Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Feiertagsdienstethread



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 [14] 15 16 17 18 19 20 21 22

Thomas24
20.12.2020, 17:49
Am 31.12 war es bis 00:00 ruhig, und 15 min später ging's - jedes Jahr- ab mit den Schlägereien, Sektkorken und natürlich Peforationen... Man konnte von der Terrasse schön zusehen, wie mehrere Rettungswagen mit Blaulicht in unsere Richtung kamen.

agouti_lilac
20.12.2020, 18:12
... ich weiß noch, wie unser OA meinte, unsere Kollegin würde ihn verarschen, weil sie am 1.1. gegen 3 Uhr die dritte zu versorgend perforierende Bulbusverletzung durch Feuerwerk meldete. Noch während sie das erklärte, kotzte besagter Patient dann im Schwall ins Untersuchungszimmer.
Ich weiß schon, warum ich immer in der Weihnachtsgruppe war :-))

Das erinnert mich an meinen ersten Heiligabend-Dienst als Ärztin, als ich Narkose bei einer Bulbusverletzung machen durfte. Mutter und Tochter haben sich gefetzt, Tochter warf einen Bilderrahmen in Richtung der Mutter, der, nachdem er am Tisch abprallte, bei der Mutter im Auge landete.
An diesem Tag habe ich gelernt, dass mein OA bei Augen-Patienten bittedanke die Flexüle links haben will. Hat was mit der Stellung des Beatmungsgerätes im Augensaal zu tun, wie ich aus dem Tobsuchtsanfall heraushören konnte. Der hat nen Knall, solltet ihr das noch nicht bemerkt haben. :-D

Ich arbeite dieses Jahr am 24./25.12. Tagdienst auf der ITS.

jijichu
20.12.2020, 18:20
Ich fand sowohl den 24 Stunden Dienst an Heilig Abend als auch am 31.12 immer sehr entspannt - da wollte nie jemand in die Psychiatrie :-)) ich hab diese Dienste an 5 aufeinander folgenden Jahren gemacht (beides) und das waren die angenehmsten Dienste überhaupt.

Muriel
20.12.2020, 18:22
Die Weihnachtsdienste, die ich machte, waren echt ätzend teilweise. 2007 werde ich nie vergessen: Ich hatte den Tagdienst an Heiligabend 8h-20h. Mein Kollege im Jahr davor hatte genau zwei Patienten den ganzen Tag in der Ambulanz und ich war dementsprechend auf easypeasy eingestellt. Es kam ganz anders. Bis mittags waren es schon deutlich über zwanzig, mehr als Internisten, Chirurgen und Neurologen zusammen. Die Ambulanzcrew hat per se alle Mitarbeiter der Augenklinik immer gehasst (warum, weiß man nicht so genau...), das war aber tatsächlich mal ein Tag, an dem ich Mitleid bekam. Dazu dann noch zwei OPs eingesammelt, Patienten auf Station, die abschmierten, es war zum Kotzen. Dazu wusste ich, dass ich abends in eine dunkle Wohnung alleine heimkomme, keiner da. Habe irgendwann heulend da gesessen, weil es nur ätzend war.
Als ich dann um neun zu Hause war, kam allerdings ein so toller Anruf und eine Stunde später spontan so grandioser Besuch, dass ich mich wirklich unheimlich gefreut habe. Mit dem Besuch konnte dann um Mitternacht noch auf den Geburtstag angestoßen werden. Jetzt dürft Ihr raten, wer kam ;-)

agouti_lilac
20.12.2020, 18:24
Ich fand sowohl den 24 Stunden Dienst an Heilig Abend als auch am 31.12 immer sehr entspannt - da wollte nie jemand in die Psychiatrie ...

Echt nicht?! Gerade an Heiligabend "hört man" doch öfter von Suizid(versuchen), weil die Einsamkeit dann voll zuschlägt. Interessant, dass du da andere Erfahrungen gemacht hast.

