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*Julchen23*
18.09.2016, 00:11
Hallo Leute,

nach dem die Zulassungen ( und Ablehnungen 😕) für dieses Wintersemester so langsam durch sind, kann man schon wieder ans nächste Jahr denken. Mich würde interessieren, nach welchen Gesichtspunkten ihr eure sechs Universitäten auswählt (coole Stadt, familiäre Bindung, guter Ruf der Uni, ...).
Viele junge Ärzte bei mir auf Station erzählen mir von Unis, wo man ja nicht hin soll, weil die dort stark aussieben und dies oder jenes schwer wäre. Aber kann man nach der "Schwierigkeitsstufe " wählen ? Lässt sich das so einfach bestimmen?
Wie wählt ihr ?

fMRI
18.09.2016, 05:41
Viele junge Ärzte bei mir auf Station erzählen mir von Unis, wo man ja nicht hin soll, weil die dort stark aussieben und dies oder jenes schwer wäre.

Mit Verlaub, das ist kompletter Quatsch.
Keine Uni "siebt stark aus" weil es nicht im Interesse der Uni ist. Die Studienplätze müssen ja wieder 'aufgefüllt' werden, d.h. anderen Studierenden gegeben werden.

Frag' doch mal genauer die "vielen jungen Ärzte" und poste die Namen der Uni bzw. welche Fächer es sind, dann haben wir alle Spaß mit dieser "Information". :-p.

Und nein, ein ranking nach "Schwierigkeitsstufe" gibt es konsequenterweise auch nicht. Als es früher noch für alle Unis verpflichtend das Physikum gab, konnte man sehen, welche Fächer wo wie gut/schlecht abgeschnitten haben. Das ist aber schon lange her und sagt Dir auch nichts, wie viele das Studium bereits in der Vorklinik abgebrochen haben bzw. wieviele Fehlversuche bei Klausuren etc. vorlagen.

Zu Deiner eigentlichen Frage: suche Dir die Uni aus, die ein Unterrichtsmodell anbietet, dass zu Dir passt in einer Stadt wo Du Dir vorstellen kannst die nächsten 5-6 Jahre zu leben. Dann klappt der Rest auch.

fMRI

*Julchen23*
18.09.2016, 09:21
Danke für deine Meinung ! Sie erzählen von der " unmenschlich schweren " Chemie in Regensburg, von überdurchschnittlich vielen Klausuren in Kiel ( wo aber auch viele das Physikum bestehen) und von Leipzig , wo allgemein niemand daran interessiert sein soll, jemanden zu halten.
Nach Stadt und Unterrichstmodell zu wählen ist wahrscheinlich wirklich das Beste .

Viele liebe Grüße!

Kiddo
18.09.2016, 10:46
Ich kann von der machbaren Chemie und Physik in Marburg berichten und davon, dass ich als einzig wirklich haarige Klausur die erste Physiologieklausur in Marburg erlebt habe. Rückblickend war aber auch die fair, ich selbst hatte einfach zu wenig gelernt gehabt :).

fMRI
18.09.2016, 11:24
Nach Stadt und Unterrichstmodell zu wählen ist wahrscheinlich wirklich das Beste .

Hi Julchen

bei "Stadt" alles mitbedenken, was für Dich wichtig ist: von Freizeit-Natur-Kulturangebot das Du auch wirklich nutzen wirst, Fahrzeit "nach Hause" falls Dir das wichtig ist, Mietkosten/Wohnungsmarkt in der Stadt (Köln, München, etc.) und Gebühren falls Finanzen ein wichtiger Faktor sind, Fahrzeiten vor Ort (Berlin hat 3 Campi und pendeln gehört dazu), Wohlfühlfaktor (eher überschaubare Stadt oder mehr Anonymität), Klima (Sonnenschein in Freiburg ist nicht zu schlagen), Strandnähe (dann wohl eher nichts im Süden), etc. Also Faktoren, die für Dich wichtig sind (und eine Relevanz für Dein Leben haben -- wenn Du z.B. kaum ins Kino gehst, ist die Berlinale auch nicht wichtig und wenn Du gerne Ski fährst vllt. nicht HH oder Kiel)

Natürlich musst Du dann auch die Auswahlkriterien beachten (Berlin ohne Sozialkriterien z.B. eher schwierig) und die Anerkennung/Vorteile von Ausbildungen für die Zulassung, etc. www.hochschulstart.de

Letztendlich wird man überall Arzt/Ärztin -- das bitte nicht vergessen. :-)

Moosachat
18.09.2016, 11:47
Hi :)
da mein Abitur für Medizin ziemlich schlecht ist, habe ich mich nur an den Universitäten beworben, an denen ich überhaupt eine Chance habe - und das waren nicht viele :P

