Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Studienbeginn um die 30 - hat es jemand bereut?
Danke @ Spark für den sehr reflektierten Text! Das sind wirklich so untergründige Gedanken, die eine Rolle spielen. Ich werde mit 35 mein Studium abschließen (wenn alles gut geht). Zwar strebe ich eh nicht den klassischen Weg mit Familie und Kindern an, aber oft fühle ich mich keiner Altersgruppe wirklich zugehörig.
Das macht mir aber nichts aus.
SineNomine
08.05.2017, 18:21
Klasse Text von Spark, der gehört angepinnt. Möchte behaupten, einen Großteil dieser Gedanken haben sich die meisten von uns früher oder später mal gestellt oder stellen müssen. Die alimentierten und ähnliche mal ausgenommen.
Ich habe diese Threads immer gern verfolgt, da ich selbst 28 bin und gerade das Studium in Berlin begonnen habe. Da ich erst im 1. Semester bin kann ich natürlich keine Langzeit-Rückblicke oder Prognosen stellen, möchte aber dennoch sagen, dass die Altersgruppen extrem durchwachsen sind. Gerade im Sommersemester habe ich das Gefühl, dass die "ältere" Generation überwiegt. Soll heissen: ich bin laaaange nicht die Älteste... wir haben Leute mit 30, 36, 40 Jahren und wenn mich meine Augen nicht trügen auch 50er dabei. Oftmals las ich Berichte von Leuten, die Angst hatten "komisch" angesehen zu werden wenn man schon älter ist oder keinen Anschluss zu finden (hatte ich mich auch ein wenig drum gesorgt), ABER egal welches Alter- es haben sich alle wahnsinnig schnell integriert und die Mischung aus Jung und Alt ist glaube ich für die meisten eher bereichernd. Ich habe ebenfalls noch keinen Prof erwischt- dem das Alter irgendwie übel aufstieß- eher im Gegenteil. Gerade ehemalige Krankenpfleger, die schon viel klinisches Wissen mitbringen, fachsimpeln gern mit den Profs. Wie die Zukunft aussieht, weiss ich natürlich nicht, aber ich bin froh angefangen zu haben und das Studium macht mega viel Spass- egal ob 19 oder 36.
Also legt einfach los und ihr werdet euch schnell unter vielen Gleichgesinnten befinden. Mal schauen wie mein Bericht in 6 Jahren aussieht ;-) Also viel Glück an alle spätberufenen, lasst euch den Mut nicht nehmen und geniesst den Neuanfang!
RockHolly
17.01.2018, 16:56
Auch wenn der Thread schon was älter ist. Aber ihr Lieben, ihr habt mich noch mal mega bestärkt. Wobei ich zum Glück weiß, worauf ich mich einlasse, komm schon aus dem Bereich Medizin, allerdings war es leider die falsche Richtung.
Stand damals schon von der schweren Entscheidung Tier- oder Humanmedizin und naja ich hab die "falsche" Entscheidung getroffen und bin beruhigt, dass einige um die 30 noch mal durchstarten :)
Giraffatitan
18.02.2018, 09:01
Ich bin 31 und stehe jetzt vor der großen Entscheidung, ob ich ein Zweitstudium in Medizin wage. Bis zu meiner Zusage jetzt war das Medizinstudium nur eine abstrakte Vorstellung. Jetzt hätte ich sicher im WS einen Platz an meinem Wunschort.
Mich plagen jetzt aber immense Selbstzweifel, ob ich überhaupt mit dem langen Studium und dann mit dem Arztberuf glücklich werde. Ich komme aus dem molekularbiologischen Bereich (fast-fertige naturwissenschaftliche Promotion, Erfahrung in Routine-Labor) und bin angekotzt von der wirtschaftlichen Unsicherheit und den beruflichen Aussichten in besser-als-nichts-Jobs wie Pharmareferent. Ich mache sehr gerne Qualitätsmanagement etc. im Labor und wäre damit eigentlich für eine Labordisziplin geeignet. Die Selbstzweifel beziehen sich auf das finanzielle (muss alles selbst finanzieren und mich wahrsch verschulden) und den Lernaufwand. Intellektuell halte ich es sehr machbar, aber ich habe Angst mich organisatorisch zu verrennen wegen Perfektionismus oder Ausfschieberitis. Probleme, die ich bereits hatte.
