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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nebenjob als Arzt vor der Assistenzarztzeit



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sebi86
22.09.2016, 18:13
Ich hoffe, Du hast eine gute Haftpflichtversicherung! Da ist nämlich nicht nur Spaß a la Blutentnahme bei Alkohol im Straßenverkehr, sondern auch mal gerne genommen die Haftfähigkeitsbescheinigung. Und die ist dafür da, dass Du den schwarzen Peter hast, wenn was mit dem Häftling in der Zelle passiert. Die Beamten lehnen sich dann nämlich entspannt zurück und sagen: der hat doch gesagt, der ist haftfähig...

Ich weiß. Hab mich gut darüber informiert :)
Meine Haftpflicht habe ich auch schon entsprechend umschreiben lassen.
Ich denke besonders als Anfänger in diesem Bereich ist es sowieso besser, die Patienten großzügig in die Klinik einzuweisen. Vor allem, weil die Bedingungen in so mancher Zelle nicht die optimalsten sind (keine Videoüberwachung, langer Weg zur Zelle, etc.). Aber wenn man jemanden mit guter Begrüdung und vor allem guter Dokumentation in der Zelle lässt, dann kann eigentlich nichts passieren. Man muss sich einfach in die Situation in der Notaufnahme denken. Würde ich den Patienten, wenn er zu mir in die Aufnahme kommt, wegschicken oder lieber erstmal aufnehmen. Bei zweiterem würde es dann wohl auf "nicht gewahrsamsfähig" hinauslaufen. (nur zur Info ... Haftfähigkeit und Gewahrsamsfähigkeit sind zweierlei paar Schuhe ... nur um mal bissl klugzuscheissen ;) ).

Brutus
22.09.2016, 19:54
Ich denke besonders als Anfänger in diesem Bereich ist es sowieso besser, die Patienten großzügig in die Klinik einzuweisen.
Genau! Weil ja die Polizei genau deswegen einen Polizeiarzt haben will. Damit der ihre Kriminellen alle ins Krankenhaus schickt. ;-)


Vor allem, weil die Bedingungen in so mancher Zelle nicht die optimalsten sind (keine Videoüberwachung, langer Weg zur Zelle, etc.). Aber wenn man jemanden mit guter Begrüdung und vor allem guter Dokumentation in der Zelle lässt, dann kann eigentlich nichts passieren.
Ein bißchen naiv ist das schon gedacht, oder? ;-)
"Der Polizei" dürfte es relativ egal sein, was Du dokumentierst oder nicht. Entscheident ist nur, was unten drunter steht. Ob jetzt gewahrsamsfähig oder haftfähig ist völlig egal. Hauptsache, der geht in den Keller.


Man muss sich einfach in die Situation in der Notaufnahme denken. Würde ich den Patienten, wenn er zu mir in die Aufnahme kommt, wegschicken oder lieber erstmal aufnehmen.
Und genau jetzt kommen wir zu dem entscheidenden Punkt: Wieviele Patienten hast Du denn schon wieder nach Hause geschickt? Na? Genau! Nicht einen Einzigen! Ich kann Dir aus vielen Jahren Erfahrung sagen, dass gerade die Internisten sich während der gesamten Zeit der Weiterbildung sehr schwer tun, Patienten wieder nach Hause zu schicken. Da wird eher großzügig aufgenommen, zum Leidwesen meiner ITS-Pflegekräfte auch gerne mal direkt auf die Intensiv, nur um nichts zu übersehen. Als Facharzt kannst Du dann irgendwann mit breitem Kreuz auch sagen, dass der Patient nix hat und seinen Schnupfen zu Hause auskurieren kann. Aber als Anfänger? ;-)

sebi86
22.09.2016, 21:49
Genau! Weil ja die Polizei genau deswegen einen Polizeiarzt haben will. Damit der ihre Kriminellen alle ins Krankenhaus schickt. ;-)


Ein bißchen naiv ist das schon gedacht, oder? ;-)
"Der Polizei" dürfte es relativ egal sein, was Du dokumentierst oder nicht. Entscheident ist nur, was unten drunter steht. Ob jetzt gewahrsamsfähig oder haftfähig ist völlig egal. Hauptsache, der geht in den Keller.