Die Rangliste der Universitäten habe ich dann hauptsächlich nach den Kriterien:
1. Heimatnähe bzw. Beliebtheit der Stadt (zwecks Wechselmöglichkeit nach Physikum, falls es mir dort nicht gefallen sollte)
2. Bewertungen auf Studycheck und CHE-Ranking (v.a. Durchfallquoten im Physikum nach Ort und Ergebnis im Physikum)
3. Sonstiges (Campusuni oder nicht; Studentenleben in der Stadt also Studentenanteil und ob der Medizinercampus abgetrennt ist von den anderen Fachrichtungen; Anzahl der Versuche in Klausuren; Modellstudiengang oder nicht)
gewählt.

Die perfekte Uni, bei der alle Kriterien erfüllt sind, wird es für die meisten wohl nicht geben. Ob mir mein zukünftiger Studeinort gefällt, werde ich auch erst herausfinden müssen :)
Am besten fährst du mal in die Städte, die für dich in Frage kommen, denn am wichtigsten ist, dass man sich wohlfühlt.

nie
18.09.2016, 12:37
Ich hab die Uni genommen, die mich haben wollte ;-)

Ingesamt kann ich dir nur raten, weniger nach "Schwierigkeit" der Uni oder irgendwelchen CHE-Rankings zu gehen sondern nach Stadt und Umgebung. Wichtig ist, dass du dir vorstellen kannst, 5 oder mehr Jahre in dieser Stadt zu leben, dich dort wohlzufühlen und dir vielleicht auch einfach das Leben dort finanziell leisten zu können. Willst du lieber in einer kleinen Studentenstadt leben oder würdest du dich in einer Großstadt eher wohlfühlen?

Arzt wird man überall. Jede Uni hat so ihre Klausuren, die schwerer sind und welche, die leichter sind. Die Tatsache, dass eine Uni viele Klausuren schreibt, muss auch nicht unbedingt schlecht sind. Verringert eben auch den Stoffumfang für die einzelnen Klausuren. Und man wird immer jemanden finden, der seine Uni als besonders extrem schwierig beschreibt.
Man sollte sich aber immer noch vor Augen halten, dass ein Großteil der Leute, an allen Unis, das Studium schafft.

Heerestorte
18.09.2016, 14:03
Ich sehe das wie nie. Such dir die Stadt aus, die dir zum Leben am besten taugt.
Der Rest ist mMn so gut wie unwichtig. Arzt wirst du überall.

davo
18.09.2016, 14:18
Man sollte solche Informationen IMHO eher ignorieren. (Und das CHE-Ranking sowieso, das ist völlig sinnlos.) Erstens weil sich solche Dinge ändern, zweitens weil das jeder ganz anders wahrnimmt.

Ich bin mit viel Respekt vor der hammerharten Physik nach Gießen gekommen - und ganz ehrlich, die Physik-Klausuren waren easy. Trotzdem sind mehr als 40% durchgefallen. Das zeigt auch noch eine andere wichtige Lektion: nur weil viele durchfallen, ist die Klausur noch lange nicht schwer. Und außerdem heißt eine hohe Durchfallquote noch lange nicht, dass das Fach auch wirklich Leute aus dem Studium wirft - ich kenne z.B. niemanden, der an Physik gescheitert ist. Trotz >40% Durchfallquote. Verbunden damit ist es außerdem sehr wichtig, wieviele Prüfungsantritte man hat - wenn man annimmt, dass die Ergebnisse voneinander unabhängig sind, entsprechen 20% Durchfallquote bei drei Antritten 45% Durchfallquote bei sechs Antritten. Dann spielt auch noch eine Rolle, ob man eher eine Einzelbelastung hat, oder viele parallele Belastungen.

Langer Rede kurzer Sinn: diese Informationen sind relativ schwer zu verwerten.

Ein vergleichsweise einfacher Weg, diese Informationen zu bündeln, wäre, die Physikumsteilnehmer in der Referenzgruppe durch die Zahl der Studienplätze zwei Jahre zuvor zu dividieren. So kann man recht gut abbilden, wie schwer die Vorklinik ist. Wenn man dann auch noch wissen will, ob einen die Vorklinik gut aufs Physikum vorbereitet hat, könnte man die, die in der Referenzgruppe bestanden haben, durch die Zahl der Studienplätze zwei Jahre zuvor dividieren.

