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Kandra
24.06.2016, 06:50
Der Brexit geht wohl durch. Hätte ich ja ernsthaft nicht geglaubt, dass die das echt machen. Die Börsen reagieren schon, mein Schottlandurlaub wird wohl billiger wie gedacht ;)

Ich hab mal einen eigenen Thread zum Thema erstellt und die Beiträge aus dem Thread "Breaking News" hierher verschoben. Gibt ja doch viel Diskussionsbedarf zum Thema.
*milkakuh*, Moderatorin

Absolute Arrhythmie
24.06.2016, 07:14
Ich bin gespannt, wie sich das alles entwickelt.

Sebastian1
24.06.2016, 07:59
Ja, gespannt sicher. Aber gut ist das nicht, die Rechtspopulisten in Frankreich und Holland blöken schon....

Jemine
24.06.2016, 09:21
Bitter :-((

Brutus
24.06.2016, 09:46
Naja, mal abwarten. Die Engländer werden schon schmerzlich merken, was sie da getan haben.
Und die Rechten in Europa werden auch ruhiger werden, wenn sie die Auswirkungen in England und Europa sehen...

Christoph_A
24.06.2016, 12:54
Ich hätte das den Briten nicht zugetraut, aber gut, sie werden schon sehen, wohin der Weg führt. Und die EU sollte in Zukunft alle Sonderwünsche von GB streichen respektive gleich im voraus abbügeln. Sie wollen alleine gehen, sie sollen alleine gehen.
Und meinen schottischen Freunden wünsche ich schon jetzt ein erfolgreiches neues Unabhängigkeitsreferendum.
P.s.: Spanien fordert bereits Gibraltar zurück und in Irland träumen die ersten auch schon von der Wiedervereinigung.
Wenn das kein britischer Schuß ins Knie gewesen ist......:-nix

Evil
24.06.2016, 14:35
Tja, und die Leutchen machen sich dann auch noch die Welt, wie sie ihnen gefällt. Wenn die Engländer dann abschmieren, ist es natürlich wieder die böse EU gewesen und selbstverständlich nicht der eigenverantwortliche Austritt...

Zanza
24.06.2016, 14:39
Naja, ohne EU wäre es ja gar nicht soweit gekommen, dass die hätten austreten müssen, von daher stimmt es ja schon... :-))

Kackbratze
24.06.2016, 15:46
Ich frage mich dabei, warum wir uns so aufregen.
Ein souveräner Staat hat im Rahmen einer demokratischen Entscheidung sich dazu entschlossen einen Vertrag aufzukündigen.
Alle wollen doch gerne eine Mitmach-Demokratie, aber wenn die Entscheidung nicht gefällt, kommt sofort der gestreckte Finger (Zeige- oder Mittelfinger, egal).
Der britische Bürger hat sich gegen Energiesparlampenzwang, Bananenregelungen und intransparente Entscheidungen entschieden.
Das diese Entscheidung Folgen haben wird ist allen klar. Warum akzeptieren wir das nicht?
Das Cameron zurücktritt ist IMHO ein Zeichen der Schwäche und Arroganz aller Staatsoberhäupter. Anstatt als gewählter Volksvertreter (was im Wahlkampf ja gerne behauptet wird) sich jetzt als Vertreter der Mehrheit seines Volkes zu präsentieren und dessen Entscheidung umzusetzen zieht er sich in seinen Schmollwinkel zurück. Entscheidungen "gegen das Gewissen" wie Kriege oder Steuererhöhungen gehen immer leicht von der Hand, aber das jetzt ist plötzlich ach so Schlimm, dass nur und ausschließlich ein Rücktritt hilft.

Die wirtschaftlichen und politischen Folgen des Brexit werden sich eh erst in ein paar Jahren zeigen, erst müssen die 2 Jahre Kündigungsfrist noch rum (wer wusste das vor dem Brexit schon? Sodass kam in keinem Massenmedien vor).
Und das diese Entscheidung positiv für die Briten sein könnte darf man ja nicht mal ansatzweise bedenken, weil es gleichzeitig zeigen würde, dass die EU an ein paar Stellen irgendwie schlecht für die leistungsstarken Mitglieder ist...

Evil
24.06.2016, 16:31
Wirtschaftlich ist der Brexit so ziemlich sicher das Dümmste, was die Briten anstellen konnten, das zeigt sich allein schon an den nachweislich falschen Zahlen in den Kampagnen.
Und es kommt noch besser: nur Stunden nach dem Ergebnis distanzieren sich die Brexit-Anhänger von ihren eigenen Versprechen:http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/nigel-farage-distanziert-sich-nach-brexit-von-millionen-versprechen-a-1099616.html
Und daß das vereinigte Königreich auseinanderfällt, ist jetzt auch plötzlich denkbar.