1. Januar habe ich auch eher ungern gearbeitet, weil die Wirkung des Alkohols gegen Mittag nachgelassen hat und die Plastiker dann durcharbeiten mussten, wenn den Besoffskis die Handverletzungen dann weh taten. :-D

jijichu
20.12.2020, 18:30
Echt nicht?! Gerade an Heiligabend "hört man" doch öfter von Suizid(versuchen), weil die Einsamkeit dann voll zuschlägt. Interessant, dass du da andere Erfahrungen gemacht hast.

1. Januar habe ich auch eher ungern gearbeitet, weil die Wirkung des Alkohols gegen Mittag nachgelassen hat und die Plastiker dann durcharbeiten mussten, wenn den Besoffskis die Handverletzungen dann weh taten. :-D

Meiner Erfahrung nach waren die meisten erst nach Heilig Abend suizidal, die meisten haben versucht, sich die Feiertage über zusammenzuraufen... 25-29 war dann meistens wieder super viel los (Enttäuschungen, Streit usw) und zum 31.12 oftmals Hoffnung, dass sich um Mitternacht alles zum Guten wendet :-nix . Wie Du sagst, am 01.01. gegen Mittag saufen sie nicht mehr, da war ich dann aber auch schon 2-3 Stunden außer Dienst :-))

Das sind aber nur meine Erfahrungen, ich bin mir sicher, andere Psychiater haben andere Erfahrungen.
(Ich hatte z.B. mal an einem Faschingssamstag, der auch noch Valentinstag war 24 Stunden Dienst. Ich hab schon das schlimmste befürchtet, wurde aber nur 2 Mal von der Pflege angefunkt die wissen wollten, ob ich Essen mitbestellen wollte. Das dritte Mal war ich selbst, weil ich dachte, der Funker ist kaputt :-oopss )

Colourful
20.12.2020, 19:39
Nee, ich hatte auch schon öfter ein ruhiges Silvester auf der Arbeit. Doof fand ich Stadtfeste, da kamen mir immer zu viele Betrunkene mit der Polizei, die irgendwie sehr auffällig geworden waren.

Reflex
20.12.2020, 20:25
Silvester war bei uns in der Psychiatrie auch immer eher ruhig. Ich hab mich dann durch die Stationen gefuttert, weil überall die Pflege Raclette gemacht hat und mir ein Pfännchen freigehalten hat. Da wundert sich, dass ich da freiwillig Dienst Silvester gemacht habe. Die Dienste drum herum waren meistens stressiger... nervig waren eher irgendwelche Langzeitpatienten, die um 23.58 ausgeloggt und um 0.01h wieder eingeloggt werden mussten...

Feuerblick
20.12.2020, 20:33
@Muri: Heiligabend in 2005... Morgens um zehn einen Patienten mit Herpes-Keratitis gesehen... danach NICHTS mehr. Null! Und auf Station nur Schwestern, die sonst Nachtdienste gemacht haben oder irgendwo Springer waren. Ich hab mich selten so gelangweilt. Das Fernsehprogramm taugte auch nix. :-nix

jijichu
20.12.2020, 20:39
nervig waren eher irgendwelche Langzeitpatienten, die um 23.58 ausgeloggt und um 0.01h wieder eingeloggt werden mussten...

Das mussten wir zum Glück nie machen, mein altes Haus hatte eine wirkliche Codier-Fee nur für die Psych, die hat sich um alles gekümmert.

h3nni
20.12.2020, 21:11
Wieso muss man das denn überhaupt machen? Nur in der Psych?

freak1
20.12.2020, 21:16
Da wundert sich, dass ich da freiwillig Dienst Silvester gemacht habe. Die Dienste drum herum waren meistens stressiger...

Hängt denke ich stark vom Fach ab. Unfall- und Handchirurgen haben an Silvester jedenfalls selten Spaß. Wir Radiologen hängen da entsprechend zumindest zum Teil mit drin. Die besoffenen Verkehrs-Polytraumen, Böllerverletzungen etc sehen wir ja meistens auch im CT.