Meine Haupmotivation mich zu bewerben für das Zweitstudium Medizin war meine wirtschaftliche Unsicherheit und ein Gefühl,mein Potential nicht auszunutzen als Biologe mit besser-als-nichts-Job. Ich habe karrieretechnisch nicht viel zu verlieren. Mein bisheriger Werdegang war in dieser Hinsicht ein Griff ins Klo.
Habt ihr einen Rat für die Lebensentscheidung, die ich jetzt treffen muss?
Was hast du zu verlieren?
Nur vom Perfektionismus solltest du dich verabschieden, sonst wird das nix.
Dass du dir nicht sicher bist, ob du mit dem Arztberuf glücklich wirst, ist IMHO ein Problem.
Dass du dir nicht sicher bist, wie du das Studium finanzierst, ebenfalls.
"Geeignet" bist du grundsätzlich für jedes Fach. Nur weil du Laborerfahrung hast, musst du dich nicht automatisch auf diese Schiene festsetzen lassen.
Um das Risiko der Aufschieberitis zu minimieren, würde ich unbedingt enge Kontakte zu motivierten jungen Studenten vom Typ Streber knüpfen. Zu denen, die effizient studieren wollen, maximal 1-2 Semester länger brauchen werden. Die nie auch nur daran denken würden, eine Prüfung zu schieben. Wenn man als älterer Student als Einzelkämpfer studiert, ist die Gefahr, unnötig Zeit zu verlieren, IMHO viel größer.
Plane mal die Finanzierung. Wenn die steht, dann zieh's durch.
Und rein interessehalber: Wie kannst du jetzt schon wissen, dass du im WS einen Platz bekommen wirst? Noch dazu an einer bestimmten Uni?
Giraffatitan
18.02.2018, 09:59
"Dass du dir nicht sicher bist, ob du mit dem Arztberuf glücklich wirst, ist IMHO ein Problem."
Ich habe keine konkrete Vorstellung wie der Arztalltag aussieht außer für die Fachrichtung Humangenetik an der Uni, wo ich es direkt mitbekommen habe. Der Rest sind immer Schilderungen von Ärzten, die auf irgendeine Weise gefärbt sind. Bringt es etwas irgendwo zu hospitieren?
"Um das Risiko der Aufschieberitis zu minimieren, würde ich unbedingt enge Kontakte zu motivierten jungen Studenten vom Typ Streber knüpfen. Zu denen, die effizient studieren wollen, maximal 1-2 Semester länger brauchen werden. Die nie auch nur daran denken würden, eine Prüfung zu schieben. Wenn man als älterer Student als Einzelkämpfer studiert, ist die Gefahr, unnötig Zeit zu verlieren, IMHO viel größer."
Das klingt nach einer guten Idee. Denn Zeitverlust im Studium kann ich mir nicht mehr
"Dass du dir nicht sicher bist, wie du das Studium finanzierst, ebenfalls."
Ich bin mir schon sicher. Mit Studienkredit und Ersparnissen kann ich sechs Jahre überbrücken. Da ist Wohngeld und mögliche Nebenjobs nicht einberechnet. Es ist mir nur etwas unangenehm, Schulden zu machen. Andererseits kann ich die als Arzt auch sicher zurückzahlen.
"Und rein interessehalber: Wie kannst du jetzt schon wissen, dass du im WS einen Platz bekommen wirst? Noch dazu an einer bestimmten Uni? "
Ich darf meine Punkte für das wissenschaftliche Gutachten für die Zweitstudiumquote aufs nächste Semster übertragen. Damit habe ich schon einen sicheren Platz. Die Ortsverteilung erfolgt zusammen mit den Wartezeitlern. Solange es nicht massivste Verschiebungen in deren Ortspräferenzen gibt, habe ich einen sicheren Platz an meiner Wunschuni und muss nicht umziehen.