Und nein, ich halte Camerons Rücktritt tatsächlich eher für ein Zeichen von Format, wenn auch ein recht einsames; er hat ja auf den Verbleib spekuliert und damit seine politischen Gegner kaltstellen wollen, aber das ist gründlich daneben gegangen. Dann ist es nur konsequent, die Niederlage einzugestehen.

Die EU ist sicherlich nicht das Maß aller Dinge und auch in ihrer derzeitigen Form alles andere als optimal organisiert. Ich hoffe daher, daß die Affäre endlich dafür sorgt, daß das bürgerferne Demokratiemonster wieder in das verwandelt wird, als das es gedacht war: eine Staatenunion, die durch Zusammenarbeit Kriege verhindert, Katastrophen abmildert und wirtschaftliche Vorteile bietet. In dieser Reihenfolge.

Evil
24.06.2016, 16:34
Aber der Abschuss ist jawohl diese Meldung, wenn sie stimmt: http://www.derwesten.de/wp/politik/nach-dem-brexit-googeln-briten-was-der-brexit-bedeutet-id11947171.html

Erst wählen und dann erst schauen, was man wählt :-peng:-oopss:-???

Kackbratze
24.06.2016, 16:59
Interessanterweise sind BBC und Co nicht so drauf bedacht den britischen Bürger so schlecht dastehen zu lassen.
Camerons Entscheidung ist doch die Korrekte, schließlich hat er seine Karriere mit der Abstimmung verbunden. (dicker Fehler).

davo
24.06.2016, 17:01
Kackbratze hat viel richtiges gesagt.

Schönwetter-Demokratie, die wir nur dann akzeptieren, wenn das Ergebnis uns gefällt? Kanns ja wohl auch nicht sein.

Ich vermute, dass die EU das UK mehr braucht als das UK die EU - siehe Handelsbilanz, siehe Migrationsbilanz, siehe Geopolitik.

Die EU war eine richtige Grundidee, aber ist leider immer arroganter geworden. Die meisten EU-Politiker glauben befürchte ich tatsächlich, dass die EU (und zwar nicht nur die EU als Konzept, sondern die EU in ihrer derzeitigen Form, die in immer mehr Lebensbereiche mit immer mehr Mikromanagement immer stärker hineinregiert) der einzige Weg zu Wohlstand und Frieden ist. Und das ist doch bitte völlig absurd. Es gibt unzählige Länder mit vergleichsweise geringer Bevölkerung, die auch ohne EU gut dastehen. Und damit meine ich nicht nur Rohstoff-Sonderfälle wie Norwegen, oder Finanzplatz-Sonderfälle wie die Schweiz, sondern auch Länder wie Island, Australien, Kanada oder Neuseeland.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass man auch ohne EU Freihandel betreiben kann, dass man auch ohne EU qualifizierte Arbeitsmigration ermöglichen kann, usw. Die EU ist definitiv nicht alternativlos, auch wenn uns das tagtäglich suggeriert wird.

Ich kann nicht abschätzen, wie sich das UK und die EU in den nächsten Jahren entwickeln werden - aber eines ist klar, so schlimm, wie uns die EU-Politik weismachen will, wird es dem UK nicht gehen.

Feuerblick
24.06.2016, 18:13
Lustig finde ich ja auch die Einstellung zum weiteren Procedere... Cameron tritt zurück... im Oktober... ER wird das "Kündigungsschreiben" nicht vorbereiten (und erst nach Eingang dieses Schreibens laufen die zwei Jahre bis zum endgültigen Austritt). Sein potentieller Nachfolger hat verlautbaren lassen, dass man ja nun wirklich nicht in Hektik verfallen müsse... alles immer schön mit der Ruhe. Sprich: Mal sehen, wie lange die britische Regierung sich in passivem Widerstand übt und den Auftrag des Volkes nicht umsetzt bzw. verzögert.
Irgendwie wäre es klug gewesen, hätte man VOR Planung des Referendums auch mal klare Pläne für danach gemacht.

Sebastian1
24.06.2016, 18:35
Was mir an diesem demokratischen Prozess wirklich Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass sich hier ein weiterer Vormarsch der Populisten abzeichnet. Für den Brexit gestimmt haben offenbar vor allem Ältere und Menschen aus den schwächeren Einkommens- und Bildungsschichten. Und da frage ich mich, ob derart komplexe Entscheidungen von der breiten Masse des Volkes wirklich vernünftig und mit Sachverstand getroffen werden können, oder ob sie nicht doch besser in der Hand von Berufspoplitikern aufgehoben sind. Innerhalb weniger Stunden wurde so viel (britisches) Geld vernichtet, wie GB in Jahrzehnten nicht an die EU gezahlt halt. Von Versprechungen der Brexit-Befürworter wird schon abgerückt, bevor die Tinte auf den Stimmzetteln getrocknet ist. Schotten und Nordiren denken über eine Loslösung vom Epire nach. Und die Älteren haben die Jüngeren überstimmt, die damit dann leben müssen.
Nein, das Referendum war eine saudumme Idee von Cameron und im Ergebnis haben die Briten sich vermutlich selbst einen Bärendienst erwiesen.