Und genau jetzt kommen wir zu dem entscheidenden Punkt: Wieviele Patienten hast Du denn schon wieder nach Hause geschickt? Na? Genau! Nicht einen Einzigen! Ich kann Dir aus vielen Jahren Erfahrung sagen, dass gerade die Internisten sich während der gesamten Zeit der Weiterbildung sehr schwer tun, Patienten wieder nach Hause zu schicken. Da wird eher großzügig aufgenommen, zum Leidwesen meiner ITS-Pflegekräfte auch gerne mal direkt auf die Intensiv, nur um nichts zu übersehen. Als Facharzt kannst Du dann irgendwann mit breitem Kreuz auch sagen, dass der Patient nix hat und seinen Schnupfen zu Hause auskurieren kann. Aber als Anfänger? ;-)

Was die Polizei denkt oder haben will, kann mir in erster Linie ja eigentlich egal sein und darf meine Entscheidung auch in keinster Weise beeinflussen. Solange ich mit bestem Wissen und Gewissen handele und nichts grob fahrlässig oder gar vorsätzlich schädigend mache, bin ich in 99,9 % der Fälle auf der sicheren Seite. Und dazu gehört meines Erachtens, den Patienten bei kleinsten Zweifeln bezüglich Anamnese oder körperlicher Untersuchung, als nicht gewahrsamsfähig zu betrachten. Natürlich kommt erschwerend hinzu, dass man wenig Platz, meist unkooperative Patienten die evtl. nicht der deutschen Sprache mächtig sind und sehr begrenzte diagnostische Möglichkeiten hat. Und eben genau deshalb kann man wahrscheinlich bei vielen nicht zu 100 % sagen, dass keine Klinikeinweisung nötig ist. Die meisten Besoffenen sind einfach nur besoffen, aber irgendwann ist vielleicht mal einer dabei, der gestürzt ist und eine Hirnblutung hat. In der Klinik würde man im Zweifelsfall ein cCT machen, was die wenigsten Polizeiwachen haben. Natürlich weist man dann den Großteil der Leute "umsonst" ein, aber dafür ist man auf der sicheren Seite und muss sich keine Gedanken mehr machen (sowohl rechtlich, als auch persönlich). Und ich denke, da kann man ein noch so großes Kreuz oder noch so viele Jahre Erfahrung haben ... in den Kopf von einem Patienten schauen oder vorraussagen, was passieren wird, kann man trotzdem nicht :)

ehem-user-11022019-1151
22.09.2016, 22:01
... In der Klinik würde man im Zweifelsfall ein cCT machen, was die wenigsten Polizeiwachen haben. (...)

Deine Aussage impliziert, dass es, zwar nur sehr wenige, Polizeiwachen gibt, die ein CT haben.
(Sorry für die Wortklauberei, aber das konnte ich nicht einfach unkommentiert stehen lassen :) )

dmtec
23.09.2016, 05:51
Also um mal zurück zum Thema zu kommen, das mit den polizeilichen Blutabnahmen ist eher nicht lukrativ.

Wie auch andere Honorartätigkeiten lohnt sich das also eh nur wenn man eh gerade selbstständig ist. Ich hatte mal ein paar Monate als Freiberufler gejobbt und für die Pharmaindustrie Probanden gescreened und BEs fürs rote Kreuz gemacht, Dozent gespielt etc. - alles so im Rahmen 20-30EUR/Stunde. Lohnte sich nur, da ich noch günstig privat Krankenversichert war mit knapp 80EUR/Monat und auch beim Versorgungswerk freigestellt war. Da fielen so wenige Abgaben an, dass ich mit 1000-1200EUR Rechnungen schreiben im Monat, gut über die Runden kam.

Zum Thema bei den Cops:
Ich wurde für eine Nacht, die ich in einer Polizeiwache anwesenheitpflichtig verbringen musste mit etwa 180EUR entlohnt, zusätzlich knapp 20EUR für jede BE oder Untersuchung. Gab nen schöne Täschlein und man konnte vor dem Fernseher in der Wache chillen. Manchmal ganz witzig dort zu sehen, was die aus dem Verkehr gefischt haben. Die Blutproben haben die Cops dann, nachdem ich sie abgenommen habe, selber in die Rechtsmedizin gefahren oder in ein Krankenhaus mit Labor-Bereitschaft . Nach ner Haftpflicht wurde ich übrigens nie gefragt.Wohl aber nach einem polizeilichen Führungszeugnis , hehe. Bürokratieweltmeister Deutschland.