Feuerblick
18.02.2018, 10:07
Ein Zweitstudium zu beginnen ohne zu wissen, wie der spätere Berufsalltag aussieht, halte ich für ziemlich kurzsichtig. Denn sooooo unglaublich viele Optionen außerhalb der direkten Tätigkeit am Patienten gibt es nun auch nicht. Man sollte also wissen, worauf man sich schlimmstenfalls einlässt, um am Ende nicht mit noch einem Studienabschluss dazustehen, mit dem man nichts anfangen kann, weil man sich nicht vorstellen kann, in irgendeinem Fach als Assistenz- und später Facharzt zu arbeiten. Und man sollte sich genau erkundigen, welche Fächer im Bereich Labor ggf. in Frage kämen und welche Bedingungen (Noten, Famulaturen, PJ, Doktorarbeit etc.) man dafür mitbringen sollte.
Geh hospitieren und schau dir an, was dir blühen könnte. Sonst bist du spätestens im PJ maximal desillusioniert und fragst dich, wofür du sechs Jahre studiert, deinen Lebensstandard runtergefahren und Schulden gemacht hast.
Giraffatitan
18.02.2018, 10:41
Ein Zweitstudium zu beginnen ohne zu wissen, wie der spätere Berufsalltag aussieht, halte ich für ziemlich kurzsichtig. Denn sooooo unglaublich viele Optionen außerhalb der direkten Tätigkeit am Patienten gibt es nun auch nicht. Man sollte also wissen, worauf man sich schlimmstenfalls einlässt, um am Ende nicht mit noch einem Studienabschluss dazustehen, mit dem man nichts anfangen kann, weil man sich nicht vorstellen kann, in irgendeinem Fach als Assistenz- und später Facharzt zu arbeiten. Und man sollte sich genau erkundigen, welche Fächer im Bereich Labor ggf. in Frage kämen und welche Bedingungen (Noten, Famulaturen, PJ, Doktorarbeit etc.) man dafür mitbringen sollte.
Geh hospitieren und schau dir an, was dir blühen könnte. Sonst bist du spätestens im PJ maximal desillusioniert und fragst dich, wofür du sechs Jahre studiert, deinen Lebensstandard runtergefahren und Schulden gemacht hast.
Ich kenne persönlich mehrere Ärzte, die in Kliniken bzw. Praxen arbeiten. Die Frage ist eben wie genau ich deren Schilderungen trauen kann. Du hast absolut Recht. Das ist keine Basis, um ein Studium unter den Umständen zu beginnen. Ich denke eine Hospitation in einem Laborfach und einem kurativen Fach sind die besten Lösung, um die Entscheidung zu treffen.
Zum Finanziellen:Im Klinischen Abschnitt würdest du, wenn du nicht 100%perfektionistisch lernen willst, sicherlich Zeit haben, nebenher zu arbeiten. Gibt es da in deinem jetzigen Job zeitlich flexible Möglichkeiten?
Feuerblick
18.02.2018, 14:56
Den Schilderungen befreundeter Ärzte kann man zwar trauen - aber sowas ist unglaublich subjektiv geprägt. Ich kenne Leute, die finden ihren Job total toll und dennoch wären deren Arbeitsbedingungen für mich persönlich indiskutabel. Ähnliches gilt für Schilderungen auf der anderen Seite des Spektrums... Schau dir an, wie Ärzte arbeiten, was sie tun müssen und unter welchen Bedingungen. Mach ruhig auch mal einen Dienst mit. Dann wirst du merken, ob das etwas für dich ist oder ob du es schon bei einer einwöchigen Hospitation einfach nur gruselig findest. Das ist zwar auch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber immerhin schon mehr als wenn du ohne jegliche persönliche Erfahrung in ein Zweitstudium einsteigst. Denn eins ist sicher: Ja, als Arzt wirst du immer einen Job finden und ausreichend Geld verdienen. Aber das alleine reicht nicht aus.
Giraffatitan
20.02.2018, 17:12
Zum Finanziellen:Im Klinischen Abschnitt würdest du, wenn du nicht 100%perfektionistisch lernen willst, sicherlich Zeit haben, nebenher zu arbeiten. Gibt es da in deinem jetzigen Job zeitlich flexible Möglichkeiten?
