Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angehörige bei Untersuchung anwesend oder nicht?
arbeiter79
17.10.2016, 09:41
Wie handhabt ihr das? Kommt quasi ständig vor mittlerweile das Angehörige, Freunde, Bekannte zu Gruppen bei Untersuchung v.a. in der RTS dabei sein wollen. Keiner fragt, oft sind es 2 Leute mitkommen, hatte auch schon 3 Minderbemittelte plus Patient. Lasst ihr die Leute immer mit reinkommen oder müssen die draußen bleiben? Ich hab bisher nie was gesagt und die Leute machen lassen was sie wollen, wenn ich aber um 2 in der Nacht von 3 angetrunkenen Hauptschülern in Kreuzverhör genommen wird ist auch bei mir die Toleranzgrenze erreicht. Mein Gedanke war immer das ich es mir mit dem Patienten nicht verscherzen will von Anfang an, wahrscheinlich blauäugig darauf zu hoffen ich weiß, aber wenn man mal was übersieht hatte ich gedacht besser wenn da Patient nicht schon aus anderem Grund gegen einen ist...
Bei uns schmeißen die Schwestern rigoros alle außer den Patienten erstmal raus bzw es kommt nur der Patient überhaupt erstmal rein. Nach der Untersuchung darf dann ein Angehöriger mit dazu, wenn es nötig sein sollte. Ausnahmen sind zB demente Patienten wo die Angehörigen für die Fremdanamnese gebraucht werden und natürlich Kinder mit ihren Eltern.
Selbst hier in der Pädiatrie versuche ich, bei "banaleren" Vorstellungen in der Rettungsstelle die Anzahl der Personen zu begrenzen. Mama/Papa +Kind, mehr nicht. Begleitende Omas, Tanten, Onkel, drölfzig Geschwister usw dürfen dann gerne im Wartezimmer warten..Bei Sprachbarriere lasse ich Mama+ den am besten deutschsprachigen Angehörigen im Zimmer, der Rest darf ebenfalls nach draußen.
Immer alle raus bitten, selbst bei einer Blutentnahme. Das nervt mich doch , wenn mir so auf die Finger geglotzt wird. Und nachher kommt dann am besten noch jemand an und meint, ich hätte mir 4 statt 3 mal die Hände desinfizieren müssen.
Also so als Tipp unter Kollegen. Lass dich nicht nervös machen, und bitte die Angehörigen kurz raus, genau wie wenn Du den Bettnachbarn behandelst. Ist natürlich alles Augenmaß. Wenn ich beim Bettnachbarn ne Blutabnahme mache, können ja die _anderen_ Angehörigen dableiben. Man merkt ja, ob es dem Bettnachbar unangenehm ist, oder nicht.
Ich finde es z.b. privat schon schlecht, wenn ich beim Augenarzt bin, und dort eine Visusuntersuchung in einer Art Zwischenwartezimmer machen musste, vor 2-3 anderen Patienten , die dort auch warteten. Schlechter Stil einfach.
Möglichst keine Angehörigen. Aus vielen Gründen. Wenns Schwierigkeiten gibt hast einen Zeugen gegen dich. Sie stören eher die Anamnese weil der Patient nicht alles sagen kann oder will vor den Angehörigen. Sie mischen sich ständig ein in die Anamnese oder Untersuchungen, haben hunderttausend Fragen und das alles eigentlich nur weil sie völlig hilflos sind aber unbedingt helfen wollen (auch wenn sie es nicht können). Sie halten auf, sie laufen bei uns aus den Zimmer raus auf die Gänge und fragen ständig wann es endlich weiter geht. Aus Datenschutzgründen. Etc.
Die Frage ist eher andersrum: wieso um alles in der Welt sollten Angehörige überhaupt dabei sein in der Notaufnahme? Ok, bei 3-4 Patientengruppen seh ich es ein: Kinder, brauchen ein Elternteil. Demente, dürfen den Betreuer dabei haben oder jemanden der sie kennt. Leute, die der Sprache nicht mächtig sind, als Übersetzer. Komplett Besoffene, wobei man da meist keinen braucht.