GelbeKlamotten
20.12.2020, 21:31
Hängt denke ich stark vom Fach ab. Unfall- und Handchirurgen haben an Silvester jedenfalls selten Spaß. Wir Radiologen hängen da entsprechend zumindest zum Teil mit drin. Die besoffenen Verkehrs-Polytraumen, Böllerverletzungen etc sehen wir ja meistens auch im CT.

Schlaganfälle, Hohlorganperforationen, Treppenstürze, Beinvenenthrombosen, Lungenembolien, Sigmadivertikulitiden, Anastomoseninsuffizienzen usw usw gibts ebenfalls an Weihnachten und Silvester. Ich wüsste nicht, warum in der Radiologie nicht der größte Teil des „Routine-Dienstprogrammes“ auch an Silvester weiterlaufen sollte.

Ein Dienst, an dem man nur morgens mal ein zwei Patienten hat, dürfte in der Radiologie selbst in einer kleinen Provinzklinik kaum vorkommen, auch wenn sich das einige Kollegen aus anderen Fachrichtungen immer so vorstellen.

WackenDoc
20.12.2020, 21:36
Aufm NEF war´s bisher immer unterschiedlich.
Erfolgreiche Rea bei STEMI an Heiligabend war ein Highlight.
Da sagte meine RA noch dass sie bisher in jeder Heiligabendschicht ne Rea hatte. War kurz vor ihrem Schichtende und Patientin hat beim Umlagern geflimmert.

freak1
20.12.2020, 21:46
@GK
Klar läuft die Routine weiter. Ich meinte auch eher die Extraportion durch Silvester obendrauf. :-winky

Reflex
21.12.2020, 07:01
Wieso muss man das denn überhaupt machen? Nur in der Psych?

Neue Dokumentationsmöglichkeiten und Veränderungen des KiS (teilweise durch Novellierungen von Landesgesetzen) und damit war dann die Anlage einer neuen Akte notwendig, um die Neuerungen nutzen zu können. Ich hatte da mal eine Patientin die über 2 Jahre dauerhaft im Haus stationär war.

jijichu
21.12.2020, 08:28
Ich hatte da mal eine Patientin die über 2 Jahre dauerhaft im Haus stationär war.

Bei uns waren es fast 8 Jahre stationär. Durchgehend :-keks Wer auch immer den Brief geerbt hat, hat wirklich gelitten :-oopss

Colourful
21.12.2020, 08:33
Solche Briefe hatte ich auch mehrere und ich fand es schon ätzend, da Briefe zu machen für Leute, die nur 9 Monate da waren und in meiner Behandlung waren.

davo
21.12.2020, 10:44
Warum sind die so lange stationär?

In Österreich ist das schon seit mehreren Jahren auch in der Psychiatrie äußerst unüblich geworden. Bei uns sind eigentlich nur die lange stationär, bei denen man wartet, bis sie einen Pflegeheimplatz, einen Platz in einem betreuten Wohnen, in einem Wohnheim für psychisch Kranke, o.ä. bekommen. Und das dauert in den letzten Jahren offenbar (mit extrem wenigen einzelnen Ausnahmen) meist maximal 1,5 Monate, hin und wieder maximal drei Monate.

Weil langer Aufenthalt bedeutet ja nicht automatisch langer Brief. Wenn bei jemandem die Symptomatik immer wieder gleich ist, oder man einfach nur auf den Platz wartet, wird der Arztbrief dadurch ja nicht länger.

Reflex
21.12.2020, 11:37
Warum sind die so lange stationär?

Das waren eher Einzelfälle. Aber jemand dessen dysfunktionale Beziehungsgestaltung beinhaltet Batterien oder Scherben zu schlucken, landet bei nicht ausreichend vorhandenen Psychotherapeutischen Strukturen auf der geschlossenen Station schnell in der Hospitalisierungsfalle...und den schickt auch keiner mal eben nach Hause... wobei aber da auch noch viele System immanente Probleme der Klinik mit auch eine Rolle gespielt haben. Das würde aber hier zu weit gehen...