Ich bin gerade am Abklären, ob ich in meiner jetzigen Firma als Aushilfe (zeitlich flexibel, auch Wochenende) weiterarbeiten kann. Falls das nicht geht, gibt es für mich mit langer Laborerfahrung Aushilfsjobs in vielen Laboren mit Wochenenddienst. Je nach dem, wieviel Studienleistungen ich anerkannt bekomme, könnte ich auch schon in der Vorklinik Zeit für ein wenig Arbeit haben.
Marcelpro60
15.08.2018, 12:31
Mein Cousin hat das gemacht, während der Wartesemester hat er allerdings eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht und dann gearbeitet und ein bisschen gespart. Das hat ihm sogar einen Vorteil verschafft :D
Brina2103
24.03.2020, 12:50
Sind ja doch einige, die so "spät" noch angefangen haben. Ich bin nun 28, hoffe dass ich nächstes Jahr starten darf. Dieses Jahr klappts leider nicht, da ich im September ein Kind erwarte. Ans Finanzielle habe ich mich die letzten Jahre gewöhnt. Ich würde mit dem 3. Kind sogar mehr Bafög bekommen als derzeit Ausbildungsvergütung im 1. Jahr der Pflegeausbildung. Ich hoffe dass ich das dann mit der zeitlichen Unterstützung meines Mannes alles so hinbekomme wie ich mir das vorstelle...
Viel Glück Brina2103. Ich kenne einige, die trotz Kinder das Studium sehr gut bisher durchziehen.
Jetzt ist die erste Zeit, die mir wirklich Probleme bereitet. Die Uni läuft normal (wenn auch digital), aber die reguläre Kinderbetreuung liegt noch brach. Wenn sich das nicht bald ändert, wird das nichts mit dem Physikum im Sommer.
HawaiiSchnitzel
18.10.2021, 16:23
Wie habt ihr Euren Lebensunterhalt finanziert bzw wie finanziert ihr diesen? Ich bin 37, verdiene aktuell gut und frage mich, wie ich das alles, falls ich 6 Jahre studiere, hinbekommen soll. Es gibt kein Bafög, keinen Partner der einen durchfüttert, die Mieten hier sind teuer, keine Eltern, die einem bei dieser Idee finanziell unterstützen könnten, kein Erbe usw. Von 5300€ Brutto auf nahezu Null fallen. Das ist hart.
Und man muss ja in dem Alter auch die Krankenversicherung bezahlen.
Ich finde da keine vernünftige Lösung für mich. Es nutzt mir auch nichts zu sagen, dann arbeite ich halt nur an 2 von 5 Tagen die Woche, wenn ich noch gar nicht einschätzen kann, ob der Workload des Lernens das überhaupt zulässt.
Hätte ich dick Geld auf dem Konto liegen, hätte ich mich schon letztes Jahr eingeschrieben. Der Wunsch existiert schon länger (2005/2008) und kam zwischenzeitlich immer wieder hoch. Aber in den letzten 2 Jahren so enorm, dass es mich schon fast unglücklich und traurig macht.
Im TMS müsste ich übrigens eine Punktlandung hinlegen. Die Wartesemester werden ja 2022 vollständig ignoriert. Aber selbst dann weiß ich nicht mal, ob ich einen Platz bekäme (Abi 2.7). Falls es klappen würde, dann ja auch recht ad hoc. Zwischen Zulassung und Beginn des Studiums gibts kaum Zeit sich darum zu kümmern, sein Lebensstandard auf nahezu Null runter zu fahren, sich um den Job zu kümmern bzw wie es da weitergehen würde usw. Diese vielen unbekannten Variablen plus das Finanzielle machen mich nervös
Klar man kann immer sagen, man soll das machen was man will, seine Träume erfüllen, aber irgendwie - so sehe ich das - sollte diese Idee auch irgendeinen Unterbau haben, der zumindest halbwegs durchdacht und minimal abgesichert ist, bevor man sich in den Ruin manövriert, der vllt absehbar war.
][truba][
18.10.2021, 16:26
(Studien)Kredit und jetzt noch möglichst viel sparen.
Und irgendwie nebenbei Arbeiten. Wenn es muss, geht es halt auch irgendwie.
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