Bei uns ist die Notaufnahme inzwischen so eine Katastrophe geworden, wir sind nun nicht mehr nur Notaufnahme sondern teilweise gleichzeitig (je nach Uhrzeit) die Bereitschaftspraxis zusätzlich. Also jetzt nicht mit mehr Personal, aber dafür mehr Aufgaben. Und die Stationen und den OP nebenbei. Und dazu noch immer mehr Patienten die in die Notaufnahme eh schon kommen. Totale Katastrophe. Um da überhaupt schnell und effizient arbeiten zu können, kommt kein Angehöriger mit rein. Und wenn Schwestern Angehörige mit rein lassen ohne mich gefragt zu haben, dann diskutier ich meinen Standpunkt mit der entsprechenden Schwester erst mal ausführlich. Kam aber schon lange nicht mehr vor.
Und wenn man erst mal so weit ist, kann man man wieder Ausnahmen machen. Wenns der Fall dann doch erfordert oder es einigermaßen entspannt zugeht und ich davor gefragt wurde. Aber für Kreuzschmerzen der nicht auf den Termin mit dem Orthopäden warten will, OSG-Distorsionen oder Platzwunden brauch ich keine und will ich keine Angehörigen sehen.
FirebirdUSA
17.10.2016, 18:52
Mal aus Patientensicht: Ich befinde mich in einer mir eher unbekannten Umgebung, mir geht es (mehr oder weniger) schlecht, da hätte ich schon gerne jemand dabei.
Wenn der Patient einverstanden ist hab ich gegen 1(!) Begleitperson nichts, der Rest wartet natürlich draussen (& während bei uns MR/CT läuft warten natürlich alle draußen). BE, Zugang, o.ä. unter neugierigen Blicken gehört für mich zum Job und sollte doch eigentlich keinen Stress machen wenn man sicher ist. Hat bisher immer gut funktioniert. Natürlich können ständige Nachfragen nerven, dann wird einmal freundlich unterbrochen und meist ist gut.
Angst vor Zeugen finde ich Schwachsinn.
Schliesse mich Firebird vollumfänglich an. Ich frage halt jeweils den Patienten, ob es ihm lieber ist, wenn der Angehörige bleibt oder ob er/sie ggf. für die Untersuchung rausgehen soll. Ansonsten weiss ich sogar von mir (als selbst vom Fach und so), dass ich in den 2 oder 3 kritischen Situationen, als ich selbst in der Notaufnahme war, jeweils sehr sehr sehr froh war um meinen Mann (Sepsis, Schwangerschaftskomplikationen) und dass ich Pillepalle (Kreuzbandriss) gut alleine gebacken gekriegt habe. Ist halt auch sehr situationsabhängig.
arbeiter79
17.10.2016, 21:22
Ich kann ea ja auch verstehen, die Leute haben Angst wollen nicht alleine sein, usw... mehr als einen wirds in der Zukunft bei mir aber sicher nicht mehr geben, und bei absoluten Kleinigkeiten werd ich eher auch gleich alle rausschicken.
Was mir auch auf die Nerven geht ist die Selbstverständlichkeit mit der die mitkommen, selten das mal Einer fragt, wenn das der Fall ist sag bin ich viel weniger abgeneigt.
Die Sache mit Zeugen ist natürlich ein interessanter Aspekt, warum denkt ihr das es quatsch ist?
Rettungshase
17.10.2016, 21:59
Kleine Anekdote, aus der ich meine Lehre gezogen habe:
Ich hatte kürzlich in der Notaufnahme eine Patientin, die von ihrem Ex-Mann (warum auch immer) gebracht worden war. Der Notfall quoll über, daher hatte ich mich mit der knappenFrage an die Patienten begnügt, ob sie wolle, dass er bei Anamnese dabei bleibt; das wurde bejaht.
Soweit war alles unauffällig, aus dem Vorbericht ging aber hervor, dass sie vor ein paar Monaten eine Postexpositionsprophylaxe nach einer Nadelstichverletzung erhalten hatte und hausärztlich eine Kontrolle hätte stattfinden sollen. Ich hatte die Nachfrage zum Glück, ohne konkret zu werden, umschrieben.
Zur Untersuchung habe ich ihn rausgeschickt, da flüsterte sie mir zu, dass sie ihm das nicht verraten hatte, weil sie Angst hatte, dass er diese Exposition gegen sie verwenden könne, wenn es um die gemeinsamen Kinder geht.
Seitdem befürworte ich sehr die wenigen o.g. Ausnahmeregelungen (kleine Kinder, Sprachprobleme, demente Patienten und sonst nur wenige Ausnahmen).
Was macht ihr mit Kindern im Alter von 8-14 Jahren, die zusammen mit dem Patienten (Elternteil) kommen?
und bei absoluten Kleinigkeiten werd ich eher auch gleich alle rausschicken.