Einen Tagdienst gibt es auch, da viel sogut wie nie Arbeit an, da die Polizei die "Kunden" häufig in ein kooperierndes Krankenhaus mit Labor fuhr, wo dann auch Urin nach Drogen untersucht wurde. Für den Tagdienst muss man dann innerhalb von 30Min vor Ort sein. Es ging da primär um die Verwahrfähigkeitsuntersuchungen. Dafür hätte ich dann 110eur gekriegt plus ca 25eur für jede Anfahrt. Ja dann gibts noch diverse zusatzverdienste bei Feiertage (200% Geld) oder gross-events , hin-und-herfahren, etc. - den Dienstplan konnte man sich frei aussuchen nach dem chaosprinzip, gab aber recht viel Konkurrenz von osteuropäischen arbeitssuchenden Ärzten und pensionierten Hausärzten für den Zuverdienst und die Unterhaltung. Für mich kam das nur direkt nach dem Studium in Frage, aus o.g. Gründen.

Nachdem ich dann meine Weiterbildung angefangen habe, hätte ich ja immer ALG1 bekommen, und meist nahtlos ne neue Stelle, insofern lohnte sich das dann nicht mehr. Da würde ich eher einige der vielen Honorararztangebote annehmen, wo man 1-2 Wochen in irgend ner Schwesternunterkunft wohnt und 10 Tage "ganz dringend" Nacht/Tag/Bereitschaftsdienst absolviert für 80eur/Stunde (Assistenzarzt). Damit's nicht langweilig wird in der Kleinstadt in Schleswig-Holstein kann man ja Tindern ;)

Wer noch mehr zum Polizei-BE-Dienst wissen will, kann mir gerne privat schreiben.

dmtec

tiw28
23.09.2016, 09:15
Das ist scheinbar auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.
bei uns gibt es eine Liste mit Ärzten die einzig und ausschließlich auf Zuruf arbeiten. Immer wenn BEs oder Bescheinigungen anfallen telefoniert der anfordernde Polizeibeamte rum bis er jemanden von der Liste erreicht der Zeit hat....

Ich mache das Ganze seit einem halben Jahr,
Mir bereitet es sehr viel fun und es gibt einen Zusatzverdienst

Ordentlich haftpflichtversichert bin ich natürlich!

Und Brutus, klar schicke ich auch aus der internistischen Notaufnahme immer wieder besoffene nach Hause, wenn die keine Anzeichen für einen größeren Sturz haben oder über einen solchen berichten bekommen von mir auch kein cCT… Aber ich weiß einige meiner Kollegen handhaben das leider anders

Da ich das ganze erst seit sechs Monaten betreibe würde mich mal die Steuer dieser freiberuflich/"Scheinselbstständigen?" Tätigkeit interessieren ( selbstverständlich werde ich mich vom Steuerberater beraten lassen aber vielleicht kann dir jemand schon was dazu sagen)
Was bleibt bei der freiberuflichen Tätigkeit (in Steuerklasse 1) ca. netto über?
( Von der Umsatzsteuerpflicht habe ich mich als Kleinunternehmer befreien lassen)

kra-
23.09.2016, 10:39
Ich habe nach dem Studium als Honorararzt in der Psychiatrie gearbeitet. War an zwei verschiedenen Kliniken in der niedersächsischen Pampa und habe dort Nacht- und Wochenenddienste geleistet. Wenn man unter dem Freibetrag bleibt ist Verdienst sogar sehr gut, weil brutto=netto. Wenn du ein Auto hast und somit räumlich flexibel bist eine gute Sache.

pottmed
23.09.2016, 10:40
Ich habe nach dem Studium als Honorararzt in der Psychiatrie gearbeitet. War an zwei verschiedenen Kliniken in der niedersächsischen Pampa und habe dort Nacht- und Wochenenddienste geleistet. Wenn man unter dem Freibetrag bleibt ist Verdienst sogar sehr gut, weil brutto=netto. Wenn du ein Auto hast und somit räumlich flexibel bist eine gute Sache.
Wie bist du da dran gekommen ? Und direkt nach dem Studium ohne Vorerfahrung in der Psychiatrie ?

