja, blauäugig hin oder her. Fakt ist aber: Approbation? - Check! Deutsch in Wort und Schrift? - Check!
Damit ist sie sicher qualifizierter als manch anderer Bewerber. Dazu kommt das abgeschlossene Jurastudium mit Berufserfahrung. Kann ja in der ein oder anderen Situation auch nützlich sein. ;-)
Ich würde auf keinen Fall umsonst arbeiten oder das anbieten! Mach die Vorstellungsgespräche und meinetwegen eine Hospitation 1-2 Tage um das Team kennenzulernen. Und dann bitte mit Vertrag und ordentlicher Bezahlung weiter.
Und wer sagt denn, dass man in der Inneren unbedingt auch Chirurgie, Auge, Ohr und klinische Chemie können muss? Du musst die Dinge lernen, die für den Alltag in DEINER Abteilung wichtig sind. Und das wird man Dir beibringen.
Also nur Mut. Bewerbung schreiben und gucken, wer sich alles meldet.

BTW: Zu den Überstunden und so weiter. Ich habe einen Freund, der in Frankfurt in einer großen Kanzler gearbeitet hat. Der hat seine Familie deutlich weniger gesehen als ich noch zu Zeiten als Assistenzarzt. ;-)
Deswegen hat er da auch, trotz sehr guter Bezahlung, in den Sack gehauen und ist nun Richter mit geregelten Arbeitszeiten. ;-)

bristol
21.06.2016, 14:40
Hab nicht viel beizutragen, außer: Probier es aus, es kann nicht viel passieren :) Lass dich auf alle Fälle bezahlen; im schlimmsten Fall kündigst du / das KH in der Probezeit, und dann hast du wenigstens das Geld. Außerdem ist das Gefühl, selbst verantwortlich zu sein, doch ganz anders.

Ich kann mir sogar gut vorstellen, dass deine Erfahrung außerhalb des Krankenhauses dir im Patienten- und Angehörigenkontakt zugute kommt und du eine andere Ausstrahlung hast als der Frischling von der Uni.
Sehr viel im Klinikalltag ist dann doch nicht nur Fachwissen, sondern gesunder Menschenverstand, und sehr vieles wiederholt sich. In der Neurologie reicht es z.B. für den Anfang wahrscheinlich, die Diagnose- und Behandlungsrichtlinien für ca. 10 Symptome zu kennen, um den Alltag zu meistern, der Rest kommt dann schon. Und auch wenn es unangenehm ist: fragen, fragen, fragen!

R4nd0m
21.06.2016, 16:46
(...) In der Neurologie reicht es z.B. für den Anfang wahrscheinlich, die Diagnose- und Behandlungsrichtlinien für ca. 10 Symptome zu kennen, um den Alltag zu meistern, der Rest kommt dann schon. Und auch wenn es unangenehm ist: fragen, fragen, fragen!

Siehe auch "Gert Postel" ;-)

LasseReinböng
21.06.2016, 16:47
Am Ende des klinischen Studiums weiß man von den vorklinischen Fächern auch nur noch einen Bruchteil von dem, was man beim Physikum konnte. Genauso verhält es sich dann später im Berufsleben mit dem Stoff aus dem klinischen Abschnitt, völlig normal.

Gallilei
22.06.2016, 21:24
Man kann und weis das, was man tagtäglich tut. Alles Andere, das keine Routine jst, wird mit der Zeit verblassen. Das ist auch völlig ok, solange die Grundlagen irgendwo tief drinnen größtenteils verstanden wurden und das Handeln, dort, wo es sinnig ist, beeinflussen, auch ohne dass man alles noch en Detail weiß oder überhaupt auch nur bemerkt, dass man dies berücksichtigt.

Kandra
22.06.2016, 21:29
Kennst du Amboss? Das ist ein Lernprogramm für das Staatsexamen. Da könntest du dir ja einen Zugang holen und bis Oktober mal die großen Fächer durcharbeiten. Danach solltest du theoretisch für die Klinik gewappnet sein. Und die Praxis kommt dann von alleine ;) Umsonst arbeiten würde ich nicht, als Hospitant darfst du nämlich zumindest offiziell auch nicht viel selbst machen, da lernst du ja dann auch nichts.

malwieder
23.06.2016, 15:51
Ich schätze ich werde mich einfach mal bewerben und meine Situation ganz offen schildern. Ihr habt warscheinlich recht, dass man erst mit der Verantwortung richtig viel lernt. Höre ich auch von jedem im persönlichen Gespräch. Das Gegenteil kennt man ja sogar aus dem PJ. Bis dahin werde ich insb. Innere wiederholen.

Vielen Dank für die vielen Ratschläge.

Amboss werde ich mir mal ansehen.