Was mich nach Gießen gebracht hat: das Gefühl, dass sich die Medizinstudenten hier wohlfühlen. Diesen Eindruck hatte ich zumindest beim Lesen des Forums oft. Und das hat sich auch tatsächlich bewahrheitet. Die Semester sind klein, die Atmosphäre ist gut, die Vorklinik ist sehr gut organisiert (die Klinik großteils auch ganz gut), man hat nie das Gefühl, dass man die Studenten unnötig quälen will. Außerdem kann man hier recht erschwinglich Uni-nah wohnen, hat ein gutes Semesterticket dabei, hat in der Vorklinik sechs Prüfungsantritte, ist durch die Nähe zu Frankfurt verkehrstechnisch recht gut angebunden. Stadt und Uni sind kleinstädtisch-familiär.

Kommt halt drauf an, in was für einem Umfeld man sich wohlfühlt.

ehem-user-11022019-1151
18.09.2016, 17:07
Ich finde es auch schwierig, eine Uni danach auszuwählen, wo man am Wenigsten zu lernen hat.
Der Stoff ist überall groß.
Wenn einer sagt, dass z.B. Anatomie an Uni X schwer ist, heißt das nicht, dass es auch dir da schwer fallen muss und nur weil an der Uni Z BC einfach ist, heißt es nicht, dass du das auch auf jeden Fall bestehen wirst.

Eine große Rolle spielt einfach, dass man sich in der Stadt wohlfühlt.
In einer Stadt wie München würde ich untergehen.

Solara
18.09.2016, 17:08
München ist toll, auch da geht man nicht unter ;-) - aber es gilt dasselbe wie für Berlin, man ist sehr viel unterwegs zwischen den einzelnen Veranstaltungen.

ehem-user-11022019-1151
18.09.2016, 17:23
München ist toll, auch da geht man nicht unter ;-) .

Solara :-)) wenn du wüsstest, aus welchem Dorf ich komme :)

Solara
18.09.2016, 17:24
Erzähl mal ;-)

nie
18.09.2016, 17:26
Hat halt jeder so seine Vorlieben ;-)
Mir war z.B. Göttingen viel zu klein und zu studentisch. Da spielte sich halt auch der Großteil der Freizeit nur an der Uni ab.
Jetzt bin ich im Ruhrgebiet (was bei vielen Leuten immer noch Anfälle von Mitleid auslöst) und liebe es. Ich will hier nicht mehr weg.
Allein schon wegen der Tatsache, dass ich hier für meine 2-Zimmer-Wohnung weniger Miete zahle als in Göttingen für ein 17qm Apartment.

Man sollte halt wirklich danach wählen, was einem selbst wichtig ist (Nähe zur Familie, kleine Stadt, günstiges Wohnen, Freizeitwert).

ehem-user-11022019-1151
18.09.2016, 17:32
Erzähl mal ;-)

so ungefähr: mehr Tiere als Menschen, keine Ampeln und kein Zebrastreifen, drei Bushaltestellen und wenn ein Bus verpasst wurde, musste man mind. eine Stunden auf den nächsten warten und der letzte Bus abends fuhr um 17:25 Uhr, der letzte Bus in mein Dorf um 17:15.
Ach ja, natürlich kennt jeder jeden :) auch wer was macht und wer wo arbeitet.

Der nächste Laden, indem man zu vernünftigen Preisen Essen kaufen konnte, war ungefähr 15 Minuten mit dem Auto entfernt (Tante Emma Laden jedoch selbstverständlich fußläufig) - das hat sich aber auch mittlerweile bisschen verändert, geblieben sind nur die wenigen Menschen und die vielen Tiere :)

Solara
18.09.2016, 17:35
;-), München würde dir da gut gefallen, das ist auch nur ein größeres Dorf.
Außerdem: jetzt lebst du in der Hauptstadt, da packst du München locker!

ehem-user-11022019-1151
18.09.2016, 17:36
Außerdem: jetzt lebst du in der Hauptstadt, da packst du München locker!

Ja! In der Tat.
Wenn ich mal in München bin und untergehe, komme ich auf dich zurück :)

Solara
18.09.2016, 17:38
Gerne ;-)

davo
19.09.2016, 08:47
@Liel: Niedersachsen? :-p

*Julchen23*
20.09.2016, 21:43
Wow, vielen Dank für eure zahlreichen Antworten !! Hat mir schon sehr geholfen.
Letzenendes zählt , dass man irgendwo studieren kann, aber wenn man ein bisschen die Wahl hat, sollte man auch wählen.
Ich habe mir jetzt so 6 Unis/Städte ausgesucht , die mir gefallen und schau was nächstes Jahr passiert. Ist ja noch ein bisschen Zeit bis dahin. Aber das wird schon !
Viele liebe Grüße!