tiw28
23.09.2016, 19:31
Ich habe nach dem Studium als Honorararzt in der Psychiatrie gearbeitet. War an zwei verschiedenen Kliniken in der niedersächsischen Pampa und habe dort Nacht- und Wochenenddienste geleistet. Wenn man unter dem Freibetrag bleibt ist Verdienst sogar sehr gut, weil brutto=netto. Wenn du ein Auto hast und somit räumlich flexibel bist eine gute Sache.

sind das die 17.500??

kra-
23.09.2016, 19:36
Mund-zu-Mund-Propaganda bei Klinik 1. Und bei der zweiten habe ich mich dann selbst beworben, weil mir die 4 Dienste der einen Klinik zu wenig waren (hatte mehrere angeschrieben). Hatte je Klinik eine Woche Einarbeitung (bezahlt) und dann ging es auch schon los. Gerade in der Psychiatrie ist das gut möglich, weil du in der Nacht ja keine Therapie im eigentliche Sinne startest. Da ging es mehr um Aufnahmen, das Intervenieren bei kleineren Notfällen auf Stationen und am WE auch mal um Blutentnahmen. Bei Problemem stand immer ein OA telefonisch zur Verfügung - wie für alle anderen Assistenzärzte auch. Habe nur gute Erfahrungen gemacht und die Kliniken waren auch mit mir sehr zufrieden.
@tiw28: bei mir waren es noch 8001€. Kein Plan wie hoch das jetzt ist (lebe jetzt in der Schweiz), aber 17.500 scheint mir doch recht hoch gegriffen. Aber gerade für kurze Zeitspannen ist das ein guter finanzieller Rahmen.

Heerestorte
23.09.2016, 19:54
sind das die 17.500??

Nein, 8652 €.

tiw28
25.09.2016, 19:08
.....

tiw28
29.09.2016, 15:10
Nein, 8652 €.

Wahrscheinlich äußerst naive Frage aber:
gelten die 8652 € auch für jemanden der eine Hauptanstellung in einer abhängigen Beschäftigung (Krankenhausarzt) ausübt.

Oder generell gefragt: wie werden die nebenberuflichen Honorardiensttätigkeiten steuerlich abgerechnet?
(Vielleicht kann jemand der schon länger nebenbei mal Honorardienste ableisten etwas dazu sagen?!)

FirebirdUSA
29.09.2016, 18:20
Die 8652 € gelten für alle deine Einnahmen zusammen.

Pflaume
29.09.2016, 22:08
Oder generell gefragt: wie werden die nebenberuflichen Honorardiensttätigkeiten steuerlich abgerechnet? Für die Honorare werden nach Abzug der Betriebsausgaben (= sozusagen die Werbungskosten der selbständigen Tätigkeit) die gleichen Steuersätze fällig wie für nichtselbständige Tätigkeit. Die werden ganz normal im Rahmen der Einkommensteuererklärung zu den Einkünften dazugerechnet und dann entsprechend versteuert.

Brutus
29.09.2016, 22:16
Und dann kommt das Finanzamt und möchte für die Zukunft gerne vierteljährliche Vorauszahlungen haben. ;-)

tiw28
02.10.2016, 13:37
Hm, ich hab noch einen Vortrag im Ohr (Vortrag in Zeiten in denen mich die Honorartätigkeit noch nicht interessiert hat und ich ggf. Nicht richtig zugehört hab) wo berichtet wurde dass unter gewissen Voraussetzungen brutto wie netto ausgezahlt wurde?!?!

geisterhome
03.10.2016, 20:57
Stimm es das man nur die Lohnsteuer zahlt auf das was man als Honorar verdient, also keine Sozialabgaben, Rentenversicherung, Krankenkasse usw.?

Brutus
03.10.2016, 21:16
Nein, stimmt nicht. Du musst natürlich Abgaben für Krankenversicherung, Rentenversicherung und Pflegeversicherung zahlen. Denn da bist Du ja selbst für verantwortlich. Die ÄV will von Deinen Einkünften aus selbstständiger Arbeit ihren Anteil. Wie hoch der ist, kannst Du auf deren Seiten nachlesen. Krankenversicherung und Pflegeversicherung bis zur Beitragsbemessungsgrenze natürlich auch. PKV zahlst Du eh selbst...