Es ist mehr Arbeit und Diskussion jemanden rauszuschicken als jemanden später dazu zu holen. Und diese Selbstverständnis "ich bin Angehöriger, ich gehöre dazu" sollte frühzeitig unterbunden werden.
Ich hab kein Problem damit in gewissen Situationen die Angehörigen reinzuholen. Aber diese Situationen sollten die Ausnahme sein, nicht die Regel. Und das gehört klar in der Notaufnahme kommuniziert. Nur nach Rücksprache und nur wenn es der Arzt erlaubt.
Die Sache mit Zeugen ist natürlich ein interessanter Aspekt, warum denkt ihr das es quatsch ist?
In einer Klinik in der ich gearbeitet hab, waren in der Notaufnahme immer Arzt und Pflegekraft in einem Raum mit einem Patienten. Vor Gericht: zwei zu eins. Und nicht so wie jetzt wo die Pflege sich ständig gestresst fühlt, selten anwesend ist und dann hat man vielleicht noch ein paar Angehörige eben wie dieses "wieso haben sie sich nur 3 mal die Hände desinfiziert"
Mir gehts auch bei den Sachen nicht mehr unbedingt um mich. Ich bin seit zu vielen Jahren in der Notaufnahme, mich nervt sie mehr als sie mich stresst und ich komm auch mit schwierigen Angehörigen gut zurecht. Indem ich sie im Zweifel rauswerfe. Und bisher hat es auch beim Renitentesten geklappt.
Mir geht es um die jungen Kollegen. Die werden komplett ins kalte Wasser geworfen und sollen ohne Anleitung die Notaufnahme machen. Klar, es ist noch ein zweiter im Haus. Aber wenn der beschäftigt ist, man selbst unerfahren, einen das Krankheitsbild nicht ganz klar und dann stellen die Angehörigen noch ständig bohrende Fragen. Muss nicht sein. Die Notaufnahme ist stressig genug sich nicht auch noch von Angehörigen stressen zu lassen.
Und im Falle von Eilika: wenns kritisch ist, dann helfen einem die Angehörigen ja teilweise. Indem sie den Patienten beruhigen. Dann können sie ja dabei sein. Aber bei uns in der Notaufnahme sind kritische Patienten die Ausnahme. Weit die Ausnahme. Das meiste ist irgendwelches ambulante Zeugs seit irgendwievielen Tagen das zu einem Orthopäden hätte gehen sollen.
In den Notaufnahmen, die wir regelmäßig anfahren, kommen Angehörigen (abgesehen von den hier schon genannten Ausnahmen) erstmal gar nicht mit rein. Ob und wann Angehörige dazu kommen können, wird individuell entschieden wenn die Patienten an den Arzt übergeben sind und der sich ein grobes Bild von der Situation gemacht hat. Manchmal können Angehörige dann relativ schnell zu Patienten, manchmal ist es auch sinnvoller wenn sie erstmal draußen bleiben. Und üblicherweise darf auch nur einer rein und nicht die komplette mitgereiste Familie, Nachbarschaft etc.
Im Rettungdienst stehen wir ja oft bei den Leuten Wohnzimmer und man hat eine variable Zahl von Angehörigen vor Ort. In der Regel können die dann bleiben wo sie sind, oft braucht man sie ja auf für die Fremdananmnese. Wenn da aber 20 wild durcheinander redende Familienmitglieder plus sämtlicher sonstiger Mitmenschen vor Ort sind oder man kaum eine Chance hat, mit dem Patienten selbst zu reden weil immer einer dazwischenquatscht, dann bitte ich auch schonmal Leute aus dem Raum.
Mit ins Krankenhaus nehmen wir immer nur eine Begleitperson, alle anderen können selbst sehen, wie sie dort hinkommen.
Anne1970
18.10.2016, 04:32
Bei mir gehen Angehörige spätestens immer für die Untersuchungen 'raus. In der Regel auch zur Anamnese.