Brutus
24.06.2016, 19:03
Was mir an diesem demokratischen Prozess wirklich Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass sich hier ein weiterer Vormarsch der Populisten abzeichnet.
Naja, das mag den Rechtspopulisten vielleicht ein bißchen Rückenwind geben, aber ob das für einen Vormarsch reicht... :-nix


Für den Brexit gestimmt haben offenbar vor allem Ältere und Menschen aus den schwächeren Einkommens- und Bildungsschichten. Und da frage ich mich, ob derart komplexe Entscheidungen von der breiten Masse des Volkes wirklich vernünftig und mit Sachverstand getroffen werden können, oder ob sie nicht doch besser in der Hand von Berufspoplitikern aufgehoben sind.
Es gab immerhin eine Wahlbeteiligung von 75%. Und davon haben 51.x% für den Austritt gestimmt. Das kann man wohl schon als Volksabstimmung gelten lassen. Und man muss sich eben die Frage stellen lassen, warum so viele dafür gestimmt haben. Und diese Frage geht mal direkt an die Berufspolitiker, die doch den Bezug zum "Volk" völlig verloren haben und in deren Augen das "Volk" nur noch verar$$$en. Und da finde ich es schon besser, eine Mehrheit in der Bevölkerung hinter einer Entscheidung zu haben, als eine von Berufspolitikern durchgezogene Linie mitgehen zu müssen.


Innerhalb weniger Stunden wurde so viel (britisches) Geld vernichtet, wie GB in Jahrzehnten nicht an die EU gezahlt halt. Von Versprechungen der Brexit-Befürworter wird schon abgerückt, bevor die Tinte auf den Stimmzetteln getrocknet ist. Schotten und Nordiren denken über eine Loslösung vom Epire nach. Und die Älteren haben die Jüngeren überstimmt, die damit dann leben müssen.
Warten wir mal ab, was denn wirklich nach dem Kater übrig bleibt. Und mit dem Loslösen vom Empire: das mag für die Schotten vielleicht gehen, wenn denn diesmal genug dafür stimmen. Aber die Nordiren haben m.E. diesen Sonderstatus nicht. Die werden das nicht so ohne Weiteres durchziehen könnnen. ;-)

WhiteMountains
24.06.2016, 19:43
the british are frantically googling what the e.u. is - hours after voting to leave it
https://www.washingtonpost.com/news/the-switch/wp/2016/06/24/the-british-are-frantically-googling-what-the-eu-is-hours-after-voting-to-leave-it/?postshare=8141466778634681&tid=ss_tw

der etwas herablassende ton steht den amis zwar grad gar net zu... aber die google statistik finde ich interessant.

Feuerblick
24.06.2016, 19:55
Was ich mich die ganze Zeit gefragt habe: Politiker, Wirtschaftswissenschaftler und sonstige Berufsgruppen, die sich hauptberuflich über lange Zeit mit dem Thema Brexit auseinandergesetzt haben, hatten und haben nach wie vor offenbar keinen rechten Plan bezüglich der Auswirkungen des Brexit. Wie kann man die Entscheidung zu einer Sache, die selbst Fachleute nicht einschätzen können, "dem Volk" überlassen?
Ich habe nichts gegen Volksentscheide, halte sie aber nur da für angebracht, wo man dem Volk auch die Konsequenzen nahebringen kann. Wenn man diese nicht zuverlässig kennt, sind Volksentscheide für mich nicht das beste Mittel, um zu einer Entscheidung zu kommen.

Sebastian1
24.06.2016, 20:02
Das ist das, was ich weiter oben meinte, Funkel.
Feine Statistik: https://twitter.com/you_trend/status/746114516308606976/photo/1

Brutus
24.06.2016, 20:41
Ich habe nichts gegen Volksentscheide, halte sie aber nur da für angebracht, wo man dem Volk auch die Konsequenzen nahebringen kann. Wenn man diese nicht zuverlässig kennt, sind Volksentscheide für mich nicht das beste Mittel, um zu einer Entscheidung zu kommen.
Aber wenn selbst die "Fachleute" die Konsequenzen nicht kennen, wieso sollen / können / dürfen die denn eine Entscheidung, egal welche, treffen? Da entscheiden dann 5/10/200 Menschen für 30 Mio. Und was dabei raus kommt, kann man sich ja mal bei N24 anschauen, wenn am Tag des Halbfinals einer WM im eigenen Land mit 25 Mann mal eben ein Gesetz zur Voratsdatenspeicherung durchgewunken wird, das später von Gerichten wieder gekippt wird...