- wenn man den Pat. im Beisein z.B. des Ehepartners fragt, ob der dabei sein soll/ darf oder nicht, kann der Pat. schlecht "Nein" sagen; wenn er es tut, ist möglicherweise Stress vorprogrammiert ;-) Dass ich das fordere (als Selbstverständlichkeit ... natürlich freundlich und empathisch) entlastet
- manche Pat banalisieren in der Anamnese, wenn Familie dabei ist, sie wollen ihre Angehörigen nicht aufregen - manche tun das Gegenteil um das Gegenteil zu erreichen :grins:
- auch wenn der Pat. z.B. nach einem epileptischen Ereignis vigilanzgemindert ist, möchte ich mir erst einen eigenen, unbeeinflussten Eindruck verschaffen
- Fremd- Anamnese ist ( danach ) ist mir absolut wichtig! Wenn kein Angehöriger da ist, ruf ich schonmal nachts um eins daheim oder im Heim an, wenn es mir notwendig erscheint :grins:
- Neurologen machen komische Untersuchungen: das könnte dem Pat peinlich sein, deswegen untersuche ich auch leicht Betroffene immer allein ( also wenn Pflege da ist , im Beisein derselben :-) )
Situativ/nach Bauchgefühl. Pflege fragt mich aber immer primär in welcher Konstellation gestartet wird. Wenn ich im Verlauf ne 4-Augen-Situation benötigen sollte, nutze ich nen Anlass (Sono o.Ä.) dafür.
Ich diskutiere ('Raus' heißt raus) und empathisiere nicht mehr vor mich hin - ist mir zu blöd geworden über die Jahre. Außerdem sind wir in einer Notaufnahme, nicht in der 24h Hausarztpraxis. Familiäre Spannungsverhältnisse mit resultierenden psychosom. GIT Beschwerden möchte ich nicht nachts um 3 aufdröseln (arbeite IdR. nur Nachts dort).
Bzgl. Zeugen sind mir Angehörige egal bzw. waren in den (im Endergebnis unberechtigten) Beschwerden über mich nie ein Problem.
Worauf ich explizit achte, ist die Anwesenheit einer Schwester bei jungen Frauen. Wenn das böse Wort "sex. Übergriff" (Paradebsp. rekt. Untersuchung) ins Spiel kommt, werden in DE rechtsstaatliche Grundprinzipien (in dubio pro reo) gefühlt schnell vergessen...
Im Rettungsdienst - solange der Patient noch aufrecht vor einem sitzt: Erstmal Fenster auf, Fernseher und Zigaretten aus und alle bis auf 1-2 Angehörige raus.
Hier gibts auch nur die o.g Ausnahmen, wobei Kinder bei uns alles unter 18 sind, bei denen die Eltern dabei sein sollen. Das Rausschicken erledigen die Schwestern und oft weiß ich nicht mal, obs Angehörige gibt und muss dann für evtl notwendige Fremdanamnese danach fragen. Finde das auch völlig ok so, vor allem aus den von Anne genannten Gründen. Patienten sind definitiv anders, wenn jemand dabei ist. Am Schlimmsten ist ja immer die Ehefrau, die ihren Mann nicht zu Wort kommen lässt:
"Du hast schon seit Freitag Schmerzen Dieter! Ja, das weiß er jetzt schon wieder nicht mehr, Sehnse! Dieter lass mich mal!"
Da werde ich schon aggressiv, bevor ich auch nur ansatzweise weiß, was los ist.
wischmopp
19.10.2016, 09:16
Bei uns in der Praxis sind gern mal Angehörige zum Übersetzen dabei. Was prinzipiell ja nett ist.
Highlight letztens war dann eine (Neu-) Patientin aus Bulgarien, die ab sofort 2x täglich zur Insulineinstellung zu uns kommen sollte (so die Vorab-Info in der Akte). Da sie selbst nur Bulgarisch spricht, hatte sie eine Übersetzerin dabei. Diese sprach - juhu - Bulgarisch und Russisch! Kein Deutsch, kein Englisch. Dadurch dachten sie die Chancen verstanden zu werden und zu verstehen zu verdoppeln, was ja rein rechnerisch sogar stimmt!
Glücklicherweise hatten sie noch einen Zusatzjoker im Ärmel, genau, den Telefonjoker! Wir ich es hasse, mir ständig fremde Bazillenschleudern ans Ohr drücken zu müssen... :-(
Christoph_A
19.10.2016, 11:30
Ja, die Angehörigen, ein ewig leidiges Thema.
Bei mir dürfen nur die Eltern von Minderjährigen, die Partner/Betreuer von Dementen und ein Übersetzer mit rein, wobei insbesondere bei Untersuchungen die gängigen Sprachvarianten Süddeutschlands (aka türkisch, jugisch oder russki) eh von meinen Mädels abgedeckt werden und ich daher keinen zusätzlichen Dolmetscher benötige und unsere syrischen Neubürger häufig nen offiziellen Dolmetscher dabeihaben.
Ansonsten haben Angehörige im Patientengespräch oder der Untersuchung meiner Meinung nach nichts verloren, behindert nur einen stringenten Praxisablauf und oft, wie bereits von den Vorrednern thematisiert, die Auskunftsfreudigkeit des Patienten.
Ein Graus sind mir immer noch diese Rotten von südeuropäischen oder Levantefamilien, die wehklagend und oder zeternd die Notaufnahme in meiner alten Klinik belagerten, da mußte man manchmal wirklich unfreundlich aufräumen, um eine vernünftige Behandlung gewährleisten zu können.
Ich habe ja eigentlich gerne eine Begleitung dabei. Das erspart am Ende dieses "ach, meine Tochter sitzt draußen, könnten Sie ihr das bitte auch noch mal erklären?" Bei uns ist das ja aber alles eher nicht schambehaftet fachgebietsbedingt, was verschwiegene Symptome oder dergleichen eigentlich meist ausschließt. Lediglich die die schon erwähnte Gattin, die ihrem Mann dauernd über den Mund fährt, schicke ich gerne mal raus. Also habe ich bisher fast ausschließlich gute Erfahrungen mit Angehörigen gemacht. Ich frage auch, wenn ich sehe, dass der Patient in Begleitung da ist, diesen sofort immer, ob er alleine oder eben gemeinsam hinein kommen möchte.
Feuerblick
20.10.2016, 09:38
Ich habe ja eigentlich gerne eine Begleitung dabei. Das erspart am Ende dieses "ach, meine Tochter sitzt draußen, könnten Sie ihr das bitte auch noch mal erklären?" Bei uns ist das ja aber alles eher nicht schambehaftet fachgebietsbedingt, was verschwiegene Symptome oder dergleichen eigentlich meist ausschließt. Lediglich die die schon erwähnte Gattin, die ihrem Mann dauernd über den Mund fährt, schicke ich gerne mal raus. Also habe ich bisher fast ausschließlich gute Erfahrungen mit Angehörigen gemacht. Ich frage auch, wenn ich sehe, dass der Patient in Begleitung da ist, diesen sofort immer, ob er alleine oder eben gemeinsam hinein kommen möchte.
*unterschreib*
WackenDoc
20.10.2016, 16:12
Ich denke es kommt auf die Situation (Praxis, Krankenhaus- peinliches Krankheitsbild oder eher nicht) und die Angehörigen an.
Als Notarzt lasse ich die Angehörigen dabei, solange sie nicht stören und der Patient nichts dagegen hat. Bei Großfamilien kommt es drauf an. In den RTW kommen sie grundsätzlich nicht- Ausnahmen sind Begleitpersonen von Kindern oder in Ausnahmen wenn ich hinten jemanden zum übersetzen brauche- aber das ist sehr selten. Ist der Patient stabil, lasse ich auch schon einmal Angehörige nochmal kurz rein, bevor wir los fahren.
In den Krankenhäusern parke ich Angehörige grundsätzlich erst einmal im Wartebereich. Ausnahmen sind z.B. Eltern von jüngeren Kindern.
Mit einer afghanischen Familie hat das neulich erstaunlich gut geklappt. Bei der Versorgung vor Ort haben die Kinder von der Tür aus zugeschaut- war uns eigentlich nicht soo recht, aber die ließen sich nicht wegschicken. Die Erwachsenen, die mit im Raum waren, waren friedlich und wurden für die Anamnese gebraucht.
Im Krankenhaus- völlig problemlos- wir hatten 2 mitgenommen (war ne Ausnahme) und die ließen sich völlig friedlich im Wartebereich parken. Die NFA ist aber eh ein großer Raum mit 10 Plätzen oder so die nur durch Vorhänge abgetrennt sind ohne Sitzmöglichkeit.
Im Flüchtlingsheim waren meist mehrere Familienmitglieder dabei. Lag aber auch dran, dass gerne mal ne Familie mit mehreren Patienten kam. Die Patienten kamen bei "peinlichen" Problemen aber eh oft alleine.
Teilweise waren die Angehörigen auch der Sorge um den Patienten, Verständnisproblemen und Orientierungsproblemen in unserem Gesundheitssystem geschuldet.
Wer aggressiv oder betrunken ist, fliegt grundsätzlich raus.
Als ich noch selber im Krankenhaus gearbeitet habe kam es drauf an- war z.B. auf dem zweiten Platz noch ein weiterer Patient- dann grundsätzlich keine Angehörigen. Sonst je nach Situation, aber keine Horden.
Wer aggressiv oder betrunken ist, fliegt grundsätzlich raus.
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